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Heavy Metal Thunder Festival II - Esslingen am Neckar

26.11.2008 | 13:40

08.11.2008, Jugendhaus Komma

Spielerisch attraktive Bands vor lichten Besucherreihen im Esslinger Jugendclub Komma - POWERMETAL.de rockt für euch mit.

Am 08.11.2008 stieg in Esslingen am Neckar die zweite Auflage des Heavy Metal Thunder Festivals. Im kleinen Jugendclub Komma sorgten fünf Bands für einen coolen Konzertabend im überschaubaren Rahmen. Vor Ort war übrigens auch ein Kamerateam von "Schwermetall - Der Film" , das die Fans und die Musiker fleißig filmte. Für das Mischpult konnte mit Achim Köhler ein international renommierter Techniker gewonnen werden, der unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Bands wie PRIMAL FEAR oder SINNER bekannt ist. Und jetzt hinein ins Konzertgeschehen mit meiner Wenigkeit und meiner besseren Hälfte.

Die Reihen vor der Bühne sind noch äußerst überschaubar, als kurz nach 19 Uhr CONTRACRASH aus Balingen loslegen. In Sachen Outfit zeigt sich die junge Band betont leger in Jeans und T-Shirt; musikalisch erfreuen CONTRACRASH mit frisch klingendem Material, das moderne Hard-'n'-Heavy-Einflüsse mit dezenten Metalcore-Zutaten vermischt. Die Jungens rocken auf der Bühne kraftvoll und motiviert.

Neben den gutklassigen Kompositionen 'Cos' Of You' sowie dem seltsam betitelten 'Dead Fish Motherfucker', die zumindest Teile des Publikums zum Mitwippen bewegen, kommen auch gefühlvolle Stücke nicht zu kurz. Gerade die Halbballade 'Blinded Love' entpuppt sich als toller Ohrwurm, der zeigt, dass die Band einiges an Potenzial besitzt. Auch einige Stücke vom voraussichtlich im Februar 2009 erscheinenden Studioalbum "LOVE FUCK HATE KILL DIE" bekommt man heute zu hören, wie beispielsweise 'Never Found'.

Im Verlauf des halbstündigen Auftritts ziehen CONTRACRASH das Publikum auf ihre Seite und erhalten immer bessere Fanreaktionen. Mit dem knackigen Rausschmeißer 'Adios Amigos', der kräftig rifft und nicht zu knapp groovt, beendet die Band ihren Auftritt. Alles in allem eine energiegeladene Performance einer guten Opener-Band.
[Martin Loga]

Nach einer kurzen Umbaupause rocken TARGA los. Die aus Esslingen stammende Band kann einige Zuschauer mehr als CONTRACRASH vor die Bühne ziehen, wobei dies angesichts des Heimvorteils jedoch nicht verwundert.

Musikalisch würfeln TARGA groovebetonten, erdigen Metal mit leichten RAMMSTEIN- oder auch PANTERA-Einflüssen zusammen. Das Ergebnis sind ordentliche Groovewalzen, die das Publikum im Komma durchaus zum Headbangen animieren. Das dritte Stück des Sets beginnt mit einem witzigen "Pippi Langstrumpf"-Intro und wird den Mädels im Publikum gewidmet.

Für Pfiffe seitens der männlichen Festivalbesucher sorgt eine langbeinige Blondine in Netzstrümpfen, die ihre Kurven quasi als Nummerngirl mit einem Schildchen, das die Internetadresse der Band zeigt, über die Bühne schwingt.

