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LAMB OF GOD - Köln

14.03.2010 | 15:06

18.02.2010, Live Music Hall

Show some balls! LAMB OF GOD versuchen, die Domstädter zu begeistern. Ob es ihnen gelingt?

An einem sonnigen Donnerstagnachmittag mache ich mich auf zur Live Music Hall in Köln – verglichen mit dem Stollwerk, wo die Lämmer Gottes letztes Jahr noch auftraten, eine deutliche Vergrößerung der Zuschauerkapazität. Das sollte doch unterstreichen, dass die Band durch massive Livepräsenz und großes Werbeengagement seitens der Plattenfirma Roadrunner auch in Deutschland so langsam Fuß fasst.  Dass zu meiner Ankunftszeit um 17.30 Uhr noch kein Schwein vor der Halle wartet, ist aber nicht weiter schlimm, denn ich habe ja noch ein Interview mit Bassist John Campbell zu führen.

Nachdem ich dieses absolviert hatte, warte ich zusammen mit Freunden draußen auf den Kollegen Sievers. Nach einem kurzen intimen Plausch geht es dann mit einer großen Meute feierwütiger Shortsträger (tatsächlich, bei winterlichen Minusgraden  kommen doch einige Hardcore-Kids in Unterhemd und Basketballshorts) in die Halle, wo nach kurzer Umbauphase die Jazz/Metal/Core-Kakophonie BETWEEN THE BURIED AND ME in ihrer halben Stunde Spielzeit drei Songs auf die Meute loslässt. Ob es nun mehr oder weniger sind, kann ich nicht beantworten. Ganz ehrlich, ich finde die Musik furchtbar, eintönig (viele Töne machen keine packenden Songs) und atmosphärisch flach. Dem Sänger hingegen rechne ich hoch an, dass seine cleanen Vocals extrem gut sitzen, das kennt man in diesem Genre ja auch anders. Ich werde hiervon nicht begeistert, und auch die zahlreichen fragenden Gesichter der aus der Halle strömenden Musikbegeisterten sprechen Bände.

Als Nächstes darf die amerikanische Metalcore-Kapelle AUGUST BURNS RED Tod und Verderben ins Publikum feuern. Von so viel Hass und Brutalität angewidert verlasse ich als friedliebender Mensch die Halle. Quark, natürlich gehen mir Härte und Brutalität nicht gegen den Strich. Aber das, was AUGUST BURNS RED hier abziehen, lässt mich nur müde gähnen. Standard-Metal/Deathcore mit abgelutschten Riffs begeistert mich absolut nicht und wirkt unglaublich austauschbar. Bei aller Liebe, nach nur zwei Stücken verlasse ich die Halle und versuche, bei einer schönen Bratwurst meinem Bedürfnis nach Tod nachzukommen. Immerhin widert einen bei der Veranstaltung nicht der Veganer-Spam an. Löblich.

Als Drittes folgt die Deathcore/Death-Metal-Truppe JOB FOR A COWBOY, die ich persönlich im Vorfeld als schwächste Band des Abends angesehen habe. Was ich bis dato gehört habe, fand ich wenig ansprechend und langweilig, Live-Clips haben mir die schlechte Leistung der hohen Screams des Fronters schon vor Augen geführt. Ich gestehe hiermit offen: JOB FOR A COWBOY sind gar nicht so schlecht, wie ich sie erwartet habe. Leider passt ihre sehr Death-Metal-lastige Musik irgendwie nicht in das Billing, da das Material (im direkten Vergleich zu Abziehbildern wie AUGUST BURNS RED oder dem Chaosprogjazzcoremetal von BETWEEN THE BURIED AND ME) zu traditionell wirkt (etwas, das mir beim Hören der Platte nie so aufgefallen ist). Blass bleiben dennoch die hohen Vocals des Sängers, die eher wie eine Parodie auf Metal-Vocals klingen und an einen heiseren Kermit erinnern. Dennoch bekommt die Band von mir einen von zwei Daumen, denn sie haben meine negative Grundhaltung deutlich aufgeweicht.

