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M'Era Luna - Hildesheim

24.08.2017 | 13:25

12.08.2017,

Das M'ERA LUNA wartete in diesem Jahr nicht nur mit einem besonders bunten Line-Up auf - auch meteorologisch sorgte das Schwarze Szene-Treffen für Überraschungen.

MAIN STAGE

Wie am gestrigen Tag bereits angedeutet: Früh aufstehen lohnt sich auch am Sonntag! Denn JOHNNY DEATHSHADOW lädt zwar nicht zum Gottesdienst – dafür aber zum 'Black Prayer'. Die Hanseaten haben 2017 zu ihrem Jahr erklärt. Nach dem Wave Gothic Treffen und dem fulminanten Auftritt auf dem Wacken Open Air eröffnen Johnny und Co die Main Stage am zweiten Tag des M'ERA LUNA. Die Sonne im Gepäck stehen alle Zeichen auf Sturm und das nutzen die Jungs mit einer schier unbändigen Spielfreude. Selten auf dem M'ERA LUNA eine Band gesehen, die schon um diese Uhrzeit mit so viel Explosivität und Power dem Publikum gar keine Wahl lässt: Der Funke springt bereits nach dem eröffnenden 'Bleed With Me' über. JOHNNY DEATHSHADOW versteht es dabei, das Tempo je nach Belieben mit eher getragenen Nummern wie 'Ghost' oder härteren Brettern wie 'Apocalypse Trigger' über das ganze Set hinweg mit Spannung zu gestalten. Man fragt sich, warum die Hamburger erst jetzt ihren Weg auf die großen Bretter der Szene gefunden haben. Die kurze Spielzeit von zwanzig Minuten führt jedoch dazu, dass der Spaß leider viel zu früh endet. Ich plädiere für eine Mindestlänge der Opener-Slots von einer halben Stunde!
[Leo Dowidat]
Der Auftritt von DARKHAUS beeindruckt mich gleich doppelt: Denn dass Gary Meskil so kurz nach dem gewaltsamen Überfall in Belgien, bei dem der Amerikaner schwer verletzt wurde, wieder auf der Bühne steht, ist beachtlich. Dass die Show der internationalen All-Star-Band derart strahlend ist, dass selbst die Sonne sich wieder hinter den Wolken hervortraut, weckt in mir den Wunsch, den Jungs mit einem strahlenden Lächeln non-stop zuzujubeln. "It's Tough To Shine" - die Zeile aus dem Song von DARKHAUS passt vor allem auf Frontmann Kenny Hanlon wie die Faust aufs Auge. Jede Menge Lust auf den Gig bei allen fünf Musikern und ebenso viel Spaß auf der anderen Seite der Bühne. Gleich ob es nun die Nummern der EP "Providence" oder Stücke des aktuellen Albums "When Sparks Ignite" sind - mitgesungen wird bei jedem Stück, getanzt und gejubelt sowieso. DARKHAUS bringt nach der Regenperiode des gestrigen Tags wieder etwas Sonnenschein zurück aufs M'ERA LUNA, sowohl innerlich als auch äußerlich.
[Leo Dowidat]

