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Party.San 2010 - Bad Berka

10.09.2010 | 10:06

12.08.2010,

Die der Sintflut Trotzenden: Auch der Himmel kann Schwarz- und Todesblei nicht verhindern!

Freitag, 13. August

ONHEIL: Die Überraschung aus Holland

Wer es schafft, sich am Freitag um 13 Uhr durch den Schlamm vor die Bühne zu quälen, erlebt einen für diese Uhrzeit durchaus überraschenden Gig der fünf Jungs aus den Niederlanden. Trotz Regen und knöchelhohen Schlamms heizen ONHEIL den geschätzten 400 Mann vor der Bühne ordentlich ein. Mit ihrem bisher einzigen Album "Razor" bleibt die Setlist zwar überschaubar, aber keinesfalls langweilig. Wer melodisch angehauchten Black Metal mag, hat mit dieser Band einen mehr als guten Start in den verregneten Tag. Das nächste Mal sollten diese Jungs nicht unbedingt die Newcomerplätze zur Mittagszeit besetzen. Ich jedenfalls werde versuchen, schnellstmöglich noch einen Platz für das Album in meinem ohnehin schon mehr als überfüllten CD-Regal zu finden. [Kann ich jedem, der auch IMPALED NAZARENE mag, nur empfehlen. Vielleicht mit Ausnahme von lyrischen Ergüssen wie "when I say fuck, you fuck fuck" – Anm. v. Carsten]
[Benjamin Kutschus]

MILKING THE GOATMACHINE: Wilder Kampf mit dem Erzfeind
Gegen 14 Uhr wird es tierisch: Die Ziegenmenschen von MILKING THE GOATMACHINE betreten die Bühne und liefern sich an diesem Tag mehrere Kämpfe mit ihrem Erzfeind, dem Wolf. Diesem hat die Grindcore-Band auch Lieder wie 'Here Comes Uncle Wolf' und 'Beware Of The Wolf' gewidmet. Aggressiv, wie der Wolf eben so ist, spritzt er das Publikum mit einer Wodka gefüllten Wasserspritzpistole voll und reitet dabei auf einem aufblasbaren, violetten Delphin. Das lassen sich die Ziegenmenschen aber nicht gefallen und verjagen ihn später von der Bühne. Ein einfaches „yes“, um den Erfolg auf der Zunge zergehen zu lassen, genügt dazu. Weiter quiecken, grooven und schütteln die Ziegenmenschen neckisch ihre Köpfe im Takt zu anderen Songs wie 'Born, Lost, Captured' und 'Eaten Blessed Scum'. Gegen Ende fordern MILKING THE GOATMACHINE ihre Fans noch auf jeweils ihren Nachbarn an die Hand zu nehmen und ihn durch die Gegend zu schütteln. Ziegengeräusche ertönen. Erfreulicherweise endet das Ganze aber nicht in einer einzigen Schlammschlacht, dafür gehen die Fans zu gut mit zu dem recht groovigen Grindcore und sammeln lieber die vielen aufblasbaren Utensilien auf, die zum Schluss von der Bühne geworfen werden, darunter auch der Delphin und eine Luftmatratze.
[Franziska Böhl]

LIVIDITY: Porn-Grind rules!
Auf LIVIDITY freue ich mich schon den ganzen Tag. Es gibt für mich kaum eine andere Band bei der unglaubliche Brutalität und Partystimmung besser zusammen passen. Vor ein paar Jahren auf einem Bringer-Of-Death-Fest in Giebelstadt bei Würzburg konnten sie mich kaum begeistern, aber das änderte sich auf dem 2008er PSOA komplett und seitdem bin ich irgendwie infiziert von diesem obercoolen Porn-Grind-Groove-Massaker. Es spricht für LIVIDITY, dass sich die Stimmung vor der Bühne umgekehrt proportional zum Wetter verhält. Bei immer stärker werdendem Regen wird die Band immer mehr abgefeiert. Im recht ansehnlichen Circle-Pit vor der Bühne werden Luftmatrazen ausgepackt und Schlammsurfing mit ihnen veranstaltet, da schweben plötzlich Seifenblasen durch die Landschaft und das bei solchen Brechern wie 'Sword Of Sodomy' vom neuesten Output "To Desecrate And Defile" oder 'Bound In Skin' von "Used, Abused And Left For Dead". Frontsau und Tiefgrunzer Von Young hat die Menge jederzeit voll im Griff und weiß mit seinen kurzen, wenn auch leicht abgedroschenen Ansagen zu begeistern ("We love the german beer ... and the german women"). Gesanglich unterstützt wird er immer wieder durch Dave Kibler, der mit seinem giftigen Gekeife Youngs tiefe Growls etwas auflockert. Zum Abschluss werden die beiden kurzen Klopfer 'Engorged With Blood' und 'Dismantle The Carcass' - beide vom aktuellen Album - zum Besten gegeben und man verabschiedet sich nach einer knappen Dreiviertelstunde vom zufriedenen, von oben bis unten dreckverschmierten Publikum. Sehr starker Auftritt einer saucoolen Live-Band.
[Thorsten Seyfried]

