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Iron Maiden/Trivium - Stuttgart

25.12.2006 | 15:39

07.12.2006, Schleyerhalle

Im Vorfeld der anstehenden Gigs in Europa gab es vielerorts Diskussionen bezüglich der Songauswahl. Aus Bandkreisen sickerte durch, dass die neue Scheibe "A Matter Of Life And Death" komplett gespielt wird und bei der Erstellung des Programms der nächsten Tour ausschließlich die Alben fünf bis acht Berücksichtigung finden. Nichtsdestotrotz waren die Tickets für die beiden deutschen Shows innerhalb weniger Wochen ausverkauft. So empfiehlt es sich, die Reise nach Stuttgart auch am heutigen Donnerstag schon recht früh anzutreten, um nicht zu spät in der Schleyerhalle aufzuschlagen und gar TRIVIUM zu verpassen, die den attraktiven Support-Slot bei den eisernen Jungfrauen ergattert haben.

Bei meinem Eintreffen in der Halle musste ich jedoch mit Erstaunen feststellen, dass Lauren Harris den Abend eröffnen wird. Bislang war mir der älteste Spross von MAIDEN-Tieftöner Steve Harris musikalisch gänzlich unbekannt. Umso überraschter bin ich, als die attraktive junge Dame barfüssig auf die Bühne sprintet und gleich in den ersten Minuten ordentlich Meter macht. Auch musikalisch weiß die Britin zu punkten. Umgeben von etablierten Musikern wie etwa Randy Gregg am Bass präsentiert die Einundzwanzigjährige locker-flockigen Rock à la JOAN JETT. Ob die Dame nur aufgrund ihres Familienstammbaums Applaus einheimsen kann, erschließt sich mir nicht. Alles in allem ein recht ordentlicher Auftritt. Auch wenn die Musik nicht neu erfunden wurde, haben Songs wie 'Your Turn' oder 'Get Over It' Wiedererkennungswert.

Ganz anders sieht es da schon bei TRIVIUM aus. Das Quartett aus Orlando hat in den letzten zwei Jahren überall gepunktet, wo man punkten kann. Frontmann Matt Heafy ist trotz seines jungen Alters mittlerweile schon zur Spitze der jungen Metal-Garde hinzuzuzählen, insbesondere seit der Veröffentlichung von "The Crusade", das für mich zu den besten Outputs des Jahres 2006 zählt. Wie hungrige Löwen ins Kolloseum springen die Jungs auf die Bühne und feuern eine erste Breitseite in Form von 'Entrance Of The Conflagration' und 'Detonation' vom neuen Album ins Publikum, das von Beginn an erstaunlich feierwütig und scheinbar bestens mit dem Material von TRIVIUM vertraut ist. Dass am heutigen Abend keine Gefangenen gemacht werden, wird jedem spätestens bei 'Like Light To The Flies' klar. Allen Unkenrufen zum Trotz verstehen die Vier ihr Handwerk und sind auch für mich die definitiven Nachfolger von METALLICA, ohne diese jedoch zu kopieren. Gerade Matt Heafy erinnert mich aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung und der Art und Weise zu singen sehr an den jungen James Hetfield. Dass TRIVIUM ebenso mächtig stolz darauf sind, den Vorturner von IRON MAIDEN machen zu dürfen, sieht man sofort. Wobei man den Briten ebenfalls zu dieser Wahl gratulieren kann! In den ersten Reihen bilden sich kleinere Moshpits, und die ersten Crowdsurfer erstürmen den Bühnengraben, was Matt Heafy mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis nimmt, und immer wieder feuert er die Feierwütigen an. Nach einer guten halben Stunde läuten 'Anthem (We Are The Fire)' und 'Pull Harder On The Strings Of Your Martyr' das Finale ein. Einziger Wermutstropfen ist das Fehlen der Übernummer 'This World Can't Tear Us Apart'; ansonsten jedoch ein toller Gig, der Lust auf mehr macht.

