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M'Era Luna 2012 - Hildesheim

19.12.2012 | 13:48

10.08.2012, Flugplatz Drispenstedt

Das war es nun wieder, das M’Era Luna 2012. Für drei Tage wurde aus dem Flughafen Drispenstedt bei Hildesheim ein Festivalgelände für über 20.000 Besucher, mit zwei Bühnen, einem Disco-Hangar, Mittelaltermarkt und einem der besten Zeltplätze.

Obwohl der Wetterbericht eine andauernde Wolkendecke für das ganze Wochenende vorhersagte, herrscht Sonne satt und man sieht keine einzige Regenjacke, sondern sowohl die ausgefallensten und edelsten Kostüme, die man sich vorstellen kann, als auch viel Haut und durchweg gute Stimmung.

Freitag, 10.08.2012

Auch wenn am Freitag noch keine Band auf den beiden Hauptbühnen spielt, bekommt man dennoch ab dem späten Nachmittag eine erstklassige Unterhaltung. Bis die Tore zum Disco-Hangar öffnen, lesen die Autoren Markus Heitz, Christian von Aster und Gesa Schwartz aus ihren Werken vor. Als es dann soweit ist, dass der Disco-Hangar öffnet, strömen die tanzwütigen Besucher hinein und feiern bis zum Morgengrauen zu Musik, aufgelegt von Ronny von CLAN OF XYMOX und Honey von WELLE:ERDBALL.

Wer lieber keine elektrischen Klänge möchte, kann auf dem Mittelaltermarkt handgemachter Musik von PESTILENZIA lauschen.

Samstag, 11.08.2012

Am Samstag machen die Gewinner des diesjährigen M’Era Luna Newcomer Wettbewerbs, SYMBIOTIC SYSTEMS aus Hannover, den Anfang und eröffnen somit das Festival. Danach geht es immer im Wechsel auf den beiden Bühnen, der Mainstage und der Hangar-Stage hin und her.

Eines der ersten Highlights des Tages bildet das Projekt des Dj Ash, HEIMATAERDE. Nach einem längeren Intro aus gregorianischem Gesang betreten die vier Bandmitglieder, begleitet von zwei Kreuzrittern, die Bühne. Zu hören gibt es eine Mischung von hartem, düsterem Elektro mit E-Gitarre und mittelalterlichen Pfeifen.

Im Anschluss drehen die Österreicher von ROTERFELD auf und bieten eine grundsolide Rockshow, wenn auch dem Sänger anfangs nach eigener Aussage sein Bier im Flaschenhalter am Mirkofonständer fehlt. Als er es nach zwei-drei Liedern hat, bekommt die Musik sowohl von seiner Seite, als auch der restlichen Band, noch mehr Power.

Die nächsten auf der Mainstage sind MEGAHERZ. Zwar will beim ersten Lied das Mikrofon nicht so wirklich, und das Ersatzmikro ebenso wenig, aber all dies nimmt Lex mit Humor und fragt das Publikum im Anschluss, ob ihnen die Instrumentalversion gefällt. Für den restlichen Auftritt funktioniert die Technik dann wieder reibungslos und dem Genuss von 'Miststück' und '5. März' steht nichts mehr im Wege.

Fast zur selben Zeit erscheinen sowohl die ersten Sonnenstrahlen hinter den ersten und fast einzigen Wolken des Wochenendes als auch die Jungs von LETZTE INSTANZ. Holly springt über die Bühne und fast das ganze Publikum macht es ihm vor der Bühne nach und wird zu einer einzigen tanzenden und hüpfenden Masse, die zu einer bunten Mischung von Klassikern und neuen Liedern feiert. Sogar ein Lied aus dem bis dahin unveröffentlichten Albums "Ewig" ist dabei. Als Ausklang gibt es das schon fast obligatorische Jungs vs. Mädchen Spiel, wer lauter schreien kann, und 'Wir sind allein' als Abschied, gesungen von einem Chor aus Holly und den Zuschauern.

Nun ist es Zeit für, SUBWAY TO SALLY, den heimlichen Headliner des Tages. Wohl selten passt das Lied 'Das schwarze Meer' so gut, wie an diesem Abend – wenn man vorne ist und sich umdreht, sieht man so weit das Auge reicht die Zuschauer stehen und weit hinten im Dunkeln verschwinden. Als einzige Band gibt SUBWAY TO SALLY sogar drei Zugaben, 'Kleid aus Rosen', 'Sieben' und passend zum bevorstehenden Weltuntergang im Dezember 'MMXII'.

Als letzte Band des Tages betreten die eigentlichen Headliner, PLACEBO, die Bühne, jedoch lichtet sich der Zuschauerbereich deutlich und man bemerkt einen Strom in Richtung Zeltgelände. Nach Klassikern wie 'Song To Say Goodbye', 'Infra-Red´ und dem Hit 'Running Up That Hill' verschwinden die Musiker hinter die Bühne, wohl die Pause, in der das Publikum nach einer Zugabe verlangen soll, aber das Publikum verschwindet nun auch immer mehr, da helfen auch die großen LED Bildschirme und die blendend helle Lightshow nicht.

Im Anschluss öffnet auch wieder der Disco-Hangar für alle die weiterfeiern möchten. An diesem Abend legen FADERHEAD und Martin Sprissler vom Gothic Magazine auf.