Gitarrist und Frontmann Oliver Löffler zeigt sich angetan von den guten Fanreaktionen, und er versucht, das Publikum mit markigen Sprüchen der Sorte "Ihr seid doch schon fertig! Gebt's zu!" weiter aus der Reserve zu locken. Für einen Zehn-Mann-Moshpit reichen seine Anfeuerungsversuche jedenfalls, und beim Publikum kommt die Band derart gut an, dass TARGA nach der massiven Groovewalze 'Fist' noch einmal auf die Bühne zitiert werden, um eine Zugabe zu spielen. Mit den Worten "Seid ihr geil" quittiert der Frontmann die tollen Publikumsreaktionen.
[Martin Loga]

Kleine Frau ganz groß! Gegen 21.15 Uhr heizt die Frontfrau von THE MYSTERY, Korry Schadwell, der Menge ein. Die blondgelockte Rockerin ist zwar klein, aber oho! Mit ihren Jungs ist sie 400 Kilometer weit gereist, um den heutigen Gig zu spielen.

Stücke wie das kraftvolle 'World Downfall' von der aktuellen Scheibe "Soulcatcher" gehen sehr gut ins Ohr, genauso wie der bandeigene Klassiker 'Vengeance Is Mine'. Die Band ist spielerisch gut drauf. Allerdings könnte die Stimmung im Publikum besser sein. Etliche Festivalbesucher stehen fast regungslos herum und nicken etwas mit dem Kopf. Leute, was ist los? Die rocken! 'Heaven And War' und das IRON MAIDEN-beeinflusste 'Hell's Gate' machen weiter Druck, wobei anzumerken ist, dass bei THE MYSTERY kein Song wie der andere klingt.

Der vor kurzem neu zur Band gestoßene Gitarrist Stefan Weitzel (zuvor hatten THE MYSTERY mit Bandgründer und Gitarrist Alex "Thunder" Martin stets einen Sechssaiter in ihren Reihen) absolviert heute Abend seine Konzert-Feuertaufe, die er mit Bravour besteht, zumal er sich spielerisch prima in die Band einfügt.

Beim überaus melodischen 'My Heart Lies Bleeding' zeigt Korry keine Berührungsängste, denn sie steigt von der Bühne und mischt sich unters Publikum. Auch Bassist Christian Rüther hoppelt von der Bühne und spielt seinen Part direkt in der Menge. Zum Titel 'Suicidal Thoughts' platziert Korry ein interessantes Statement: "Gedanken, dass man sich das Leben nehmen möchte, gibt's manchmal. Hey Leute, wer sich heute das Leben nehmen will, den bring ich um!"

Dass THE MYSTERY richtig abrocken können, beweisen sie mit 'The Fire Keeps On Burning'. Leider moshen seltsamerweise nur wenige Hartgesottene direkt vor der Bühne ab, was Sängerin Korry auf den Plan ruft: "Sagt mal, schmecken die Brötchen da hinten so gut? Kommt weiter vor!" Das Abschlusszitat der sympathischen Sängerin, die mich sowohl stimmlich als auch etwas vom Äußeren her an Doro Pesch erinnert, finde ich auch nicht schlecht. Es weist mit einem Augenzwinkern auf den Merchandise-Stand hin: "So, und wenn euch die Musik gefallen hat, nehmt uns mit nach Hause!".

Meiner Meinung nach haben THE MYSTERY heute Abend einen sehr gelungenen Auftritt hingelegt. Was mir natürlich auch sehr gefallen hat, ist, dass eine Metalband auch mal eine Front-FRAU hat.
[Carolin Rist]

Haben die überaus mageren Fanreaktionen des Publikums während des tollen Auftritts von THE MYSTERY bei mir schon für Verwunderung gesorgt, so finden DAWN OF DESTINY bei den Besuchern des Komma leider noch weniger Anklang. Das Publikum wirkt lethargisch, und der Applaus ist spärlich. Und das völlig unberechtigt.

"Wenn du auf eine Mischung aus NIGHTWISH, EPICA und etwas YNGWIE MALMSTEEN stehtst, dann bist du bei DAWN OF DESTINY genau richtig", sagt mir Alex Martin von THE MYSTERY im Vorfeld des Auftritts. Und er behält weitgehend Recht. DAWN OF DESTINY, deren Musik ich heute im Übrigen zum ersten Mal höre, machen aus meiner Sicht alles richtig. In weitgehend speedigem Tempo bietet die Band packenden Melodic Metal mit neoklassischem Touch, der von Sängerin Tanja Maul mit ihrer recht hohen, klaren Stimme getragen wird. Die Instrumentalfraktion verblüfft mit enormer Versiertheit - insbesondere Gitarrist Veith Offenbächer lässt einige Sahnestücke von seiner Sechssaitigen. Die Songs, die angenehm knackig gezockt werden, haben Feuer und weisen ein gesundes Maß an Härte auf, das vielen anderen Meldic-Metal-Bands fehlt.

