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In Extremo - Düsseldorf

03.01.2002 | 13:31

30.12.2001, Tor 3

Von Oktober 1999 bis September 2000 war ich von dem Virus IN EXTREMO befallen und habe in Folge dessen die Band innerhalb dieser Zeit 15x live gesehen. Ja, irre muss man sein. Oberirr gar. Egal, (fast) jedes Konzert war ein Erlebnis und (fast) jedes Konzert war erstklassig - wenn es nicht gerade in Holland war und die Band... na ja, lassen wir das ;-) . Danach war ich von dem Virus geheilt und hatte bis zu diesem 30.12. seit weit über einem Jahr kein Konzert von IN EXTREMO mehr gesehen.

Entsprechend gespannt war ich auf die Band und wie sie auf mich persönlich noch wirkt. Das dies ausgerechnet im Tor 3 sein musste, war mir – vom kurzen Anfahrtsweg abgesehen – allerdings überhaupt nicht recht. Neben einer miesen Akustik besticht die Halle vor allem durch eine handvoll Pfeiler, die die Sicht auf die Bühne von sicher 20% der vorhandenen Plätze versperren. Ziemlich nervig! Da gibt es in der Umgebung deutlich bessere und ähnlich große Locations (das Stahlwerk z. B. ist auf der anderen Straßenseite). Das bei IN EXTREMO die Halle voll sein würde, war eigentlich klar. Das sind dann sicher ein paar mehr als 1.000 Leute.

Zu IN EXTREMO aber später mehr, denn vorher gab es noch eine Vorband, die auf den Namen BOON hörte. Hab ich noch nie auch nur einen Ton von gehört. Und, wenn ich ganz ehrlich bin, war das auch nicht besonders schlimm. Denn mit Ihrem Crossover-Sound, der mich des öfteren an einen Bastard aus CLAWFINGER und KYYRIA erinnerte, konnten sie weder beim Düsseldorfer Publikum noch bei mir auch nur einen Blumentopf gewinnen. Dabei war das hüftsteife 'Stageacting' der Saitenfraktion sicher nicht besonders förderlich. Lediglich der Sänger gab sich bemüht, aber auch er blieb letztlich blass. Als BOON nach 45 Minuten wieder von der Bühne gingen, hat das wohl Niemanden wirklich gestört.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause – die Bühne sah aus wie immer: links der Galgen, neben dem Schlagzeug zwei Podeste für Basti und die Lutter – war es dann soweit, 'die sieben Vaganden, die ihr Glück in der Hölle fanden' betraten Häppchenweise die Bühne. Erst die Rhythmus- und Saitenfraktion gefolgt von Troubadour Einhorn, die die ersten Takte von "Stetit Puella" zum besten gaben, ehe das Dudelsacktrio mit seinem Ersteinsatz aufmarschierte. Das Düsseldorfer Publikum begrüßte die Band überraschend verhalten – was am erwartungsgemäß 'mäßigen' Sound und/oder dem unglücklichen Einstieg mit "Pavane" und "Krumma Visor" gelegen haben kann – und kam erst bei den "Verehrt und Angespien"-Hits "Herr Mannelig" und "Spielmannsfluch" aus sich heraus. Bei mir machte sich zu dem Zeitpunkt schon ein merkwürdiges Gefühl der Langeweile breit. Die Band wirkte auf mich nicht mehr spontan, die Ansagen waren knapp und weniger witzig als in der Vergangenheit und die Bewegungsabläufe von Dr. Pymonte und Flex sind nun mal zu 100% einstudiert. Noch viel irritierender war die Tatsache, dass mich die Musik – im Gegensatz zu früher – emotional nicht mehr berührte. Hmm, komisch. Das war dem nun aufgetautem Publikum natürlich völlig egal, denn spätestens ab dem zweiten Teil der "Merseburger Zaubersprüche" wurde fleißig geklatscht, gepogt, gedivt und gesungen. Ist ja auch klar. Das letzte Einhorn hat von seinem Charisma nichts verloren und jeder, der die Band zum ersten Male sieht, erlebt etwas völlig Neues. Da fällt natürlich gar nicht auf, dass das synchrone hinknien und wieder aufstehen der Dudelsackmänner sowie die brennenden Drumsticks bei "Villeman Og Manhild" schon vor über drei Jahren Showelemente waren. Die brennenden Drumsticks waren dann auch schon fast die einzigen Pyroelemente, die verwendet wurden, da die Düsseldorfer Feuerwehr der Band einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Vielen Dank dafür. :-/
Deutlich verändert hat sich dafür aber der Aktionsradius von Basti (g.). Hat er bei seinen ersten Gigs noch ohne jede Miene und Bewegung seine Parts runtergespielt, ist er nun häufiger mal vorne an der Bühne zu sehen, singt diverse Backingvocals und hat sichtlich Spaß. Sogar in den mittelalterlichen Klamotten scheint er sich mittlerweile wohl zu fühlen. War nicht immer so. Die Setlist legte ihr Hauptaugenmerk logischerweise auf Songs des neuen Albums "Sünder ohne Zügel" und wurde mit diversen Stücken der ersten beiden Werke durchsetzt. Dabei waren natürlich Standards wie "Ai Vis A Lo Lop", "Rotes Haar" oder der genannte "Spielmannsfluch" genauso vertreten, als auch eher unerwartete Titel wie z.B. "Pavane" oder die erste Zugabe "Vor vollen Schüsseln". Dafür fehlten diverse Hits, die wohl nicht nur ich zwingend erwartet haben dürfte. Kein "Ich kenne alles", kein "Werd' ich am Galgen...", kein "Der Galgen", kein "Palästinalied". Schade. Der Stimmung in der Halle tat dies wohl keinen Abbruch, denn die Fans feierten IN EXTREMO ordentlich ab. Und meinen Argwohn hätten die genannten Songs wohl auch nicht vertreiben können. Sei's drum. Während das Publikum nach dem "Rattenfänger" laut nach Zugaben verlangte und diese in 4-facher Ausführung auch gebilligt bekam, wurde mir bewusst, dass dies mein letztes IN EXTREMO-Konzert war. Ich möchte aber betonen, dass dies nichts mit der Qualität der Show zu tun hatte, selbst wenn ich die Band schon mal besser gesehen habe. Wer die Band noch nie live gesehen hat, sollte dies zumindest schleunigst nachholen. Tschüß IN EXTREMO, war schön mit euch.

Setlist

Stetit Puella
Pavane
Krumma Visor
Herr Mannelig
Spielmannsfluch
Merseburger Zaubersprüche II
Le'or Chiyuchech
Ai vis a lo lop
Gier
Omnia sol temperat
Vollmond
Rotes Haar
Wind
Villemann og Manhild
Lebensbeichte
Unter dem Meer
Der Rattenfänger

Vor vollen Schüsseln
Hiemali Tempore
Natur Nous Sermont
Merseburger Zaubersprüche I

Redakteur:
Peter Kubaschk

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