Kreator, Sodom, Destruction - Halle

02.01.2002 | 06:42

30.12.2001, Easy Schorre

Mein Gott, wat 'ne Tour! Für Jeden, der was mit Thrash Metal anfangen kann, herrscht bei solch einem Package einfach Anwesenheitspflicht. Irgendwoher hatte ich noch gehört, dass auch HOLY MOSES mit dabei sein würden, waren sie aber nicht. Das störte aber nicht besonders, da es ja auch so dreimal Thrash-Extraklasse made in Germany zu bewundern galt. Also Ring frei für die geilste Thrash-Tour seit der SLAYER/SEPULTURA-Zerstörungsreise anno 1998.

Anheizen durften die Amis von WYKKED WYTCH. Die klangen sehr roh und ungeschliffen und hatten eine Frau am Mikro stehen, die nun nicht gerade sehr, sagen wir mal, feminine Töne ausstieß (ähnlich wie bei HOLY MOSES-Sabina). Stellenweise klang das Material der Floridianer sogar ziemlich gut und die 30 Minuten gingen somit sehr schnell vorbei.
Danach folgten die drei Co-Headliner, die jeden Abend in einer anderen Reihenfolge auftraten. In Halle ging's los mit DESTRUCTION. Die stiegen mit dem Oldie "Curse The Gods" ein und warfen gleich "Nail To The Cross" vom aktuellen Album "The Antichrist" hinterher. Spätestens beim dritten Song "Invincible Force" waren dann auch die Letzten aufgetaut und es machte sich im vorderen Teil der Halle ein fröhliches Bangen und Moshen breit. Auffällig war neben dem etwas zu leisen Sound (bei SODOM und KREATOR war es dann doch etwas lauter), dass Neu-Drummer Marc (Ex-ORTH, Ex-GUNJAH) eine sehr gute Figur machte. Der braucht sich hinter dem ausgeschiedenen Sven wirklich nicht zu verstecken. Nach "Eternal Ban" gab es mit "Let Your Mind Rot" noch mal neuen Stoff (dummerweise gerade einer der schwächeren Songs des Albums). Danach galt der Hauptaugenmerk aber mit Ausnahme von "Thrash Till Death" den älteren Scheiben. Als Kompromiss, um möglichst viele der alten Nummern berücksichtigen zu können, wurde ein Medley mit Songs wie "Antichrist", "Release From Agony" und "Life Without Sense" eingeschoben. "The Butcher Strikes Back" vom Comebackalbum läutete die heiße Phase ein und mit "Total Desaster" und "Bestial Invasion" ging der Auftritt dann zu Ende. Eine Stunde lang hatten sich DESTRUCTION auf der Bühne austoben dürfen und konnten durchaus überzeugen.
Als nächstes kamen SODOM an die Reihe. Tom kam mit "Wanted dead: Bin Laden"-Shirt auf die Bühne und widmete ihm später auch noch eine nicht ganz freundliche Ansage (auf ein Zitat verzichte ich aus Jugendschutzgründen). SODOM eröffneten mit "Among The Weirdkong" vom neuen "M-16"-Album. Weiter ging's mit Klassikern der Marke "Wachturm", "Remember The Fallen" und "The Saw Is The Law". Die Stimmung war gegenüber DESTRUCTION noch um einiges enthusiastischer und mittlerweile wurden sogar vereinzelte Diver gesichtet. Bei der Ansage zu "M-16" leistete sich Tom einen bösen Ossi-Scherz, als er fragte, ob denn das neue Album bei uns schon erhältlich sei. Pass bloß auf, du Wurst! Leider wurden für meinen Geschmack viel zu wenig neue Songs präsentiert, wo zum Beispiel war denn "Napalm In The Morning"? Klar, bei anderen Bands mecker ich dann wieder, wenn sie zu wenig altes Zeug spielen, aber bei so einem Klassealbum wie "M-16" hätte es schon etwas mehr sein dürfen. Aber sei es drum...
Zu der laufenden Welttour soll übrigens auch eine Live-DVD erscheinen, was den Autor dieser Zeilen vor das Problem stellt, sich wohl oder übel einen DVD-Player zulegen zu müssen, nur um sich selbst bewundern zu können. Denn derjenige, welcher da über der Menge thront, als Tom in einer Pause mit der Digicam auf die vorderen Reihen hielt, that's me! Aber vielleicht wird meine hässliche Fratze ja auch rausgeschnitten. Der Rest des Auftrittes förderte Nummern wie "Outbreak Of Evil", "Die Stumme Ursel", "Ausgebombt" und erfreulicherweise auch den ganz alten Demo-Schinken "Witching Metal" zu Tage. Dann wurden MOTÖRHEAD mit "Ace Of Spades" gecovert und ganz zum Abschluss gab es eine sehr kurze Fassung vom obligatorischen "Bombenhagel" auf die Lauscher. Das einzig Negative an dem knapp einstündigen Auftritt waren lediglich die etwas sehr langen Pausen zwischen den Songs, da hätten locker noch ein bis zwei weitere Nummern reingepasst.
Den finalen Genickschuss durften uns nun KREATOR verabreichen. Zum Einstieg gab es mit "Violent Revolution" den Titeltrack der aktuellen Scheibe. "Extreme Aggression" und "People Of The Lie" folgten sowie die superben neuen Songs "All Of The Same Blood" und "Servant In Heaven - King In Hell". Die Stimmung war tatsächlich noch ein bisschen besser als bei SODOM, es war einfach der sprichwörtliche Hammer. Nachdem "Pleasure To Kill" rausgehauen wurde, durfte bei "Mind On Fire" sogar Drummer Ventor den Gesangspart übernehmen und Mille sich ganz dem Gefiedel auf seiner Klampfe widmen. Im Gegensatz zu den Bassisten Schmier und Tom bedient dieser ja die sechs Saiten und auch das macht er richtig gut. Das als letzter Song angekündigte "Flag Of Hate" widmete er übrigens als Einziger dem kürzlich verstorbenen DEATH-Mastermind Chuck Schuldiner. Aber Mille, an der Aussprache solltest doch noch ein bisschen feilen, man sollte eigentlich wissen, dass "Schuldiner" nicht so gesprochen wird, wie man es schreibt. Wie dem auch sei, an besagtes "Flag Of Hate" wurde der Klassiker "Tormentor" gleich noch hintendran gehängt. Aber damit war immer noch nicht Schluss, denn KREATOR wurden noch zu einer stürmisch geforderten Zugabe "überredet", die in Form von "Under The Guillotine" (sehr schön!) vom "Pleasure To Kill"-Album erfolgte.

Fazit: KREATOR waren der Sieger des Abends gewesen, knapp vor den SODOMisten und für DESTRUCTION blieb mit einigem Abstand nur der dritte Rang. Dazu hat sicherlich einerseits die Running Order beigetragen, weil die Stimmung den ganzen Abend über kontinuierlich anstieg, aber eben nicht nur. Denn trotz meiner Ode der Freude an das neue DESTRUCTION-Album "The Antichrist" im Review, muss an dieser Stelle mal ganz klar gesagt werden, dass im Direktvergleich "M-16" und "Violent Revolution" einen ganzen Zacken besser sind. Nichtsdestoweniger haben alle drei Bands gezeigt, wo beim deutschen Thrash der Hammer hängt und es war nicht weniger als ein absolut denkwürdiges Konzert.
Thanx, ihr alten Säcke!!!

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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