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PAIN OF SALVATION / OPETH - Hamburg

22.12.2011 | 12:20

03.12.2011, Grosse Freiheit

Ein genüsslicher Abend mit PAIN OF SALVATION und OPETH!

Die Vorfreude ist groß: OPETH kommen nach Hamburg und nehmen die Landsmänner PAIN OF SALVATION mit - das verspricht ein oberleckeres Progmenü zu werden. Doch es ist wieder einer dieser verflixten Konzertabende in Hamburg, an dem nichts läuft wie angesagt. So stehe ich eine halbe Stunde vor dem offiziellem Beginn vor der Großen Freiheit 36, als ich auf einmal die ersten Töne von 'Softly She Cries' höre. Das kann doch nicht wahr sein. Also nehme ich die Beine unter die Arme und sehe zu, dass ich in die Halle komme, doch da spielen die Schweden bereits die letzten Töne des Songs vom aktuellen Album "Road Salt Two". Die Halle ist zu meinem erstaunen aber bereits relativ gut gefüllt, auch wenn hier und da noch ein paar Lücken des ausverkauften Abends klaffen. Ich werde sogleich von der Spielfreude gefesselt, der Funke springt sofort über, was mir offensichtlich nicht als einziger so geht. Daniel Gildenlöws Gesangsleistung gehen total unter die Haut und lassen alles dahinschnelzen, einfach traumhaft. Dazu wird ein herrlicher Sound geboten, der sämtliche Metal/Prog/Funk/Jazz/Fusion-Ausflüge transparent an den Hörer bringt. Mit 'Ashes' geht es relativ düster und heavy weiter, im Anschluß folgt der Stimmungsmacher 'Conditioned'.

Das interessante Schlagzeug-Setup von Léo Margarit mit zwei unterschiedlich großen Bassdrums fällt mir sofort ins Auge. Das folgende wunderschön bedächtige '1979' und das herrliche, leicht folkloristische 'To The Shoreline' , ebenfalls von "Road Salt Two", kommen live noch authentischer rüber als auf Platte. Zwischendurch wird ein unterhaltsamer Wettbewerb veranstaltet: Welche Nation kann am lautesten Schreien? Nach Gildenlöw sind die Spanier nach wie vor ungeschlagen, dicht gefolgt von den Dänen, nur die Schweden können's leider gar nicht. Weiter geht es mit dem rockigem 'Linoleum' vom Vorgängeralbum "Road Salt One" um anschließend mit 'No Way' den Abschluss des Auftritts zu finden. Ein intensives Liveerlebnis, dass nach nur 30 Minuten viel zu schnell zu Ende ist. Enthusiastisch werden PAIN OF SALVATION verabschiedet. Hoffentlich sieht man die Herren noch mal auf einer eigenen Tour in heimlichen Gefilden.

Setlist PAIN OF SALVATION:

Softly She Cries
Ashes
Conditioned
1979
To The Shoreline
Linoleum
No Way

[Jakob Ehmke]

Ich hätte zwar gerne noch einen Happen von PAIN OF SALVATION gesehen, aber das sollte mir um kurz nach 19 Uhr leider verwehrt bleiben. Da läuft nämlich bereits die Pausenmusik. Man fühlt sich als am Samstag arbeitender Mitbürger etwas veräppelt, wenn laut Homepage der Einlass um 18 Uhr beginnt und 60 Minuten später die Vorband bereits fertig ist. Okay, ich hätte es als Insider wissen können. Nach dem Konzert wird noch eine Tanzveranstaltung stattfinden. Egal, ich habe die Band bereits als Headliner gesehen und kann mich so komplett auf Mikael Åkerfeldt & The Boys einlassen. Und diese eröffnen ziemlich genau um halb Acht mit dem Videohit des wundervollen aktuellen Albums den musikalischen Reigen des heutigen Abends. Eingetaucht in warmes, blaues Licht erklingt 'The Devil's Orchard' und sofort ist diese knisternde Spannung in der komplett ausverkauften Halle zu spüren. Eine Spannung, die ich bei bisher jedem Konzert von OPETH erlebt habe. Das Publikum lauscht gebannt den Klängen der sympathischen Schweden und niemand scheint auch nur einen Ton verpassen zu wollen. Dabei fällt sofort angenehm der gut ausgesteuerte Sound auf, der nicht zu laut allen Instrumenten den nötigen Freiraum lässt. Ein Umstand, der bei fünf exzellenten Solisten nur von Vorteil sein kann. Mit 'I Feel The Dark' verweilen die Burschen noch einen Moment bei "Heritage" bevor man das viel umjubelte 'Face Of Melinda' von meinem heimlichen Favoritenalbum "Still Life" in die Menge pustet. Yeah! Mikael ist wie immer zu kleinen Scherzen aufgelegt und beginnt mit einem Jubelwettkampf zwischen den Leuten vor der Bühnen und denen auf dem Balkon. Die von da an immer mal wieder auf den Arm genommenen "balcony people" sind von nun ab Running Gag der Ansagen. Entertainment und Publikumseinbindung aus dem Bilderbuch. Und Märchenonkel Mikael hat einiges zu erzählen. Zum Beispiel von seinem 'Porcelain Heart', bei welchem sich Åkerfeldt darüber, ärgert keine einfachen RAMONES-Songs zu komponieren. Martin Axenrot darf während dieser Nummer mal eben mit einem Drumsolo brillieren, was der gute Mann eigentlich gar nicht nötig hat, verprügelt er seine Schießbude doch eh mit einer progressiven Eleganz, die bei einigen in der Menge befindlichen Schlagzeugern für höchste Beachtung sorgt. Danach wird es kuschelig: Fredrik Åkesson und Mikael nehmen auf Stühlen platz und klampfen sich auf akustischen Gitarren durch 'The Throat Of Winter' , 'Credence' und 'Closure'. Magisch. Vor allem freuen sich ein paar alteingesessenen Freaks vor mir über den Umstand, einen Song vom 'My Arms, Your Hearse'-Album serviert zu bekommen. Das immer wieder wechselnde Lichtbad ist so einfach und doch effektiv, dass ich mich gar nicht satt sehen kann daran. Es passt einfach perfekt zu der warmen und extrem emotionalen Musik, die uns hier geboten wird. Es folgt die Homage an Ronnie James Dio oder – wie Mikael es selbst bezeichnet – das RAINBOW-Rip-Off. 'Slither', die wohl rockigste Nummer vom "Heritage"-Album, wird gefeiert wie ein altbekannter Hit und so ist die Stimmung bei 'A Fair Judgement' dann auf dem Höhepunkt. 'Hex Omega' wird als letzte Nummer angekündigt, aber, weil wir so furchtbar nett waren, gibt es als Zugabe noch das wundervolle 'Folklore' mit auf den Nachhauseweg. Ich bin begeistert.

Setlist OPETH:

The Devils Orchard
I Feel The Dark
The Face Of Melinda
Porcelain Heart
The Throat Of Winter
Credence
Closure
Slither
A Fair Judgement
Hex Omega
Folklore

 

 

 


 

Hier geht's zu weiteren Bildern des Abends!

[Holg, der Andrae]

Redakteur:
Holger Andrae

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