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Machine Head - Leipzig

20.12.2003 | 12:46

19.12.2003, Werk 2

Als vorweihnachtliche Bescherung hatten sich MACHINE HEAD angekündigt um ihre neue Scheibe "Through The Ashes Of Empires" livehaftig vorzustellen, die ja einen nicht unwesentlichen Schritt "back to the roots" macht und besonders bei den Fans der ersten Stunde für viel Freude sorgt.

Den Auftakt bestritt mit MNEMIC allerdings erst einmal eine recht unspektakulär vor sich hin lärmende Band. Klar, ihr Neo Thrash kam schon ziemlich aggressiv rüber, dennoch fand ich, dass die paar Songs, die ich noch zu Gehör bekam, ziemlich dröge und beliebig klangen. Den Abschluss bildete ein Cover der heutigen Hauptband, aber auch das änderte nichts an der Tatsache, dass MNEMIC hier lediglich Kanonenfutter für MACHINE HEAD waren.

Nach einer unendlich lang scheinenden Pause ging's dann stimmungsvoll mit 'Imperium' vom neuen Album "Through The Ashes Of Empires" los. Sofort war klar, wer heute Chef im Ring sein würde. Viel mehr Menschen, als es üblicherweise bei Metal-Konzerten der Fall ist, wurden in den sich aufgekratzt bewegenden Pulk zuckender Leiber vor der Bühne hineingezogen. Das erste Mal tickte die Meute bei 'The Blood, The Sweat, The Tears' richtig aus und dieser Zustand hielt dann auch für den Rest des Konzerts an.
Nach fast jedem Lied erschallten lautstarke "MACHINE HEAD"-Sprechchöre, die von Chefbändiger Rob Flynn erfreut zur Kenntnis genommen wurden. Überhaupt war der gute Mann heute exzellent aufgelegt und präsentierte sich so publikumsnah, wie ich es bisher selten erlebt habe. Lag vielleicht auch daran, dass die Show in Leipzig den Abschluss der siebenwöchigen Tour darstellte, weshalb die MACHINE HEAD-Jungs auf der Bühne dann auch zwei Schnapsrunden verteilten (einmal mit der Crew und beim zweiten Mal mit der Vorband MNEMIC) und sich mit den Betreffenden gemeinschaftlich einen hinter die Binde gossen.
Sehr amüsant waren auch Rob's "Prost"-Schreie, die er sowohl in einer Thrash-Metal- als auch in einer Death-Metal-Version auf Lager hatte. Und als jemand während einer Pause crowdsurfte, erklärte Mr. Flynn ihm, dass er doch auf die Musik warten müsse und gelangte anschließend zu der Erkenntnis, dass es wohl das erste Metal-Konzert des Betreffenden sein müsse.
Zurück zum musikalischen Teil. Der klasse Sound rundete die äußerst energiereiche Darbietung ab, die an Intensität auf und vor der Bühne kaum zu überbieten war. Aber auch ruhigere Töne wurden ab und zu angeschlagen, z.B. beim die neue CD beschließenden 'Descend The Shades Of Night', welchem allerdings mit 'Davidian' der Bandklassiker schlechthin folgte, bei dem dann wirklich die totale Hölle im Publikum losbrach. Die Menschen sprangen, bangten und moshten so wild durcheinander, dass einem Angst und Bange werden konnte. Und als die Stimmung eh schon am Überkochen war, hatten MACHINE HEAD noch ein besonderes Schmankerl parat. Das Publikum durfte zwischen einem Cover von IRON MAIDEN und SEPULTURA wählen. Die Ex-Band von Max Cavalera gewann deutlich und so ertönte 'Territory' in einer brachialen Version, die auch SEPULTURA selbst durchaus zur Ehre gereicht hätte. Danach wurde das "unterlegene" 'The Number Of The Beast' trotzdem noch zum Besten gegeben.
Bei den eigenen Stücken war der hohe Anteil der "Burn My Eyes"-Songs bemerkenswert (besonders im zweiten Teil der Show) und es war nicht zu übersehen, dass bei 'Blood For Blood', 'Davidian' oder 'Block' mit Abstand am wildesten der Bär steppte. Da kam von der Intensität der Publikumsreaktionen nur noch 'Ten Ton Hammer' ran.
Am Ende bedankte sich Rob Flynn artig beim Publikum und Neugitarrist Phil Demmel verabschiedete sich mit einem Stagediver. Insgesamt rockten MACHINE HEAD fast 1 ¾ Stunden und waren schon beinahe erschreckend gut drauf. Hut ab, denn diese Leistung hätte man nicht unbedingt erwarten können.
Fazit: Es ist immer wieder schön, wenn man dem letzten Gig einer wochenlangen Tour beiwohnen kann und bei MACHINE HEAD traf das dieses Mal ganz besonders zu. Absolut geile Show!


P.S.: Und hier noch Henri Kramer's Eindrücke von diesem Abend.

Ein Inferno, ein übermächtiges Stück Musikgeschichte, ein nicht mehr zu toppendes Rockspektakel: MACHINE HEAD sind mächtig, MACHINE HEAD sind groß. Eine von den wenigen Bands, auf die sich fast alle Metal-hörigen Freaks dieses Planeten einigen können. Gerade das neue Album "Through The Ashes Of Empires" ist da bahnbrechend.
Logischerweise beginnt auch der Gig im fast ausverkauftem Werk II mit einem Track dieser Wunderscheibe: 'Imperium', das nach einem klassischen Intro seine wuchtige Kraft entfaltet. Und sofort tanzt der Saal, wirft sich den wütend lospreschenden Musikern auf der Bühne entgegen, lässt sich mittragen. Das Feeling ist wie bei SEPULTURA-Konzerten in alten Tagen, dreckig, rotzig, rockig. Rob Flynn ist der Zeremonienmeister, ein Typ, ehemals aus der Gosse gekommen, inzwischen berühmt und immer noch bodenhaftend. Wenn er in verschieden Metal-Stimmlagen "Prost Leipzig" gröhlt, deathmetalt und thrasht, dann ist der Jubel im Publikum groß, bei Hits wie 'Bite The Bullet' noch größer. Doch auch die Lieder vom ersten Killeralbum "Burn My Eyes" kommen wie Granaten aus den Boxen geschossen, 1000 Leute bangen im kollektiven Wahn um die Wette.
Kurzer Gedanke: Das ist der "Herr der Ringe" unter den Konzerten. Unglaublich geil. Denn wie in Peter Jackson Meisterwerk haben selbst ruhige Momente ihren Platz in der Schlacht von MACHINE HEAD: 'Descend The Shades Of Night' entpuppt sich im Zugabenteil als wahrer Tränendrüsendrücker nach knapp zwei Stunden Raserei. Göttlich! Da vergisst man fast die schlechte Vorband, die langweiligen Nu Metal spielt. Wie hießt ihr nochmal? Tipp: Mehr MACHINE HEAD hören.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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