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Metal Law Record Release Party - Berlin

07.02.2007 | 10:44

27.01.2007, K17

"Das unselige morbide Gemüt folgt dem Metall-Gesetz". "Das morbide Gemüt findet das Metall-Gesetz unselig". "Das Metall-Gesetz gilt auch für unselige morbide Gemüter". Egal, wie man es dreht und wendet - einen sinnvollen Satz aus diesen drei Begriffen zu bilden, fällt schwer. Was mit daran liegen mag, dass die dazugehörigen Bands unterschiedlicher nicht sein könnten. UNSOUL bedienen die Progressive-Death-Metal-Sparte, METAL LAW huldigen dem traditionellen Heavy Metal der Achtziger, und MORBID MIND liegen nach Auskunft von Bassist Ben "irgendwo dazwischen". Die größte Gemeinsamkeit - neben der Tatsache, dass alle drei Formationen aus Berlin kommen - ist somit eher genetisch bedingt: METAL LAW-Bassist Michael ist der Erzeuger von UNSOUL-Bassist Chris - ein Familienfest der besonderen Art sozusagen. Denn zu feiern gibt es an diesem Abend die Veröffentlichung des METAL LAW-Debüts "Night Of The Wolf" (erschienen bei Battle Cry Records). Wobei das Wort "Debüt" die Tatsache verschleiert, dass die Combo um Sänger/Gitarrist Karsten Degling bereits seit einem Jahrzehnt in der sonst eher für ganz harte Klänge bekannten Hauptstadt konsequent ihr eigenes Ding durchzieht und zuletzt unter dem Namen RAPID FIRE auf dem W:O:A Metal Battle gerade wegen ihrer Kompromisslosigkeit zu überzeugen wusste.

Doch zunächst eröffnen UNSOUL um Punkt 21 Uhr in der gut gefüllten kleinen Halle des K17 den musikalisch äußerst abwechslungsreichen Abend. Ich beobachte die Berliner "Death Metal Scientists" schon seit einigen Jahren und bin jedes Mal wieder aufs Neue überrascht, mit welchen Siebenmeilenstiefeln die Jungs die Qualitäts-Leiter erklimmen. Heute stimmt - bis auf die mit 30 Minuten etwas knapp ausgefallene Spielzeit - einfach alles. Das leicht orientalische Keyboard-Intro von Tastenmann Konstantin zieht mich magisch in Richtung Bühne, die Saiten-Fraktion bildet eine auch optisch geschlossene Einheit, und selbst Front-Grunzer Dennis verkneift sich die in der Vergangenheit eher dämlichen Ansagen und beweist stattdessen einen durchaus sympathischen Humor. Aber vor allem die neuen Kompositionen demonstrieren eindrucksvoll, welche Entwicklung UNSOUL seit ihrem letzten Demo "Welcome To Annexia" vollzogen haben. Eben noch ertönt eine chillige Keyboard-Passage, plötzlich grunzt Dennis wie eine brünstige Elch-Kuh, streuen die Gitarristen Moritz und Ramin psychedelische Frickelparts ein, lässt Bassist Chris den Metal-Poser heraushängen, trommelt Stephan einen tanzbar-fröhlichen Rhythmus ... Vergleiche mit anderen Bands fallen schwer, und trotz der vielen unterschiedlichen Stilmittel wirken die Stücke niemals zerfahren oder anstrengend. Der Hörer weiß vielmehr nie, was ihn im nächsten Moment erwartet, und gibt die Headbanging-Versuche rasch auf, um das Geschehen auf der Bühne aufmerksam zu verfolgen. Selbst Anhänger von METAL LAW zeigen sich hinterher beeindruckt von dem technisch äußerst sauber umgesetzten Sound. Meinen Erwartungen zum Trotz erweisen sich UNSOUL somit als durchaus passender Opener, der die Stimmung bereits auf ein beachtliches Level zu bringen vermag.

