LACUNA COIL - Aschaffenburg

03.03.2010 | 20:27

22.02.2010, Colos-Saal

Die Italiener bieten eine ausgezeichnete, poppig-rockige Show und begeistern im Colos-Saal, nicht zuletzt wegen zweier sehr guter Support-Bands.

Ein Montag ist sicher nicht der optimale Veranstaltungstag, aber als ich in dem Club in Aschaffenburg eintreffe, ist wirklich erstaunlich wenig los. Mühelos kann ich vorgehen, um pünktlich am Start zu sein, als die erste Band des Abends losrockt. Und der Terminus passt ausgezeichnet zu den deutschen DEADLOCK, die schon vor dem Gig als heftigste Band des Abends feststanden. Mit Sabine Weniger haben sie auch weiblichen Gesang, oft abwechselnd mit ihrem männlichen Gegenpart Johannes Prem, was die Brücke zum Vorprogramm von LACUNA COIL sein dürfte.

Der harte Metal DEADLOCKs und die eingängigen Melodielinien der Songs sorgen für interessierte Gesichter, allerdings nicht für Begeisterungsstürme. Das hat die Band aber sicher auch nicht erwartet, dazu sind sie doch zu extrem im Vergleich zu LACUNA COIL. Eine halbe Stunde mühen sich die Sechs redlich und hauen einen bunten Querschnitt ihrer beiden Alben ins Publikum, den sie mit offensichtlicher Spielfreude darbieten.

Auch wenn es keine Mitsinghymnen sind, so ist der Spaß zumindest in den ersten Reihen ansteckend, und DEADLOCK dürfen den Auftritt sicher als Erfolg verbuchen. Ich finde es jedenfalls klasse und bin überrrascht, dass die Band der Versuchung widersteht, 'Temple Of Love' zu spielen. Bei dreißig Minuten sollten auch lieber eigene Stücke im Vordergrund stehen.

Setlist:
Intro
The Brave/Agony Applause
Code Of Honor
Dark Cell
Awakened By Sirens
End Begins

Als zweite Band sind DOMMIN dran, die in unserem Soundcheck im Januar einen beachtlichen siebten Platz belegt haben. Dass die letzte Handlung der Band, bevor sie loslegt, das Kleben einiger langstieliger roter Rosen an das Keyboard (fünf Stück) und den Mikroständer (zwei) ist, sorgt für Heiterkeit im vorderen Bereich. Als dann auch noch Sänger und Gitarrist Kristopher Dommin eine völlig unmetallische Rock-'n'-Roll-Frisur offenbart, erntet die Band bereits Skepsis, bevor überhaupt der erste Ton erklungen ist. Natürlich habe ich es einfacher, da ich mit dem Material der Band vertraut bin. Aber der eingängige Alternativ-Rock der Amerikaner sollte es allen Anwesenden einfach machen, zu feiern.

Die Party bleibt aber erst einmal aus, denn Optik und Sound - Sänger Kristopher hat eine markante, außergewöhnliche Stimme, die auf jeden Fall den hohen Wiedererkennungswert der Band ausmacht - sind doch zu unerwartet. Im Verlauf des Auftritts teilt sich das Publikum in einen wohlwollend nickenden und klatschenden Teil und eine nicht allzu kleine Abordnung, die bei Bier und Unterhaltung das Ende des DOMMIN-Gigs ungeduldig erwartet. Sehr schade, in diesem Fall aber eher deren Verlust, denn mit einem ordentlichen Sound ausgestattet schmettern DOMMIN etwas mehr als eine halbe Stunde lang Songs ihres Debütalbums in den mittlerweile gut gefüllten Colos-Saal.

Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich zu diesem Konzert gekommen, weil ich das Gesamtpaket aus drei Bands so gelungen fand, und insgeheim sind DOMMIN meine Favoriten. Deswegen werde ich auch nicht enttäuscht und kann die Darbietung voller Power und Melodie genießen, obendrein habe ich gar keine Berührungsängste mit der Rockabilly-Erscheinung von Kristopher.

Live kommen die Tracks des Debüts wirklich knackig rüber. Schade, dass die Band nicht angemessen abgefeiert wird. Aber das ist das Los der Vorgruppe: Die Leute wollen jetzt die Hauptband haben und nichts anderes.

