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Noise Of Potsdam - Potsdam

06.02.2007 | 10:43

02.01.2007, Lindenpark

Das ist Enthusiasmus: Obwohl vor der großen Bühne des recht geräumigen Potsdamer "Lindenpark"-Clubs nur rund 70 Zuschauer stehen, traut sich MADSTOP-Sänger Konrad Oeckel eine Frage. "Ist Potsdam eine Metalstadt?", ruft er durch das Mirko. "Jaaaaa!", brüllt es aus dem Publikum zurück, als wäre der Konzertsaal wesentlich voller. Mit der niedrigen Gästezahl haben an jenem Freitag abend alle drei Bands zu kämpfen, die unter dem Motto "Noise of Potsdam" Metal in allen Variationen zelebrieren.

Allerdings ist der Titel irritierend gewählt: Aus Potsdam stammen nur MADSTOP, die das Konzert auch maßgeblich organisiert und deswegen die meisten Fans mitgebracht haben. Doch rein musikalisch klingen die Vertreter von außerhalb etwas interessanter und reifer. Da sind einmal DORRISDE aus Frankfurt (Oder), die nach MADSTOP als letzte Band des Abends heftigen Metalcore brettern: Stakkatoartige Gitarren, dazu Trommelgewitter und das aggressiv bellende Organ von Frontmann Phelicks. Als Kontrast darf zwischendurch auch eine Frau mitsingen, das Duett zwischen hell-klarer Stimme und fiesem Gekreische klingt reizvoll und anders als eben von Metalcore-Acts gewöhnt. Allerdings sind zu dieser Zeit nur noch rund 20 Leute da: Der MADSTOP-Anhang ist nach dem Auftritt seiner Faves bereits gegangen. DORRISDE lassen sich davon nicht beirrren: Enthusiastisch spielen sie knapp eine Stunde und scherzen mit den wenigen Leuten vor der Bühne über die erweiterte Probenraum-Atmosphäre. Und lassen zum Ende ein cooles JUDAS PRIEST-Cover erklingen, 'Living After Midnight' auf Härte.

Solcher Enthusiasmus - trotz widriger Umstände motiviert zu wirken - ist auch bei UNSOUL als erster Band zu spüren. Die Berliner stehen eben auch nur einem kleinen Publikum gegenüber, das zudem anfangs noch recht reserviert ist. Dies liegt wohl an ihrer nicht sofort eingängigen Musik: Eine Mischung aus brutalem Death Metal, der allerdings mit recht hell klingenden Keyboardklängen unterlegt ist: NILE versus DREAM THEATER. Dazu streuen sie immer wieder einzelne progressiv-frickelnde Melodiebögen in ihren Sound ein. Sänger Dennis Schröder dagegen grunzt extrem tief und guttural, wie es das Genre eben verlangt. Diese ungewöhnliche Art von extremen Metal funktioniert von Song zu Song besser, am Ende erhalten UNSOUL für ihren coolen Auftritt mehr als Achtungsapplaus.

Der MADSTOP-Auftritt in der Mitte des Abends wirkt dagegen biederer. Dies liegt in erster Linie daran, dass die dreiköpfige Band immer noch keinen richtig gut ausgebildeten Sänger hat. So muss der an dem Tag auch noch heisere Gitarrist Konrad weiter den Platz hinter dem Mikro übernehmen. Allerdings reicht das Volumen seiner Stimme mit 19 Jahren noch lang nicht aus, um so zu klingen, wie es sein mutmaßliches Vorbild - METALLICA-Sänger James Hetfield - mit jahrlanger Übung geschafft hat. Allerdings finden sich in der Musik von MADSTOP durchaus interessante Ideen, die Band spielt eine Art US-Metal im traditionellen Stil. Besonders ihr Schlagzeuger scheint äußerst talentiert, wie sein Drumsolo kurz vor Schluss des Sets beweist. Im Gedächtnis weiterhin bleiben coole Cover-Versionen von SEPULTURA ('Refuse/ Resist') und eben METALLICA ('Creeping Death'). Aber ist Potsdam nun eine Metalstadt? MADSTOP-Sänger Konrad glaubt wirklich daran, wie er nach dem Konzert bekennt: "Dass so wenig Leute da waren, lag daran, dass wir das Konzert sehr kurzfristig organisiert haben, es noch andere Veranstaltungen heute in Potsdam gab und wir in der Kürze der Zeit nicht so viel Werbung machen konnten. Aber macht nichts, nächstes Mal läuft es besser." Das ist Enthusiasmus.

Redakteur:
Henri Kramer

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