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Metalfest - Bad Hersfeld

07.10.2005 | 10:48

01.10.2005, Alter Güterbahnhof

Das vierte METALFEST in Bad Hersfeld wurde nun zum ersten Mal ganztägig durchgeführt, und man konnte gespannt sein, was die Mannen um Cheforganisator Martin Strienz zu bieten haben. Würden sie wie schon in den letzten Jahren ihre glückliche Hand beweisen können, die dem Publikum Bands wie die im letzten Jahr überzeugenden RANDOM EYES bescherte oder würden sie sich mit der Ganztagesveranstaltung übernehmen? Bei 19€ an der Abendkasse erwartet der Besucher natürlich auch value for money. Und die erste freudige Überraschung bekam man am Bierstand: Zu einem mehr als fairen Preis von 1,50€ verkaufte man den Gerstensaft. Und die zweite Positive boten die Bands, die man um das Headlinerdouble ROB ROCK & NARNIA geschart hatte. Doch lest selbst:
(Georg Weihrauch)

SHATTERED DREAMS
Bisher war mir diese Band verborgen geblieben, doch die Festivalmacher bewiesen wie schon so oft ein glückliches Händchen. Die junge Truppe könnte man musikalisch in der Ecke DORO einsortieren, jedoch besitzt Sängerin Kalina ein dunkleres Organ. Die Waldhessen konnten mit ihrem eigenen Material punkten, aber auch bei Coverversionen wie 'Rock You Like A Hurricane' oder 'For Whom The Bell Tolls' überzeugen. Ein gelungener Einstand für den Tag ward gefunden, harren wir der Dinge die noch kommen mögen.
(Georg Weihrauch)

ADORNED GRAVES
Eine fette Überraschung boten die Gebrüder Lang mit ihrer Thrashcombo ADORNED GRAVES. In der Besetzung Gitarre, Schlagzeug und Gastbasser boten sie räudigen Thrash der alten Schule. Neben den Coverversionen 'Into The Abyss' von VENGEANCE RISING, 'The Empty Sepulchre' von THE LEAD und 'If You Will' von DELIVERANCE (zu dem sich Martin Lang in Erinnerung an die alten Zeiten, als ihm die Haare noch nicht ausgingen, eine Perücke überstülpte) wurde auch allerlei selbsterstelltes Liedgut zum Besten gegeben. Hierbei konnte insbesondere 'Fightgrinder' überzeugen, welches sich gegen die Menschen richtet, die Gott als Begründung für Kriege heranziehen. Abschließend kann man feststellen, dass ADORNED GRAVES trotz der kleinen 3-Mann-Besetzung einen fetten Sound hatten und auch das Publikum von ihren Songs überzeugen konnte. So war es nicht verwunderlich, dass sie ordentlich Applaus für ihre Show einheimsten.
(Georg Weihrauch)

INFINITE HORIZON
Und schon war es an der Zeit, den heimlichen Headliner zu feiern. Wieso heimlicher Headliner? Nunja, zum Glück konnte ich vor einiger Zeit die Homepage der Band im Internet entdecken, und die angebotenen Soundfiles überzeugten mich zur sofortigen Bestellung der bisher veröffentlichten Scheiben. Also war ich sehr gespannt. wie die Jungs ihr Material (das sich in der Schnittmenge zwischen SAVATAGE und THRESHOLD bewegt) live umsetzen können. Und was soll ich sagen, es war umwerfend. Mit sechs Musikern war die Bühne im Gegensatz zu ADORNED GRAVES bis zum Bersten gefüllt, dennoch versuchten die Jungs nicht wie angewurzelt an ihren Positionen festzukleben. Doch das Sahnehäubchen setzte Marc Lemler, was hat der Mann für ein gigantisches Organ! Mit 'Return To Babylon' vom aktuellen Album "Mind Passages" fand man den geeigneten Einstieg in das Set, welches vor allem Songs von dem in Bälde erscheinenden vierten Album enthalten sollte. Song um Song steigerte sich die Stimmung, und in den Pausen waren mehr und mehr Fangesänge zu vernehmen. Gerade in den vorderen Reihen wurden natürlich die Songs von den bereits veröffentlichten Alben (u.a. 'The Reaper', 'Dark Side Of The Sun') entsprechend abgefeiert, aber auch die hinteren Ränge schienen zunehmend angetan vom Dargebotenen. Logischerweise gipfelte dies in einer nicht eingeplanten Zugabeforderung, der die Band in Form des amtlichen Oberhammers 'You' nach kurzer Rücksprache mit dem Veranstalter Folge leisten durfte. Absolut sehenswert!
(Georg Weihrauch)

