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Nevermore - Frankfurt

08.10.2005 | 01:17

05.10.2005, Batschkapp

Die Ruhe vor dem Sturm. So kann man den heutigen Abend umschreiben. Knapp zwanzig Minuten vor dem Einlass ist vor der Batschkapp noch nicht viel los, und das bei so einem Package! Es sind trotz herbstlicher Jahreszeit noch angenehme Temperaturen, weshalb die meisten Fans in T-Shirts mit einem Bierchen in der Hand auf das Öffnen der Türen warten. Offiziell beginnen MERCENARY um 19.30 Uhr, und da ist es als Konzertberichterstatter schon angebracht, um kurz vor halb in die Kapp reinzugehen.

MERCENARY

Zehn Minuten später erst legen die sympathischen Dänen mit 'ReDestructDead' los. Das Publikum als auch die Band selbst wirken zu Beginn des Gigs noch arg hüftsteif. Nach dem ersten Song kommt der Klassiker in der Kapp: Mikkel, der schon nach dem ersten Song knallrot im Gesicht ist, bittet die Leute in den hinteren Reihen nach vorne zu kommen. Das wird auch bereitwillig befolgt, und schon beim zweiten Song 'Firesoul' wird's in den vorderen Reihen kuscheliger. Die Band setzt dabei den Schwerpunkt auf den mammutstarken letzten Output "11 Dreams". Nach und nach werden auch die Reaktionen immer enthusiastischer. Der Sound ist glasklar und lässt absolut keine Wüsche offen. Noch wird gediegen gebangt oder die Band angefeuert - man hat ja noch zwei Bands vor sich. Wie ein immer größerer Tsunami breitet sich die gute Laune aus und beim abschließenden Titelsong der letzten Scheibe, '11 Dreams', gibt es kein Halten mehr. Nach 35 Minuten ist dann Schluss. Ein sehr guter Einstand, an den ich zu Beginn nicht geglaubt habe.

Setlist
ReDestructDead
Firesoul
World Hate Center
Seize The Night
11 Dreams

DEW-SCENTED

Nach knapp zwanzig Minuten sind die Braunschweiger "RAMONES des Thrash Metal" an der Reihe. Gleich zu Beginn werden keine Gefangenen gemacht, und die schon gut "vorgeheizte" Menge geht gleich in die Vollen. Relativ zu Beginn bildet sich der erste Moshpit, der auch bei den meisten Songs aufrecht erhalten wird. Selbst Sänger Leif ist über die Reaktionen positiv erstaunt und gibt offen zu, dass er dachte "wir wären zu hart für's Package", woraufhin der Nachbar neben mir auf die Bühne brüllt: "Spielt ja nix langsames!". Mehr als einmal erinnert Leif an einen ausgeflippten Pitbull, der die Menge mit seinem gebellten Gesang immer wieder nach vorne peitscht. Im Vergleich zum Gig auf dem WFF gefallen mir die Jungs hier besser. Desweiteren sitzt ein Cowboy an der Schießbude, der rechtzeitig für die Tour eingesprungen ist. Leider konnte ich den Namen desjenigen welchen nicht verstehen, und auch auf der Internetseite gab's diesbezüglich keine Infos. Gegen Ende des Sets wird auch noch ein Gruß an die Lokalmatadore TANKARD rausgeschickt, die aber offensichtlich nicht anwesend sind. Nach dem Gig von DEW-SCENTED treffe ich jedoch Gerre vor der Kapp, der zu spät dort eingetroffen ist. Gegen Ende hin macht das Publikum schlapp, was Leif mit einem lapidaren "Ihr müsst euch schonen für NEVERMORE" kommentiert. Nach einer guten Dreiviertelstunde sieht man im Publikum ausschließlich grinsenden, aber ausgepowerten Gesichtern entgegen. Aber noch ist nicht aller Konzerte Abend...

Setlist
Bitter Conflict
Turn To Ash
Cities Of The Dead
Processing Life
Rituals Of Time
The Prison Of Reason
New Found Pain
Destination Hell
Soul Poison

NEVERMORE

...denn nach einer halben Stunde ist es endlich soweit: NEVERMORE entern die Bühne. Wer gedacht hatte, dass stimmungstechnisch nichts mehr zu toppen geht, musste sich glücklicherweise eines Besseren belehren lassen. Frenetisch werden Warrel Dane und seine Companeros empfangen. Nach dem auf vier Songs reduzierten Gig auf dem BYH, der wahrlich nicht repräsentativ für die Klasse der Gruppe ist, gehen heute abend viele feuchte Träume in Erfüllung.