SUICIDAL ANGELS: Kontinuierliche Steigerung
Yeah, das ist guter Thrash Metal aus Griechenland: SUICIDAL ANGELS. Gewohnt flott beginnen die Jungs ihren Auftritt und können das Publikum auch auf dem Party.San schnell für sich gewinnen. Die Haare kreisen da gleichermaßen schnell auf der Bühne wie davor. Der rhythmische Thrash Metal geht einfach in die Ohren. So spielen die Griechen Songs wie 'Pestilence Of Saints', 'Bloodthirsty' und ihr beliebtes '… Lies'. Sänger Nick Melissourgos freut sich über so viel Aktion im Publikum. "You're the best", sagt er und applaudiert. Animierende "Hoi"-Rufe sind längst nicht mehr nötig. Die schöne Dynamik in ihren Songs überzeugt einfach. Und wer die Nachwuchs-Thrash-Metaller von SUICIDAL ANGELS auf diesem Sommer schon auf weiteren Festivals sehen konnte, stellt fest, dass sie sich bei ihren Live-Auftritten auch kontinuierlich steigern konnten. Weiter so! [Franziska Böhl]


ORIGIN :  Lasst euch schwindelig spielen!

Nach diesem sehenswerten Auftritt schickt sich nun ein elitärer Haufen an, den Schlammpit mit technischem Hochgeschwindigkeits-Todesblei zu beeindrucken. ORIGIN zählen nicht von ungefähr zu den spieltechnisch anspruchsvollsten und beeindruckensten Formationen des extremen Death Metal. Sänger Mica Meneke, der seit mittlerweile gut einem halben Jahr dabei ist, ist wahrlich in große Fußstapfen getreten, denn sein Vorgänger James Lee war ein überaus cooler Shouter, der perfekt zum Sound von ORIGIN passte. Mica Meneke meistert seine neue Rolle jedoch sehr souverän, sodass ORIGIN auch anno 2010 bestens funktionieren und für offene Münder sorgen. Die Fingerchen der Saitenfraktion huschen in einem Tempo über Bass und Gitarre, das jeden Hobbyklampfer zur bedingungslosen Kapitualtion zwingen würde. Highspeed-Orgien mit genialen Melodien wie 'The Aftermath' oder 'Finite' vom aktuellen Album "Antithesis" fehlen natürlich ebenso wenig wie das sehr stark umgesetzte 'Portal' vom 2002er Studioalbum "Informis Infinitas Inhumanitas". ORIGIN bieten eben extremste Kost mit Köpfchen auf beängstigend hohem Niveau. Und das sowohl auf Scheibe als auch hier und heute auf dem Party.San 2010. Dass weniger gebangt wurde als bei den vorher spielenden SUICIDAL ANGELS ist nur eine Seite der Medaille. Der Umstand, dass ORIGIN technisch beeindruckender sind und auch intensiver zu Werke gehen, steht hingegen ebenso außer Frage. Aus meiner Sicht ein Hammerauftritt einer Ausnahmeband, die man sich auch live nicht entgehen lassen sollte.
[Martin Loga]

THE CROWN: Zum Glück nicht (ganz) verpasst!
Jeder auf dem Festival, der THE CROWN nach vierjähriger Pause wieder sehen will, ärgert sich um 20 Uhr, dass nicht die fünf Schweden auf der Bühne stehen. Mir selbst wäre beinahe ähnliches passiert: Bei der Unterhaltung eine Stunde zuvor auf dem Campground mit einem Kollegen über sinnvolle Beseitigung des Schlammes und halbherzigem Lauschen der Band auf der Bühne kommt ein "Hmm, die klingen wie... Moment, das ist THE CROWN!" Nach einem ungläubigen Blick auf die Uhr, Kontrolle der Running Order und gleichzeitigem Gang Richtung Bühne verpasse ich "nur" zwei Lieder - auch Pressemitarbeiter werden nicht immer über Verschiebungen informiert. Einstieg finde ich bei 'Blitzkrieg Witchcraft', einer der Knüppler von "Deathrace King", gefolgt von 'Doomsday King'. Nach Johan Lindstrand folgt nun Jonas Stålhammar am Mikro. "Ein bischen Nerd sieht er ja schon aus", denkt man sich. Dennoch ist sein Name Programm - haut rein wie ein Stahlhammer. Leider vermiesen einige Aussetzer des Mikros das Ganze ein wenig. Die Band legt an diesem Abend dennoch einen absolut gekonnten Gig hin, der hauptsächlich aus Klassikern wie 'Under the Whip' und als Abschluss aus 'Total Satan' besteht. Vom neuen Album wird lediglich ein Song eingespielt, vermisst habe ich persönlich nur 'Speed of Darkness'. Im Abschluss kann man nur sagen, dass sich die Klassenmeister aus Schweden selbst nach langer Pause getrost die Krone des Death'n'Rolls wieder auf die Rübe setzen können.
[Benjamin Kutschus]

