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NIGHT DEMON und REVEREND HOUND - München

17.05.2017 | 13:12

16.05.2017, Backstage

Energetischer Club-Gig der Undergroundsensation.

Ein sonniger Frühlingsdienstag in München, und es kommt: NIGHT DEMON. Die Band startet gerade so richtig durch und konnte schon vor zwei Wochen am KEEP IT TRUE alle begeistern. So freute ich mich schon sehr, im gemütlichen Backstage Club einer Band lauschen zu dürfen, deren Hitfaktor mir gerade erst vor Augen und Ohren geführt worden war.

Doch zuerst galt es, einer Vorgruppe zu lauschen. Von REVEREND HOUND hatte ich noch nie gehört, also schaute  ich vor dem Konzert kurz in die Metal-Archives und erwartete eine Thrash-Band. Was ich aber zu hören und sehen bekomme, ist eine traditionelle Metal-Truppe irgendwo zwischen IRON MAIDEN, US-Metal, RUNNING WILD und ein bisschen Thrash.  Und: Die Jungs aus München sind richtig, richtig gut! Mit einem erstklassigen Sänger, feiner Gitarrenarbeit und echten Hits im Ärmel ist es mir ein echtes Rätsel, weshalb die Band überregional keine Rolle spielt und keinen Plattenvertrag hat. Mit 'Heavy Metal Thunderstorm' haben sie sogar eine ziemlich unkitschige Mitgröhlhymne irgendwo zwischen "Louder Than Hell"-MANOWAR und early HAMMERFALL dabei. Diese Band hat echt Potenzial! Und ihre Spielzeit, von der sie völlig überrascht zu sein scheinen, ist mit etlichen Hits vollgepackt. Für eine lokale Vorband ist das wirklich großes Kino, und ich bin mir sicher, dass wir noch mehr von REVEREND HOUND hören.

Doch natürlich warten wir alle schon auf NIGHT DEMON. Und Jarvis Leatherby kommt mit seinen beiden Mitstreitern nach kurzer Umbauphase auf die Bühne des Backstage Club, und die circa 100 zahlenden Gäste kommen aus dem Feiern nicht mehr raus! Die folgende Show dauert zwar nur etwas mehr als eine Stunde, ist aber so energetisch, so kraftvoll, dass niemand über die Spielzeit meckert.

Das hat natürlich auch mit der hohen Qualität der Songs zu tun. Wer aus zwei überall abgefeierten Alben plus einer großartigen EP die besten Songs auswählen darf, hat ein Luxusproblem.

Der eigentliche Pluspunkt bei NIGHT DEMON ist aber, dass die Jungs als Powertrio mit so viel Energie auf der Bühne stehen, als würde es um ihr Leben gehen. Ernsthaft: So viele Bands stehen einfach nur statisch auf der Bühne rum -  hier fließt allerdings von der ersten Sekunde an der Schweiss.

Natürlich wird der Gig mit dem Opener der neuen Scheibe eröffnet - 'Welcome To The Night' ist ein gutes Motto für den Abend. Mit einer Gitarre klingt der Sound trotz allem enorm voluminös, und, wenig überraschend, enorm britisch. Das ist bester Jungfrauen-Stoff, und die insgesamt sieben Songs vom neuen Album bestehen allesamt ihre Live-Feuerprobe. Das Party-Highlight ist sicher schon jetzt 'Maiden Hell' - die beste IRON-MAIDEN-Homage, seit, nun, immer. Was für ein geiler Text! Und alles in einem Affentempo durchgezogen, so dass der Nacken schmerzt.

Etwas sentimental wird es mit dem (ebenfalls in Hochgeschwindigkeit gezockten) 'Turn Up The Night' - mit dem BLACK-SABBATH-Cover wurde Mr. Ronnie James Dio gehuldigt, dessen Todestag sich jährt.

Während das Vorgänger-Album etwas weniger berücksichtigt wird (mit 'Screams In The Night' oder 'Full Speed Ahead' gibt es hier aber echte Highlights), kommen drei der vier Songs von der kultig-hochklassigen Debüt-EP zum Einsatz. Bei 'The Chalice" darf auch das Maskottchen auf die Bühne, und ein wenig Bier aus dem Kelch tränkt die Rückseite meiner Kutte.

Wer am Schluss denkt, dass der Gig zu schnell vorbei sei, kann sich mit 'Heavy Metal Heat' und 'Screams In The Night' auf den Heimweg vorbereiten. Aber da wir nach dem Zugabenblock nicht genug haben, wird uns noch 'Night Demon' (der beste EP-Song) zugeschleudert. Für alle KIT-Gänger wenig überraschend gibt es zum Grand Finale noch ein wunderbares Cover von 'Wasted Years'.

Einziger Malus: Der Gesang ist teilweise zu leise, da gab es offensichtlich auch technische Probleme. Aber es kann ja nicht immer alles klappen.

Bands wie NIGHT DEMON machen mich zuversichtlich, dass es auch in Zukunft hochklassige potenzielle Headliner gibt, die die abtretenden Metal-Dinos gleichwertig ersetzen können.

Ich werde auf jeden Fall gerne wieder dabei sein, wenn Jarvis und seine Mannen in der Region gastieren. Für mich war es ein äußerst gelungener Konzert-Abend. Dass an einem Wochentag um 23:00 Uhr Schicht im Schacht war, ist aus meiner Sicht nur von Vorteil. Und wer in unter 90 Minuten 18 Songs spielt, hat dem Publikum nicht zu wenig präsentiert.

Setlist: Welcome To The Night, Full Speed Ahead, Maiden Hell, Curse Of The Damned, Turn Up The Night (Black Sabbath Cover), Stranger In The Room, Black Widow, Ritual, The Howling Man, Hallowed Ground, Dawn Rider, The Chalice, Flight Of The Manticore, Darkness Remains, Heavy Metal Heat, Screams In The Night, Night Demon, Wasted Years (Iron Maiden Cover).

Redakteur:
Jonathan Walzer

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