top banner 61
side banner 62

HELLOWEEN - Bochum

02.12.2017 | 16:34

24.11.2017, Ruhrcongress

Pumpkins United - ein Auftritt für die Ewigkeit!

Es wäre müßig zu erwähnen, welche immens wichtige Bedeutung die Nachricht des vergangenen Jahres für uns hatte, dass HELLOWEEN und Kiske und Hansen noch einmal gemeinsame Sachen machen und sich für eine Welttournee zusammenfinden würden. Die feuchtesten Träume wurden war ob der unfassbar tollen News. Nur bei Jonathan Frakes lagen Traum und Wirklichkeit noch dichter beieinander als bei diesem nostalgischen Zusammenspiel. Ich muss – glaube ich – auch nur nebenbei erwähnen, dass ich mich auf ein musikalisches Ereignis noch nie so gefreut habe wie auf dieses. Pumpkins United, und ich bin in Bochum dabei!

Natürlich ist der Ruhrcongress im Ruhrpott rappelvoll und schnell steht auch fest, dass sich der heutige Abend nur auf das Wesentliche beschränkt: HELLOWEEN! Keine Vorband, eine große Halle und Fans ob jung oder alt – alle kommen sie an diesem Freitagabend zusammen, um diesem schwermetallischen Großereignis beizuwohnen. Happy, happy Halloween, so schallt es aus einzelnen Mündern und ein Knistern liegt in der Luft, als ich die heiligen Hallen in Bochum betrete. Hier und dort versammeln sich Grüppchen, schwelgen in schönsten Erinnerungen, ob diese nun direkt mit HELLOWEEN oder indirekt mit unserer geliebten Musik im Allgemeinen zu tun haben, trinken ein paar Bierchen und gucken gespannt auf die Uhr.

Um 20 Uhr soll es anfangen. Ein großes "Pumpkin United"-Plakat, das die Bühne noch bedeckt, macht unmissverständlich deutlich, um was es hier geht. Kinder, Michael Kiske und Kai Hansen sind zumindest für den heutigen Abend wieder vereint. Der Hüter der sieben Schlüssel tanzt im Dreieck, die pinken Seifenblasen platzen reihenweise, die Mauern von Jericho werden noch einmal aufgebaut, nur um dann von den großartigen Melodien dieser besonderen Band noch einmal eingerissen zu werden.

Ich fühle mich wieder wie 14. Meine erste HELLOWEEN-Scheibe war "The Time Of The Oath" und was anfangs mit 'We Burn' erklang, brachte mich musikalisch in eine andere Sphäre – ich war vom Kürbis infiziert. Noch am selben Abend orderte ich mir die Keeper-Teile und spätestens dann war es komplett um mich geschehen. HELLOWEEN hier, HELLOWEEN da, ich war verrückt nach dieser Band, nach diesem kräftigen Gesang von Michael Kiske, nach diesen ungeschliffenen Rohdiamanten auf "Walls Of Jericho", nach dieser hochinteressanten Deris-Phase. Diese Band nimmt auf Lebenszeit eine Sonderstellung in meinem Herzen ein. Heute Abend geht in diesem Zusammenhang mein größter Traum in Erfüllung. Und selbst die GAMMA RAY-Musiker sowie EDGUY-Felix hat es heute Abend nach Bochum gezogen, um Zeuge der Dinge, die da kommen, zu werden.

Das Licht geht aus, 'Let Me Entertain You' von ROBBIE WILLIAMS erklingt und die Spannung ist deutlich – und dann geht es einige Minuten nach 20 Uhr endlich los. Die verzerrten Gitarren, die beginnende Bedrohung – it's Halloween! Der Vorhang fällt, die Meute ist aus dem Häuschen und Hansen, Weiki und Gerstner an den Klampfen, Grosskopf am Bass und Löble hinter der Schießbude eröffnen den munteren Reigen. Begleitet von einer Großleinwand, die visuell die kommenden drei Stunden äußerst unterhaltsam untermalen werden, entern die Sänger dann pünktlich vor "Masquerade, Masquerade" die Bühne. Ladies & Gentlemen: Andi Deris und Michael Kiske. Und dann geht es los, die Gänsehaut stellt sich auf, ich komm aus dem Staunen nicht mehr heraus und selbst beim Schreiben dieser Zeilen zeigt sich noch einmal die Gänsepelle von diesem Großereignis. 'Halloween' wird vom ersten bis zum letzten Ton gezockt. Bochum erweist sich, wie sollte es anders sein, als textsicher und kennt jede einzelne Silbe meines All-Time-HELLOWEEN-Klassikers. Nach knapp 13 Minuten erntet HELLOWEEN den ersten, tosenden Applaus an diesem Tag, ehe es mit 'Dr. Stein' und einmal mehr einem passenden Animationsvideo im Hintergrund in die nächste Runde geht.

