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Opeth - München

03.01.2009 | 13:50

06.12.2008, Backstage Werk

Die großartigen OPETH und zwei hervorragende Vorbands: ein perfekter Samstagabend im Münchner Backstage Werk.

Manche Bands erkennt wirklich sofort, auch wenn es noch so dumpfe Klänge sind, die von einer Konzerthalle nach außen dröhnen, wo eine in der Kälte wartende Menschenschlange nach Einlass verlangt. Vielen wird der Einlass verwehrt, denn sie sind nicht im Besitz einer gültigen Karte. Ein nettes Mädel aus Sachsen hat allerdings Glück, denn mein Begleiter hat noch eine Karte übrig. Ob sie auch erkannt hat, welch tolle Vorband da gerade spielt? Ob sie sie genauso toll findet wie ich? No one will ever know.

Da ich keine Ahnung hatte, wer vor den proggenden Knuddelschweden spielen würde, bin ich natürlich begeistert, das Berliner Multi-Instrumentalisten-Kollektiv von THE OCEAN zu hören. Diese Band ist in allen Belangen außergewöhnlich: Ihr musikalisches Spektrum reicht von sehr ruhigen, fast ambienten Soundcollagen, die sich zu gewaltigen Soundmonumenten auftürmen können, bis hin zu musikalischer Mathematik, die zu lösen man schon MESHUGGAH hören oder mit Menschen wie Newton, Gauß oder Leibnitz verwandt sein muss.

Ich habe THE OCEAN schon einige Male gesehen, und niemals haben sich die Konzerte geähnelt, weder bei der Besetzung (THE OCEAN sind auf allen Positionen doppelt bis dreifach besetzt wie der FC Bayern!) noch was die Musik angeht (die Alben "Aeolian" und "Precambrian" können unterschiedlicher nicht sein).

Besonders interessant ist heute das Wechselspiel der zwei Sänger. Einer schreit sich die Seele aus dem Leib, der andere singt eher klar und melodisch, und meistens waren beide gleichzeitig aktiv, was hervorragend passt. Und noch ein Pluspunkt: Was sich in der Beschreibung sehr verkopft anhört (und auch ist), wird mit einer enormen Spielfreude und unbändiger Bühnenenergie vorgetragen, so richtig roh und aggressiv und dennoch musikalisch perfekt. THE OCEAN werden ihren Weg gehen.

Die nächste Band ist zugleich auch der nächste musikalische Leckerbissen. Von mir ganz zu schweigen, hatten auch die Leute um mich herum keine Ahnung (!), welche Band da gerade spielt. Total verspulter und megaverschachtelter Prog, der ein wenig an ältere SIEGES EVEN oder die Kaputto-Italiener EPHEL DUATH erinnert, jedenfalls was den Staunfaktor ob des Gehörten angeht. Was für eine seltsame Harmonik. Was für ein esoterischer Gesang, fast wie bei MERCURY REV, nur mit einem sonderbaren Effekt belegt, der kaum zu beschreiben ist. Irgendwas von Raumschiff Enterprise vielleicht. Noch verrückter: Jazzige Einlagen werden mit Growls des Gitarristen unterlegt, die aber nicht "böse" klingen sondern eher wie ein Kratzen im Hintergrund. Hm, was könnte das wohl für eine durchgeknallte Truppe sein?

Diese Band outet sich als CYNIC. Peinlich, bin ich doch Besitzer einer ihrer CDs ("Focus"), von der sogar ein Song gespielt wird. Aber ich gebe zu, ich hätte das NIEMALS erkannt. Das ist eine ganz andere Musik! Übrigens ist Studio-Basser Sean Malone, der für einige Undergroundfreakler so etwas wie Kult ist, nicht im Tour-Line-up, sondern wird ersetzt durch einen Menschen namens Robin Zielhorst. Ob das die Qualität von CYNIC beeinträchtigt? Ich glaube nicht. Zumal der Typ mit seiner Glatze Blickfang der Band ist und auch ein sehr guter Basser zu sein scheint. Nähere intellektuelle Beschäftigung mit CYNIC ist allenfalls anzuraten!

Aber jetzt zu OPETH: Nun, was kann man da noch schreiben? Das Intetrnet ist voll von OPETH-Konzertberichten. Und kann man Elkes Bericht überhaupt noch übertreffen, der ALLES sagt, was es zu einem OPETH-Konzert zu berichten ist?

Nun, auch in München ist die Band wie immer perfekt eingespielt, die "neuen" Bandmitglieder, insbesondere Guitarrero Fredrik Åkesson, scheinen voll integriert zu sein. Meiner Meinung nach ein dicker Gewinn, denn ich war niemals ein großer Fan des sehr unauffällig agierenden und spielenden Peter Lindgren.

Wie immer sind die meisten Blicke auf den "Chef" Mikael Åkerfeldt gerichtet. Der Blondschopf hat einfach ein großes Charisma und spielt seine Musik mit sehr viel Gefühl und Leidenschaft. Das alles wären natürlich Perlen vor die Säue, wenn der Sound nicht stimmt. Doch wie immer im Backsage Werk ist der Sound grandios.

Ein großer Pluspunkt bei OPETH ist auch die Tatsache, dass ihre Konzerte niemals nur einzig und allein der Promotion des aktuellen Albums dienen (mal abgesehen von "Damnation"). So gibt es auch jetzt wieder Wunderwerke aus fast allen Phasen zu hören. Es ziemt sich nicht, einen Song herauszunehmen (die Setlist war übrigens dieselbe wie in Berlin ), deswegen tue ich's: 'The Drapery Falls' ist wieder im Programm, und da ist sie wieder, die berühmte Gänsehaut!

Kann man als Fazit also sagen: alles beim Alten bei OPETH? Eigentlich schon, aber manche neue Erkenntnis kann man dennoch mit nach Hause nehmen: 1.) Mikael Åkerfeldt kann trotz (oder vielleicht wegen?) leichter Erkältung growlen wie kein Zweiter, was echt immer wieder faszinierend "böse" ist. Und im nächsten Moment singt er dann wie, hm, Klaus Meine? Ja, dieser Vergleich würde dem SCORPIONS-Anhänger sicher gefallen. 2.) Nicht nur die SCORPIONS kommen zu der Ehre, in Åkerfeldts Musiksammlung eine große Rolle zu spielen. Auch POPOL VUH werden genannt. Viele Leute schreien "Yeah!" auf die Frage, ob jemand diese deutsche Band kennt. Soooo überzeugend klingt das aber nicht. Ich habe auch mitgeschrien, denn ich bin der Meinung: Åkerfeldt hat Geschmack! 3.) Die "Pommesgabel" ist leider nicht mehr Metal. Zumindest OPETH-Anhänger sollten ab sofort den Zeigefinger krümmen und ein sogenanntes "Hook"-Zeichen machen. Also, die Herrschaften, auf geht's!

OPETH – beim nächsten Mal gerne wieder. Aber nur mit "Hook"!

Redakteur:
Thomas Becker

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