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HAMMERFALL, GLORYHAMMER, LANCER - Bremen

15.01.2017 | 21:32

12.01.2017, Aladin

"Built To Tour" - das Motto passt!

Vor beinahe auf den Tag genau zwei Jahren riss HAMMERFALL das Bremer Aladin während der "World Wide (r)Evolution Tour" bis auf die Grundmauern nieder. Wohl von der damals prächtig gefüllten Halle überrascht, durfte das Bremer Publikum nun das erste Konzert der Europatour genießen. Zum Glück steht das Aladin inzwischen wieder...

Doch natürlich haben die Schweden nicht nur sich selbst dabei, sondern erneut zwei Vorbands. Während die junge Truppe LANCER der persönlichen Einladung Oscar Dronjaks folgte, sind die Schotten von GLORYHAMMER vermutlich auch wegen des recht großen Erfolgs hierzulande mit an Bord der Tourbusse.

Beim Betreten der Halle mache ich allerdings erst einmal einen ziemlich verdutzten Gesichtsausdruck. Schon eine halbe Stunde bevor LANCER die Bretter betritt, sind alle Reihen unten und oben auf den Rängen bestens gefüllt. Ein Vordringen in den vorderen Bereich ist gar nicht mehr möglich, was durchaus überrascht - LANCER ist trotz des Deals bei Nuclear Blast doch noch ein sehr unbeschriebenes Blatt. Das punktgenau am Tag nach dem Konzert erscheinende dritte Album "Mastery" dürfte im Publikum höchstens auszugsweise bekannt sein und für die vorherigen Alben dürfte gleiches gelten. Doch die Band aus Arvika kommt direkt bestens an! Die junge Gruppe macht aber auch einen sehr sympathischen Eindruck. Verdammt gut eingespielt wird der Set mit einem breiten Lächeln auf jedem einzelnen Gesicht herunter gezockt, bei Stücken wie 'Iscariot' oder 'Dead Raising Towers' kann LANCER aber eigentlich auch nichts falsch machen. Bei den englischen Ansagen hakt es des Öfteren noch etwas, aber die Zunge des sehr agilen und live mehr als auf Konserve an Midnight (R.I.P.!) erinnernden Frontmanns Isak Stenvall wird sich im Laufe der kommenden Wochen schon noch lösen. Man muss auch im Auge behalten, dass das heutige Konzert der Auftakt für die bisher vermutlich größte Tour der Jungs ist. Dass trotz dieses Drucks selbst das Ausfallen der zweiten Gitarre schon im zweiten Song die Stimmung bestens bleibt und eben mit einer Gitarre weiter gespielt wird, beeindruckt! Und so gibt es für LANCER heute auch nicht einfach nur Höflichkeitsapplaus. Nein, das sonst so schwer in die Gänge kommende norddeutsche Publikum singt fleißig mit, reckt Fäuste und Hörner in die Höhe und notiert sich die Schweden ganz dick im Gedächtnis. Ein toller Auftakt!

Da will das schottische Gespann GLORYHAMMER natürlich noch einen draufsetzen. Und ja, dieses Vorhaben gelingt. Die Bremer Zuschauer fressen den Verkleideten auf der Bühne quasi aus der Hand. Beide Alben scheint jeder der hier Versammelten auswendig gelernt zu haben und schon bevor der Hammer die Stage betritt, wird lautstark nach ihm verlangt. Für mich ist dieser Auftritt allerdings ein zweischneidiges Pferd. Das Debüt "Tales From The Kingdom Of Fife" hat mich 2013 wirklich aus den Latschen gehauen. Doch als ich nach höchstens fünf Durchgängen meine Fußbekleidung wieder gefunden hatte, verblasste der Glanz der Kompositionen recht schnell. Der Auftritt auf dem Metalfest in Pilsen im letzten Jahr erinnerte mich außerdem eher an Karneval oder - noch schlimmer - Blödsinn wie FEUERSCHWANZ, denn an Heavy Metal. Kostüme sind ja schön und gut, aber fürs Laientheater gibt es dann doch andere Bühnen. Was mich aber noch mehr an dem heutigen Auftritt stört, ist, dass ich nicht weiß, wer hinter dem Keyboard steht. Die große Attraktion GLORYHAMMERs ist ALESTORM-Mastermind Christopher Bowes und dieser bastelt gerade in den USA an einem neuen Piratenalbum (der Arbeitstitel "No Grave But The Sea" verspricht Großes). Wer also steht dort mit tief ins Gesicht heruntergezogener Kapuze auf der Bühne? Ich bin erschüttert, dass weder im Vorfeld der Tour noch am heutigen Abend zur Sprache kommt, wer hier den Zargothrax mimt! Dazu passt auch, dass alle außer eben Jenem von Frontmann Thomas Winkler im Laufe des Auftritts vorgestellt werden. Während ich versuche, diesen bitteren Beigeschmack mit ausreichend Bier hinunterzuspülen, feiert die gesamte Halle die simplen Kompositionen der Schotten. Dass nicht einmal das eher an Eurodance erinnernde 'Universe On Fire' für wenigstens ein paar hochgezogene Augenbrauen sorgt und ich einige Stimmen in den Reihen vernehme, die zugeben, eigentlich nur wegen GLORYHAMMER vor Ort zu sein, spricht ja eigentlich für die Band. Doch ich bin hier heute der Spielverderber und sage: so nicht!