Setliste TRIVIUM:
Intro
Entrance Of The Conflagration
Detonation
Like Light To The Flies
A Gunshot To The Head Of Trepidation
To The Rats
Unrepentant
Tread The Floods
Anthem (We Are The Fire)
Pull Harder On The Strings Of Your Martyr

Nach einer langen Umbaupause ist es endlich so weit: Bruce Dickinson und seine Mannen betreten unter tosendem Applaus die Arena und beginnen die Show wie erwartet mit 'Different World'. Ich persönlich finde es gut, dass IRON MAIDEN das komplette neue Werk spielen. In den kommenden Jahren wird es aufgrund der Fülle der Klassiker im Repertoire und der immer kürzer werdenden Spielzeiten eh kaum noch Berücksichtigung finden. Die Bühnenaufbauten sind wie gewohnt imposant und orientieren sich thematisch an dem neuen Album. Beeindruckend ist auch die Lichtanlage. Die Trassenteile mit den bei MAIDEN schon traditionellen Paarlichtern sind beweglich wie ein Krake und können in alle Richtungen ausgefahren werden. Ansonsten ist alles beim Alten geblieben: Bruce Dickinson rennt wie ein Derwisch über die gesamte Bühne und animiert das Publikum unermüdlich; Janick Gers hampelt ausschließlich auf der rechten Bühnenseite herum und ist hauptsächlich damit beschäftigt, darauf zu achten, dass er seine Gitarre, die er mehrfach in allen Varianten durch die Luft schleudert, nicht auf den Schädel kriegt; für die Leadparts sind wohl eher Dave Murray und Adrian Smith zuständig, die gewohnt tight agieren; auch Steve Harris und Nicko McBrain funktionieren präzise wie ein Uhrwerk. Unterbrochen wird das Treiben nur durch eine kleine Danksagung von Frontmann Bruce Dickinson, der sich artig bei den deutschen Fans dafür bedankt, dass es den Briten erstmals gelungen ist, mit einem Album in Deutschland die Pole-Position in den Albumcharts einzunehmen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass IRON MAIDEN keinesfalls einem Trend hinterherhecheln und ihrem Stil seit über 25 Jahren treu sind, sowohl musikalisch als auch optisch. Einzige Ausnahme ist da erneut Bruce, der wenigstens seine Frisur immer wieder variiert, auch wenn die nur bedingt die Klischees erfüllt. Gekonnt gelingt es dem agilen Frontmann immer wieder, alle Blicke auf sich zu ziehen, sei es bei 'The Reincarnation Of Benjamin Breeg', wo er am Bühnenrand sitzt und den Song intoniert, oder bei 'Lord Of The Light', wo er mit den links und rechts auf den Ausläufern montierten Feldscheinwerfen immer wieder die Reihen und Ränge anstrahlt.

Das zu Beginn noch sehr euphorisch reagierende Publikum kühlt mit fortschreitender Spielzeit immer mehr ab und sehnt sich offensichtlich nach Klassikern wie 'The Number Of Beast' oder 'Aces High'. In Form von 'Fear Of The Dark' wird jedoch erst nach gut 75 Minuten ein Klassiker gebracht, der die Stimmung merklich anhebt und von tausenden Kehlen mitgesungen wird. Auch 'Iron Maiden' und '2 Minutes To Midnight' tragen zum Wohlbefinden bei. Jetzt kommt auch endlich das Bandmaskottchen Eddie auf die Bühne. In Soldatenmontur und bewaffnet mit Maschinengewehr stapft die Kultfigur über die Bühne. 'The Evil That Men Do' und 'Hallowed Be Thy Name' beenden dann den Abend. "Feierabend? Jetzt schon?!" lässt sich aus vielen Gesichtern lesen, und nicht wenige tun ihren Unmut mit Pfiffen kund. Da wirkt das vom Band kommende Outro 'Always Look On The Bride Side Of Life' fast schon wie eine Verhöhnung. Schade, dass alle großen Bands heutzutage nicht mehr in der Lage sind, mal deutlich über die Zwei-Stunden-Marke zu springen, um den Fans eine absolute Vollbedienung zu geben. Wohlwollend geschätzt, brachten es IRON MAIDEN heute auch nur auf 110 Minuten Spielzeit. Das ist bei Kartenpreisen von über 50 Euro einfach zu wenig. Zudem hat man sich mit dem Weglassen von 'Run To The Hills' oder 'The Number Of The Beast' nicht gerade viele Freunde gemacht. Dennoch hat sich der Abend gelohnt, auch wenn das Versagen eines Fotopasses bei mir persönlich einen faden Beigeschmack hinterlassen hat, wenn man bedenkt, dass so manche Tageszeitung einen Fotoartisten am Start hatte und dann nicht mal Bilder, geschweige denn einen Bericht veröffentlicht hat. That's business ...

Setliste IRON MAIDEN:
Different World
These Colours Don´t Run
Brighter Than A Thousand Suns
The Pilgrim
The Longest Day
Out Of The Shadows
The Reincarnation Of Benjamin Breeg
For The Greater Good Of God
Lord Of Light
The Legacy
Fear Of The Dark
Iron Maiden
2 Minutes To Midnight
The Evil That Men Do
Hallowed Be Thy Name

Redakteur:
Frank Hameister

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