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HELDMASCHINE und MAERZFELD - Frankfurt

10.10.2017 | 20:57

05.10.2017, Das BETT

Klassentreffen in NDH.

Seit Ende des September rollt Deutschland wieder das R: Die HELDMASCHINE setzt zur zweiten Runde der "Himmelskörper"-Tour an und macht gemeinsam mit den NDH-Kollegen von MAERZFELD die Clubs der Republik unsicher. Am Donnerstag, den 5. Oktober, ist das BETT in Frankfurt das Ziel. Der Name ist an diesem Abend keineswegs Programm. Obwohl vermutlich einige der gekommenen Gäste am nächsten Tag früh aufstehen müssen, ist der Konzertraum schon kurz nach Einlass gut gefüllt. Das Publikum umfasst eine beachtlich Altersspanne - vom Senior über den Mittvierziger bis hin zum Teenie im HELDMASCHINE-Girlie sind sie alle vertreten. In der ersten Reihe mache ich sogar mehrere Kinder im Vorschulkinder-Alter aus. Vorbildlich von ihren Eltern mit großen Ohrschützern ausstaffiert, schauen sie erwartungsvoll auf die Bühne. Diese betreten um 20.30 Uhr die Musiker von MAERZFELD.

Dass die Jungs um Heli Reißenweber diesen Gig (genauso wie die darauffolgenden Shows) durchziehen, ist der Band nach dem plötzlichen Tod des STAHLZEIT-Keyboarders Thilo Weber - der RAMMSTEIN-Coverband mit starken Parallelen zum MAERZFELD-Line-Up - hoch anzurechnen. Wie in einem Statement auf Facebook angekündigt, sollen die Shows jedoch eine Trauerfeier FÜR Thilo werden und nicht OHNE ihn. Dieses Versprechen setzt MAERZFELD in Frankfurt ohne jegliche Abstriche in die Tat um. Bei Songs wie 'Schnitter' strotzt die Band vor Energie, Nummern wie 'Stalingrad' entfalten live eine Wucht, bei der die Studioversion nur schwerlich hinterherkommt. Das Publikum feiert, MAERZFELD überzeugt auf ganzer Linie. Besonders erfreulich für die Fans vor Ort ist dabei, das Privileg, schon an diesem Abend am Merchandise-Stand in den Besitz des neuen Albums "Ungleich" zu kommen. Dieses erscheint eigentlich nämlich erst am 13. Oktober. Mit den Titeln 'Meine Lügen kannst du glauben' und dem Song 'Ungleich' macht MAERZFELD den Fans allerdings schon live den Mund wässrig - kein Wunder, dass am späten Abend verdächtig viele Konzertbesucher das BETT mit einer weißen Platte in der Hand verlassen.

Zu den Klängen ihres "Himmelskörper", gleichwohl der Titel des aktuellen Albums wie auch des Openers, betreten die Koblenzer nach und nach die Bühne. Obgleich René seinen Vorgänger auf der Bühne erst einmal der Petzerei bezichtigt (so ließ Heli verlauten, dass der gestrige Abend äußerst lange und die Nacht ebenso kurz gewesen sei), zeigt sich HELDMASCHINE aufgeweckt und spielfreudig. "Würde ich mal so aussehen, wenn ich vorher einen gehoben habe..." Aber anderes Thema: Jedenfalls täuschen die Jungs auf der Bühne keine Müdigkeit vor und setzen zunächst mit einigen neueren Nummern ein solides Fundament für den Abend. Ob 'Spieglein Spieglein', 'Gegenwind' oder 'Alles Eins' - auf den ersten Rundumschlag "Himmelskörper" folgt mit 'Collateral' ein Titel, den sie im BETT alle skandieren können.

Kollektives Ausrasten zu 'Schwerelos' oder Dr. Renés Visite zum 'Doktor' - an Showelementen hat es bei der HELDMASCHINE noch nie gemangelt, doch an diesem Abend übertreffen die NDH-Musiker sich auch in punkto Bühnenpräsenz einfach noch einmal selbst. Besonders ausdrucksstark kommt so 'Die Braut, das Meer' daher - ganz in Blau gehüllt und mit einem epischen Solo von Tobi an der Gitarre. Damit steht er repräsentativ für die Leistung aller in der Band, die an diesem Abend echt ihren Höhepunkt auf der Tour erreicht zu haben scheinen. Ob das nun die schier unendliche Ausdauer von René ist, Dejans Lässigkeit an der Gitarre; Marco, der nicht nur am Bass, sondern auch als Screamer bei 'Spieglein, Spieglein' glänzt, oder Dirk, der das Spiel am Schlagzeug selbst im Stehen wie ein Ding der Leichtigkeit aussehen lässt (Chapeau!) - der "Himmelskörper" überrollt sie am Donnerstag alle in Frankfurt.

Und die HELDMASCHINE spielt und spielt und spielt. Ohne auch nur den Anschein von Müdigkeit zu erwecken, wird auf der Bühne ein Brecher nach dem anderen hingelegt, gehüpft und getanzt. So bin ich beinahe erstaunt, als ich einen Blick auf die Uhr werfe: Auch nach einer Spielzeit von über zweieinhalb Stunden zeigt René noch genügend Ausdauer, um sich bei 'Weiter' crowdsurfend zur Bar und zurück bringen zu lassen. Doch auch das Publikum lässt sich nicht lumpen - das BETT in Frankfurt kocht bis zur Zugabe 'R'. Ein ums andere Mal schlägt der "Himmelskörper" eben ein.

Setliste: Himmelskörper, Alles eins, Gegenwind, Spieglein Spieglein, Kein Zurück, Collateral, Schwerelos, Die Maschine spricht, Doktor, Ich komme, Sexschuss, Die Braut das Meer, Maskenschlacht, Wer einmal lügt, Propaganda, Radioaktiv, Nachts am Kanal, Kreuzzug, Das Mass ist voll, Auf allen Vieren, Gammelfleisch, Weiter, R

Redakteur:
Leoni Dowidat

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