VERSENGOLD hat auf dem MERA LUNA allen Grund zu feiern: Das aktuelle Album der Mittelalter-Folker, das sie eine Woche zuvor in Wacken releasten, hat einen stolzen zweiten Platz in den deutschen Album-Charts erobert. Kein Wunder, dass Malte, Alexander, Flo und Co an diesem Tag besonders gut aufgelegt sind. Bei solchen Erfolgen geht der Opener 'Sang- und Klanglos' noch flüssiger von den Lippen, die Jungs machen von der ersten Sekunde an mit ihren wilden Soli auf Geige, Nyckelharpa und Gitarre richtig Laune. Mit neuen Songs wie 'Samhain' oder dem Wirbelwind 'Feuergeist' hat VERSENGOLD die Setliste für Festivals mit grandiosem Material angereichert – dazu gesellen sich im Laufe des Auftritts altgediente Nummer aus der Schatzkiste mit den Bandklassikern. Denn weder die 'Drei Weiber' noch 'Paules Beichte' inklusive der obligatorischen Absolution durch Malte möchte man live missen. Ein Blick auf die gespielten Lieder, von denen jedes einzelne ein Muss für mich ist, macht zusätzlich zu den beseelten Gesichtern des Publikums vor der Bühne ein weiteres Mal deutlich: VERSENGOLD hat sich den Status und auch die Chartplatzierung redlich verdient. Schön, dass die jahrelange Arbeit der Hannoveraner nun endlich auch Früchte trägt!
[Leo Dowidat]
Jagdzeit auf dem M'ERA LUNA: Denn MEGAHERZ betritt am frühen Nachmittag die Bühne des Gothic Familientreffens. Vor dem desolaten Bühnenbild des "Zombieland" beziehen nach und nach alle Musiker der NDH-Gruppe Stellung. Alleine schon anhand der frenetischen Begeisterung mit der Alexander "Lex" Wohnhaas und seine Jungs empfangen werden, wird dem geneigten Zuschauer des Spektakels klar: Eigentlich empfiehlt sich MEGAHERZ schon lange für deutlich spätere Positionen im Line-Up. Dies scheint das Quintett auch noch einmal mit einem beeindruckenden Auftritt zementieren zu wollen. Zumindest zeigen sich die Münchener mit einer starken Performance. Vom ganzen Auftreten der Musiker während des Gigs bis hin zum starken Sound – im Übrigen keine Selbstverständlichkeit auf dem diesjährigen M'ERA LUNA - die Band macht einen rundum positiven Eindruck. Egal ob das optisch angedeutete 'Zombieland' oder Dauerbrenner wie das brachiale 'Jagdzeit'... Spätestens zum 'Miststück' hat MEGAHERZ sie alle im Sack. Und die Menge singt: "Du bist ein..." So schafft man sich ein Denkmal – oder eben einen Denkanstoß für die Veranstalter.
[Leo Dowidat]

Den Auftritt von THE CRUXSHADOWS kann ich beim besten Willen nicht als Konzert bezeichnen. Für mich ist das, was die Amerikaner auf die Bühne bringen, eine Show – eine hochprofessionell produzierte und ansehnliche Show, doch kann ich mich mit dem Gedanken, dass bei den Elektrorockern alles vom Band kommt, einfach nicht anfreunden. Nun gut, "alles" wäre unfair. Denn Frontmann Rogue präsentiert seine Gesangseinlagen live und macht mit seiner Leistung einen großen Teil Enttäuschung wieder wett. Denn der Held der Stunde und Mittelpunkt von THE CRUXSHADOWS ist trotz des extravaganten Aussehens seiner Mitmusiker (inklusive seiner eigenen außergewöhnlichen Tolle) der Chef selbst. Ob er nun über die Monitorboxen kraxelt oder den direkten Kontakt zum Publikum beim Balance-Akt auf dem Wellenbrecher sucht – jeder Ton sitzt bei Rogue. Besonders bejubelt wird vom Publikum die Single-Auskopplung 'Helios' aus dem kommenden Album "Astromythology". Schließlich hat dieses ja auch lange genug auf neues Material von der Szene-Größe gewartet, ganze fünf Jahre liegt das letzte Album von THE CRUXSHADOWS zurück. Bei dieser Brillanz und Kontrolle stellt sich bei mir vorwitzig die Frage: Warum nicht gleich alles live in Zukunft?
[Leo Dowidat]

 