Setlist:
The Swancorpse
Dance Your Legs Off
Neverest
Post-
Welcome To Annexia
Way Less Space
I Am Nesiac

MORBID MIND setzen anschließend stimmungstechnisch noch einen drauf und verstehen es mit ihrer Power-Thrash-Metal-Melange spielend, sowohl die Frickel-Fans bei der Stange zu halten als auch die Old-School-Vertreter aus ihren Ecken hervorzulocken. Wobei ich persönlich eine kleine Anlaufzeit brauche und die erste Hälfte des Auftritts - gerade nach der tollen Vorlage des Openers - etwas unspektakulär finde. Vor allem Sänger Jonas (im augenfeindlichen Totenkopf-Hemd) liegt mit seinem sehr rauen und ungeschliffenen Timbre gelegentlich haarscharf neben der Spur, was Gitarrist und Background-Sänger Manuel jedoch geschickt auszugleichen versteht. Spätestens zum finalen Party-Doppel 'Push Me Up' und 'Liberty' kocht die Halle, denn wie eine Bekannte passend feststellt: MORBID MIND rocken und machen Spaß - mehr braucht's manchmal nicht zum glücklich sein.
[Elke Huber]

Ja, ganz genau ... Und ich war mit MORBID MIND vermutlich noch etwas glücklicher als Elke. Als "Neu-Berliner" kannte die Band zuvor lediglich vom Namen her, hatte dementsprechend aber dann natürlich auch keinerlei Erwartungen, so dass ich wirklich angenehm überrascht wurde.
MORBID MIND legen mit 'Feel The Fear' von ihrem wohl immer noch aktuellen Machwerk "Ragin' Deep Inside" aus dem Jahr 2005 los, und die Fans in den ersten Reihen gehen hier gleich begeistert mit. UNSOUL haben zuvor ja schon für eine ordentliche Betriebstemperatur gesorgt, und so wird schon hier kräftigst gebangt und gemosht. Die nächsten Songs, wie beispielsweise 'Black Hole', 'Drug' oder 'Breakdown', sind bislang wohl noch nicht auf CD veröffentlicht worden - zumindest konnte ich nichts Entsprechendes in Erfahrung bringen -, der guten Stimmung vor der Bühne tut dies aber keinen Abbruch. Den Fans ist es auch ziemlich egal, ob nun jeder Ton hundertprozentig sitzt - sie haben richtig Spaß, und darum geht es ja an diesem Abend. Sänger Jonas muss sich deshalb auch nicht besonders anstrengen, um das Publikum zum Mitsingen bzw. -grölen zu animieren. Die Nummer 'Push Me Up', mit einem party-tauglichen Chorus, wird gemeinschaftlich zelebriert, und so ist für MORBID MIND auch noch nicht gleich ans Aufhören zu denken - auch wenn sie schon von der Bühne gehen wollten. Die Bandhymne 'Liberty' ist nämlich schon noch fällig, und die Fans bemühen auch hier noch einmal sämtliche Stimmbänder und Nackenmuskeln. Stimmungstechnisch ist hier jedenfalls ein erster Höhepunkt erreicht, und MORBID MIND beweisen, dass ein Auftritt nicht immer spektakulär sein muss, um gut zu sein.
[Martin Schaich]

Setlist:
Feel The Fear
Deacly Inc.
Black Hole
Drug
What You've Made Me Do
Breakdown
Insignificant
Push Me Up
Liberty

