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Party.San 2004 - Bad Berka

07.09.2004 | 13:37

12.08.2004,

Immer diese langhaarigen Bombenwerfer, die jedes Jahr Bad Berka und Umgebung lahmlegen ... Das Party.San ruft, im Nachbarort schreit dazu noch das Highfield Open-Air mit Bands wie DIE ÄRZTE. Da muss reagiert werden: In diesem Jahr gibt sich der thüringische Staatsapparat bewaffnet und gut vorbereitet, kurz vor der Autobahn-Abfahrt Weimar wartet eine mobiles Drogen-Sonder-Such-Kommando und zieht zottelige Metalheads aus ihren alten Karren. O-Ton: "Ihr fahrt doch zu 'ner Party, da hat man doch immer was dabei." Jede Menge gute Laune zum Beispiel, denn auch in diesem Jahr entpuppt sich das Party.San im Rückblick als DIE extreme Metalparty des Jahres, kein anderes Festival in Deutschland kommt an dieses Feeling und an dieses Flair heran. Und das hat sich wohl auch herumgesprochen: 6000 Leute sind an beiden Tagen auf dem Gelände, mehr als doppelt so viele wie letztes Jahr - Qualität zahlt sich eben doch manchmal aus. Und dass es den angereisten Kaputt-Touristen auch gefallen hat, beweist schon ein Fakt: Am letzten Tag sind alle T-Shirts ausverkauft. Doch bis zum letzten Party.San-Stündchen ist am Warm-up-Donnerstag noch viel Zeit. Vier Bands sind im Party-Zelt nacheinander beschäftigt, den Kopf schon einmal freizuschwingen.
(Henri Kramer)

Schön wieder da zu sein, und sogar den australischen Saufkumpan aus dem vergangenen Jahr wiederzutreffen, der diesmal nicht mutterseelenallein um den halben Globus gereist ist, sondern sechs Kumpels überzeugen konnte, ihn zu begleiten: "I love Germany!". Neben dieser beginnt der Donnerstagabend mit einer weiteren angemessen angenehmen Überraschung auf der Zeltbühne, den Thüringern SUFFERING SOULS (KYF = Kiffhäuser-Kreis - sinnlose Anmerkung von H. K.)(aber Vorsicht, sinntragender als die folgenden - warnt G. B.), die kurzfristig für XIV DARK CENTURIES eingesprungen sind. Dadurch, dass sich die Band seit ihrem Demo 1999 vom Black deutlich in Richtung Death Metal entfernt hat, kommt eine zunächst abwechslungsreiche Songabfolge zustande, deren Originalität aber leider mit zunehmender Konzertdauer wieder in sich zusammenfällt. Zudem können die älteren Songs den neueren qualitativ nicht das Wasser reichen. Da hilft es auch nichts, dass das nette Sänger-Stimmchen mit aushilfslustigen Ansagen wie "Jetzt kommt was Langsames zum Kuscheln" jeweils die neueren Lieder ansagt (zum Beispiel 'The Beast Inside' und 'Fear In Your Eyes'), die mit ihren schleppenden, doch gleichzeitig treibenden Gitarren stark an AMON AMARTH erinnern. Die - selbstredend auch als solche angekündigten - schnellen Songs bestechen durch ebensolche Gitarrenarbeit, die nicht voll auf den Punkt kommt, was dem Auftritt aber insgesamt einen angenehm rohen Charme verleiht. Lediglich das übertrieben blecherne Schlagzeug irritiert in wenig, was nicht an der Zelt-Akustik gelegen haben kann, wie bei GOLEM später klar wird.
(Gretha Breuer)