Sie haben den Hype um die Seeräuber-Romantik vollends im Herzen der Schwarzen Szene ankommen lassen. Mit heroischem Intro und in schmucker Piraten-Klamotte mit Uniform und Augenklappe macht MONO INC. sich auf dem feucht-fröhlichen M'ERA LUNA auf große Kaperfahrt. Dabei beschwören Martin Engler, der an diesem Wochenende bereits als DJ im Hangar den Takt vorgab, und seine Crew nicht nur den Geist längst vergangener Abenteuer ('Banks Of Eden') herauf, sondern appellieren auch an den Gemeinschaftsgeist der schwarzen Seelen auf dem Festivalgelände. Und wo sollte das besser funktionieren als auf deren Familientreffen? Kaum verwunderlich, dass daher 'Children Of The Dark' zu den Songs auf dem M'ERA LUNA gehört, der wohl am stolzesten bejubelt und am innbrünstigsten mitgesungen wird.
[Leo Dowidat]

 

SCHANDMAUL macht am Sonntag dort weiter, wo die Kollegen von SUBWAY TO SALLY tags zuvor aufgehört haben: Thomas Lindner und seine Truppe liefern eine solide Vorstellung mit einer gängigen Festival-Setliste, mit der sie nicht nur altgediente Fans ruckzuck auf ihre Seite ziehen, sondern auch die eher elektronisch orientierten Goths in das melodiöse Wunderland der Szenegröße ziehen. Trotz strömenden Regens versammeln sich gefühlt sämtliche Festival-Besucher vor der Main Stage, um der Samtstimme von Thomas und dem beinahe stolzen Sound der Fraktion um Drehleier und Geige zu lauschen. Denn das charismatische Spektakel ist in dieser Form auch nicht mehr lange auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu sehen: Schließlich verlässt Anna SCHANDMAUL nach dem nächsten Festival-Gig auf dem FEUERTAL-Festival. Von Abschiedsmelancholie hier in Hildesheim jedoch keine Spur. Als SCHANDMAUL die Bühne verlässt, applaudiere ich mit einem seligen Lächeln im Gesicht.
[Leo Dowidat]

 

Zum Beginn des Auftritts von BLUTENGEL muss ich erst staunen, dann stöhnen: Düstere Gestalten in schwarzen Kapuzenmäntel betreten mit lodernden Fackeln die Bühne zu den ersten Takten von 'Black' die Bühne. Eine klassische, dramatische Inszenierung ganz nach meinem Geschmack. Zumindest bis die Gestalten die Kapuzen lüften. Und wer steht da zwischen sexy Tänzerinnen im Lack-Catsuit? Dr. Mark Benecke – der Forensiker, an dem man in der Schwarzen Szene in diesen Tagen einfach nicht vorbeikommt. Der Sinn seines kurzen Gastspiels erschließt sich mir nicht, verschwindet er doch recht zügig nachdem Chris Pohl und Goldkehlchen Ulrike Goldmann die Szenerie betreten. Im Gepäck haben die beiden vor allem ihre poppigen Dark Electro Pop-Nummern aus dem neuen Silberling "Leitbild", die das Duo elegant im schwarzen Anzug präsentieren. Ein stimmiges Gesamtbild, an dem mich allerhöchstens bisweilen die schwarzen Hupfdohlen mit ihrem unbewegten Gesichtsausdruck ein wenig stören. Doch was soll's: Wenigstens lenkt das opulente Geschehen auf der Bühne ein wenig von dem Fakt ab, dass Chris Pohl bisweilen die Töne entgleiten. Im direkten Vergleich zur stimmlich grandios aufgelegten Uli fällt diese Achilles-Ferse allerdings natürlich auch umso stärker auf.
[Leo Dowidat]

 

