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Heavy Metal - nix im Scheddel...? Nr. 86 - Leipzig

05.12.2008 | 11:46

31.10.2008, Moritzbastei

DEATHRONATION + DELTA CEPHEID + DISBELIEF = dreifach deutscher Death, der derb dröhnend durch das Dickicht donnert.

Death-Metaller sind mitunter schon recht lustige Gesellen. Man nehme nur die Pseudonyme des Haufens von DEATHRONATION: Da steht ein Herr namens Stiff Old am Mikro, S. Muerte greift in die Saiten, und I-H8 schwingt die Stöcke hinterm Drumkit. Zwischen den Songs reckt der besagte Trommler dann gerne seinen nackten Oberkörper in die Höhe und lugt durch den Bühnennebel, so, als wolle er sagen: "Hallo, hier ist auch noch jemand!"

Die Nürnberger Truppe blickt auf gerade mal ein Demo ("A Soil Forsaken", 2006) zurück und eröffnet den Abend mit brachialem Death Metal, der gar nicht mal ultraschnell, dafür aber um so räudiger aus den Boxen schießt und ordentlich Dampf macht. Die vier Maniacs zelebrieren ihren Old School Death Metal, muckemäßig wird dabei den Anfängen des Todesstahls gehuldigt und dem neueren, sauber und glatt polierten Death Metal abgeschworen. Kantig, brutal, ungehobelt und voll auf die Zwölfe - das ist zwar nicht unbedingt originell, aber in diesem Spannungsfeld agieren DEATHRONATION durchaus glaubwürdig und können einige Punkte einfahren.

DELTA CEPHEID - ein verwirrender, aber irgendwie auch ziemlich mächtig klingender Name für die Band um die zwei ehemaligen DEATH REALITY-Mitglieder Jürgen und Micha. Hier fällt auf, dass deren Death Metal in Sachen Tempo und Melodik sehr variabel ausgelegt ist. Die außerdem eingestreuten atmosphärisch angehauchten Passagen mit femininem Gesangselement wollen hingegen nicht so richtig reinpassen und sorgen eher für Langeweile, bevor der nächste Death-Metal-Bolzen ausgepackt wird und die andächtige Stille zerreißt. Und dem Fronter obliegt dann die Aufgabe, die Meute anzuheizen, damit wieder ein wenig Raserei einsetzt.

Interessanterweise ist das atmosphärische Element sogar relativ prägnant im Sound von DELTA CEPHEID, wenn man sich das Ganze mal auf Tonträger anhört - allein in der Livedarbietung dringt davon kaum etwas ans Ohr. Da knallen Death-Metal-Riffs und das aggressive Gegurgel von Fronter Jürgen durch die Botanik und lassen kein Auge trocken. Vom experimentellen Ansatz bekommt man als in Sachen DELTA CEPHEID unkundiger Hörer so kaum etwas mit, aber von dem brutalen Kleinholz, das die Truppe hier fabriziert, dafür umso mehr.

Und dann noch DISBELIEF. Obwohl seit etlichen Jahren sehr präsent an der Livefront, zieht die Band immer noch ordentlich Zuschauer und macht mit ihrem aggressiven Deathcore auch einfach Laune. Okay, manchmal kann man schon den Eindruck bekommen, dass die Jungs nach all den Shows nicht mehr die Frische und Ausgelassenheit auf die Bühne transportieren, wie das in früheren Jahren der Fall war, aber mucketechnisch ist das nach wie vor großes Kino. Das Gitarrenbrett veranstaltet ein Getöse erster Güte, hinzu kommt Jaggers unverwechselbarer Gesang, oder besser Geschrei, das sowohl Wut als auch Verzweiflung ausdrückt und das nichts von seiner Prägnanz eingebüßt hat.

Alles in allem ist es eine solide Show, die zwar keinerlei Überraschungsmomente bietet, aber dennoch untermauert, dass DISBELIEF nach wie vor eine der besten deutschen Livebands sind, deren Liedgut für ein Ausrasten erster Güte perfekt geeignet ist. Insgesamt also ein gelungener Abend mit drei Bands, die zwar alle irgendwie dem Death Metal zuzuordnen sind, die sich aber in der Ausführung desselben recht deutlich voneinander unterscheiden. Schön war's.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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