ANCIENT PROPHECY
Wie der falsche Mann am falschen Fleck fühlte ich mich beim Sirenengesang von ANCIENT PROPHECY. Das lag jedoch nicht nur daran, dass die beiden Mädels gelegentlich divergierenden Gesangslinien folgten, was den Ohrenschmaus begrenzete, sondern wohl auch daran, dass ich mit Black/Death Metal beeinflusstem Gothic Metal reichlich wenig anfangen kann. So weise ich lieber auf das Publikum hin, welches die Band zwar nicht so frenetisch wie INFINITE HORIZON abfeierte, jedoch auch deutlich mehr als reinen Höflichkeitsapplaus spendete. Insgesamt schien es den Anwesenden zu gefallen, und das ist auch Sinn der Sache.
(Georg Weihrauch)

STAIRWAY
Nun war es soweit und STAIRWAY betraten erstmals deutschen Boden. Diese Band aus der NWoBHM-Ära existiert seit etwa 25 Jahren und ist dennoch nur wenigen ein Begriff. Die eingefleischten Metalheads freuten sich jedoch umso mehr auf diesen Act und werden es den Veranstaltern des Metalfestes ewig danken, dass sie diesen Schritt getan und STAIRWAY verpflichtet haben. Die Briten haben auch niemanden enttäuscht und es mit ihrem sympathischen Auftreten locker geschafft, den Metalfan zu überzeugen. Auch wenn STAIRWAY ohne die ganz großen Hits auskommen, so bieten sie stattdessen eine ordentliche Portion Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert. Außerdem klingen STAIRWAY live um einiges besser als auf CD und optisch kam die Band durch einheitliche Kleidung und angemessenen Bewegungsradius ebenfalls gut rüber. Sogar die atmosphärischen, epischen Momente hatten ihren Platz und mehr old school wie sie von STAIRWAY zelebriert wurde, ist wohl kaum möglich. Es passte einfach alles, und man darf sehr gespannt sein auf die neue STAIRWAY-Scheibe, die sich noch in Arbeit befindet. Sehr gelungener Auftritt, ich hatte meinen Spaß!
(Stefan Lang)

ROB ROCK & NARNIA
Eine wahrliche Double-Headliner-Show der besonderen Art boten ROB ROCK und NARNIA. Denn hier wurden einfach beide Shows zu einer zusammengelegt. So trat zuerst Rob mit einem halben Set unter musikalischer Begleitung von NARNIA auf die Bühne. Mit seinem unglaublichen Organ hatte er wohl schon im Vorfeld viele der Anwesenden in Verzückung versetzt, so dass der schon den ganzen Tag über sehr geilen Stimmung nun keine Grenzen mehr gesetzt waren. Begeistert gingen die Reihen mit, während Rob unter anderem 'Rock The Earth', 'Judgement Day', 'First Winds Of The End' oder 'Slayer Of Souls' zum Besten gab. Und auch als nach 'The Sun Will Rise Again' ein fliegender Wechsel zwischen Rob Rock und NARNIA-Fronter Christian Rivel stattfand, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. In absolut bestechender Weise spielte sich die Band durch ihre Historie und bot so u.a. 'Back From Hell', 'The Mission', 'Show All The World', 'Living Water' oder 'Long Live The King'. Bisher hielt ich die NARNIA-Studiowerke eher für entbehrlich oder langweilig. Aber was die Jungs live boten, war aller Ehren wert. Absolut energiegeladen und spielfreudig zockten sie sich durch ihre Set und konnten mit Sicherheit an diesem Abend einige neue Fans gewinnen. Nach 'Awakening' war es wieder an der Zeit, dass Rob zurück auf die Bühne kam und zusammen mit Christian das ABBA-Cover 'Eagle' anstimmte. Und beide Sänger gaben ihr Bestes und hauchten dem alten Song neues Leben ein. Danach durfte Rob noch mit Hits wie 'Streets Of Madness'oder 'Eyes Of Eternity' punkten, bevor er zusammen mit Christian sein zweites Duett 'I'm A Warrior' anstimmte und sprachlose Gesichter hinterließ. Eine derartig fette Show hätte ich nicht erwartet gehabt, und so hat es sich ein weiteres Mal gelohnt, nach Bad Hersfeld aufs METALFEST zu pilgern!
(Georg Weihrauch)

