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HYPNOS, FLESHGORE, REVOLT, UNFOCUSED - Hof

02.06.2019 | 21:16

29.04.2019, Wiesla

Die "Death From The East"-Europatour sorgt auch in Hof für Nackenschmerzen.

Es wird mal wieder laut im Wiesla Rock Club in Hof, denn im Rahmen der "Death From The East" Europatour 2019 gastieren vier osteuropäische Bands in Hof, um das Publikum mit harter Musik zu versorgen. Die Tour beginnt in Tschechien und endet nach Zwischenstopps in Deutschland und Polen schließlich in der Ukraine. Der erste Teil erstreckt sich über den April und Mai, während die Gigs in der Ukraine dann erst im Herbst stattfinden. Leider ist der Termin an einem Montag etwas ungünstig, zudem steckt mir das Ragnarök Festival vom vergangenen Wochenende noch in den Knochen, aber am 1.Mai ist ja Feiertag, also geht das schon. Als ich am Wiesla aufschlage, bestätigen sich meine Befürchtungen, denn es stehen nur sehr wenige Autos an der Straße und auch drinnen sieht es mal gar nicht danach aus, als ob die Show heute ausverkauft sein könnte. Ganz im Gegenteil. Komplett leer ist es aber auch nicht, schätzungsweise 20-30 Gäste konnten sich immerhin an diesem Montag aufraffen. Trotzdem traurig, da sich viele immer gerne beschweren, dass in Hof keine gescheiten Veranstaltungen stattfinden würden. Wenn dann allerdings doch mal was ist, dann glänzen dieselben Leute mit Abwesenheit.

Aber ich bin ja hier, um die Musik zu genießen und die spielt jetzt, denn UNFOCUSED aus der Ukraine betritt als erste Band des Abends die Bühne. Auf dem ursprünglichen Plakat war noch ETSYKH angegeben, die Truppe musste allerdings absagen, und so hat UNFOCUSED den Platz übernommen. Eine recht interessante Mischung aus Thrash und Death Metal wird von den Ukrainern geboten, die Band selbst nennt das Ganze "Transcarpathian deaththrash attack". Im Mittelpunkt steht Sängerin Melitta, die außer dem Namen keine Ähnlichkeiten zu einer bekannten Kaffeemarke aufweist, sondern auf der Bühne nicht nur durch ihre knallroten Haare zum Blickfang wird. Auch dem Bandsound drückt sie durch ihre eigenständige Mischung aus Growls und Gekreische ihren Stempel auf. Der Dreier poltert von Beginn an ordentlich los und wenn man es nicht wüsste, würde man nie auf die Idee kommen, dass die Truppe erst im Februar 2019 gegründet wurde.

Die Bühnenshow sieht dafür schon sehr professionell aus und auch eigene Songs hat UNFOCUSED schon einige am Start. Die Bandmitglieder waren und sind aber noch nebenbei in anderen Kapellen aktiv. Dem Publikum scheint das Ganze auch zu gefallen, denn der Applaus ist trotz der wenigen Zuschauer recht laut. Melitta bedankt sich immer artig beim Publikum und ist sichtlich erfreut über die positive Resonanz, welche sie und ihre Jungs von den Hofer Metalheads bekommen. Als letzten Song gibt’s noch die Coverversion "Violent By Nature" (im Original von ATROPHY), welche beim Publikum ebenso auf offene Ohren stößt. Der 1990 erschienene Song dürfte zudem einige Jahre mehr auf dem Buckel haben als Melitta selbst. Das war jetzt schon mal ein richtig guter Auftakt, alle Achtung. Den Namen UNFOCUSED sollte man sich merken, aus der Truppe könnte was werden.

