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Napalm Death - Stuttgart

24.06.2008 | 14:43

29.05.2008, Röhre

Bei drückenden Temperaturen von über 30 Grad Celsius und einer fast schon subtropischen Schwüle mache ich mich auf den Weg zur Röhre in Stuttgart, die unweit des Hauptbahnhofs liegt. Die Luft steht und meine Kehle ist derart trocken, dass ich mir liebend gerne ein kühles Blondes zur Erfrischung einverleiben würde. Doch: nix da! Gegen halb Acht abends ist nichts mit Einlass, entgegen der Informationen auf einigen Internetseiten. Nach längerem Warten geht es dann endlich rein in die gute Stube, wo das Warten weiter geht. Selbst um 21:00 Uhr ist livetechnisch noch immer nichts in der Röhre los und ich werde immer ungeduldiger. Kein Soundcheck, nichts. Seltsam.

Wenig später stürmt dann endlich das Thrash-Kommando WARBRINGER die Bühne und meine Ungehaltenheit verfliegt in Windeseile. Die Jungspunde konnten mit ihrem zweiten Album "War Without End" einiges an Vorschusslorbeeren ergattern - und dies nicht nur in unserem Magazin. Schon mit dem Eröffnungsstück 'Total War' machen WARBRINGER eines unmissverständlich klar: sie leben und atmen den Thrash Metal der frühen Achtziger im Stile von SLAYER und KREATOR. Die Gitarrenarbeit des Gespanns John Laux und Adam Carroll ist superpräzise. Die Headbanger im Publikum lassen ihre Matten zahlreich kreisen und die Zahl der Luftgitarristen ist amtlich. Am Mikro macht John Kevill einen prima Job. Durchaus giftig, gleichermaßen aber gut verständlich peitscht er mit seinem Gesang sowie dem aggressiven Stageacting die Fans zusätzlich auf. Auch ein neues Stück wird heute Abend präsentiert: 'Pray For Death' macht keine Gefangenen und wird von John den Bands NAPALM DEATH und SUFFOCATION gewidmet, ehe mit dem von etlichen Samplern her bekannten 'Combat Shock' nach einer halbstündigen Vollbedienung in Sachen Thrash Metal der Vorhang für WARBRINGER fällt. Doch es soll am heutigen Abend noch besser kommen.

Setlist WARBRINGER:
Total War
Dread Command
Beneath The Waves
Systematic Genocide
At The Crack Of Doom
Pray For Death
Combat Shock

Auf die Ami-Deather SUFFOCATION freue ich mich mit Abstand am meisten, rotieren doch gerade die Scheiben "Effigy Of The Forgotten" und auch "Despise The Sun" besonders oft in meinem CD-Player. Und das, was die New Yorker heute Abend abbrennen, das ist ein Death-Metal-Schlachtfest allererster Kajüte. Auf instrumentaler Seite beeindruckt besonders das feine Bassspiel von Derek Boyer, der die unglaublichsten Verrenkungen macht und dabei allerlei leckere Spielereien an seinem Viersaiter veranstaltet. Dabei zelebriert der langmähnige Blonde in oft tief gebückter Haltung mit senkrecht nach oben gerichtetem Instrument Propeller-Banging der extremsten Sorte, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, im Entferntesten unsauber zu spielen - echt krass, der Mann. Frontmann Frank Mullen ist heute Abend besonders aufgedreht, wuselt der Glatzkopf doch wie ein Deibel mit permanent breitem, diabolischem Grinsen über die Bühne und röhrt wie ein Hirsch aus dem Schwarzwald. Besonders das permanente Gefuchtel mit der Hand, das an Handkantenschläge erinnert, sorgt in Zusammenschau mit dem Dauergrinsen des Frontberserkers nicht nur bei meiner Wenigkeit für Erheiterung. Die Setlist von SUFFOCATION lässt nur wenige Wünsche offen, zumal Hassbolzen wie 'Pierced From Within', die neueren Tracks 'Abomination Reborn', 'Entrails Of You' und 'Thrones Of Blood' verdammt präzise in das aufgepeitschte Publikum geballert werden. Leider gibt es heute Abend seltsamerweise keinen einzigen Titel der genialen "Effigy Of The Forgotten"-Scheibe zu hören, was doch etwas befremdlich wirkt. Beim Uralt-Klassiker 'Catatonia' (übrigens das erste Stück, das SUFFOCATION überhaupt komponierten) brechen allerdings jegliche Dämme und die Meute vor der Bühne feiert die Band. An Applaus wird nicht gespart. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Zauber leider schon vorbei.

Nun ist es an der Zeit, der Grindcore-Legende NAPALM DEATH einen standesgemäßen Empfang zu bereiten. Immerhin dürfen die aus Birmingham stammenden Musikanten mittlerweile auf ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte zurückblicken. Die Menge ist ordentlich aufgeheizt, haben doch WARBRINGER und SUFFOCATION ausgezeichnete Aufwärmarbeit geleistet. Schon zu Beginn des Gigs tropft das Schwitzwasser fast schon von der Decke der Röhre. Mit 'Sink Fast Let Go' folgt ein mustergültiger Einstieg ins Set, in dem es vor alten Klassikern nur so wimmelt. Gerade die Kultscheibe "Scum" wird mit etlichen kurzen Trümmer-Stücken (wie 'The Kill','Life?', 'You Suffer', 'Deceiver' und dem Titeltrack) eingehend gewürdigt. Vor der Bühne tobt der Mob und die Moshpits werden mit zunehmender Spieldauer immer größer. Bei 'The Code Is Red...Long Live The Code' erhält Barney unerwartete Grunz-Verstärkung durch Frank Mullen von SUFFOCATION. Wer übrigens glaubt, dass die Mid-Vierziger Barney Greenway und sein Gefolge es mit zunehmendem Alter gemächlicher angehen lassen, der ist komplett auf dem Holzweg. Barney ist bewegungsfreudig und hyperaktiv wie eh und je, Mitch Harris sorgt für fiese Keif-Vocals mit hochstehendem Mikro und Shane hat einen gewohnt kleinen Aktionsradius, mosht aber wie ein Verrückter und malträtiert dabei seinen Bass wie im Bilderbuch.

Mit dem obligatorischen DEAD KENNEDYS-Cover 'Nazi Punks Fuck Off' und dem steinalten, aber verdammt geilen 'Siege Of Power' entlocken die vier NAPALM DEATH-Leute sich selbst und dem mächtig aus dem Häuschen geratenen Publikum letzte Kraftreserven. Dann ist aber endgültig Schluss und die schweißgebadeten Headbanger verabschieden die Birminghamer aus dem schwül-warmen Hexenkessel mit ordentlichen Lobhuldigungen. Als Club-Band gehören NAPALM DEATH auch im Jahr 2008 noch zum Nonplusultra im Extrem-Bereich, das steht außer Frage!

Setlist NAPALM DEATH:
Sink Fast Let Go
Instinct Of Survival
Unchallenged Hate
Suffer The Children
Silence Is Deafening
Fatalist
Continuing War On Stupidity
Necessary Evil
It's A Mans World
Feto
The Code Is Red
When All Is Said And Done
Unfit Earth
Scum
Life?
The Kill
Deceiver
You Suffer
Persona Non Grata
Smear Campain
---
Discordance (Intro)
I Abstain
Mass Appeal Madness
Nazi Punks Fuck Off
Siege Of Power

Redakteur:
Martin Loga

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