SACRIFICIUM
Den Schachzug, die Knüppel-aus-dem-Sack-Schwaben an das Ende des Festivals zu setzen, fand ich sehr gut. Zwar spielten dabei auf Veranstalterseite scheinbar auch gewisse Zweifel eine Rolle, ob eine derart wüste Band in diesem ansonsten eher melodisch gehaltenen Aufgebot ankommen würde, doch diese konnten schnellstens ausgeräumt werden: Obwohl tatsächlich einige die Halle verließen (was zu vorangerückter Stunde kein Wunder war, weil das Publikum auf dem METALFEST auch von weiter her anreist und was im letzten Jahr auch schon aufgefallen ist), so blieben doch noch sehr viele da und gingen jetzt erst so richtig ab! Als bester Beweis hierfür dürfte ich selbst herhalten, denn es kommt nicht mehr oft vor, dass ein gediegener Fan und Familienvater wie ich es bin, die Bühne erklimmt und in die Menge hüpft (an dieser Stelle möchte ich mich beim sehr oft als 'wahnsinnig' bezeichneten Publikum bedanken).
Zum hervorragenden Zusammenspiel der Band passte der ultra-geile Sound. Das war schon sehr fett und eigentlich auch nicht mehr zu toppen, was da aus den Boxen kam. Diese Tatsache, gepaart mit dem unglaublich derb-geilen Gegurgel und Gekeife des sehr guten Frontmanns Claudio Enzler, sorgte nicht nur bei mir für andauerndes Extra-Breit-Grinsen (ohne Drogenkonsum). Beachtlich, wenn man bedenkt, dass dieser Typ einst 'nur' die Gitarre (oder war es der Bass?) schwenkte. SACRIFICIUM kamen also und walzten alles platt. Dabei war es völlig egal, dass man Song nummer vier nicht von Song nummer drei, zwei oder sechs unterscheiden konnte, dieser Auftritt war etwas besonderes und für mich die positivste Überraschung des Abends. Dass die Band übrigens ohne Bassist auftrat war überhaupt kein Problem, weil es aufgrund des Mördersounds und der attraktiven Gitarristin einfach nicht groß auffiel.
Allerdings haben SACRIFICIUM mit diesem Auftritt die Messlatte selbst sehr hoch gelegt, und ich bin gespannt, ob die bald erscheinende CD die enormen Erwartungen erfüllen kann. So oder so war dies aber ein unvergessener Gig und einen perfekteren Abschluss für das METALFEST kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das i-Tüpfelchen stellte die Coverversion 'White Throne' von den Thrash-Göttern VENGEANCE RISING dar. Vielen Dank, SACRIFICIUM, hierfür und ich verzeihe euch auch meine anschließende (kurze) Heiserkeit aufgrund des lautstarken Grölens zusammen mit Bretti und Timfreak - welch ein Spaß (bei der zweiten Strophe hat Claudio aber auch gestrauchelt)!
Gegenüber SACRIFICIUM wirken andere, echte Heavy-Bands wie die Chorknaben, dabei ernteten sie aber auch bei den eher weich- oder melodischer Gesinnten für diesen Auftritt Anerkennung, was meine Eindrücke bestätigte. Und wenn manche sagen, dass ihnen diese Mucke zu heftig ist, dann kann ich nur entgegnen: SACRIFICIUM waren eine willkommene Abwechslung zu dem melodischen Getüddel ;-)
(Stefan Lang)

Redakteur:
Georg Weihrauch

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