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MOTÖRHEAD - Chemnitz

21.12.2009 | 13:02

12.12.2009, Arena

Lemmy besucht das schöne Sachsenland und hat lautstarke Unterstützung mitgebracht. Rock'n'Roll 4 Ever!

The Same Procedure As Every Year – Weihnachtszeit ist Lemmy-Zeit. Das einzig Heilige an diesem Mann ist sein Geburtstag. Wer am 24. Dezember Geburtstag hat, für den ist der letzte Monat im Jahr immer etwas besonders. Seit vier Jahren gehört es für mich zum guten Ton, die lebende Legende auf einer Show in meiner Nähe zu besuchen. Zunächst zweimal Leipzig, vergangenes Jahr Dresden und dieses Jahr Chemnitz. Und jedes Jahr hab ich das Gefühl, dass mehr Menschen zu den Konzerten strömen.

Hatte ich zunächst Zweifel, ob die Chemnitzer Arena nicht doch eine Nummer zu groß wäre (immerhin liegt kein neues Album vor) so sind die beim Eintreffen im Messeareal wie weggewischt. Nach der frechen Parkplatzabzocke (Warum muss ich vier Euro für einen Parkplatz bezahlen, wenn ich Gast bei einem Konzert bin, für das ich eigentlich bezahlt habe? Muss ich demnächst den Kundenparkplatz bei Aldi auch bezahlen?) geht es bei eisigen Temperaturen in Richtung Eingang. Wo ist er? Wohin man sieht nur Menschen. Man feiert, man trinkt und singt. Herrlich – endlich normale Leute.

Schnell rein in die riesige Mehrzweckarena – es herrscht jetzt schon Volksfeststimmung. Die Bierbuden sind gut besucht, die Würstel gehen weg wie warme Semmeln und geraucht wird ohne Ende. Was ist denn hier los? Offensichtlich gelten für MOTÖRHEAD andere Regeln – gut so. Heute herrscht Rock'n’Roll!

Gegen 19 Uhr beginnt der Spaß mit den Amerikanern von BLACK STONE CHERRY. Am Tag zuvor empfahl mir Micha von IN EXTREMO die Jungs und preiste sie als eine der zukünftigen Megabands an. Da bin ich ja mal gespannt. Nach wenigen Sekunden bin ich überzeugt. Das ist mal richtig fette Arschtritt-Musik mit Eiern. Es drückt, es groovt und macht einfach Laune. Die Jungs aus Kentucky haben sichtlich Spaß mit ihrem Auftritt und machen untereinander jede Menge Späße und Faxen – wenn man seine Instrumente so beherrscht wie dieses Quartett, kann man das schon mal machen. Langsam wird mir auch bewusst, warum ihr letztes Album "Folklore And Superstition" auf Platz 28 der amerikanischen Albumcharts geschossen ist. Nur frag ich mich, warum man hier in Deutschland noch fast gar nix von den Jungs gehört hat. Das wird sich jedoch bald ändern. Diese Tour könnte den Durchbruch für die sympathische Bande bedeuten – ach was, es muss den Durchbruch bedeuten. Songs wie 'Lonely Train' oder 'We Are The Kings' sind pure Killer. Das merkt auch das Chemnitzer Publikum, das mit fortlaufender Dauer immer mehr aus sich herausgeht und die Amis mächtig abfeiert. Zum Abschluss spielen Frontmann Chris, Gitarrist Ben und Basser Jon gleichzeitig Overneck, bevor Drummer John auf Bens Gitarre mit dem Drumsticks so manch geilen Ton herausholt. Yeah! Das rockt die Hölle. BLACK STONE CHERRY sind jetzt schon der Gewinner des Abends.

Als in der Umbaupause das Backdrop von DER W hochgefahren wird, durchzieht erster, lauter Jubel (und einige Buh-Rufe) die große Arena. Klar, DER W polarisiert die Gäste – und das ist auch gut so. Leider haben die Veranstalter die große Idee gehabt, für jede Band extra Fotopässe einzuführen. Nur dumm, dass es niemandem gesagt wurde, weshalb Fotomaus Tine von der Security freundlich aus dem Fotograben gedrängt wird. Toll. Auch die Gurken (sorry, aber wer setzt bei so einem Event eine Aushilfe an den Schalter???) vor Ort checken die Lage nicht wirklich, so dass ich dreimal zwischen erster Reihe und Presseschalter hin- und herrennen muss, um wenigstens noch einen Pass für MOTÖRHEAD zu ergattern. Ganz großes Kino! Nachdem der Schaden in Grenzen gehalten wurde, konzentriere ich mich endlich auf Herrn Weidner, welcher in seiner unnachahmlichen Art die Menge anheizt. Die Stimmung ist am Kochen und die Chemnitzer Arena gleicht einem Tollhaus. Wer sich bei Songs wie 'Schatten' oder 'Tränenmeer' nicht mitreißen lässt, der muss entweder taub oder völlig ignorant sein. Stephan wirkt sichtlich erfreut über den gigantischen Empfang und plaudert über die aktuelle Tour, die seiner Meinung nach die beste Tour von ihm gewesen sei, auch wenn sie nur Support waren. Doch wenn der Headliner die lebende Legende MOTÖRHEAD sind, dann geht man auch als Support völlig steif. So manches Glas wurde zuviel getrunken, berichtet Stephan, aber das gehöre schließlich dazu. Wie vor der Tour bereits angekündigt, hängt sich Stephan ab 'Stille Tage im Klischee' die Gitarre um und zockt damit bis zum Ende durch. Bleibt nur die Frage, ob dies eine einmalige Sache bleibt oder ob er dauerhaft den Sechssaiter bedienen wird. Die Zeit wird es zeigen. Mit 'Geschichtenhasser' wird es noch einmal richtig laut, bevor es mit 'Gewinnen kann jeder' und 'Passt gut auf euch auf' zum finalen Abschuss kommt.  Sauber!