Während des Auftritts tritt eine kuriose Gestalt männlichen Geschlechts in Erscheinung, die in lilafarbenen Socken mit Caprihose und in Sandalen durch das Publikum tänzelt. Die männliche Ballerina ist regelrecht in Trance und tänzelt in nicht ganz heterosexueller Art und Weise zwischen den Festivalbesuchern umher. Besser als Kino, sag ich da nur.

Aber wir lassen uns von solchen Kuriositäten natürlich nicht ablenken und wenden unsere Ohren lieber Tieftöner Jens Faber zu, der ab und an derbe Grunts bei DAWN OF DESTINY beisteuert, die in einen Kontrast zur glockenhellen Stimme der sympathischen Frontdame Tanja bilden.

Sehr positiv im Hinterkopf verweilen die ausgesprochen schnellen Stücke 'Another Fallen Angel' sowie 'Condemnation', aber auch 'Unexpected Guest' vom aktuellen Studioalbum bleibt gut im Ohr hängen. Obwohl die Reihen vor der Bühne licht aussehen und der Applaus (angesichts der tollen Performance) mager ausfällt, bieten DAWN OF DESTINY mit 'Long At Night' noch eine Zugabe dar, ehe sich die Formation verabschiedet.

Melodic-Metal-Fans, die auf kraftvollen Metal mit gutem Frauengesang stehen, sei die Band hiermit ausdrücklich empfohlen. Steuert doch bitte einmal die MySpace-Seite der Band an.
[Martin Loga]

Nach etlichen Verzögerungen und fast 75 Minuten Verspätung kommen nun endlich die Headliner SAIDIAN auf die Bühne! Das Warten hat jedoch niemandem etwas ausgemacht, und die Menge ist gespannt auf die Lokalmatadoren aus Esslingen. Sänger Markus Engelfried alias "Engel" (wie ihn jeder nennt) will voller Tatendrang loslegen, als er merkt, dass der Bassist noch fehlt. Zitat: "Wir können noch nicht anfangen, Manu fehlt noch!"

Dann geht's endlich los. Mit dem Ohrwurm 'Burn Down The Night' legen sich die Jungs ins Zeug. Von ihrer kommenden Platte "Evercircle", die Anfang 2009 erscheinen soll, spielen sie mit 'Out Of The Shadows' ein vielversprechendes neues Stück, das nach kurzer Zeit schon von der Menge mitgesungen wird.

Nun folgt 'Ride On The Phoenix' zu dem fleißig Feuerzeuge geschwenkt werden (Handys gehen laut Sänger Engel zur Not auch). Die Stimmung im Komma hat einen spürbaren Aufwärtstrend erfahren, und das Publikum mobilisiert zu später Stunde (immerhin ist es schon nach Mitternacht) noch etliche Kräfte. Dies beflügelt auch Frontmann Markus Engelfried: "Tja, dieses Mal im Komma, letztes Mal (vor zwei Wochen) im LKA-Longhorn und das nächste Mal in der Stuttgarter Schleyerhalle, oder was? Das wär was!". Mit Tausenden SAIDIAN-Fans auf einem Haufen. Ob der Traum von Engel einmal wahr wird?