Waren MORBID MIND schon nicht so ganz die Baustelle von Elke, so sind es die Herren von METAL LAW erst recht nicht - ja, ja, unsere Chefin ist halt doch nicht wirklich "true"! ;-)
Wie auch immer - METAL LAW, die noch vor einigen Monaten unter RAPID FIRE firmierten, und davor auch schon mal REUDIG hießen, lassen von Beginn an nichts anbrennen und liefern den Beweis, dass man auch mit traditionellstem Heavy Metal in Berlin für Begeisterungsstürme sorgen kann. Wie es sich gehört, gibt es zunächst ein Intro ('March Of The Law') vom Band zu hören, bevor die Band um Sänger und Gitarrist Karsten mit 'Hunter And Prey' von ihrem neuen Album "Night Of The Wolf" energiegeladen loslegt. Dieser Song war - wie einige andere Stücke auch - bereits auf der gleichnamigen REUDIG-Eigenproduktion aus dem Jahr 2004 zu hören, aber nachdem METAL LAW nun die Chance bekommen haben, ihr erstes offizielles Album über Battle Cry Records herausbringen zu können, haben sie diese Nummern eben noch einmal aufgenommen. Die Veröffentlichung von "Night Of The Wolf" ist ja auch der Grund für das heutige Konzert, und so ist es natürlich nicht verwunderlich, dass diese Scheibe auch im Mittelpunkt des Auftritts von METAL LAW steht. Das Berliner Ensemble hat sich bei der Zusammenstellung der Setlist hierbei nicht nur an den Songs des Albums an sich orientiert, sondern auch an deren Position auf der CD, denn sie spielen die Stücke in genau der gleichen Reihenfolge, und so gibt es im Weiteren den Titelsong 'Night Of The Wolf' sowie 'Positive Pain', 'Slaying Creature' und 'Raise Your Fist' zu hören. Die Stimmung vor der Bühne ist dabei großartig, was zum einen natürlich an der Musik von METAL LAW liegt, die zwar von harten Gitarrenriffs geprägt ist, aber eben auch über eingängige Melodien verfügt - wenn ich eine Vergleichsband benennen müsste, dann würde meine Wahl wohl auf RUNNING WILD fallen. Zum anderen leistet aber auch der Auftritt des Quartetts an sich seinen Teil dazu bei, denn es wird, wie es sich bei einer traditionellen Metal-Band gehört, kräftigst gepost, wobei sich Karsten, Thomas (g.) und Micha (b.) hierbei in nichts nachstehen - lediglich in der B-Note hat Micha die Nase vorn, und zwar aufgrund einer extrem coolen Sonnenbrille. Erfreulicherweise vergessen METAL LAW aber trotz aller Klischees, die hier bestens bedient werden, nicht, dass es eigentlich um die Musik geht, und so kommen auch die übrigen Songs des Albums "Night Of The Wolf" zu ihrem Recht, wie 'Infesting Believes', 'Thin Guy' und 'The Old Man' (hier kommt auch der ansonsten eher nur statistische Keyboarder zum Zug). Ein Song wie das anschließende 'Metal Or Die' ist an Stereotypen kaum noch zu überbieten, aber das stört in diesem Moment wirklich niemanden, und so wird der prägnante Chorus auch lautstark mitgegrölt. Mit 'Master Of Thunder' sind die vier True-Metaller dann am Ende ihrer Scheibe angelangt, und auch den Auftritt wollen sie eigentlich nun beenden, doch damit ist das Publikum ganz und gar nicht einverstanden. Lautstark wird eine Zugabe gefordert, und in Form der schon etwas älteren Nummer 'Caravan', die es nicht mehr auf das Album geschafft hat, gibt es diese auch zu hören. METAL LAW schieben auch noch ihre selbstbetitelte Bandhymne nach, aber zufrieden sind die Fans noch immer nicht. Da das Repertoire von METAL LAW nun jedoch erschöpft ist, spielen Karsten & Co. kurzerhand noch einmal den Titelsong ihres Albums, 'Night Of The Wolf', bevor der Auftritt endgültig beendet ist und sich die Band dem gemütlichen Teil des Abends widmen kann - immerhin handelt es sich bei diesem Konzert ja um eine Release-PARTY!
[Martin Schaich]

Setlist:
Hunter And Prey
Night Of The Wolf
Positive Pain
Slaying Creature
Raise Your Fist
Infesting Believes
Thin Guy
The Old Man
Metal Or Die
Master Of Thunder
Caravan
Metal Law
Night Of The Wolf

Redakteur:
Elke Huber

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