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OVERKILL - Oberhausen

29.09.2019 | 20:05

19.09.2019, Turbinenhalle 2

Das "Killfest" geht in die nächste Runde!

Dass die New-Jersey-Thrash-Institution OVERKILL zu den besten Live-Bands dieses Planeten gehört, wissen Szene-Insider nicht erst seit gestern. Und ihrer zweiten Wahlheimat – dem Ruhrpott – statten Blitz und Co. auch regelmäßig einen mehr als lautstarken Besuch ab. Diesmal hat das Quintett mit FLOTSAM & JETSAM sowie DESTRUCTION zwei weitere Genre-Veteranen im Paket und beehren als Trio Infernale gemeinsam mit den Nordlichtern REZET die Turbinenhalle 2 in "Overhausen". Alle Bands haben in diesem Jahr ein neues Album auf den Markt geschmissen – wenn das mal kein Anlass für eine zünftige Riff- und Headbangorgie ist.

Die "Killfest"-Tour läuft also wieder heiß und die Vorfreude ist immens, schließlich bekommt man solch ein Infernalo-Package par excellence nicht alle Tage vor den Latz geknallt. An der Turbinenhalle 2 in Oberhausen angekommen, mag ich aber meinen Augen nicht so recht trauen, denn trotz der großen Namen ist die Zuschauermenge in der Halle doch recht überschaubar. Natürlich, es ist Donnerstagabend, doch solch ein Line-Up auch unter der Woche sollte doch ein wenig höherkochen, nicht wahr?

Sei's drum, den Anfang machen die Jungspunde REZET, die ein wenig melodischer, aber nicht minder thrashig als die anderen Bands agieren. Songs wie das eröffnende 'Treadmill To Hell' oder 'Reality Is A Lie' kommen ganz passabel in der noch spärlich besetzten Turbinenhalle an, doch der Sound will noch nicht so richtig zünden. Davon lassen sich die REZET-Musiker, deren neues Album "Deal With It!" seit Februar verfügbar ist, aber nicht beirren und zocken ihren Stiefel spielfreudig und voller Tatendrang runter. Insbesondere der neue Kraftprotz 'Thunder Raiders' bleibt auch nachhaltig im Gedächtnis kleben.

Die nächste Combo im Bunde ist FLOTSAM & JETSAM, die zwar ein wenig statischer, aber dafür mit etwas besserem Klang und noch mehr Power die Menschen vor die Bühne lockt. Von vollem Haus kann zwar nach wie vor keine Rede sein, doch die ersten Reihen gehen bei 'Iron Maiden', 'Demolition Man' vom neuen "The End Of Chaos"-Album oder alteingesessenen Hits der Marke 'Desecrator' und dem Nomen-est-Omen-Smasher 'Hammerhead' gut ab. Eric A.K. ist noch immer ein begnadeter Sänger und auch die Klampfenfraktion sorgt für ordentliches Headbang-Potential.

Die Arizona-Helden macht heuer das Beste aus den dezent ungünstigen Rahmenbedingungen und verabschieden sich standesgemäß mit dem 'I Live You Die' und 'No Place For Disgrace'-Klassiker-Doppelschlag unter lautem Applaus.

Auf die nächste Band bin ich ob der aktuellen Besetzung äußerst gespannt, kenne ich DESTRUCTION doch live bis dato nur als Trio. Als quirliges und brachiales Quartett jedoch ist die Wucht, mit der mir Schmier entgegenbrüllt, noch viel immenser.

Mit neuem Album im Gepäck – "Born To Perish" ist an dieser Stelle wärmstens zu empfehlen – sorgt der DESTRUCTION-Gig definitiv für einen Höhepunkt in dieser Woche, der mich auch noch tagelang begleiten wird. Das Thrash-Commando hat Glück mit dem Sound, die Reihen werden peu á peu dichter besetzt und der Line-Up-Rundumschlag scheint sich äußerst positiv auf das Bandklima ausgewirkt zu haben. So wetzt auch der verrückte Metzger musikalisch seine Messer und wird vom Publikum lautstark gefeiert.

Die Riffs des Eskic und Sifringer-Duos sägen, die Randy-Black-Drums wüten ordentlich und sowohl weitere DESTRUCTION-Evergreens wie 'Nailed To The Cross' oder das Grande Finale 'Bestial Invasion' als auch leckere "Born To Perish"-Häppchen wie 'Inspired By Death' und 'Betrayal' machen an diesem Abend ungemein viel Freude.

Der Abend kommt zu seinem Höhepunkt: Auch wenn es schon durchaus OVERKILL-Gigs in der Vergangenheit gab, die dichter besucht und frenetischer gefeiert wurden, lassen sich die Jungs aus New Yersey natürlich auf keinen Kompromiss ein – Blitz und seine Jungs nehmen die Turbinenhalle 2 ab dem ersten Ton komplett auseinander.

Der Sound wurde in den letzten Stunden von Band zu Band immer besser und auch die Stimmung will allmählich auch passen, denn seien wir einmal ehrlich: Mit OVERKILL ist eine der besten Live-Bands seit Jahren Ruhrpott-Stammgast und immer gern gesehen.

So ist auch das eine oder andere Skullcrusher-Mitglied unter den Anwesenden, der die Show mit dem einleitenden 'Last Man Standing' sowie dem folgenden Doppelschlag 'Electric Rattlesnake' und 'Hello From The Gutter' genießen kann. Allgemein ist die Auswahl der Songs heute allererste Überraschungssahne, denn mit 'Feel The Fire' und dem übermächtigen 'Deny The Cross'-Monster sowie 'Bastard Nation' und 'Under One' haben es Brecher in das Live-Repertoire der Jungs geschafft, die man nicht an jeder Straßenecke zu hören bekommt.

Blitz sorgt einmal mehr für eine fantastische Show, DD lässt wie immer die coole Sau raushängen und blenden wir einmal die für einen OVERKILL-Gig sehr spärliche Anzahl an Anwesenden aus, gibt es eigentlich überhaupt nichts zu mäkeln. Im Gegenteil, 'Bring Me The Night' und 'Mean, Green, Killing Machine' ballern ebenso gut wie standesgemäß 'Elimination' oder 'Ironbound'. Im Zugabenteil haben sich besagter "Taking Over"-Opener sowie das obligatorische 'Rotten To The Core' versteckt, ehe Blitz noch einmal alle Mittelfinger mobilisiert und zum großen 'Fuck You'-Finale samt 'Welcome To The Garden State'-Mittelpart ansetzt. Kurzum, selbst beim drölften Gig in Overhausen gibt es noch immer kleine Überraschungen, mit denen die Amis ihre Fans noch erfreuen und beeindrucken.

Zumindest sorgt die nur halbvolle Halle dafür, dass die Abfahrt aus (nun wieder) Oberhausen in keinem allzu langen Stau endet. Mit vielen Ohrwürmer im Kopf wird also die Heimfahrt angetreten – eine gute Gelegenheit, "Deal With It!", "The End Of Chaos", "Born To Perish" und "The Wings Of War" noch einmal im Schnelldurchlauf anzustimmen.

Redakteur:
Marcel Rapp

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