No Mercy Festival - Hamburg

28.10.2000 | 09:41

26.04.2000, Markthalle

In der Death und Black Metal Szene werden Massenpackages immer beliebter, was allerdings zu Lasten der ersten Bands geht. Nichtsdestotrotz waren ca. 800 Fans anwesend. Als ich kurz nach sieben in der Halle ankam, hatten Vomitory schon gespielt und Hate Eternal waren mitten in ihrem Set. Die Band um den Morbid Angel Tourgitarristen Erik Rutan knüppelte ihre Death Metal Songs in einem Affenzahn herunter, immer eingeleitet von einem sphärischen Intro. Die Songs klangen alle ziemlich gut, auch der Wechselgesang zwischen Gitarrist und Bassist konnte überzeugen, nur der miese Sound nahm den Songs einiges an Durchschlagskraft. Das Album konnte mich nicht überzeugen, aber nach diesem Gig werde ich wohl nochmal reinhören.

Dann kam auch schon die Enttäuschung des Abends, Dark Funeral. Die Band knüppelte wahrlich nicht schlechte Songs wie Satan\'s Mayhem und An Apprentice Of Satan nahezu bewegungslos herunter, auch das Bassspiel von Emperor Magus Caligula war nur ein schlechter Witz, wen er mal den Bass bediente, dann nur in Zeitlupe. Auch das gut umgesetzte Slayer Cover Dead Skin Mask konnte da nichts mehr reißen.

Ganz anders die nachfolgenden Vader. Mit unglaublicher Präzision wurden Songs wie Litany, Wings und Black To The Blind runtergeknüppelt, dazu war die Band ständig in Bewegung, moshte bis zum Umfallen und Sänger/ Gitarrist Peter überzeugte mit symphatischen Ansagen. Folgerichtig wurde die Band mit Vader Sprechchören ohne Ende abgefeiert. Ein rundum geiler Gig einer der besten Death Metal Bands Europas.

Die nachfolgenden Marduk waren ziemlich clever. Anstatt, wie bei der Tour mit Cannibal Corpse im letzten November hauptsächlich schnelle Songs zu spielen, wurde auch mal einen Gang zurückgeschaltet. Marduk spielten natürlich Obedience und Funeral Bitch von ihrer neuen EP. Aber auch Songs wie Baptism By Fire, Slay The Nazarene und das geniale Wolves wurden geil heruntergeknüppelt. Aktivposten der Band war mal wieder Shouter Legion, der ständig in Bewegung war, die Fans anfeuerte und dazu noch headbangte. Aber auch der Rest der Band zeigte sich engagiert, so dass Dark Funeral dagegen ziemlich blass aussahen. Marduk merkt man halt an, dass sie die wohl tourfreudigste Black Metal Band sind. Die Jungs haben soviel Live Erfahrung, die spielen keine schlechten Gigs. Die Fans zeigten sich auch begeistert und ein paar Marduk Sprechchöre waren auch zu hören.

Bei den nachfolgenden Cannibal Corpse war dann Business as usual angesagt. Während die Gitarrenfraktion um Jack Owen und Pat O\'Brien sich etwas zurückhielt, bangte Alex Webster unablässig in Quasimodo Haltung, zeigte aber auch, dass er wohl der beste Bassist des Festivals war. Und Corpsegrinder?? Der Junge wird wohl nie erwachsen( „This song is dedicated to all women in the audience: Fucked With A Kniiiiife“ ), sang aber sehr geil und bangte ansonsten wie ein Gestörter. Ansonsten zockten Cannibal Corpse viel vom letzten Album Bloodthirst, aber auch Songs wie Gallery Of Suicide, Devoured By Vermin und das eben erwähnte Fucked With A Knife kamen zum Einsatz. Die Fans honorierten den Eisatz der Band mit kräftigem Applaus, forderten aber auch Hammer Smashed Face, dass die Band aber leider nicht spielen darf. Vielen Dank, Frau Jenal!

Die nachfolgenden Immortal waren dann nur noch geil. Mit Withstand The Fall Of Time und Solarfall vom letztjährigen Hammer At The Heart Of Winter erwischte die Band gleich einen guten Start. Sänger und Gitarrist Abbath und Bassist Iscariah waren ständig in Bewegung und feuerten das Publikum an. Folgerichtig flogen dann auch die Matten zu Blashyrkh(Mighty Ravendark), Battles In The North, The Sun No Longer Rises, den beiden neuen Songs Triumph und The Darkness That Embrace Me und Unholy Forces Of Evil. Beim letztgenannten Song boten Abbath und Legion von Marduk eine gekonnte Feuerspuck-Einlage. Ein hammergeiler Gig und neben Vader wohl die Gewinner des Festivals.

Als dann endlich Deicide die Bühne betraten, war es schliesslich halb eins. Die ersten fünf Songs von Deicide gab ich mir noch, dann musste ich dem anstrengenden Tag und Konzert Tribut zollen. Fairerweise sei noch gesagt, dass Deicide keineswegs schlecht waren, aber es ging halt einfach nicht mehr. Insgesamt gesehen war das Konzert zwar geil, aber zwei Touren mit vier Bands hätten wohl mehr gebracht, oder zwei Bands weniger wäre auch nicht schlecht gewesen. Trotzdem ein cooles Konzert mit sehr guten Bands und engagierten Leistungen.

Redakteur:
Herbert Chwalek

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