Wer will nochmal, wer hat noch nicht? 'I'm Alive' schallt es von Kiske, schallt es vom Publikum – klar, dass "Pumpkins United" im "Keeper"-Zeichen steht. Doch die Hamburger Recken haben sich für die knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit sehr viele Überraschungen einfallen lassen. Die erste kommt mit Andi Deris auf die Bühne, der ohne Kiske den "The Dark Ride"-Dosenöffner 'If I Could Fly' zum Besten geht. Wir reisen also munter durch die Zeit, und bevor uns Andi fragt, ob Bochum genug Metal ist, stellen uns die beiden HELLOWEEN-Fronter einmal Seth & Doc vor. Die beiden animierten Kürbisse sorgen auf der Leinwand für einige Schmunzler, vor allem aber dafür, dass die Band per se ein paar Verschnaufpausen bekommt, ohne dass die Pausen allzu ausarten. 'Are You Metal?' beantwortet Bochum mit einem lautstarken "Ja!" und mit dem kommenden Song gibt es die nächste faustdicke Überraschung. Deris geht, Kiske kommt und die 'Kids Of The Century' sorgen für sehr viel Nostalgie. Auch wenn die "Pink Bubbles Go Ape"-Scheibe ein wenig schwächer ist, ist dieser Song bärenstark und macht auch nach all den Jahren – schließlich sind es 26 an der Zahl – eine gute Figur.

Beim kommenden 'Waiting For The Thunder', einer reinen Deris-Nummer, wird mir einmal mehr deutlich, wie sträflich unterbewertet die "Straight Out Of Hell"-Scheibe eigentlich ist. Auch dieser Song macht sich heute sehr gut, auch wenn Bochum natürlich auf altes Zeug wartet. Nach einer weiteren Kürbis-Unterbrechung zieht Andi den Zylinder auf, der 'Perfect Gentleman' betritt die Bühne und der Meister der Ringe freut sich wie Bolle. Der darf später noch einmal zum Zuge kommen, denn jetzt wird der Speed Metal der alten Tage gefeiert. Hansen Kai betritt unter Applaus die Bühne und lädt ein zum "Auf die Fresse"-Medley. Ist das geil! 'Starlight' ertönt unter dem berühmten Schrei, 'Ride The Sky' setzt der Geschwindigkeit noch einen drauf und bei 'Judas' darf das Publikum einmal mehr lautstark mitgrölen. Auch wenn am Ende des folgenden 'Heavy Metal (Is The Law)' Kais Mikrophon nicht mehr will, sehe ich überall in ungemein zufriedene Gesichter. Ein wohliges Grinsen der Nostalgie, hier werden Erinnerungen wach. Und nachdem die Keule ausgepackt wurde, darf nun gemeinsam mit Michael und Andi am Mikro zu 'Forever And One (Neverland)' und dem "Keeper"-Schmachtfetzen 'A Tale That Wasn't Right' ein wenig geschmust werden. Wunderschön, einfach wunderschön und die beiden Sänger ergänzen sich äußerst gut.

Weiter geht es mit 'I Can', Seth & Doc und einer äußerst sentimentalen Geste. Ingo Schwichtenberg erscheint auf der Leinwand mit ihm ein Drumpart, das in einem Quasi-Duett mit Dani endet. Man schaut mit einer kleinen Träne nach oben, schaut in das damals glückliche Gesicht des HELLOWEEN-Gründers und vermisst ihn heute mehr denn je. Ruhe in Frieden, Ingo. Du bist viel zu früh von uns gegangen.

