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Ill Niño - Saarbrücken

23.02.2006 | 13:24

01.02.2006, Garage

ILL NINO, MAD DOGGIN' und NME.MINE

Nachdem ich ILL NINO durch Alex Fett, der bei dem HIM-Verschnitt NEO und für sehr kurze Zeit bei IVORY NIGHT als Drummer sein Können unter Beweis stellte, kennen gelernt hatte, war es klar, dass wir uns die Metal-Latinos livehaftig nicht entgehen lassen wollten, als sie in der Nähe Station machten. Zu uns gesellte sich spontanerweise Jörg; besser bekannt als Sänger Alea von SALTATIO MORTIS.

So machte sich das Lauterer Musiktrio auf den Weg nach Saarbrücken und verbrachte die Zeit in Jörgs Auto mit Fachsimpeln über aktuelle Groove-Metal-Kapellen aus Süd- und Nordamerika. So konnte ich als etwas konservativer Heavy Metaller meinen Horizont wieder etwas erweitern, auch wenn mir aus dieser Ecke nicht alles zusagt. Als wir dann in der Halle eintrafen, fing kurze Zeit später schon die zweite Band MAD DOGGIN' an.
Diese machten eine gute Show und konnten große Teile des Publikums für ihre Musik erwärmen. Die Musik ist groovebetont und klingt nicht unbedingt typisch für eine deutsche Band. Der Gitarrist, der leider nicht immer richtig durchkam im durchschnittlichen Klangbild, experimentierte mit verschiedenen Sounds, wogegen der Sänger sein Organ zwar sehr powervoll und hart, aber dafür nicht sehr abwechslungsreich einsetzte. Zwischendrin sorgte der 80er-Hit 'Sunglasses At Midnight' im Metalgewand für Auflockerung. Für die Power- bis Death-Metal-Fans hatten sie dann auch ihr 'Lord Of Darkness' im Programm, was zwar einfach gestrickt ist, aber live gut knallt und somit einen guten Schlusspunkt setzte. Alles in allem konnten MAD DOGGIN' mit sich zufrieden sein und hatte sicherlich ein paar Fans dazu gewonnen. Meine Kollegen waren jedenfalls mal sehr angetan.

Setlist:
Steamhammer
Jekyll&Hyde
Alone
Enough Is Enough
Ningshit
Eazie
Hülüb
Sunglasses
Lord Of Darkness
Reprise

Ungewöhnlicherweise komme ich jetzt erst mal zu der ersten Band NME.MINE, die wir leider verpasst haben. Jedoch konnten wir uns mit diesen die Wartezeit bis ILL NINO sehr gut verkürzen, da sie sich als sehr nette Gesprächspartner mit sehr realitätsnahen Ansichten über das Musikerdasein in der heutigen Zeit herausstellten. Einer kurzen Publikumsbefragung zufolge scheinen sie auch recht angekommen zu sein.
Dankenswerterweise wurde extra für POWERMETAL.de die Setlist noch mal aufgeschrieben:

Out Of Envy
The End Of Prayer
Trend: Depression
Unlove
Sold Out Belief
Last Day
The Bloodking

Von der strickenden und sich in Leerlaufzeiten immer zu beschäftigen wissenden Dame am ILL NINO-Merchandise-Stand erfuhr ich, dass die Latinos von ILL NINO zwar ursprünglich verstreut aus Südamerika stammen, jedoch mittlerweile in Virginia in Bush-Country wohnhaft sind. Zum Glück haben sie sich aber zumindest die lateinamerikanischen Rhythmen in ihrer harten Mucke bewahrt. So stachen besonders die rhythmischen Powerparts des beleibten PRO PAIN-Drummers und des wild herumhüpfenden Percussionisten hervor, auch wenn der Drum-Jam etwas kurz ausfiel und unvermittelt aufhörte.
Wir hatten nach den starken Veröffentlichungen von ILL NINO im Vorfeld sehr große Erwartungen. Diese konnten allerdings nicht ganz erfüllt werden. Es gab nichts Eklatantes zu bemäkeln, so dass das Konzert unterm Strich wirklich okay war. Ein paar Kleinigkeiten sollten hier jedoch erwähnt werden in der Hoffnung, dass diese vielleicht in Zukunft besser gemacht werden:
Es kam zuviel vom Band, wie z.B. Wabersounds, die erst bei den Übergängen zwischen den Stücken hörbar wurden und die Liveatmosphäre etwas klinisch wirken ließen. Auffällig war auch, dass der Gesang sehr konstant blieb. Merkwürdig war nur, dass die meisten melodischen Refrains des Sängers Cristian Machado ohne Backroundunterstützung mehrstimmig bzw. gedoppelt waren und gehaltene Töne noch zu hören waren, als das Mikro nicht mehr am Mund war. Somit war die Band sehr stark auf ihren Klick-Track angewiesen. Für Perfektionisten mag das okay sein, ich für meinen Teil stehe mehr auf reale Livepower, in der sich ruhig auch mal falsche Töne einschleichen dürfen, so lange diese nicht nerven.
Dann waren die wenigen, aber dennoch uninspirierten Ansagen von Cristian, die ähnlich wie bei CHILDREN OF BODOM zu jedem zweiten Wort aus "fuck" bestanden. Wünschenswert wäre es, wenn auch die allgemeine Kommunikation mit dem Publikum auf ähnlichem Niveau wie das Stageacting der Instrumentalisten um Cristian herum wäre. Dieses war nämlich mitreißend, da die Gitarristen wild herumhüpften und –rannten und mit den Schlagwerkern richtige Spielfreude verbreiten konnten.
Der Sound war nicht schlecht, aber auch nicht gut. Der Mischer meinte es manchmal am Abend etwas zu gut mit den Tiefbässen, so dass vom akustischen Eindruck her wohl eine Box etwas in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Zur Ehrenrettung muss natürlich erwähnt werden, dass es ziemlich schwierig ist, in der Garage einen richtig guten Sound zu fabrizieren; allerdings nicht unmöglich.
Vor der Zugabe wurden noch ein paar altbekannte SLAYER-Riffs an- jedoch nicht ausgespielt, wie z.B. 'Raining Blood'. Das kam zwar wenigstens einigermaßen spontan, richtig geil war es aber auch nicht. ILL NINO haben genug sehr gutes eigenes Songmaterial, was live auch etwas anders klingen darf, so lange die Rhythmus-Fraktion so groovt wie auf diesem Konzert.
Alles in allem war das Konzert gut und es dürfte wohl niemand total enttäuscht vom Konzert nach Hause gegangen sein, auch wenn nicht alle Erwartungen erfüllt werden konnten.

Setlist:
War
I Am Loco
How Can I Live
God Save Us
Turns To Gray
Cleansing
Predisposed
Unreal
Drum-Jam
What U Deserve
Te Amo
Comes Around
Corazon
Lifeless Life
---
Still Hate
Liar

Nach dem Konzert waren Alex und Jörg jeweils mit einer NME.MINE-CD ausgestattet. Die MAD DOGGIN'-CD, die Alex kurz vor dem Gang zur Garderobe gekauft hatte, wurde ihm in einem unbeobachteten Moment wieder entwendet, als er uns gerade die Jacken reichen wollte. Sie ist seitdem auch nicht mehr aufgetaucht. So traten wir dann gegen halb zwölf die Rückfahrt nach Kaiserslautern mit gemischten Gefühlen an.

Redakteur:
Tilmann Ruby

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