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Metal Bash 2018 - Neu Wulmstorf

09.09.2018 | 20:11

05.05.2018, Schießsportanlage

Und wieder eröffnet das große Metal-Punk-Rock-Familienfest vor den Toren Hamburgs den Open Air-Reigen im Norden.

Alle Jahre wieder eröffnet das METAL BASH FESTIVAL vor den Toren Hamburgs am ersten Maiwochenende die Open-Air-Saison. Oder bezogen auf den absoluten Knallertag heute mit Sonne satt und 20 Grad Celsius schon am Vormittag: Die Saison der Sommerfestivals. Ab Elf Uhr am frühen Metaller-Morgen geht es mit erfreulich kurzen Umbaupausen auf der Hauptbühne Schlag auf Schlag. RAYDER eröffnet mit knackigem Speedmetal, HYDROPHOBIC legt mit derbem Death-Core heftig nach, die Jungs von DUROTHAR besingen in gekonntem Pagan/Viking-Metal-Sound auf Deutsch das Leben und Sterben auf hoher See, NOISE FOREST aus Hannover intoniert flotten Speed Thrash und ABROGATION, von denen ich bei meiner Ankunft noch den Schluss erwischen kann, garniert Ihren Melodic Death immer wieder mit Neue Deutsch Härte-Sound. Den zufriedenen Gesichtern auf dem sich langsam immer mehr füllenden Platz ist zu entnehmen, dass dieses Programm schon sehr gut angekommen ist. Bierstände, Schwenkgrill, Kaffee-Bar und Crepes-Buden sorgen abwechslungsreich für das leibliche Wohl. Merchandise, Festzelt mit Akustikeinlagen von Bands, die auch die Hauptbühne rocken und ein klug getaktetes Meet and Greet-Programm mit allen Künstlern des Tages lassen keine Wünsche offen.

 

Mit DETRAKTOR gibt es am frühen Nachmittag das erste echte Highlight des Tages. Die Hamburger Thrash-Formation existiert erst seit 2015 und hat bereits 2017 aus dem Stand den W:O:A: Metal Battle gewonnen, Hut ab! Doch schon nach 'Derednekk' dürfte jedem klar sein, warum. In Ihrer Promo heißt es nicht zu Unrecht, dass der Sound der Band dich trifft wie ein Schlag von Mike Tyson. Knüppelhart als Dampfwalze wie bei 'Unleash The Traktor' oder als Sense mit Blast Parts zum schwindelig werden (ohne Doublebass!) bei 'Sunday Poem' machen die vier Treckerfahrer um den singenden Drummer keine Gefangenen. Der Sound ist dabei immer schneidend und das Zusammenspiel der Akteure akkurat wie ein Schweizer Uhrwerk. Genregrößen und die, die sich dafür halten, aufgepasst, hier überrollt euch bald mit 1000 PS ein Traktor!

Setliste: Derednekk; Red Ride; Hold; Unleash The Traktor; Sunday Poem; Goddammit; B.S.P.I



Die Deutschrocker beziehungsweise Melodic-Punker DRUNKEN SWALLOWS sind mittlerweile auch schon alte Bekannte auf dem Metal Bash. Ansonsten sieht man die vier Jungs aus Oldenburg in Holstein auch oft als Support der KNEIPENTERRORISTEN, so dass das heutige Wiedersehen wahrlich nicht überrascht. Heute passt ihr Gute-Laune-Sound zu Sommer, Sonne, Gerstensaft wie A*** auf Eimer. Die neue Single 'Weil es Dich gibt' wird vorgestellt und von der bestens aufgelegte Meute vor der Bühne genauso mit Beifall bedacht wie das Material aus dem Backkatalog. Hin und wieder blitzen die üblichen Referenzen zu den großen Vorbildern BÖHSE ONKELZ (etwas weniger) und FREIWILD (etwas mehr) auf, 'Fackelzug des Wahnsinns' sei hier nur exemplarisch genannt. Immer auf Nummer sicher geht man, wenn man an einem solch herrlichen Rock 'n' Roll-Nachmittag noch die RAMONES covert. 'Sheena Is A Punk Rocker' gehört schon seit ewig und drei Tagen zum Repertoire der Jungs von der Ostsee und ist auch heute zum Schluss des Sets eine sichere Bank, den ganzen Platz noch einmal richtig in Bewegung zu bringen. So soll das sein!