Selbstbewusster Coverabend mit AND ONE. So würde ich den Auftritt mal beschreiben. "Wir sind der ewige Headliner. Bitch." Ja, für diese Ansage muss man schon ganz schön von sich überzeugt sein. Es ist ja auch nicht ganz zu Unrecht so, denn AND ONE ist ja tatsächlich eine feste Institution in der EBM Szene. So verwundert es nicht, dass ungefähr 15000 Menschen dieses Konzert sehen möchten. Die Liederauswahl ist modern und auf die letzten Alben beschränkt. So werden die meisten älteren Songs leider ausgelassen. Eine ganz andere Herangehensweise als bei PROJECT PITCHFORK. Apropos PROJECT PITCHFORK: Sehr geehrte Herren AND ONE, noch ein so ein Cover, wie das von 'Timekiller' und ich werde nie wieder in der Disco zu euch tanzen. Ja genau, nehmt das! Bei den ersten fünf Tönen des PROJECT PITCHFORK Klassikers bin ich noch verzückt. Bei den nächsten fünf Tönen werde ich skeptisch und wieder fünf Töne weiter mischt sich Entsetzen mit in meine Gefühle. Grauenvoll. Und der Gesang ist auch schlecht dazu. Die zwei Keyboarder und der Drummer können das auch nicht mehr retten. Danach wird es sehr redefreudig. Ich höre gar nicht mehr so genau zu, manches ist auch eher ein bisschen wirr. Warten wir mal ab, wie es denn so musikalisch so wird. Mit 'Get You Closer' und 'Wanted' gibt es erst einmal eher unbekannte Songs. Die Menge ist verzückt und tanzt freudig unter einem trockenen Abendhimmel. Habe ich schon das mit den schlimmen Covern erwähnt? Ja? Gut, denn es geht noch weiter damit. Bei 'Krieger' gibt es ein 'Sweet Dreams' Mini-Cover-Einspiel-Stück. Das passt nun nicht so richtig, aber zum Glück ist es schnell wieder vorbei. Eine Ballade wird dann au noch dargeboten von Joke Jay, mit den Worten "einige von euch werden sich echt einpissen, weil er [der Song] so schön ist". Der "mega-geile" Song entpuppt sich allerdings als lahme DEPECHE MODE Kopie mit "LaLaLa" Einlagen. Er geht auch nicht "relativ tief rein". Was nehmt ihr da auf der Bühne eigentlich für eure Ansagen so ein? 'High' ist wohl nicht nur das nächste Lied. Welches auch von Herrn Jay gesungen wird. Danach ist Steve wieder dran und kichert sich während des Singens einen ab, dass man sich wirklich langsam fragt, was man hier eigentlich noch tut. Ach so, arbeiten. Stimmt ja. Schade. Bei 'Unter meiner Uniform' hat es den Anschein, dass er weint, nur um dann das Publikum mit "Ihr Säcke" wieder anzuschreien. Ein Highlight ist das erste Lied 'Second Voice', welches nach eigener Aussage "genauso schlecht wie damals" sei. Der Gesang wird echt nicht besser. Es klingt schief und schleppend und ein bisschen, als wäre der Herr betrunken. Es folgen wirre Ansagen, eine kurze Pause, um die Zugabe spannender zu gestalten und dann selbstverständlich noch der Hit 'Military Fashion Show'. Vielen Dank, aber ich geh dann mal nach Hause. Gedanklich habe ich das Festival dann mal mit DAF beendet und versuche die letzte Stunde zu verdrängen. (Archivbild)
[Yvonne Päbst]

 

HANGAR STAGE

Ich freue mich selten darüber, wenn ich früh aufstehen muss. Und so schlendere ich auch an diesem Morgen leicht unmotiviert in die Halle auf dem Festival-Gelände. Um es mal mit den neuen, modernen Worten bei Werbeanzeigen im Internet zu formulieren: Ich betrete die Halle. Doch was dann geschieht bei ACCESSORY geschieht, hättet ihr nie für möglich gehalten.
Glaubt mir, ich auch nicht. Super geile Beats, coole Rhythmen, eine Energie wie in einer Tesla-Spule und eine Stimmung, bei der man nur noch mittanzen kann. Ich war schon auf holländischen Rave-Parties, die waren dagegen jedoch Kaffeeklatsch. Super gut gelaunt, total motivierend und mega sympathisch macht die Band auf der Bühne massiv Stimmung. Ich bin sofort hellwach, genieße die Musik und schließe mich den ganzen Tänzern in der Halle an. Viel zu schnell geht der Spaß zu Ende und ich frage mich, wie ich in all den Jahren an so einer guten Band vorbeikommen konnte, ohne sie jemals live gesehen oder gehört zu haben. Noch während ich zur Hauptbühne gehe, beschließe ich, das zu ändern.