Setliste: Rise Of The Chaos Wizards, Legend Of The Astral Hammers, Hail To Crail, Questlords Of Inverness, Ride To The Galactic Fortress!, The Hollywood Hootsman, Angus McFife, Universe On Fire, The Unicorn Invasion Of Dundee

Umso mehr freue ich mich nun auf den Auftritt der Schweden HAMMERFALL, die mit "Built To Last" im letzten Jahr ein Album vorgelegt haben, das zwar nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen konnte, die "(r)Evolution" erzeugt hatte, mir aber dennoch viel Spaß bereitet. Zumal im Vorfeld angekündigt wurde, auch ein paar Songs spielen zu wollen, die in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen sind. Nachdem die beiden Vorbands ihrer Funktion als Anheizer bestens nachgekommen sind, ist die Stimmung im Aladin blendend. Passenderweise sind auch die Herren HAMMERFALL sehr gut aufgelegt. Die beiden Gitarristen Oskar Dronjak und Pontus Norgren grinsen wie immer um die Wette, Bassist Fredrik Larsson kommt zwar immer etwas schüchtern rüber, steht den beiden Sechssaitern allerdings in nichts nach und Sangeswunder Joacim Cans sieht heute so gut und fit aus wie seit Jahren nicht. Die Frischzellenkur, die HAMMERFALL nach dem gnadenlosen Langweiler "Infected" (das Album wird heute konsequent ausgelassen) verpasst wurde, hat offenbar abgefärbt. An den neuen Mann hinter dem Drumkit muss man sich indes noch gewöhnen. Johan Koleberg stieß erst nach der Aufnahme von "Built To Last" als Ersatz für David Wallin dazu, macht aber heute einen sehr guten Eindruck.

In den Set wird mit dem Kracher 'Hector's Hymn' gestartet und schon ist das Aladin restlos überzeugt. Vor allem weil im Anschluss direkt 'Riders Of The Storm' angestimmt wird. Dies ist einer der Songs, der schon seit einigen Jahren nun nicht mehr live dargeboten wurde. Keine Frage, dass die Begeisterung groß ist. Während auch die neuen Songs wirklich gut ankommen (unter anderem wird heute 'Bring It!', 'Dethrone And Defy' und das unumgängliche 'Hammer High' gespielt), sind es natürlich die älteren Stücke, die die Halle zum Beben bringen. Ich bin heute nicht der Einzige, der bei dem ewig nicht gespielten 'Crimson Thunder' eine meterdicke Gänsehaut bemerkt, der bei dem ebenfalls ewig nicht gespielten 'The Fire Burns Forever' himmelhochjauchzend mitgrölt und der bei dem wirklich ewig nicht gespielten 'Punish And Enslave' in voller Lautstärke "Oh-Oh-Oh" in die Menge singt. Es zeigt sich heute, dass HAMMERFALL quasi wahllos im Backkatalog wühlen kann, der ist lückenlos gefüllt mit Klassikern und viel zu lange nicht gespielten Stücken. Konsequent, dass Pontus heute kein normales Gitarrensolo spielt, sondern verschiedene Stücke anspielt, die nicht berücksichtigt werden konnten ('Stone Cold', 'Steel Meets Steel', 'Unchained', 'HammerFall', 'The Metal Age'). Gut, 'Hearts On Fire' im Zugabenbereich läuft mir inzwischen aus den Ohren raus, aber ansonsten darf über die Songwauswahl an diesem Abend nicht gemeckert werden (auch wenn ich mir meinen Liebling 'Dreamland' noch sehr gewünscht habe). HAMMERFALL hat heute alles richtig gemacht und Bremen freut sich schon auf die nächste Tour!

Setliste: Hector's Hymn, Riders Of The Storm, Bring It!, Blood Bound, Any Means Necessary, Renegade, Dethrone And Defy, Crimson Thunder, Last Man Standing, Let The Hammer Fall, Built To Last, Medley, The Dragon Lies Bleeding, Glory To The Brave, Origins, The Fire Burns Forever, Punish And Enslave, Zugabe: Hammer High, Bushido, Hearts On Fire

Redakteur:
Marius Luehring

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