IRON ANGEL war mit den beiden Alben "Hellish Crossfire" (1985) und "Winds Of War" (1986) eine der ganz großen Hoffnungen des deutschen Heavy Metal. Doch just implodierte die Band und verschwand von der Bildfläche, bis Gründer und Frontkehle Dirk Schröder sie mit neuer Besetzung reanimierte und 2015 neue Lebenszeichen an der Live-Front sendete. Wer auf den Speedmetal der guten alten EXCITER abfährt und diesen gern mit einer Portion Thrash gewürzt mag, liegt bei den Hamburgern goldrichtig. Mit 'Heavy Metal Soldiers', 'Ministry Of Metal' oder 'Blood And Leather' machen die fünf nicht nur thematisch, sondern auch in Sachen Geschwindigkeit und Härte alles klar. Altes ('Stronger Than Steel') fügt sich mit Neuem ('Helbound') nahtlos zu einer stählernden Wand, bei der die Funken sprühen, als ob diese mit einer Flex bearbeitet würde. Dirks Optik und Stimme erinnern dabei immer wieder an den Kollegen Dirkschneider. Und was er den "jungen Hüpfern" im Genre an Beweglichkeit mittlerweile nachstehen muss, macht er durch Coolness und augenzwinkernden Humor wett: "Meine Hüfte is' im Arsch, ich kann euch hier nich' den Tarzan machen, das müsst ihr schon selber tun!" Gesagt, getan, die Menge vor der Bühne lässt sich da nicht zweimal bitten und bildet prompt den ersten Moshpit des Tages. So geht Metal!

Setliste: Heavy Metal Soldiers; Sinnner 666; Ministry Of Metal; Blood And Leather; The Metalian; Fight For Your Life; Whritings On The Wall; Legions Of Evi; Hellbound; Carnovore Flashmob; Stronger Than Steel; Rush Of Power


Die Offenbacher V8 WANKERS sind mittlerweile der dickste Stinkefinger in Rotz 'n' Roll-Universum in deutschen Landen und mindestens einer der dicksten weit darüber hinaus! Reibeisenkehle Lutz Vegas hat mittlerweile eine Truppe um sich geschart, bei der BACKYARD BABIES und ähnliche Kollegen in Deckung gehen müssen. Was da an Druck, Präzision und ungebändigter Spielfreude rausgehauen wird, sucht seines Gleichen. Das ist wirklich "Full Pull, Baby", wie das neue Album auch betitelt ist. Die PS-Boliden aus Offenbach machen keine Gefangenen und treten das Gaspedal ununterbrochen durch, angefangen beim besagten Titelsong des neuen Outputs bis hin zu Klassikern der Marke 'This One's For You' oder 'Wankers Without A Cause'. Die 'Fist Of Rock 'n' Roll' wird den eigenen Helden ROSE TATTOO gewidmet, mit denen man im Sommer gemeinsam auf Tour gehen wird. Die Jungs haben 'Eier aus Stahl' und wenn Chef Vegas postuliert, er sei der 'Last Rock 'n' Roller' nimmt man es ihm und seiner Truppe in jeder Sekunde ab - was für ein Hammer-Auftritt!


Erstmal eins vorweg zur Klarstellung: Piet Sielck und seine Mannen sind Kult! Dass IRON SAVIOR im Ausland die großen Hallen füllt und ohne Ende abgefeiert wird, in deutschen Landen aber immer noch der "ewige Geheimtipp" ist, ist eine Schande! 'Way Of The Blade' zersägt den Hörnerv wie ein Laser, 'Gunsmoke In The Valley' lässt die Knöchel beim Fäusterecken knacken, 'Revenge Of The Bride' haut vom Stuhl, wer allen Ernstes jetzt noch sitzt... und so weiter, und so fort. Was für ein Best of-Set, das die vier Hamburger hier raushauen! Auch die Tatsache, dass der Schwerpunkt des heutigen Tages auf die Alben "The Landing" und "Heroes" gelegt wurde, ist beliebig bei der Qualität des Backkatalogs der Metal-Legende. Jedes Album hätte man heute einfach in Gänze durchspielen können - doch geschenkt! Ach ja, 'Watcher In The Sky' funktioniert auch ohne Kai Hansen, MIT ihm wäre es heute natürlich die Sahnehaube auf einen genialen Set gewesen, der viel zu schnell vorüber geht. Aber auch so hat sich die Anreise heute schon allein wegen IRON SAVIOR gelohnt. Die härteste Coverversion des JUDAS PRIEST-Klassikers 'Breaking The Law', bei der der ganze Platz bis zum heiser werden mitgrölt, schweißt Band und Publikum als Heavy Metal-Fans zusammen: 'Heavy Metal Never Dies!' Solange es Bands wie diese gibt, mit Sicherheit nicht!