Ich freue mich selten darüber, wenn ich früh aufstehen muss. Und so schlendere ich auch an diesem Morgen leicht unmotiviert in die Halle auf dem Festival-Gelände. Ich betrete die Halle. Doch was dann bei ACCESSORY geschieht, hättet ihr nie für möglich gehalten. Glaubt mir, ich auch nicht. Super geile Beats, coole Rhythmen, eine Energie wie in einer Tesla-Spule und eine Stimmung, bei der man nur noch mittanzen kann. Ich war schon auf holländischen Rave-Parties, die waren dagegen Kaffeeklatsch. Super gelaunt, total motivierend und megasympathisch macht die Band auf der Bühne massiv Stimmung. Ich bin sofort hellwach, genieße die Musik und schließe mich den ganzen Tänzern in der Halle an. Viel zu schnell geht der Spaß zu Ende und ich frage mich, wie ich in all den Jahren an so einer guten Band vorbeikommen konnte, ohne sie jemals live gesehen oder gehört zu haben.
[Yvonne Päbst]

 

Herrlich unaufgeregt kommt THE ARCH daher. Nach meinem letzten Erlebnis, gerade auf der Hauptbühne, brauche ich etwas Schönes, Ruhiges und Ästhetisches. Es klingt wie eine Mischung aus LACRIMOSA und DEPECHE MODE, mit leider etwas unnötig hallenden Effekten unter dem Gesang. Davon abgesehen ist es ganz entspannend. Die Halle ist zu etwa einem Viertel gefüllt, der Altersdurchschnitt ein wenig höher und die Tanzbewegungen der Besucher verträumt und langsam. Das ist definitiv keine Band, um die Beherrschung zu verlieren oder ekstatisch zu hüpfen. Aber auf eine ganz bestimmte Art und Weise ist das Konzert vergnüglich. Wenn ich richtig recherchiert habe, tritt THE ARCH nur ungefähr alle zwei Jahre auf. Das würde bedeuten, dass ich 2019 wieder einmal die Gelegenheit bekomme werde, die Belgier auf einer Tour zu sehen. Auch hier wundere ich mich, wie eine Band, die immerhin seit 1986 unterwegs ist, erst jetzt kennen lernen kann. Aber besser spät als nie.
[Yvonne Päbst]

 

Die nächste Band muss ich Niemandem vorstellen. ABSURD MINDS ist seit 20 Jahren in der EBM Szene vertreten und spielt eine Mischung aus Punk-Texten mit Musik der alten PROJECT PITCHFORK im Stil der "AlphaOmega". Trotz der doch beachtlichen Kilometer, die da auf der Bühne zurückgelegt werden, sind die Ansagen sehr aufmunternd, und es ertönt ein "Wir haben noch Kraft". Es folgt ein Mitmach-Song: Klatschen und Singen steht für das gut gelaunte Publikum nun auf dem Programm. Die Halle ist bis ganz hinten gefüllt und feiern zu die wunderschönen Melodien und traumhaften Beats. Ein bisschen Gänsehaut habe ich ja schon. Dann geht es leider zum Endspurt über, und das nun "letzte Lied des Abends" (na ja, man kann sich ja mal bei der Ansage in der Zeit vertun) ist dann wieder ein schnelles Lied, und die Menge gibt noch einmal alles.
[Yvonne Päbst]

 

