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Pungent Stench/Gorerotted - Bischofswerda

30.11.2003 | 03:05

28.11.2003, East Club

Ganz schön leer hier. Als der „East-Club“ 20.30 Uhr seine Bar öffnet, sind gerade ’mal zwei Handvoll Mattenschüttler anwesend. Und die schütteln ihre Haare noch nicht einmal, als GODNOSE beginnen. Dafür nickt der spätere „Star“ des Abends, Mr. Schirenc von PUNGENT STENCH, fröhlich im Takt der GODNOSE’schen Musik, eine Flasche Bier fest im Anschlag.
[Henri Kramer]

Bier bis zum Anschlag gab es schon gestern in Halle. In der „Easy Schorre“ war das Flüssigbrot tatsächlich ausgegangen, trotz noch geringerer Besucherschar von gerade mal 150 Mann. Da wurde dann eben mit Korn nachgefüllt. Bereits gut abgefüllt und ein biss’l fertig mit der Welt erscheint in Bischofswerda denn auch mit GODNOSE die erste Band des Abends. „Hi! We are Nosegod from Brisbane.“ Die drei Australier kennt hier wahrscheinlich noch keiner. Schließlich sind sie auch noch bei keinem europäischen Label unter Vertrag. Vielleicht ändert sich das ja nach ihrem spontanen Hinzustoß zum Tourtross. Völlig unspektakulär ausschauend zünden sie ein Doomgewitter sondergleichen. Rock’n Roll einmal durch die Autowaschanlage gejagt, dann nach Rotation in der Trockenanlage noch ’mal mit Stein gewaschen und das ganze unter drogenrauschhafter Beschleunigung runtergespielt, ohne dabei eine Miene zu verziehen. Quasi eine NEUROSIS-LP auf dem Plattenteller mit 45 Drehungen pro Minute aufgelegt. Echte Wüstenmugge von drei Typen, die laut Sänger’s Aussage einem „Tal der Ahnungslosen“ entstammen. Ahnungslos horcht auch erst mal die inzwischen zahlreicher gewordene Gemeinde im Saal, bedacht zu schauen, was da geht und findet’s gar nicht schlecht. Langsam fangen einige Wenige an sich zu bewegen. Nur die Zone vor der Bühne bleibt gähnend leer.
[Wiebke Rost]

Das ändert sich auch bei SECRETUM nicht großartig. Davon lassen sich die Berliner nicht beeindrucken, besonders Sänger Kato legt mächtig los und beweist, dass sein spanisches Blut im kalten Deutschland noch längst nicht eingefroren ist. Es gibt wenig agilere Frontmänner als den quirligen SECRETUM-Schreihals, der permanent in Bewegung ist und damit die kongeniale optische Umsetzung des SECRETUM’schen Thrash-Death-Gemetzels bildet. Kato lebt seine Musik, leert sich Bierflaschen über dem Kopf aus, springt von der Bühne, wirft sich auf den Boden, schreit, schreit, schreit. Allein, es nützt nichts. Das Publikum bleibt reserviert in den hintersten Ecke des Clubs, nicht ’mal ein Haarsträhnchen will bei den Knallern der aktuellen SECRETUM-Scheibe „Happy Happy Killing Time“ moshen. Ob die Zuschauer von der Vehemenz und der Energie der Band schlicht eingeschüchtert sind? Den Musikern ist soviel Bewegungslosigkeit im Publikum allerdings sichtlich egal, bis zum Ende halten sie Ihre schweißtreibende Show durch.
[Henri Kramer]

Vielleicht haben sich die Leute ihre Kräfte auch einfach für die nächste Band aufgespart, denn bei GOREROTTED wird’s plötzlich gemütlich vor der Bühne. Da müssen also erst mal ein Basser im Schottenrock, ein schon mächtig besoffener Sänger alias Mr. Gore und ein schweinemäßig grunzender Glatzkopf kommen, um die Masse zu mobilisieren. Letzterer, auch Goreskin genannt, rennt wie ein Zuchtbulle zwischen Bühne und Moshpit hin und her. Mr. Gore folgt ihm wild keifend und sich alsbald seines T-Shirts entledigend. Dabei stranguliert er sich fast mit dem Mikrokabel. Die fünf Briten liefern selbstbenannten Hooligan-Gore Metal und lassen auf der Bühne schweißtreibend die nackte Sau raus. Mit Songtiteln wie „I Can’t Fit Her Limbs In The Fridge“ oder „Her Gash I Did Slash“ begeistern sie auch den weiblichen Teil des Publikums restlos. Entgegen aller Vermutungen ob ihres aggressiven Auftretens on stage benehmen sich GOREROTTED aber ganz friedlich im Tourbus. Solange nur das Bier nicht alle geht... Alternativ trinkt man dann halt aus dem Glas, in welches Drummer Junky Jon zuvor uriniert hat. Aber da war bestimmt auch noch genug Alkohol drin.
[Wiebke Rost]

Inzwischen haben sich die Reihen im „East-Club“ gut gefüllt, vor der Bühne kann man sogar von einer gewissen Enge sprechen. PUNGENT STENCH haben es trotz der fortgeschrittenen Stunde kaum eilig. Zwar müssen die Ösis nach der Show noch 800 Kilometer nach Wien, um dort am nächsten Tag ihre kommende Live-DVD aufzunehmen, doch den Gig in Bischofswerda wollen sie sich deswegen nicht versauen lassen. Schließlich sind PUNGENT STENCH alte Bekannte im „East-Club“, letztes Jahr spielten die Jungs dort bei den Morbiden Festspielen. Deshalb ist heute die Setlist eine andere: „Alte Sachen und ein paar Coverversionen“, verspricht Martin Schirenc im schönsten Ösi-Dialekt. Konservativ wie die Setlist ist auch seine Kirchenkutte. Das warme Kleidungsstück passt optimal zu den fast tropischen Temperaturen im „East-Club“, nach wenigen Songs ist sie abgelegt. PUNGENT STENCH verzichten diesmal allerdings auf S-M-Leder, diesmal müssen es auch enganliegende schwarze Shorts tun. So rocken sich die drei Sickos durch die Bandgeschichte, Stücke wie „Shrunken And Mummified Bitch“ oder „For God Your Soul...For Me Your Flesh“ lassen die Fanknochen im Moshpit fast brechen. Die Coverversionen sind ebenfalls edel: Einmal werden die kranken MENTORS verwurstet, für GODNOSE gibt’s AC/DC’s „I’m A Reptile“. Nach etlichen Zugaben penetriert Schirenc noch seine Gitarre, samt Beule in der Shorts-Gegend. Neue Stücke gibt’s nicht, laut Martin kommt die nächste Scheibe erst Mai 2004, „wenn wir es bis dahin schaffen.“ Und wenn nicht: Dann spielt halt noch ’ne Tour...
[Henri Kramer]

Redakteur:
Henri Kramer

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