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Lamb Of God - Hamburg

26.05.2010 | 11:34

03.03.2010, Grünspan

Pure American Metal im Hamburger Grünspan.

Es ist ein kalter Abend auf der Hamburger Reeperbahn. Der Winter würde sich noch lange bemerkbar machen. Im Bewusstsein dessen könnte meine Stimmung ebenfalls Winterschlaf halten. Was helfe einem kleinen Vorstadtgauner wie mir an einem solchen Abend, effektiver mein Gemüt aufzutauen als eine warme Tasse Glühwein? Natürlich die Luxusvariante: Das anstehende Spektakel im Grünspan. Nicht zwei, nicht drei, sondern gleich vier Spitzenbands aus dem Land von Cowbell und Corona. Und im wahrsten Sinne des Wortes eine besser als die andere.

An der Spitze finden sich niemand minder als die fünf ehrwürdigen Herren aus Richmont, Virginia: LAMB OF GOD. Begleitet von denen mir bis dato unbekannten BETWEEN THE BURIED AND ME, den Kraftbündeln von AUGUST BURNS RED aus Lancaster, Pennsylvania und den nicht mehr ganz so neuen Sternchen im Death-Metal-Universum JOB FOR A COWBOY. Ein Billing, das eines der besten Metalkonzerte Hamburgs in diesem Jahr verspricht. Und beim anstehenden Ohrenschmaus sollte es mir leicht fallen diese Behauptung zu verteidigen.

Gespannt bin ich auf BETWEEN THE BURIED AND ME, da ich erst vor Ort von ihrer Teilnahme erfahren habe. Als die Jungs loslegen, geht ein Raunen durch die Menge. Eine äußerst schwer verdauliche Musik. Ob’s nun an der noch mittelmäßig ausgesteuerten Anlage liegt oder der etwas gewöhnungsbedürftigen Performance, sei mal dahingestellt. Die Band weiß zwar, was sie tut und beweist technisches Können und Energie, doch diese will sich nicht auf das Publikum übertragen. Beschreiben könnte man sie in einem Wort: progressiv. Ihre Songs: Interessant, jedoch zu lang. Mit Liedern einer Länge von im Schnitt neun gefühlten Minuten wird eine Show schnell zu einer Ausdauerprobe. Schade drum.

Nun ist es Zeit sich mit dem meiner Meinung nach wahren Opener für diesen Abend zu befassen: AUGUST BURNS RED. Trotz meiner etwas kritischen Haltung dem Genre Metalcore gegenüber kann ich diesen Auftritt in vollen Zügen genießen. Stimmungstechnisch herrscht im Publikum das genaue Gegenteil zur vorangegangenen Band. Ohne Kompromisse zeigen AUGUST BURNS RED, wie auch Metalcore zu genießen ist. Brutaler Gitarrensound gemischt mit einem Rhythmus, der jedes einzelne Glied in Bewegung setzt. Ein wundervolles Zusammenspiel aus traumhaft schönen Melodien und der unbändigen Kraft der Vocals ergeben ein Gesamtbild, welches an diesem Abend nur LAMB OF GOD zu toppen wissen würden.

Als JOB FOR A COWBOY auf uns losgelassen werden, ist eine Teilung der Meinungen im Publikum zu spüren. Als einzige Vertreter des Death Metal an diesem Abend haben die fünf Jungs es nicht leicht, jeden zu überzeugen. Ich gehöre dazu. Sind sie hart, ohne Frage. Sind sie fit, keine Frage. Sind sie gut? Nein.