Setliste: Intro; People Of Grey; Agony Eternal; Severe Insomnia; Regressive Thoughts; Insult To Injury; Hyperplasticity; Violent By Nature (ATROPHY-Cover)


Weiter geht es mit REVOLT, welche ebenfalls aus der Ukraine stammt. Gewisse Ähnlichkeiten einiger Musiker mit der Vorgängerband sind dem Umstand geschuldet, dass diese in mehreren Bands aktiv sind und somit auch jeden Abend auf dieser Tour mehrere Konzerte spielen. REVOLT zockt feinen Death Metal, der gelegentlich richtig schön groovt. Wenn es um extremen Metal geht, dann kann man sich auf die Truppen aus Osteuropa verlassen, soviel ist mal sicher. Vor den bekannten Namen im Genre braucht sich auch REVOLT keinesfalls verstecken, das ist schon ziemlich geil, was die Herren da auf der Bühne zelebrieren. Für meinen Geschmack genau die richtige Mischung aus Brutalität und Schnelligkeit, ohne dabei die Melodien zu vernachlässigen. Und auch die Bühnenshow kann sich sehen lassen, die Musiker bewegen sich viel und sind praktisch dauerhaft am Headbangen.

Dass auch die Songs einiges können, versteht sich fast von selbst. Musikalisch gefällt mir REVOLT sogar noch eine ganze Ecke besser als der Opener, wobei der definitiv auch schon nicht von schlechten Eltern war. Die Zuschauer haben mindestens ebenso viel Spaß an der Show wie die Musiker auf der Bühne, denn auch da sieht man überall Haare fliegen und Köpfe kreisen. Einige beheben sich sogar bereits während dem Auftritt zum Merchandise-Stand, da hat sich REVOLT sicherlich einige neue Fans erspielt. Absolut zu Recht, denn die Ukrainer legen auch eine geile Show hin. Sehr schade, dass die Bands heute vor einem so kleinen Publikum spielen müssen, rein an der Qualität gemessen, hätten die ersten beiden zumindest ein volles Haus verdient gehabt. Doch auch wenige Leute können laut sein, was das Hofer Publikum den Ukrainern einmal mehr eindrucksvoll beweist. Diese freuen sich, dass sie einen so guten Eindruck hinterlassen haben und bedanken sich noch einmal bei den Fans dafür.

Setliste: We Are Demons; Sin & Remorse; Spreading Virus; So Be It; Fed With Lies; Explosive Ground; If Blood Be The Price; World To Waste; Lords Of Semidarkness; Icon Of Wrath

 

Als Co-Headliner und letzte ukrainische Band des Abends darf jetzt FLESHGORE ran. Als sich die drei Musiker auf der Bühne postieren, kann man noch nicht ahnen, was für eine ungestüme Dampfwalze gleich über das Wiesla hereinbrechen wird. Der Brutal Death Metal, welchen die drei Ukrainer entfesseln, hat es absolut in sich und sorgt im Publikum für nicht wenige erstaunte Gesichter. Brutalität ist das Eine, aber das Ganze in einer derartigen Geschwindigkeit und auf hohem technischem Level runterzuprügeln, das ist schon höhere Kunst. Eine Verschnaufpause gönnt FLESHGORE dem Publikum nicht, ein Nackenbrecher jagt den nächsten. Auf eine Bühnenshow verzichten die Jungs größtenteils, nur Headbangeinlagen gibt es gelegentlich. Man braucht den Musikern jedoch nur auf die Finger (bzw. dem Drummer auf die Füße) schauen, dann hat man mehr als genug Action.

Es ist schon faszinierend, welche Geschwindigkeit FLESHGORE an den Tag legt, und zwar durchgängig. Obwohl das Ganze das reinste Dauerfeuer ist, nimmt mich der Auftritt bisher am meisten mit, denn technisch ist es absolut fesselnd, was die drei Ukrainer da vom Stapel lassen. Dagegen sieht so manche etablierte Brutal-Death-Kapelle alt aus. FLESHGORE hat zwar auch schon fast 20 Jahre und fünf Studioalben auf dem Buckel, wobei die Jungs im westlichen Teil Europas bisher allerdings immer noch bestenfalls ein Untergrunddasein fristen. Wer trotz der wenigen Zuschauer ein solches Brett von einem Auftritt spielt, hätte auf jeden Fall etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Das sieht das Publikum im Wiesla ebenso und deshalb gibt es auch richtig fetten Applaus für FLESHGORE. Geile Show, und das war noch längst nicht alles für heute.

