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Phoenix - Leipzig

15.01.2007 | 08:50

07.11.2006, Werk 2

Spät, aber relevant.

Mensch, der November 2006 war ein musikalisch ereignisreicher und vor allem kontrastreicher Konzertemonat. Wer sich davon ein Bild machen will, kann gern die weiteren Kurzberichte der Konzerte von ULME, MONO und auch URLAUB IN POLEN überfliegen. Hier soll es erst einmal um den Auftritt der Schnuckelfranzosen von PHOENIX gehen, die alle Fransenfrisuren haben. Deshalb sind wahrscheinlich auch so viele junge Frauen da. Leipzig ist dahingehend sowieso gesegnet. So kann man denn auch vergnügt den Anbandelungsversuchen sich alternativ kleidender maskuliner Studentenklischees zusehen. Viel Tuch, viel Schal, bei knapp 20 Grad befremdlich - aber eben Pflicht. Hier bei PHOENIX. Der Sänger hat auch ein weißes Hemd an, was den Hinguckfaktor ungemein erhöht.

Auf diesen Umstand und auch darauf, dass auf so genannten Indie-Konzerten nicht gekreischt oder geklatscht werden darf, weist am Folgetag der Schreiber der hiesigen Leipziger Volkszeitung amüsiert hin. Bloß gut, dass die Stilpolizei immer wieder Nachwuchs hat. Ich kann mit Mitklatschen auf jugendlichen Konzerten auch nix anfangen, aber mein Gott, daraus gleich so eine Ableitung zu zimmern.
Zusammengefasst ist das, was die Typen aus Versailles da gekonnt bieten, hochprofessionell und wirkt trotzdem recht linkisch. Aber das hat Programm. Apropos: nahezu zweieinhalb kurzweilige Stündlein wird das Material der drei Pop-Perlen gleichbedeutend den PHOENIX-Alben dargeboten. Zum Schluß gibt's die drei Hits der Franzosen, wobei ich dabei einen spindeldürren Anwesenden dabei beobachte, in Tanzbewegungen vollkommen aufzugehen. Hippie geht auch 2006. Wobei er noch nicht so viel mit Drogen zu tun hatte, das sehe ich ihm an. Aber schön ist, dass sich Leute noch so schön gehen lassen können.

Ein Blickfang und Aktionist des Frohsinns ist der extra für die Tour gebuchte Drummer. PHOENIX bestehen nämlich eigentlich aus nur vier Mitgliedern, wobei gern - so der einhellige Tenor aus der Musikwelt - gern mal jemand mit auf Tour geschleppt wird, der ein bissel was hermacht. Optisch natürlich. Der Gute, der hier in der Mitte der Bühne thront, schafft es, während den sehr eingängigen Zuckerrythmen dennoch ein Armballett zu veranstalten, das gerade optisch das Ganze energetisch aufwertet. Der Drummer bietet natürlich ganz zum Schluss, während der vier Zugaben, seinen Erste-Klasse-Oberkörper dem hechelnden Publikum dar. Also auch gelungen. Insgesamt ein, ja, nettes Set an einem netten Abend. Meine Dame des Herzens ist mitanwesend und hatte ob Ihres dicken Bauches eine schöne ruhige Ecke gefunden. Unsere Abmachung an diesem Abend war mein Pendeln zwischen ihrem Sitzort und dem Zuschauerraum, um jede zweite Darbietung auch optisch zu mir zu nehmen. Fetzt. Nur, dass der Zuschauerraum im Werk 2 eher einem Zuschauerschlauch gleicht und das Gebäude sehr hoch ist, was sich klanglich meist eher nachteilig auswirkt.

Dennoch: Mein musikalischer Favorit des Abends war dann ein von den beiden Klampfern virtuos umgesetztes Instrumental weit über der Siebenminutengrenze. Ein postrockiges Stück, dessen Namen ich leider vergessen habe. Schöner Spannungsaufbau und flirrendes Ende, rockig und laut. Außerdem ist nicht vergessen, dass es die fünf Sympathen auch ein par Male gut krachen lassen. Wie so oft, wirkt die Musik live ruppiger und auch mitreißender. Aber der Mammutanteil des Sets ist harmonisch und treibend geordneter Rockpop der vorderen Güteklasse. PHOENIX sind zu empfehlen, um gutlaunige Abende einzuleiten.

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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