Hier haben wir das perfekte Beispiel dafür, dass Erfolg zum Großteil auch von Bekanntheit abhängt. Ein Song klingt wie der andere und nur bei 'Knee Deep', welcher durch das Spongebobvideo auf YouTube der Band besonderen Bekanntheitsgrad einbrachte, vermag im Publikum mehr Bewegung hervorzurufen. Von einer Band, die mit LAMB OF GOD tourt, erwarte ich mehr. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Eine gute halbe Stunde später ist es dann so weit. Die Lichter gehen aus und die Menge tobt. Wir sind bereit, zu springen, zu singen, zu weinen, zu lachen, zu headbangen, zu moschen, zu genießen. Das Licht geht aus und das Intro 'The Passing' schallt durch den Kessel des Grünspans. Ein magischer Moment, welcher durch viel Gekreische übertönt wird, während LAMB OF GOD sich auf der Bühne bereit macht.

Und dann geht es los. 'In Your Words' knallt uns direkt ins Gesicht, gnadenlos wie ein Peitschenhieb. Auf der Platte etwas eintönig, jedoch live eine echte Wonne. Nach dem etwas langatmigen Outro geht es ohne lange Wartezeit weiter mit 'Set To Fail', der ersten Singleauskopplung aus ihrem neuesten Album "Wrath". Der perfekte Reinkommer.

Obwohl ich zu denen gehöre, die ihre älteren Alben wie "Ashes Of The Wake" bevorzugen, war ich von der Live-Performance sehr angetan. Aber auch mein Geschmack sollte auf seine Kosten kommen. Die nächsten vier Songs ließen sich beschreiben als ihr persönliches Best Of. Das epische Meisterwerk 'Walk With Me In Hell' legt hierfür den Grundstein, um dann mit 'Now You’ve Got Something To Die For' auch unsere Stimmbänder zu strapazieren.

Nach einer kurzen Rauch(!)- und Trinkpause geht es weiter mit den Klassikern 'Ruin' und 'Hourglass', welche durch ihre Kompromisslosigkeit und Randys ungebremster Bühnenpräsenz nie langweilig werden. Als nächstes holt die Band mit 'Dead Seeds' einen eher mittelmäßigen Song aus der Tasche, den ich eher als Aufwärmung für das wahre Highlight des Abends betrachte: 'Blacken The Cursed Sun'. Auf keinen anderen Song ist meine Vorfreude so hoch. Dementsprechend bekomme ich auch eine Gänsehaut, während ich ein Teil der mit Randy singenden Masse werde.

Doch die Magie verfliegt schnell als ein weiterer Song ihres neuesten Albums, 'Grace', uns aus unserer Trance reißt, gefolgt von ’Broken Hands’, einem weiteren Titel aus jenem Album. Doch nun sollte mit dem neuen Schmodder Schluss sein. Die letzten fünf Songs des Abends stehen ganz im Zeichen der alten LAMB OF GOD. Von 'New American Gospel' bis 'Sacrament' ist alles dabei und lässt den Abend perfekt ausklingen.

'Laid To Rest' ist zunächst am Start, welchen sich die meisten Fans wohl als Opener gewünscht hätten. Doch besser spät als nie. Der nachfolgende Song 'Contractor' befindet sich zwar ebenfalls auf der neuesten Scheibe, wirkt jedoch eher als Kontrapunkt zum atemberaubenden Song 'Vigil'.

Beendet wird das ganze Spektakel mit ihrem bisher größten kommerziellen Erfolg: 'Redneck'. Und das zu Recht. Ein Song wie kein zweiter. Da bewegt sich der Nacken doch ganz von alleine trotz der bereits aufkommenden Schmerzen. Doch kein LAMB OF GOD- Konzert darf ohne ’Black Label’ enden und so kommt es noch mal zum großen Abschlussmosh.

Insgesamt ein wundervoller Abend. Laut, warm und voller Spaß an Pure American Metal.

Setlist:
The Passing  
In Your Words  
Set to Fail  
Walk With Me In Hell  
Now You've Got Something To Die For  
Ruin  
Hourglass  
Dead Seeds  
Blacken the Cursed Sun  
Grace  
Broken Hands  
Laid to Rest  
Contractor  
Vigil  
Redneck  
Black Label

[Gastautor: Jeroen Kies]

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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