Nach dem energiegeladenen 'Never Surrender' folgt der nächste Titel der unveröffentlichten neuen Scheibe: Bei 'Solomon's Dance' schunkeln zunächst alle wie beim Musikantenstadl, und als es dann richtig abgeht, hüpfen alle mit. Bei 'Power And Glory' soll das Publikum so laut mitsingen, dass die "Esslinger Musiknacht" (eine ebenfalls heute stattfinde Veranstaltung, die allerdings nichts mit dem Heavy Metal Thunder Festival zu tun hat) nicht mehr zu hören ist. Und das ist auch so, glaube ich. Mit dem eingängigen 'Stroke Of Genius' gibt es gleich noch ein neues Stück zu hören, ehe man mit 'Tokyo' ein hörenswertes Cover der deutschen Rockband TOKYO zum Besten gibt. Bei 'Heart Of Stone' mischt sich Bassist Manu wieder unters Volk, und Engel richtet ein tolles Kompliment an das Publikum: "Wir haben vor zwei Wochen im LKA-Longhorn gespielt , und wisst ihr was? Ihr seid lauter!". So, das war der letzte Titel des Abends, denke ich. Von wegen! Zunächst verschwindet die Band von der Bühne. Doch dann taucht Sänger Engel mitten in der Menge auf und grölt mit, als die "Zugabe!"-Rufe immer lauter werden - erstaunte Gesichter im Publikum.

Dann hüpft der Frontmann wieder auf die Bühne. Als Draufgabe folgt mit 'King Of Fools' eine saubere EDGUY-Covernummer, die von den Headbangern mitgesungen wird. 'Fallen Hero' vom aktuellen Album "Phoenix" wird vom Publikum regelrecht abgefeiert. Markus Engelfried zeigt sich sichtlich beeindruckt: "Ihr seid so geil! Ihr habt die Leute im LKA echt plattgemacht!" Doch die Menge gibt sich mit zwei Zugaben noch immer nicht zufrieden. Der Kameramann von Schwermetall - Der Film erklimmt plötzlich die Bühne und wendet sich an das Publikum: "Lieber spielen sie einen Song noch einmal als gar nicht mehr, oder?" Die Menge jubelt, und SAIDIAN geben noch einmal das Coverstück 'Tokyo' zum Besten, ehe die Band gegen 1.45 Uhr endgültig die Bühne verlässt. Der Gig, den SAIDIAN heute abliefern, ist einfach gigantisch. Uff, aber die Nackenschmerzen ... [Die sind nichts mehr gewöhnt, die jungen Leute - ML] Das ist's wert!
[Carolin Rist]

Setlist SAIDIAN:
- Burn Down The Night
- Out Of The Shadows
- Phoenix
- State Of Euphoria
- Never Surrender
- Solomon's Dance
- Power & Glory
- Stroke Of Genius
- Tokyo (TOKYO-Cover)
- Heart Of Stone
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- King Of Fools (EDGUY-Cover)
- Fallen Hero
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- Tokyo (TOKYO-Cover)

Fazit: Das Heavy Metal Thunder Festival (Pt. II) bot für faire zwölf Euro im Vorverkauf eine ganze Reihe sehenswerter Bands. Gerade im Hinblick auf das attraktive Billing und den niedrigen Eintrittspreis war es doch etwas verwunderlich, das nur knapp über 100 Leute den Weg in das Komma gefunden haben. Dass dies an der "Esslinger Musiknacht" (einem städtischen Kulturevent) oder am ebenfalls an diesem Tag stattfindenden DEEP PURPLE-Konzert gelegen hat, kann bezweifelt werden. Noch befremdlicher als die Anzahl der Besucher fand ich jedoch, dass das Publikum die durchgehend motivierten Auftritte der Bands mit einer regelrechten Gleichgültigkeit quittierte, was ich persönlich für die Musiker sehr schade fand, zumal sich alle Bands in spielerisch toller Form präsentiert haben. Gerade SAIDIAN haben am heutigen Abend einen exzellenten Auftritt hingelegt, der den Verfassern dieser Zeilen viel Freude bereitet hat. Ein Lob geht an die Veranstalter für den tollen Sound, faire Preise und einen aus meiner Sicht schönen Konzertabend.

Ein Dankeschön geht an Wolle Steiner von www.livepixs.de für die Bereitstellung von Konzertfotos.

Redakteur:
Martin Loga

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