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HAMBURG BLUES BAND - Übach-Palenberg

15.02.2010 | 12:08

06.02.2010, Tatort

Eine kompetente Band und ihre Gäste führen durch mehr als vierzig Jahre Blues und Bluesrock.

Ein wichtiger Katalysator auf dem Weg zur Entstehung der modernen Rockmusik war die britische Bluesbewegung der späten 1960er. Die große Zeitenwende trat ein, als sich innerhalb kurzer Zeit die YARDBIRDS, die ANIMALS, CREAM oder COLOSSEUM auflösten und zugleich Bands wie BLACK SABBATH, DEEP PURPLE, YES, GENESIS und GRAND FUNK RAILROAD ihren Siegeszug antraten. In der Tradition dieser Übergangsphase zwischen reifem Bluesrock und erwachendem Hardrock steht die HAMBURG BLUES BAND. Diese vor über 25 Jahren gegründete Gruppe erreichte vermutlich aufgrund ihrer musikalischen Ausrichtung nie das breite Publikum, aber sie hat eine treue Anhängerschaft älterer wie jüngerer Fans gewonnen, die sich ihre regelmäßigen Konzerte nicht entgehen lässt. Auf der aktuellen Tour hat die HAMBURG BLUES BAND wieder die beiden COLOSSEUM-Mitglieder David "Clem" Clempson und Chris Farlowe als hochkarätige Verstärkung dabei. Bei ihrem Auftritt am 06.02.2010 im "Tatort" in Übach-Palenberg sorgte die Band zunächst mit einer über halbstündigen Verspätung für etwas Unmut, der aber schnell verflogen war, als diese Könner mit ihrem lebendigen, dichten und harten Vortrag auftrumpften.

Das aktuelle Programm gliedert sich in zwei Sets. Zunächst spielt man zusammen mit Clempson überwiegend eigenes Material. Der Auftritt legt mit den strammen Rocknummern 'Rockin' Chair' und 'Make My Day' los und kommt sogleich gut beim Publikum an. Wenn Frontmann Gerd Lange mit seiner relativ dunklen Sprechstimme im Hamburger Tonfall seine witzigen Ansagen macht, sollte man nicht seine durchdringende, bärbeißige Bluesstimme beim Singen erwarten. Rechts von ihm steht der begnadete Gitarrist Clem Clempson. Meist ist er konzentriert und mit ernster Miene über sein Instrument gebeugt, doch der stille Schein trügt. Er lässt seine Gitarre in bester Hardrockmanier bei seinen Riffs und meisterhaften Soli und unter dem Bottleneck jaulen und schreien. Kein Wunder, dass der Mann ein begehrter Gast bei etlichen Plattenaufnahmen ist, und auch heute Abend ist ihm die Bewunderung der Zuschauer gewiss. Zweimal übernimmt er auch den Gesang.

Wenn Adrian Askew am linken Bühnenrand still hinter seinem Keyboard sitzt, erinnert er mit schwarzem Hut und weißem Vollbart fast an Vadder Abraham. Aber wenn er dann aufspringt, heftig in die Tasten greift und ein kraftvolles Solo spielt, gibt er mächtig Feuer. Wer die alten Platten von ATLANTIS kennt, wird den typischen Orgelsound wiedererkennen. Drummer Hans Wallbaum und Bassist Michael "Bexi" Becker geben dem Ganzen durch ihre druckvolle Rhythmusarbeit und mit Hintergrundgesang die fette Würze.

Ein Höhepunkt des ersten Teils ist 'Bad To The Bone', das dem 2004 verstorbenen Dick Heckstall-Smith gewidmet ist, einem weiteren Bindeglied zwischen der HAMBURG BLUES BAND und COLOSSEUM. In einem schweißtreibenden Duell kreuzen Gerd Lange und Clem Clempson die Klingen.

Nach einer Pause von über einer halben Stunde (eine wirklich gemütliche Band) kehrt die HAMBURG BLUES BAND zum zweiten Set auf die Bühne zurück, bei dem sie nun durch Chris Farlowe verstärkt wird. Wer Chris Farlowe noch nicht kennt, dürfte eine faustdicke Überraschung erleben. Da betritt ein älterer, korpulenter, etwas hüftsteifer Herr mit dicker Brille die Bühne, aber sobald er sich das Mikro schnappt, hat er gewonnen. Er ist ein heute fast nicht mehr vorhandener Sängertyp, der mit seiner starken, variablen Stimme alles von Rock bis Soul, von Blues bis Jazz abdeckt und spielend variieren oder lautmalerisch singen kann. Außerdem ist er ein witziger Frontmann, der mal eben augenzwinkernd die Texte abändert und die Zuschauer mit seinen halb deutschen, halb englischen Ansagen zum Lachen bringt. Da nimmt es ihm das Übacher Publikum auch nicht übel, dass er es ständig mit "Aachen" anspricht.

Mit Farlowe, dessen Stimme man also als sechstes Instrument zählen kann, schaltet die Band nun härtetechnisch einen Gang zurück. Nichtsdestotrotz kommt das breitere Programm sehr gut an, das sich aus dem Backkatalog der HAMBURG BLUES BAND, Material aus Chris Farlowes aktuellem Studioalbum "Hotel Eingang" und einigen gecoverten Standards zusammensetzt. Vor allem die älteren Semester im Publikum singen beim abschließenden SMALL FACES-Cover 'All Or Nothing' lauthals mit. Nach der Zugabe 'Out Of Time', einer Nummer der ROLLING STONES, mit der Farlowe vor einer halben Ewigkeit einen Nummer-eins-Hit hatte, ist endgültig Schluss.

Die Tatsache, dass das Programm im zweiten Teil ruhiger wurde, sowie die lange Verspätung und Pause mögen bewirkt haben, dass die ganz große stürmische Begeisterung nicht um sich griff. Hochzufrieden waren die Zuschauer dennoch, die über zweieinhalb Stunden netto eine kompakte Band, brillante Musiker, wunderbare Lieder und eine kleine Geschichtsstunde in Musik erlebt hatten.

Redakteur:
Stefan Kayser
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