Setlist Der W:
01.    Der W, zwo, drei...
02.    Mein bester Feind
03.    Heiss
04.    Waffen & Neurosen
05.    Schatten
06.    Wer hasst dich
07.    Stille Tage im Klischee
08.    Tränenmeer
09.    Geschichtenhasser
10.    Gewinnen kann jeder
11.    Passt gut auf euch auf

Als nun das MOTÖRHEAD-Backdrop enthüllt wird, scheint die Arena zu beben. Chemnitz ist einfach heiß auf Lemmy. Und huch – was ist das? Ein kleines schwarzes funkferngesteuertes Militärflugzeug kreist neben der Bühne. Spielt Lemmy schon wieder Bomberpilot? Als die Musik erlischt und die drei Protagonisten die Bühne betreten, scheint der Jubel keine Grenzen zu kennen. Verdammt noch mal – was für eine Stimmung? "Good Evening"....was??? Lemmy, weißt du nicht wo du bist? Ah doch - er verbessert sich: "Guten Abend! We are MOTÖRHEAD and we play Rock'n'Roll!". Wusst ich's doch. Was folgt, sind knapp zwei Stunden, in denen die Briten (und der Schwede) wie immer die größten Hits der Bandhistorie präsentieren und nebenbei diesmal die eine oder andere Überraschung auf der Liste haben. Denn neben Klassikern wie 'Metropolis', 'Iron Fist' oder  auch mittlerweile 'In The Name Of Tragedy' (inklusive dem üblichen Drum-Solo) hat es mit 'Cradle To The Grave' sogar eine lang nicht mehr gehörte B-Seite auf die Bühne geschafft. Wahrlich eine Überraschung. Doch doppelt hält besser und so trumpfen MOTÖRHEAD zusätzlich mit einer Coverversion von TWISTED SISTER - 'Shoot 'em Down' - auf. Fett! Ansonsten spielen Lemmy und Kollegen die gleichen Songs wie gewohnt, nuscheln dieselben Ansagen ins Mikro (mittlerweile versteht man Lemmys Gebrabbel fast gar nicht mehr) und stellen den Hörer doch meist für wenige Sekunden auf die Probe, welcher Song denn hier überhaupt gespielt wurde und ob man ihn nicht schon einmal heut gehört habe. Doch genauso muss ein MOTÖRHEAD-Konzert ablaufen – so und nicht anders. Beim finalen 'Bomber' zeigt sich das schwarze Flugzeug wieder, das über die Köpfe der Fans kreist und für Angst und Schrecken sorgt. Als die Jungs die Bühne verlassen, kehren die lautstarken "Lemmy Lemmy"-Rufe zurück. Ob das Lemmy überhaupt noch hört? Muss er wohl, denn mit dem üblichen Zugabe-Dreierset kehren die Recken zurück und schicken das Chemnitzer Publikum mit dem Akustik-Hammer 'Whorehouse Blues', dem übernatürlichen 'Ace Of Spades' und dem Dampfhammer 'Overkill' endgültig in den Wahnsinn.

Was soll man sagen? Drei tolle Bands, ein wunderbar aufgelegtes Publikum und jede Menge Bier'n'Roll. Besser kann ein Samstagabend nicht aussehen! Also in diesem Sinne: Rock Out – With Your Cock Out!!!

Besten Dank für die Bilder gebührt Christin Kersten :-)

Setlist MOTÖRHEAD
01.    Iron Fist
02.    Stay Clean
03.    Be My Baby
04.    Rock Out
05.    Metropolis
06.    Over The Top
07.    One Night Stand
08.    I Got Mine
09.    The Thousand Names Of God
10.    Cradle To The Grave
11.    In The Name of Tragedy
12.    Just 'cos You Got The Power
13.    Shoot'em Down
14.    Going To Brazil
15.    Killed By Death
16.    Bomber
- - - - -
17.    Whorehouse Blues
18.    Ace Of Spades
19.    Overkill

Redakteur:
Enrico Ahlig

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