Nach dem Intro geht's gleich mit 'Born' in die Vollen, und zu Beginn ist der Sound nicht gerade das Gelbe vom Ei. Zum Glück ändert sich dieser Umstand und jeder Musiker ist in absoluter Hochform. Angefangen von Drummer Van Williams, der die meisten Songs per Clicktrack eintrommelt, über Basser Jim Sheppard, der das Soundfundament gut abrundet. Weiter geht's mit dem Gitarrenduo Loomis/Smyth, die jenseits von Gut und Böse Riffs und Soli aus ihren Ärmeln schütteln, für die manch ein Nachwuchsgitarrero seine halbe Verwandschaft verscherbeln würde. Zu guter Letzt ist noch Meister Dane zu nennen, der den Großteil des Sets mit einer Wollmütze auf dem Kopf absolviert, und das bei recht warmen Temperaturen. Am besten kommen immer noch die weniger vertrackten Songs wie 'Narcosynthesis', das als sanfte Ballade angekündigte 'The Heart Collector' und 'Dreaming Neon Black' an. Aber egal was die Jungs heute abend vom Stapel lassen: Alles hat Klasse! Auch wer nicht so gut mit den Songs vertraut ist (was bei den wenigsten der Fall ist), kriegt trotzdem eine Menge geboten: Das Minenspiel von Warrel Dane in den Solopassagen, die Gitarrensoli von Loomis und Smyth oder das Drumming von Mr. Williams. Ab und zu "verirren" sich auch ein paar Crowdsurfer auf die Bühne. Am besten hat dabei der Kollege Christoph Pohl vom Vampster abgeschnitten, der bei seinem ersten Auftritt auf der Bühne von Mr. Dane zuerst nicht beachtet wird. Spätestens nachdem er bis zum Mischpult auf Händen getragen worden ist, schlägt die Nichtbeachtung in Respekt über - auch bei Herrn Dane. Besonders dreist ist dabei ein Besucher, der auf die Bühne steigt, kurz Warrel Dane umarmt, um im selben Moment Jeff Loomis ein Plektrum zu "klauen". Frechheit siegt nicht immer, aber in diesem Fall hat's zumindest für ein kleines "Andenken" gereicht.

Vor allem Warrel Dane ist besonders gut gelaunt und hat immer wieder (in der Regel alle drei bis vier Songs) einen lockeren Spruch auf den Lippen. Vor allem die Setlist, die schon seit Wochen im Internet und auch auf der Homepage kursiert, wird ein ums andere Mal "abgefragt". In der restlichen Zeit lässt die Truppe ausschließlich die Musik für sich sprechen, und die hat's wahrlich in sich. Es ist einfach unfassbar, wie locker die Jungs Breaks einbauen, die einem selbst beim Zuhören nicht einleuchten wollen. Könnte mir gut vorstellen, dass, wenn man die Band für einen "Spontangig" morgens um fünf zusammentrommelt, einen Unterschied zum heutigen Abend auszumachen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Gegen Ende hin werde ich Zeuge von Szenen, die man normalerweise von BACKSTREET BOYS-Konzerten kennt: Da rennt ein Mädel auf die Bühne um Warrel Dane zu umarmen, ein anderer kniet vor dem Drumpodest auf die Knie, um in bester "Wayne's World"-Manier Van Williams zu huldigen, und wieder andere legen ihren Arm um die Schulter von Jim Sheppard und Warrel Dane.

Wie bei vielen schönen Dingen: Irgendwann ist (meistens zu früh) Schluss. Nach den zwei Zugaben 'This Godless Endeavor' und 'Enemies Of Reality' ist nach hundert Minuten der O(h)rgasmus vorbei. Draußen, in der milden Frankfurter Nacht, komme ich zur Erkenntnis, einem musikalischen Drei-Gänge-Menü beigewohnt zu haben: Nach einem lockeren und sanften "Starter" (MERCENARY), folgte eine eher deftige Vorspeise (DEW-SCENTED) und fand in einem anspruchsvollen Hauptgang (NEVERMORE) seinen Höhepunkt. Soundtechnisch waren alle drei Bands erste Sahne und wie ein Tsunami breitete sich die Stimmung aus. Ist er zu Beginn von MERCENARY in seiner Anfangsphase, kippt sich ein wahrer Strom an Endorphinen gegen Ende von NEVERMORE über die Besucher. Da die Temperaturen zu keiner Zeit unerträglich sind, kann man von einem perfekten Konzertabend sprechen.

Setlist
Intro
Born
Acid Words
Narcosynthesis
The River Dragon Has Come
Beyond Within
Dreaming Neon Black
Seven Tongues Of God
The Learning
Sentient 6
The Heart Collector
Final Product
---
This Godless Endeavor
Enemies Of Reality

Redakteur:
Tolga Karabagli

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