Nach einer komisch langen Umbaupause (dreißig Minuten, so viel hatten die ersten Bands nur als Setlänge) dürfen die aus Richmond, Virginia, stammenden LAMB OF GOD auf die Bühne. Direkt steht die Halle, welche nur zu zwei Dritteln gefüllt ist, still. Stimmt, nicht Kopf, sondern still. Bis auf etwas Bewegung weiter vorne geht NICHTS, was man vom Betrachtungspunkt hinterm FoH gut erkennen kann. Leider muss man aber dazu sagen, dass die lethargische Bühnenpräsenz von drei Fünfteln der Band nicht dazu beitragen, dass der Funke überspringt. Außer Sänger Randy Blythe, der konstant von links nach rechts rennt und versucht, zu animieren, üben sich die restlichen Instrumentalisten (ich halte Drummer Chris Adler wegen seines Handwerks da mal raus) im Standfußball. Kölner Musikfans sollten schlechten Fußball zwar gewohnt sein, aber wenn die FC-Fans genauso lethargisch auf Prinz Poldi reagieren wie die Fans des heutigen Abends auf zumindest Randy Blythe, na gute Nacht. Zunehmend bekommt auch er schlechte Laune, bis er missgestimmt in die Menge brüllt, dass sie endlich mal Eier zeigen sollen und sich nicht wie Franzosen benehmen sollen.

Musikalisch kann man der Band keinerlei Vorwürfe machen; abgesehen von ein paar kleinen Verkloppern und Verspielern (hey, it's live!) sitzt hier alles. Auch die Lightshow sitzt perfekt, eine deutliche Steigerung zur Stollwerk-Show des letzten Jahres. Dennoch ist dieser Auftritt keine Glanzstunde im Repertoire der Band, was aber auch zu einem Teil an dem Publikum liegt. Jeder, der mal selbst in einem Club vor einer Hand voll Leuten gespielt hat und von der Bühne nur zehn Prozent der möglichen Reaktionen erlebt, weiß, wie frustrierend so etwas sein kann. Wenig hilfreich ist aber auch, dass die Band im letzten Viertel des Sets nach jedem zweiten Song von der Bühne spaziert, vermutlich in der Hoffnung, lautstark mit "We want more!"-Forderungen zurückgerufen zu werden. Da diese Ausbleiben, wirkt es unfreiwillig komisch, wenn die Musiker achselzuckend zurück auf die Bühne tapsen. Seinen Teil wird aber auch der blöde Termin dazu beitragen: Unter der Woche können die wenigsten die Hemmungen wegtrinken und der Teil, der heute von Mama und Papa gebracht wurde, darf maximal am Alkohol riechen.

Bleibt ein Resümee des Abends: Zwei von drei Vorbands konnte man sich getrost sparen. Das war nix. Und wenn da nicht ein reicher Sponsor von außen oder ein Lottogewinner in die Band investiert, wird da auch nix mehr draus. Schade um die Ambitionen, aber zu abgedreht oder zu konform punktet einfach nicht. Ich will nicht wissen, wie viel so eine Tour eine dieser Vorbands kostet. JOB FOR A COWBOY waren ganz nett, LAMB OF GOD gut, aber wirklich nicht restlos überzeugend. Gegen meine subjektive Meinung spricht aber, dass viele verschwitzte, zufrieden geprügelte Mosh-Knaben aus dem Pit laufen und von Ohr zu Ohr grinsen. Somit muss ich wohl gestehen, dass es vielen gefallen hat und ich zu den wenigen gehöre, die aufgrund von irgendwas (mangelndem Alkohol, zu wenig Lust auf brachiale Pitgewalt) nicht überzeugt sind.

Ich hoffe einfach mal, dass bei Rock am Ring mehr los ist und die Band sich besser präsentieren kann, denn ohne Zweifel sind LAMB OF GOD sonst live eine der besten Metalbands!

Redakteur:
Stephan Jegust

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