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PAUL DI'ANNO, PARAGON, BLACKHAWK - Lübeck

17.01.2012 | 12:13

03.12.2011, Treibsand

Oldschool-Metal-Abend vom Feinsten und metallische Zeitreise mit einer Legende! Doch wird Paul Di'Anno weiter an seinem Legendenstatus herumsägen bis nichts mehr übrig bleibt?

Heute stehen die Zeichen im TREIBSAND, dem Musik-Club der "Alternative" auf der Lübecker Wallhalbinsel, auf Sturm. Gleich drei Vertreter des traditionellen Eisengießens stehen zum vorweihnachtlichen Headbangen auf dem Programm!

BLACKHAWK aus Mölln sind immer eine sichere Bank, um ein solches Event zu eröffnen. Traditions-Metal vom Feinsten! Mit der Startnummer 'Dragonride' hauen die fünf Norddeutschen gleich meinen Lieblingssong in die Menge: schnell, druckvoll, hochmelodisch und mit einer Begeisterung, dass man nicht glauben kann, dass diese Urgesteine schon seit 1981 den wahren Stahl in die Ohren aller Headbanger gießen! Dass echter Teutonen-Stahl nur in der Hölle geschmiedet werden kann, beweisen sau-coole Stampfer wie 'Rock'n'Roll Hell', Vollgas-Granaten der Güteklasse 'Straight To Hell' oder später auch der Rausschmeißer 'Hellfire'. Vier-Viertel-Takt-Rammen der Marke 'Guardians' oder das superschnelle - vom bestens aufgelegten Frontmann Udo Bethke als "Ballade" angekündigte - 'Fire In The Night' lassen vom ersten Moment an keine Zweifel aufkommen: Dieser Abend wird manch einer lauen, großspurig als "Festival" angekündigten Veranstaltung mit Bands dieser Genres mehr als das Wasser reichen.

Handwerklich perfekt, topmotiviert und auch als Opener mit bestem Sound versorgt, entlassen uns die langhaarigen Recken in schwarzem Leder mit dem bei Ihren Auftritten unvermeidlichen, hammerhart gespielten KISS-Cover 'Detroit Rock City' und dem schon erwähnten fulminanten Schlussakkord 'Hellfire' viel zu früh in eine zum Glück nur kurze Umbaupause.

Setlist BLACKHAWK:
Dragonride
Shoot Shoot
Isolation
Rock'n'Roll Hell
Straght To Hell
Fire In The Night
Guardians
Detroit Rock City
Hellfire 

Über die Kruppstahl-Schmiede PARAGON braucht man eigentlich keine Worte mehr zu verlieren. Immerhin auch ein gutes Viertel Jahrhundert halten die Hamburger eine Zunft am Leben, die mit Größen wie ACCEPT oder GRAVE DIGGER Heavy Metal-Geschichte geschrieben hat. Leider haben es die Rocker von der Elbe nie in dieselben Ruhmeshallen geschafft wie ihre hier genannten Kollegen. Wenn man sich die Truppe einmal live einverleibt hat, kann man das überhaupt nicht vestehen. Man nehme nur das unglaubliche, Schädel-spaltende 'Impaler' oder den Band-Klassiker 'Law Of The Blade': Hier wird Holz mit Köpfen gehackt!