GOLEM deathen nämlich verdammt fett, verdammt frickelig und sind dazu noch irre sympathisch. Hier sitzt zum Beispiel SINNERS BLEED-Gitarrist Eric Krebs hinter dem Schlagzeug. Seine Schläge sind ein wichtiger Bestandteil dafür, dass das aktuelle Album "Dreamweaver" so geil klingt, wie es nun live auch aus den Boxen schallt. Auch der Rest der Musikerschar konzentriert sich voll auf das unheimlich technische Material, viel Bewegung kommt dadurch auf der Bühne aber nicht zustande. Nur in den ersten Reihen wird gemosht, manche dahinter ergehen sich in der gekonnten Analyse von schwierigen Songstrukturen. Doch der allermeiste Rest ist wie unser Redakteur Stephan zu dieser Stunde schon nicht mehr zum hörenden Denken in der Lage und freut sich eher, sich vor dem peitschenden Regen ins große Partyzelt gerettet zu haben. (Da ist deinem alkoholgetrübten Blick wohl entgangen, dass ich mich erst mit Erklingen des Schlussakkordes ins Zelt flüchtete, nachdem ich zuvor von einer hier nicht näher genannten Person von oben bis unten mit Bier übergossen wurde und mich erstmal umziehen musste. - Anm. von S. V.) Trotzdem, alles Ignoranten!

Dafür flippt die Menge jetzt aus: DISFEAR stehen noch gar nicht richtig auf der Bühne, da geht das Gejohle im Publikum schon los. Völlig zu Recht werden die Schweden um Ausnahme-Schreigott Thomas Lindberg abgefeiert, sind sie mit ihrem rotzigen Deathgrind doch die eigentlichen Erben der unvergessenen DISCHARGE. Dazu kommt bei DISFEAR noch dieser unverwechselbare schwedische Drive, herrlich roh schreit dieser Sound nach einem großen Pogokreis zu Songs wie 'Rat Race'. Die Maniacs im Zelt lassen sich nicht zweimal bitten; zu den Titelsongs von Platten wie "Misanthropic Generation" oder "Everyday Slaughter" krachen Metalköpfe ineinander. Hier wird auch klar, warum dass Party.San trotz der schon jetzt beeindruckenden Fanzahlen ein echtes Underground-Festival geblieben ist: DISFEAR sind so verdammt cool rockbar und unkommerziell, dass alles egal wird. Selbst der immer noch alles benässende Super-Regen stört niemand mehr - getreu dem Motto: "Soll das Zelt doch durchweichen, ich will weitermoshen und mir das Wetter schön trinken."

Mit dieser Lebenseinstellung geht's weiter mit PURGATORY, die an diesem Abend ihr neues Album "Luciferianism" herausbringen und livehaftig den Massen um die Ohren deppern. Wie auf der CD hat Schreiröhre Michele von RECAPTURE auch beim Party.San-Gig ihren Gastauftritt, diese Frau kickt mit ihrem Organ definitiv jeden Death-Metal-Arsch. Das machen auch die anderen Jungs von PURGATORY und so entwickelt sich von der Bühne aus eine berstend-sächsische Gewitterfront, die sich über die Fans ergießt. Neue Stücke wie 'Seeds Of Annihilation' und besonders 'In Fervent Eyes' greifen als brachiale Schleudersteine jeden Gehörgang an - da hilft nur freischütteln. Doch auch die älteren Kracher von Platten wie "Blessed With Flames Of Hate" oder "Bestial" beißen sich fest - mindestens zehn Reihen moshen vor der Bühne zur extremen Gehörgangverarztung der Marke PURGATORY.

Danach ist eines sicher: Keine Ahnung, welcher der beiden Headliner an diesem Abend würdiger auf der Bühne abgeht. DISFEAR klingen eben rotziger, PURGATORY dafür um so blasphemischer ... Allerdings: Die Sachsen bleiben noch lange nach ihrem Gig im Partyzelt, der Beginn einer langen und trunkenen Nacht, überall taumeln Kunden umher. Ein Typ will alle Kragen von Metalkutten abschneiden (Stichwort: "to be true or untrue"). Als DJ über dem Inferno betätigt sich das Team vom Jenaer Hellborn-Metalradio mit einer äußert netten und verdammt tanzbaren Mischung aus alter Schule und neuen Brettern ... Cheerz, men of beer and war!!!
(Henri Kramer)

Redakteur:
Henri Kramer

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