OFERMOD: Verspätetes Ritual
Zwei Stunden später als geplant betreten gegen 20 Uhr OFERMOD die Bühne. Die orthodoxe Black-Metal-Band aus Schweden beginnt an diesem Abend auf der in rot gehüllten Bühne ihr Ritual. Die dämonischen Klänge haben etwas Beschwörendes und Sektenähnliches. Optisch dazu passend steht ein Mann mit langer schwarzer Kutte neben dem glatzköpfigen Sänger und zeigt mit einem Stock ins Publikum. Hin und wieder ist ein ebenso dämonischer Growlgesang zu vernehmen und dann auch wieder eine tiefe männliche Stimme. "You want dead, you want sick." Das Publikum scheint zunächst gar nicht zu wissen, was es davon halten soll – abgesehen von den wenigen Fans in den ersten Reihen. Doch nach rund zehn Minuten setzen harte, beharrlich eingesetzte Gitarrenriffs zu dem Sprechgesang ein. Die Ersten moshen. Das Ritual hat also begonnen. Mit einer schwermütigen und lethargischen Mischung sollen die Melodien das Publikum für sich gewinnen. Diese sind unter anderem dem Album "Tiamtü" entnommen. Dazu post und gestikuliert Sänger Nebiros gerne. Doch so ganz kommen OFERMOD nicht bei allen an, einige im Publikum scheinen sie mit der Weile etwas eintönig zu finden.
[Franziska Böhl]

ASPHYX: Sympathische Death-Metal-Legende mit Tonproblemen
Den Abend läuten die nimmermüden Old-School-Deather von ASPHYX ein. Und wie man angesichts der Setlist ihrer inzwischen veröffentlichten Live-DVD erwarten kann, ballern die vier Holländer ihrer deutschen Anhängerschar sogleich das Doppelpaket 'Vermin' und 'Scorbutics' um die Ohren. Nur ihr bandeigener Tonmischer bekommt trotz Einweisung von FOH-Legende Stiefel nichts auf die Reihe, Tonausfälle und –schwankungen sind die Folge. Der mittlerweile vollbärtige Sänger Martin van Drunen lässt sich davon aber nicht die Stimmung vermiesen, flaxt mit den Fans, erinnert an das Party.San 2007, wo sich seine Band wiedervereinte, und schiebt 'MS Bismarck' hinterher. Die ersten Feuerbälle lodern Traditionsgemäß, während sich der neue Basser Alwin Zuur perfekt und matteschüttelnd einfügt. Drummer Bob bekommt von Martin und dem Publikum noch ein Geburtstagsständchen gegrunzt, ehe die Niederländer dem Ende eines letztlich doch sehr gelungenen Gigs entgegen rasen.
[Carsten Praeg]