Setliste: Intro; Godless; Forgiveness; Ministry Of Fear; Talk To Me About God: Numinosum; Infernal Earth; Crackdown; Obtrusion; Invisible Reality; Factory Of Maniacs; Occupation Of Your Mind; The Modern Art Of Slavery


Nach einer etwas längeren Umbaupause stehet der Headliner HYPNOS bereits auf der Bühne und legt direkt los. Musikalisch wird es jetzt wieder etwas entspannter, denn der Death Metal der Tschechen ist eher im klassischen Bereich anzusiedeln und verfügt über deutlich weniger Brutalität als die Musik des Vorgängers. Etwas mehr Licht als vorher und eine Nebelmaschine gibt es jetzt auch und Sänger Bruno lässt sich zudem von einem Ventilator anpusten, was für ziemlich interessante Effekte mit seiner Haarpracht sorgt (vor allem beim Headbanging). Im Zentrum der Setliste von HYPNOS steht natürlich der aktuelle Longplayer "The Whitecrow", was auch an der Bühnendekoration unschwer erkennbar ist. Ebenso offensichtlich ist die Tatsache, dass HYPNOS über jede Menge Bühnenerfahrung verfügt, denn die Jungs zeigen sich sehr aktiv und Bruno bezieht in seine Ansagen auch das Publikum immer mit ein.

Er bedankt sich mehrmals für bei den Anwesenden für ihr Erscheinen und lässt sich auch von einem speziellen Gast nicht aus der Ruhe bringen, der während der Pausen mit Zwischenrufen wie "und jetzt bitte eine Ballade" für allgemeine Erheiterung sorgt. Musikalisch macht der Auftritt verdammt viel Spaß, was man nicht nur am lauten Applaus merkt. Denn auch im Publikum fliegen die Haare und der Nacken ist in Dauerrotation, ebenso wie bei den Musikern auf der Bühne. Ehe man sich versieht, neigt sich die Show leider schon wieder dem Ende zu. Bruno kündigt deshalb die Zugabe 'Lovesong' an. Anschließend gibt es sogar noch eine weitere Zugabe, und zwar das KRABATHOR-Cover 'Orthodox', weil die Resonanz der Zuschauer so gut war. Eine sehr schöne Geste, wie ich finde, vor allem wenn man bedenkt, dass nur etwa 20-30 Gäste anwesend sind.

Setliste: Intro; The Whitecrow; Inverted; One Flesh, One Blood; Crystal Purity Of Treachery; Journey Into Doom; Nailed To The Golden Throne; Get Inspired By The Light; Cleansing Extrema; Burning Again; Breeding The Scum; In Blood We Trust; Lovesong; Orthodox (Krabathor – Cover)


Damit geht ein weiterer geiler Konzertabend im Wiesla in Hof zu Ende. Eigentlich hat alles gestimmt, die Bands waren allesamt richtig super, die Stimmung war wie immer genial, nur an Einem hat es heute leider etwas gemangelt: am Publikum. Klar, an einem Montag darf man nicht mit vollem Haus rechnen, aber etwas mehr als die 20 bis 30 Zuschauer hätten die Bands schon verdient gehabt. Bei einer Tour sind eben auch Termine unter der Woche dabei, da kann man nichts machen. Zudem ja am Mittwoch auch Feiertag (1. Mai) ist, da hätte man sich schon aufraffen können. Nun ja, zumindest haben die Bands einiges an Merchandise absetzen können, auch ich habe dort wieder zugeschlagen und mir unter anderem ein Tourshirt von FLESHGORE gegönnt. Solltet ihr die Möglichkeit haben, eine der Bands in eurer Nähe zu sehen, solltet ihr euch das auf keinen Fall entgehen lassen, die treten allesamt gehörig Arsch.

Redakteur:
Hermann Wunner

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