Jubel, Jubel, Huld, Huld. Ich warte mal wieder seit Jahren auf eine passende Gelegenheit, um einen Auftritt der beiden Dänen zu erleben. LEATHER STRIP ist seit so vielen Jahren dabei, aber die Möglichkeiten, in einen Live-Genuss zu kommen, sind leider eher rar gesät. Nun gibt es eine Old-School-Voll-Auf-Die-Fresse-Party. Wie immer introvertiert und etwas unscheinbar spielt Kurt das Keyboard, während Claus sich die Seele aus dem Leib singt und sein ganzer Körper so ekstatisch zur Musik rockt, dass es einfach jeden ansteckt. LEATHERSTRIP klingt nicht wie eine andere Band. Die anderen Bands klingen wie LEATHERSTRIP. Und das seit 1988. Die Bühne wird in ein buntes Lichtspektakel und wildes Strobofeuer getaucht. Das sieht gut aus, aber so eine charismatische und alles einnehmende Band wie die beiden braucht das eigentlich gar nicht. Nehmt das, ihr jungen Cyber-Hüpfer in den letzten Reihen der rappelvollen Halle! So wird gefeiert. Der Marsch-Pit (ein, finde ich, passendes Wort für so einen Moshpit voller Stomper) tobt und es geht durchaus etwas rauer zu. Der Rest der Halle singt und tanzt, was das Zeug hält. Vom ersten Moment an habe ich Gänsehaut und bei 'Strap me down' rinnt eine klitzekleine Träne meine Wange herunter.
[Yvonne Päbst]

 

Der Name lässt Großes vermuten. Leider bleibt es dabei. Mein "Erstes Mal" FRONT LINE ASSEMBLY live überzeugt mich nicht gerade. Auf Platte immer gerne und auch schon seit vielen Jahren. Allerdings dauert der Soundcheck ewig, sodass es erst einmal eine beachtliche Verspätung gibt. Die Halle ist gerammelt voll, doch leider wirkt das Ganze auf der Bühne ein wenig lieblos. Der Gesang ist zu leise, es gibt hier und da eine Rückkopplung, Ansagen fehlen auch irgendwie und die Show ist eher unmotiviert. Die Fans stört das nicht allzu sehr, denn getanzt wird trotzdem. Ich weiß nicht ganz, ob es damit zu tun hat, dass die Kanadier nicht mehr wie 2006 auf der Hauptbühne, sondern nun im Hangar spielen, aber da ist live noch deutlich Spielraum nach oben. Ehrlich gesagt gehe ich gelangweilt und enttäuscht schon bei der Ansage zum letzten Lied raus, um mich ein wenig bei SCHANDMAUL aufzuheitern.
[Yvonne Päbst]

 

Schon 2015 auf dem Amphi-Festival hat mich die Deutsch Amerikanische Freundschaft völlig überzeugt. So bin ich auch dieses Mal total begeistert. Auf meinen Kopfhörern schon super sind sie live eine lohnenswerte Erfahrung. Der Applaus am Anfang ist ohrenbetäubend, bevor überhaupt nur ein Wort gesagt wurde. Alle in der restlos gefüllten Halle tanzen und feiern zu den Urgesteinen des EBM und Electro Punks. Die Texte der 1978er Formation regen durchaus zum Denken an und können nicht unreflektiert interpretiert werden. Zeilen wie beispielsweise "tanz den Adolf Hitler" (aus dem Lied 'Mussolini') oder "Du bist schön und jung und stark, nimm dir was du willst" (aus dem Lied 'Verschwende deine Jugend') können da schnell in den falschen Hals geraten. Viele Texte sind allerdings auch Wortkompositionen und Klangspiele, welche experimentell ein wenig an GOETHES EREBEN erinnern.
[Yvonne Päbst]

 

Schließlich verabschieden auch wir uns nach einem nassen, aber wie immer eindrucksreichen und familiären M'ERA LUNA aus Hildesheim. Zu meckern gibt es außer der schlechten Laune von Petrus nichts - FKP Scorpio hat mit dem Gothic Festival eine Heimat für alle Schwarzen Seelen geschaffen, die sich das Wochenende vom 11. bis zum 12. August 2018 dick und fett im Kalender anstreichen.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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