Auch in der neuen Besetzung blasen die hanseatischen Haudegen alles weg, was heutzutage mit viel Lärm um Nichts, tiefergestimmten Klampfen und bösem Gegrunze auf dicke Hose macht. Bass-Heimkehrer Jan Bünning wuchtet uns seine Läufe direkt in die Magengrube. TORMENT-Schlagwerker Chris Gripp legt nicht nur bei 'Screenslaves' vom aktuellen Album seine Doublebass-Attacken so exakt auf, dass man danach Millisekunden eichen kann. Die Gitarrenfront um BLACKHAWK's Wolle Tewes, der heute eine Doppelschicht schieben muss, und David Wieczorek (Ex-STORMWARRIOR), rifft und soliert, dass es einem die Freudentränen in die Augen treibt. Und da gibt es ja auch noch "uns Buschi" Andreas Babuschkin, der heute Abend besser aufgelegt ist als je zuvor. Als Frontmann gibt er alles, um das Publikum nach vorne zu prügeln. Er wirkt optisch wie der kleine Bruder von Eric Adams und schwingt sich stimmlich auch fast in dessen Sphären. Der Vergleich mit MANOWAR kommt übrigens nicht von Ungefähr, entlässt uns die Truppe doch mit deren 'The Gods Made Heavy Metal' aus einem gut einstündigen Set, der ruhig noch länger hätte sein können. Danke PARAGON, dass Ihr wieder voll da seid!

Mittlerweile ist der Club zum Bersten gefüllt. Aber das wundert ja auch nicht, schließlich steht als Höhepunkt des Abends eine Legende auf dem Billing. Paul Di'Anno muss erstmal auf die Bühne geholfen werden. Dann stehen da geschätzte 150 Kilo Mensch mit tätowierter Glatze in einem knallroten Shirt Marke "Zikuszelt" hinter dem Mikrofonständer und lächeln verlegen. Eigentlich sollte er ja schon im April genau dort stehen, aber da musste die Legende, die stetig an sich selbst sägt, ja erstmal in England hinter schwedische Gardinen…

Nun aber eröffnen Kirchenglocken vom Band und 'Murders in The Rue Morgue' vom 1981er "Killers"-Album eine musikalische Reise in die Vergangenheit, für die sich das Kommen heute mehr als gelohnt hat. Wie alles, was wir von Paul und seiner deutschen Backing-Band 'Phantoms Of The Opera' zu hören bekommen, kommt dieser IRON MAIDEN-Klassiker hart, präzise und mit leicht punkiger Attitude in erstaunlich gutem Sound aus den Boxen gehämmert. Auch seine Instrumentalisten überzeugen vom ersten Ton an: Die Band agiert extrem tight und ist exzellent auf einander eingespielt. Die Gitarristen harmonieren perfekt, der Bassmann spielt auf, als hätte ER Steve Harris das Bass-Spielen beigebracht und Pauls Look-Alike hinter dem mächtigen Drumkit tritt uns gewaltig in den Allerwertesten.

Lediglich der Meister selbst braucht eine gewisse Anlaufphase. Die genuschelten oder gelallten Ansagen versteht man den ganzen Abend lang kaum. Seine Suche nach dem nächsten Song-Titel auf der Setlist vor seinen Füßen dauert mitunter etwas lange, was er jedes Mal mit einem schüchternen und durchaus charmanten Lächeln quittiert. Doch gesanglich ist er nach wie vor eine Bank! Seine Screams kommen hoch und schrill, er shoutet die alten Maiden-Klassiker zum Teil in reinster Death Metal-Manier, ohne aber die bekannten Melodiebögen auch nur im Geringsten zu vergewaltigen. Geradezu Gänsehaut bekommt man bei der intensiven Interpretation des SENSATIONAL ALEX HARVEY BAND-Kultsongs 'Faith Healer' oder den getragenen Passagen von 'Remember Tomorrow'.

Natürlich bekommen wir zum Schluss des Sets mit grandiosen Versionen von Maiden-Goodies wie 'Killers', 'Charlotte The Harlot', 'Iron Maiden' oder 'Running Free' auch reichlich Futter aus der Nostalgie-Kiste eines jeden Eiserne Jungfrauen-Fans älteren Semesters. Dass nach zwei Stunden "schooon" Schluss ist, will man gar nicht wahr haben. Ich jedenfalls trolle mich mit dem Gefühl von dannen, heute einen der genialsten Old-School-Metal-Abende seit vielen Jahren erlebt zu haben!

Ein herzlicher Dank geht wie immer an die tolle TREIBSAND-Crew und besonders Jens Lindemann für den Support um diesen Bericht herum!

Redakteur:
Martin Rudolph

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