DYING FETUS: Souverän wie eh und je
Vielleicht sollten sich die Veranstalter das nächste Mal genau überlegen DYING FETUS fürs PSOA zu buchen. Denn als die Amis vor drei Jahren Bad Berka die Ehre gaben, herrschten ähnlich chaotische Wetterverhältnisse. Ob es da wohl Zusammenhänge gibt? Naja, ich hoffe mal nicht, denn DYING FETUS sind live einfach ein absolutes Brett und somit eine Bereicherung für jedes Festival. Das Trio um Bandgründer John Gallagher betritt gegen 22 Uhr die Bildfläche und es regnet gerade zur Abwechslung wieder mal etwas stärker, was der Stimmung leider doch einen gewissen Abbruch tut. Denn es ist einfach schwer müde, in Gummi-Stiefeln und Regencape in zehn Zentimeter tiefem Schlamm, bei dem man bei jedem Schritt in der Dunkelheit aufpassen muss, nicht in der Scheiße zu landen, so richtig abzugehen. Die Band gibt zwar alles und entschuldigt sich auch immer wieder für die widrigen Verhältnisse, aber der Funke springt nicht komplett über. Es bleibt allerdings ein musikalisch souveräner Auftritt mit dem Wechselgekeife Gallaghers (die tiefen, kehligen und etwas Stakkato-mäßigen Growls) und Beasleys (der Bassist mit dem Gefauche aus der Rachengegend) und natürlich dem unverwechselbaren FETUS-Groove. Außer dem Uralt-Knaller "Grotesque Impalement" von anno dazumal darf man sich auch über die Scharfschützen-Ballade vom "Stop At Nothing"-Album 'One Shot, One Kill' und dem drum-technischen Kracher 'Justifiable Homicide' freuen. Wie Trey Williams hier hinter der Schießbude gefordert wird, ist ganz großes Kino und es ist immer ein Erlebnis, dieses Lied live zu hören. Allerdings verblasst neben der Band-Hymne schlechthin, dem ewigen Klassiker, so ziemlich jedes Lied in der Setlist: 'Praise The Lord' ist der Abräumer des 45-minütigen Gig der Föten, da es mit irrwitzigen Gitarrenläufen, coolen Grooves, rollenden und wirbelden Drums alles zu bieten hat, wofür die Jungs aus Maryland stehen. Herrlich.
[Thorsten Seyfried]

SARKE: Die größte Persönlichkeit des Wochenendes – nur keiner weiß es. Unwürdige!
Ein langer Tag voller Prügel und Schläge liegt hinter den Fans. Doch wenn es einen Mann gibt, der die müden Knochen wieder in Wallung bringt, dann ist es Nocturno Culto! Wenn jemand fragt, wer dieser Herr ist – ab in den Keller! Der Frontmann des von SARKE gegründeten Black'n'Roll-Projekts ist die eigentliche Attraktion des Festivals. Jedoch hat man das Gefühl, das Party.San-Publikum wüsste nicht einmal, wer hier das Mikro und die Bierdose schwingt. Kopfschütteln ist angesagt, angesichts der Unwissenheit und der wunderbar trashig (ja, ohne "h") vorgetragenen Songs des bisher einzigen Albums "Vorunah". Rotzschleudern wie 'Primitiv Killing', 'Old' oder das geniale 'The Drunken Priest' laden zu einer norwegischen Besäufnis-Feier ein – Nocturno gibt den übel gelaunten Party-Löwen. Ja, wenn er was kann, dann ignorant schauen und an seinem Bier nippen. Kult! Als es ihm zu leise scheint und er sich vor die Monitor-Boxen kniet, um überhaupt etwas zu erhaschen, müsste man es ihm eigentlich gleich tun. Stattdessen zünden wir die Abschiedskerzen für '13 Candles' an. Stark!
[Enrico Ahlig]

AUTOPSY: Legenden sterben nie
"Viele von euch waren noch ein feuchter Traum eurer Eltern, als die erste Scheibe rauskam", läuten die Veranstalter einen geschichtsträchtigen Augenblick ein. "Ladies and gentlemen, please welcome from Oakland, California: AUTOPSY!" Nach zwei Jahrzehnten weht dann auch erstmals wieder über eine europäischen Bühne rot angestrahlter Nebel, umhüllt drei Gestalten an ihren Saiteninstrumenten, die sogleich 'Twisted Mass Of Burnt Decay' und 'In The Grip Of Winter' rausballern. Währenddessen grunzt sich Bandkopf Chris Reifert hinter seinem Schlagzeug einen ab und kommt trotz seiner 42 Jahre bestens mit der Doppelbelastung klar - wenn auch nass geschwitzt, die frisch rasierte Glatze dampfend und ein 5,0-Bier nach dem anderen abpumpend. Verstärkt wird die Truppe durch Ex-ANTHRAX- und S.O.D.-Basser Dan Lilker, der im Zentrum der Bühne wild seine Lockenmähne fliegen lassen darf. 'Severed Survival' vom ersten Album darf ebenso wenig fehlen wie 'Gasping For Air', 'Mental Funeral' oder Stoff der neuen "The Tomb Within"-EP. Hier wird nicht an urigem Old-School-Death-Metal gespart. "Ich habe jede Sekunde genossen und hätte am liebsten die ganze Nacht gespielt", wird uns Chris am nächsten Tag noch verraten. Und bei so viel Nostalgie fängt dann selbst der Himmel wieder an zu weinen.
[Carsten Praeg]

Redakteur:
Carsten Praeg

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