LUCA TURILLI'S RHAPSODY, FREEDOM CALL, ORDEN OGAN, VEXILLUM - Hamburg

15.12.2012 | 19:24

06.12.2012, Markthalle

Luca Turilli begibt sich das erste mal seit dem Split mit RHAPSODY OF FIRE mit "seinen" RHAPSODY auf große Tour, mit im Gepäck sind die Landskollegen VEXILLUM, ORDEN OGAN und FREEDOM CALL.

Weder die Italiener im Schottenrock von VEXILLUM (Foto links), noch das Publikum lassen es sich anmerken, dass die Markthalle noch etliche Lücken vor der Bühne aufweist. Die, die da sind feiern den Folk-Power-Metal gut ab und viele können sogar oft mitsingen. Vor allem Songs vom neuen Album "The Bivouac" werden gespielt ('The Wanderer's Note', 'Megiddo'), aber auch älteres Material wird gut angenommen ('Death To The Tyrant', 'Avalon'). Selbst die bekannten Singspielchen sind noch nicht abgedroschen genug um lauthals nachgesungen zu werden. Auf jeden Fall hat die Band viel Spaß und kann gekonnt das Publikum infizieren. Richtig begeistert bin ich nun zwar nicht, aber es war ein würdiger Anfang.

Zugegeben, das Bühnenoutfit von ORDEN OGAN bestehend aus Knieschützern aus dem Skatesport und halben Autoreifen ist nicht ganz überzeugend, umso mehr ist es aber die Musik. Die Nordrhein-Westfalener haben mit "To The End" auch gerade ein neues Album auf den Markt geworfen, das im Heavy-/Power-Metal-Sektor bisher gut punkten konnte. Auch heute machen ORDEN OGAN scheinbar alles richtig und sorgen für einheitliches Mitnicken -springen -und -singen. Entsprechend lobt Sänger/Gitarrist Sebastian das Publikum als das lauteste der Tour. "Cold Dead And Gone" heißt die Vorgabe in 'Things We Believe In', aber auch 'Masks' wird frenetisch abgefeiert. Der Gesang sitzt perfekt, sowieso scheint die Band sehr gut eingespielt. Es wird noch das obligatorische Publikumsfoto geschossen, dann wird die Bühne frei gemacht für den letzten Supportact.

FREEDOM CALL starteten als Nebenprojekt vom GAMMA RAY-Trommel Dan Zimmermann, mittlerweile haben die selbst ernannten Happy Metaller aus Nürnberg aber längst den Status als Nebenprojekt hinter sich. Die Halle füllt sich noch mal merklich, fast scheint es, als ob die meisten Besucher wegen FREEDOM CALL angereist sind. Die Show startet mit der Bandhymne 'Freedom Call' und wird wie jeder andere Song freudig aufgenommen, vor allem Sänger Chris Bay freut sich sichtlich, so hat er vor Beginn der Show noch drum gebeten, dass die Leute doch reinkommen mögen, sie würden nun anfangen wollen. 'The Quest' wird für alle gespielt, die sich frisch verliebt haben, mit 'Rockstars' und 'Power & Glory' gibt es Ballermannstimmung für alle. 'Land Of Light' ist nicht nur ein 'The Final Countdown'-Tribut, sondern auch ein wichtiger Song von FREEDOM CALL und ein guter Rauswerfer. Das Publikum möchte die Band aber gar nicht mehr gehen lassen und verlangt Zugaben. Die gibt es aber nicht, dafür kommt nun endlich der Headliner des Abends.

Luca Turilli ist ein Workaholic. So gibt es heute Abend nicht nur Songs von "seinen" RHAPSODY, sondern auch Songs von RHAPSODY OF FIRE und seinem Soloprojekt. Alessandro Conti ist ein Teufelssänger, Luca läuft wie angestachelt über die Bühne, auf einer Leinwand flirren Videos und Lichtspiele, die die Songs begleiten, es gibt eine Gastsängerin - Sassy Bernert -, die sich einige Gesangsparts mit Alessandro teilt (darunter natürlich 'Tormento E Passione', aber auch 'Demonheart' und 'Forest Of Unicorns') und eine Bühnenstatistin. Dazu gibt es einen Sound, der total transparent und druckvoll aus den Boxen kommt - bombast pur also. Auch das Drumsolo von Neuzugang Alex Landenburg wird mit Licht- und Videospielen untermalt. Insgesamt nehmen die Solo-Anteile, die nicht von Herrn Turilli kommen - es gibt auch noch ein Bass-Solo - aber zu viel Raum im Set ein, wodurch der Spannungsbogen der Show etwas durchbrochen wird. Genügend Songs sollte es doch geben. Apropos Songs: bei der Auswahl dürften sich viele RHAPSODY-Fans die Finger lecken.
Wie lange ist es denn bitte her, dass man 'Riding The Winds Of Eternity' (1998) und 'Warrior Of Ice' (1997) live gehört hat? Das sind absolut fantastische Songs, die sich wunderbar mit neuem Material von "Ascending To Infity" ('Clash Of The Titans', 'Tomento E Passione', 'Dark Fate Of Atlantis' und der (leider) gekürzten Version von 'Of Michael the Archangel and Lucifer's Fall') und Klassikern wie 'Dawn Of Victory' und 'Emerald Sword' ergänzen. Besonders schön ist auch 'Forest Of Unicorns', erneut mit dem traumhaften Gesangsduo Conti/Bernert und Akustikgitarren. Es ist auch toll zu hören wie wandelbar Contis Stimme und wie ähnlich ihr Charakter im Vergleich zu Fabio Liones ist. Den Lione mimt er auf jeden Fall mit Bravour, was vor allem in 'Son Of Pain' (mit Schaummaschine) gut zum Vorschein kommt. Selbst Songs aus Luca Turillis Solozeit werden wieder zum Leben erweckt und zwar in Form von 'Demonheart' und 'The Ancient Forest Of Elves' und 'Warrior's Pride'.  Eine tolle Show, die ab und zu noch straffer hätte sein können, aber bei so einem tollen Set und dermaßen spektakulären Showeinlagen ist das schnell vergessen.

Setlist LUCA TURILLIS RHAPSODY:

Riding The Winds Of Eternity
Clash Of The Titans
Tormente E Passione
Demonheart
The Village of Dwarves
Excalibur
Forest of Unicorns
Warrior's Pride
The Ancient Forest Of Elves
Of Michael The Archangel And Lucifer's Fall (Gekürzte Version)
Son Of Pain
Dawn Of Victory

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Dark Fate Of Atlantis
Emerald Sword
Ira Tenax/Warrior Of Ice

Text und Fotos [Jakob Ehmke]

Redakteur:
Jakob Ehmke

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