Sonntag, 12.08.2012

Das erste Publikumshoch gibt es bei der Pagan-Folk Band FAUN, bei denen man zwar weniger mitsingen, aber dafür eine sehr dichte Atmosphäre erleben kann.

Als Kontrast zu der mittelalterlichen Musik, tritt im Anschluss WELLE:ERDBALL auf und verwandelt das Festival in ein Retro-Fest. Ein Teil der Musik stammt nicht nur von einem Commodore 64 und jener ist ein vollwertiges Mitglied der Band, es wird sogar eine signierte Originalverpackung ins Publikum geworfen, deren Fänger sich zudem den dazugehörigen C64 abholen kann. Weitere „Geschenke“ an das Publikum sind große Luftballons, die für ein ganzes Lied über die Köpfe hüpfen, und duzende Pustefix Dosen, was für einen Sturm aus Seifenblasen sorgt. Zu hören gibt es alles von 'VW-Käfer', über 'Monoton & Minimal' bis 'Feuerwerk'.

Dass die Veranstalter des M’Era Lunas dieses Jahr auf Kontrast setzen, wird deutlich, als im Anschluss SCHANDMAUL die Bühne betritt. Wie schon auf dem Wacken eine Woche vorher, in ungewohnter Besetzung, da die beiden Mädels, wie Thomas sich so schön ausdrückt, „geworfen“ haben und nun sich um ihre Kinder kümmern müssten. Die Vertretung bildet unter anderem ALLY THE FIDDLE, die Geigerin mit den endlos langen Haaren. Und obwohl der Sonnenuntergang noch lange hin ist und noch einige Bands bis zum Festivalende spielen werden, ist Stimmung wie bei einem Headliner.

Als nächstes betritt der Checker, alias Alexx die Bühne, EISBRECHER sind dran. Das Gelände vor der Bühne wird sogar noch voller als vorher. Wie schon vorher bei Geige und Dudelsack von Schandmaul, wird nun zum brachialen Sound von Alexx und Co. gefeiert und mitgesungen. Die Highlights bildeten, neben Hits wie 'This Is Deutsch', der Poké-Rap und Alexx’ Jodeleinlage 'Mei Vater is an Appenzeller'.

Ein Intro, eine Feuerwand, sieben Musiker, IN EXTREMO. Wie man es von ihnen gewohnt ist, liefern wieder eine meisterhafte Show ab, mit allem was man sich wünschen kann als Fan. Sie spielen neue Lieder wie 'Sterneneisen', mittlere wie 'Küss mich' und alte wie das letzte Lied des diesjährigen M’Era Luna, 'Villemann Og Magnhild'.

 

Anders als an den anderen beiden Tagen, gibt es sonntags keine Party im Disco-Hangar, es ist schon um 22:00 Schluss. Auch wenn so manche schon jetzt abreisen, kann man aber auch bis Montag noch zelten und dann abreisen, was die meisten auch tun.

Nun kommen wir zu dem Pro und Contra des diesjährigen M’Era Luna, den Überraschungen und Enttäuschungen.

Wie schon seit Jahren, waren die Duschen und Toiletten kostenlos, dafür gibt es einen dicken Daumen hoch, ebenso für das Campinggelände. Zwar hat es dieses Jahr nicht geregnet, aber dennoch geht nichts über asphaltierte Hauptwege. Der Mix der Genres war so, dass für jeden Fan genug da war und nicht nur für Fans eines einzelnen Geschmacks. Auch sehr schön waren wieder die bunten Massen anzusehen, von Menschen, die sich in aufwändigen Kostümen präsentierten.

Schade waren die ungünstigen Überschneidungen von den beiden Bühnen, der Main-Stage und der Hangar-Stage. Genau in dem Moment, wenn eine Band auf der Main-Stage fertig war, begann im Hangar die nächste, weshalb man in diese Richtung keine Band bis zum Ende ansehen konnte und rechtzeitig bei der anderen im Hangar sein. In die andere Richtung, von Hangar-Stage zur Main-Stage konnte man ebenfalls keine Band bis zum Schluss ansehen und von der nächsten den Beginn, da diese immer in dem Moment schon eine halbe Stunde lang spielte. Auch negativ fielen die Pfandsammler auf, die auch unter dem ein oder anderen Pavillon die Dosen nahmen.

Zu den musikalischen Enttäuschungen kann man nur sagen, dass es schade ist, dass gerade die großen Bands keinerlei Bezug auf die Location nahmen, sondern einfach ihr Programm „abarbeiteten“, was einen direkt zum Positiven bringt: Die meisten anderen Bands, die nicht ganz oben auf dem Plakat standen, gingen wunderbar auf das Publikum ein und lockerten die Stimmung mit Scherzen und Anekdoten auf.

Insgesamt ein wirklich hervorragendes Festival.

 

Für das nächste M’Era Luna sind mittlerweile schon mehrere Bands bestätigt, darunter The Crüxshadows, ASP, Mono Inc., welche schon fast auf dem M’Era Luna zuhause sind, Saltatio Mortis, Coppelius, Eisenfunk und die Newcomer Ost+Front.

Text und Fotos: [Philipp Heil]

Redakteur:
Philipp Heil

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