Und dann kommt das Unvermeidliche auf dem Metal Bash: Die KNEIPENTERRORISTEN feiern! In erster Linie sich selbst! Allerdings erwartet das von der Hausband auch niemand wirklich anders. Und so machen alle vom ersten Takt an kräftig mit. Nachdem sich die vier ONKELZ-Epigonen schon bei zwei kurzen Unplugged-Auftritten im Festzelt, der "Night Light Lounge", warm gespielt haben, geht es nun eingestöpselt, laut und ruppig richtig los. 'Schneller, lauter, härter' ist denn auch gleich die steile Vorgabe, die sie sich selbst verordnen... und einhalten. Mit dem Neugewächs 'Edel', das auf dem nächsten Album stehen wird, knallt man einen der bisher schnellsten Kracher der Bandgeschichte ins Publikum. Ex-PARAGON Martin Wöbke an den sechs Saiten setzt hier eindeutig Akzente, weiter so! Ansonsten bleibt alles beim Alten. 'Nüchtern bin ich schüchtern', 'Der Klügere kippt nach' oder 'Hopfen und Malz' geben die inhaltliche Marschrichtung für die nächsten anderthalb Stunden Deutschrock-Malle der 'Holstenritter' in Neu Wulmstorf vor. Mit der eingedeutschten Version von MOTÖTHEADs 'Bomber' gibt es zum Schluss noch die tiefe Verneigung vor Lemmy & Co., die mittlerweile schon obligatorisch ist. An alle Nörgler: Und ja, es war wie immer! Und ja, es hat - wie immer - wieder heftigst Spaß gemacht!

Setliste: Mein letztes Bier; Schneller lauter härter; Wir schaffen das; Edel; Nüchtern bin ich schüchtern; Wahre Götter; Der Klügere kippt nach; Malle schafft sie alle; Heimspiel; Holstenritter; In die Hölle und zurück; Endlich voll…jährig!; Hopfen und Malz; Laut lauter Lemmy; Hamburg mein Zuhause; Euer liebstes Sorgenkind; Sie kam zu mir am Morgen; 13 Freunde; Rotlicht Party Rock'n'Roll; Holstenfetischisten; Bomber


In den letzten Jahren haben es sich die Veranstalter dieses kleinen, aber feinen Festivals zur Gewohnheit gemacht, eine Legende des NWOBHM als Headliner zu präsentieren. Nach VENOM Inc. und GIRLSCHOOL in den vergangenen beiden Jahren steht heute Nacht eine weitere Gallionsfigur aus Gründerzeiten auf der Bühne, um den Schlussakkord des Tages zu setzen. BLITZKRIEG ist wieder, oder wie Gründer und Sänger Brian Ross in einem Interview betonte, "immer noch" da! Während ein düster futuristisches Intro aus den Boxen schallt, betreten die Akteure die spärlich in grünes und blaues Licht getauchte Bühne, bis Zeremonienmeister Ross das Startsignal gibt. Und wieder brauche ich einige Zeit, um mich bei 'Armageddon' und 'Dark City' in die eigenwilligen, ja schrägen Gesangsharmonien des Frontdämons hineinzufinden. Geschickt wechselt man dann zu 'A Time Of Changes' und dem Vorschlaghammer 'All Hell Is Breaking Loose' vom just herausgekommenen neuen Album. Man sei schließlich hier, um das neue Output zu promoten gibt Ross als augenzwinkernden Kommentar dazu zum Besten. Insgesamt ist der gesamte Set brillant gemischt, sodass wir selbstverständlich auch noch die kultigen Oldies 'Reign Of Fire', das selbstbetitelte 'Blitzkrieg' und die Single, mit der 1981 alles begann, 'Buried alive' erleben dürfen. Höhepunkt des Ganzen ist für mich das gewaltige und überlange Opus 'Falling Into Darkness', das die düster-tragische Oscar Wilde-Novelle "Das Bildnis des Dorian Gray" vertont und bei der Ross und seine eh schon über den ganzen Auftritt über alles erhabene Instrumentalfraktion über sich heraus wachsen. Man kann nur hoffen, dass die Macher des Metal Bash auch im nächsten Jahr wieder so ein glückliches Händchen mit dem Billing und besonders bei der Auswahl des Headliners haben, wenn es wieder heißt: "I've been bashed in Neu Wulmstorf!"

Setliste: Armageddon; Dark City; Angels Or Demons; A Time OF CHanges; All Hell Is Breaking Loose; The Sentinel; Reign Of Fire; Nocturnal Vision; Falling Into Darkness; Loud And Proud; Call For The Priest; Blitzkrieg; Buried Alive


Die Fotocredits gehen verbunden mit einem großen Dank an Lothar Domke , bei dem ihr auch die komlpette Fotostrecke finden könnt.

Redakteur:
Martin Rudolph

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