Als LACUNA COIL wenig später mit 'I Survive' loslegen, ist schon eine ganz andere Stimmung in der Bude. Zwar kam das aktuelle Album "Shallow Life" nicht überall und uneingeschränkt gut an, aber ich finde es gut. Klar, es ist poppiger und hat nicht immer allzu viel mit Metal zu tun, aber deswegen muss es ja nicht schlecht sein. Live jedenfalls kommen die Stücke dieses Albums sehr gut rüber und werden vom Publikum gefeiert. Kommerziell ist "Shallow Life" ja auch alles andere als ein Misserfolg, so dass man ihnen die seichtere Ausrichtung sicher nicht vorwerfen muss.

Cristina Scabbia steht natürlich sofort im Mittelpunkt. Ihre Gesangsdarbietung ist nun einmal das Herzstück der Italiener. So sehr sich Andrea Ferro auch bemüht und seine Vocals beisteuert, getragen wird fast jedes Lied durch die weibliche Stimme, vor allem in den eingängigen Refrains. Auch optisch fällt sie mit der schwarz-weißen Lederkluft auf und zieht die Blicke auf sich.

Ansonsten gibt es keine besondere Show, die Musik spricht für sich und wird durch die Gestik der beiden Frontleute unterstützt. Der Wechsel hin zu den eingängigen und kommerziellen Stücken wird konsequent durchgezogen. So gibt es keinen Song des Debütalbums zu hören, und auch der Nachfolger "Unleashed Memories" wird nur mit einem Song gewürdigt. Dafür wir deutlich, dass es sich hier um die "Shallow Life"-Tour handelt, denn nicht weniger als acht Songs, die damit die Hälfte des Sets ausmachen, werden gespielt.

Natürlich kommt auch das Erfolgsalbum "Karmacode" nicht zu kurz, doch wer schon länger ein Freund der Band ist, wird an diesem Abend enttäuscht. Das scheinen aber nur wenige zu sein, denn von Enttäuschung ist weit und breit keine Spur. Stattdessen schaue ich überall in glückliche Gesichter von Fans, die LACUNA COIL wohl tatsächlich erst seit wenigen Jahren kennen.

Nach etwa einer Stunde geht die Band von der Bühne. Moment mal, die sind doch Headliner! Ist das nicht ein bisschen wenig? Aber die "Zugabe!"-Rufe werden schnell erhört, und als Cristina in einem langen schwarzen Kleid zurückkehrt, um 'The Maze' zu singen, gibt es verstohlene anerkennende Blicke der Herren im Publikum, aber nur so, dass die Frau oder Freundin davon nichts mitbekommt.

Kurz danach ist es Zeit für die richtigen "Zugabe!"-Rufe, nachdem das bekannte DEPECHE MODE-Cover 'Enjoy The Silence' verklungen ist. LACUNA COIL kommen natürlich nochmal wieder und packen ihre beiden Hits aus: 'Spellbound' vom aktuellen Album und den "Karmacode"-Smashhit 'Our Truth'.

Pünktlich um 23.00 Uhr ist Schluss im Colos-Saal, man hat aber auch nicht das Gefühl, dass die Italiener irgendeinen wichtigen Song nicht gespielt haben.

Setlist:
Survive (Shallow Life)
Underdog (Shallow Life)
Closer (Karmacode)
I'm Not Afraid (Shallow Life)
Fragments Of Faith (Karmacode)
Tight Rope (Comalies)
1:19 (Unleashed Memories)
I Won't Tell You (Shallow Life)
Heaven's A Lie (Comalies)
Fragile (Karmacode)
Wide Awake (Shallow Life)
To The Edge (Karmacode)
The Maze (Shallow Life)
Swamped (Comalies)
Enjoy The Silence (DEPECHE MODE-Cover) (Karmacode)
----
Not Enough (Shallow Life)
Spellbound (Shallow Life)
Our Truth  (Karmacode)

Ein gut gefüllter Colos-Saal und ein mehr als gelungener Abend mit einem tollen Band-Package, der zwar immer unmetallischer wurde, aber dennoch ordentlich rockte. Viel mehr kann man eigentlich gar nicht erwarten, oder?

Redakteur:
Frank Jaeger

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