Wir gehen noch einmal zurück ins Jahr 1988 und haben eine weitere Überraschung: 'Livin' Ain't No Crime' der 'Dr. Stein'-Ära sorgt für erstaunte Gesichter, ehe wir uns Fragen, wer an der Uhr gedreht hat? 'A Little Time', ein weiterer Klassiker, darf bewundert werden und Bochum, so viel ist klar, wird heute nach Strich und Faden verwöhnt. Nach diesem Kiske-Schlag darf der Deris Andi noch ein paar Songs alleine singen. 'Why?', 'Sole Survivor' und 'Power' begleiten uns durch die Zeitreise der 1990er Jahre im Hause HELLOWEEN. Und nach dem "The Time Of The Oath"-Kraftpaket kommen noch einmal Hansen und Kiske zum Zug. Ein absoluter Evergreen wird angestimmt und nicht nur ich freue mich immens, 'How Many Tears' live in voller Pracht hören zu dürfen – war es doch dieser "Walls Of Jericho"-Gassenhauer, den Deris persönlich damals auf die HELLOWEEN'sche Straße brachte. Fabelhaft!

Und dass hiernach Schluss sein soll, glaubt man den Herrschaften auf der Bühne auch nicht. Denn schließlich soll der Adler noch in die Lüfte fliegen. Richtig, wir kehren noch einmal ins Jahr 1988 und 'Eagle Fly Free' und der zweite 13-Minuten-Hammer dieser Ära, namentlich der Titeltrack der "Keeper"-Ära, dürfen den ersten Zugabenblock ausfüllen. Hach Freunde, kann das Leben schöner sein?

Ja, kann es, denn schließlich werden 'Future World' und natürlich 'I Want Out' noch sehnsüchtig vermisst. Doch auch hier hat Bochum lang genug gewartet, denn beide Evergreens gibt es nach einem schmucken Gitarreneinzel im zweiten Zugabenteil, ehe die Musiker sichtlich zufrieden und mit sich und der Welt im Reinen schließlich die Bühne verlassen und man glücklich aus diesem Traum erwacht. Hierzu passten dann auch die übergroßen Ballons, die am Ende noch einmal fröhlich und unbekümmert durch die Räumlichkeiten gestubst wurden.

Es war also ein fast perfekter Abend. Denn 'March Of Time', zu dem ich eine sehr emotionale Bedeutung habe, hat einfach gefehlt. Doch das ist Meckern auf immens hohem Niveau. Blicken wir zurück und fassen die Dinge einmal zusammen:

Die Klampfenfront hat ausgezeichnet funktioniert, als wäre Hansen niemals weg gewesen und hätte HELLOWEEN schon immer mit drei Gitarren harmoniert. Und dass Weiki nicht der größte Entertainer an der Axt ist, ist auch längst bekannt. Kiske selbst plagte sich schon zuvor mit einer hartnäckigen Grippe rum, doch obwohl die eine oder andere Pause vonnöten war, brachte er das besondere Extra auf die Bühne. Zusammen mit Deris passte es einfach. Und das Löble-Schwichtenberg-Duett hat dem Abend einen zusätzlich emotionalen Touch verliehen – sehr schöne, nette Idee!

Freunde, was war es einfach schön, die alten Hits, ob aus der "Keeper"-Ära, der "Walls Of Jericho"-Zeit oder den HELLOWEEN-Alben der 1990er, zu genießen und viele Überraschungen erleben zu dürfen. Für viele, mich eingeschlossen, war es einfach das Konzertereignis des Jahres, was mir noch unheimlich lange in Erinnerung bleiben wird. "Pumpkins United" hat sich in diesen drei Stunden Spielzeit vollends in mein Herz katapultiert und ich bin gespannt, welche Großtaten da im kommenden Jahr noch auf uns zusteuern. Der Kürbis hat getanzt, gefeiert und schwelgte in zuckersüßen Erinnerungen.

Vielen Dank an Kollegen Frank, der uns die Bilder vom Stuttgart-Gig zur Verfügung gestellt hat!

Setliste: Let Me Entertain You; Halloween; Dr. Stein; I’m Alive; If I Could Fly; Are You Metal?; Kids of the Century; Waiting for the Thunder; Perfect Gentleman; Medley: Starlight / Ride the Sky / Judas; Heavy Metal (Is the Law); Forever and One (Neverland); A Tale That Wasn’t Right; I Can; Schwichtenberg-Tribut; Livin‘ Ain’t No Crime; A Little Time; Why?; Sole Survivor; Power; How Many Tears; Eagle Fly Free; Keeper of the Seven Keys; Future World; I Want Out

Redakteur:
Marcel Rapp

Login

Neu registrieren