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Queens Of Metal - Kleinwenkheim

13.07.2006 | 16:54

16.06.2006, Sportfeld

Samstag, 17.06.

Gähn. Da ich erst so spät am Freitag eingetrudelt war, hatte ich natürlich im Vergleich zu den bereits Anwesenden ca. einen Tag Rückstand, was Party, Bier, Metal und Blödsinn betraf. Dies versuchte ich dann durch intensiven Gerstensaftkonsum bis in die frühen Morgenstunden auszugleichen, dank den feierfreudigen Campingplatzbewohnern kein echtes Problem. Allerdings auch nicht unbedingt die beste Idee, was mir mein Körper ein paar Stunden später dann versucht mitzuteilen. Egal, im Auto schlafen ist auch nicht unbedingt das Bequemste. Augen zu und durch, rauf auf's Gelände, Kaffee schlürfen und zum Frühstück das erste Lecker-Fränkisch-Bier verhaften. Mjam!

HOKUM dürfen dann als erste auf die Bühne, selbst um 13 Uhr noch ein undankbarer Job, da das Gelände noch alles andere als gefüllt ist und sich das Interesse der Zuschauer in Grenzen hält. Eigentlich zu Unrecht, denn die Jungspunde (haben nach meinen Informationen soeben zusammen Abitur gemacht - !) zaubern technisch extrem versierten, abwechslungsreichen und intelligenten Death Metal aus den Boxen, den ich ehrlich gesagt so hier nicht erwartet hätte. Holla die Waldfee! Schade eigentlich, dass die Jungs gleich als erste Truppe "verheizt" werden - das Material hätte auch gerne einem deutlich größeren Publikum präsentiert werden können. Aber, da bin ich mir sicher, wenn die Truppe so weitermacht, werden wir in naher Zukunft noch einiges von ihnen hören. Sehr lecker!

Bei XENOTAPH darf ich dann zu meiner großen Freude mal die Kamera schwingen, was mir bei einem fast komplett leeren Fotograben und ordentlich posenden Musikern - allen voran der Rotschopf an Bass und Mikro - auch sichtlich Freude bereitet. Das Material erinnert größtenteils an MORBID ANGEL, also mehr oder weniger klassischer US-Todesmörtel mit leicht technischem Einschlag. Weiß zu gefallen, ist jedoch oftmals noch sehr vorhersehbar gestrickt.
Ganz anders bei FALLING DOWN, die dann zum ersten Mal am Tage die Power-Metal-Keule auspacken und zumindest mir damit Freude bereiten, zumal man hier die Beschreibung "Power" auch sehr wörtlich nehmen kann: Kein Gejaule und Gejammer, sondern brachial-kraftvolle Kompositionen, die so in etwa das Beste aus Europa und Amerika vereinen.

DARKFALL fallen dann eher in die Kategorie "unspektakulär", zumindest können sie mich mit ihrem recht SFU/OBITUARY-lastigen Material nicht wirklich aus der Reserve locken. Im Gegensatz zu RESPAWN, die angenehm stark nach DARK AT DAWN klingen und dementsprechend auch, ähnlich wie FALLING DOWN, kraftvoll-drückenden Power Metal kredenzen. Eine gewisse Schlagseite zur eher düsteren Ecke lässt sich auch ausmachen, was summa summarum einen interessanten und vielseitigen Gig ergibt - bis dato zusammen mit HOKUM das Highlight des Tages, wenn es nach meiner Schnauze geht.

Danach regiert wieder der Todesstahl: INFERNAL BLASPHEMY übernehmen die Bühne und sorgen mit ihrem Deutschland-Fahnen-Overkill (vor der Bassdrum, an den Gitarren) für ein amüsiertes Grinsen meinerseits. Die Mucke macht's nicht wirklich besser, denn das ist mehr oder weniger Nullachtfuffzehn-Getrümmer, das hier und dort mal cool groovt, insgesamt aber doch zu uneigenständig wirkt, als dass es einen bleibenden Eindruck hinterlassen könnte. Vielleicht die nächste Band? Uah, schon wieder DEBAUCHERY. Naja, von mir aus. Die Leute gehen ja auch mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit zur dreistesten Abkupferei-Maschinerie seit es SIX FEET UNDER und KREATOR gibt ab - wieso auch immer. Wer an dieser Stelle ein paar Informationen zum Gig der Schwaben haben möchte, der sucht sich bitte einen anderen DEBAUCHERY-Bericht in der Datenbank, denn im Prinzip ändert sich nicht viel. Peinliche Ansagen, großes Ego, schwache Songs. 'Tschuldigung.
Interessant ist dann jedoch, dass es offensichtlich zum Ende des Gigs hin noch eine kleine Keilerei auf der Bühne gibt, was zu einem etwas verfrühten Abbruch des Konzerts führt. Leute, was ist nur bei euch los? Wäre echt eine Sensation, wenn ich bei zwei aufeinander folgenden Gigs mal das gleiche Line-Up auf der Bühne sehen würde...

Erbarme, die Hesse komme! Bembel-Thrash von ABANDONED steht pünktlich zur Prime Time auf dem Speiseplan. Lecker. Leider ist Klampfengott Holger mit einer Angina gestraft, weshalb er nicht nur etwas behindert und mit Halstuch versehen über die Bühne stakst (Bangen is nich), sondern auch immer wieder neidisch mein Bier beäugt, als wir später UNLEASHED schauen sind (Saufen is auch nich). Das hält den Hessen-Vierer aber nicht davon ab, wieder mal einen famosen Gig auf die Bretter zu legen. Front-Kalli grölt zwar nicht ganz so souverän wie sonst, schafft es mit seinen blöden Ansagen aber auf jeden Fall, die Stimmung ganz oben zu halten. Zusammen mit Keulen wie 'Private Little Hell', 'Return To One' oder 'Hell Is Home' kann da schon gar nichts mehr schief gehen. Auch wenn ich den Jungs gerne noch etwas mehr Publikumszuspruch gegönnt hätte, ist das Ganze die perfekte Einstimmung auf die folgende Band...

... die sich COMMUNIC nennt und mittlerweile zwei feine Prog-Metal-Alben im Gepäck hat. Dass die drei Jungs schon lange keine Anfänger mehr sind (COMMUNIC war ja nicht das erste Betätigungsfeld für die Mitglieder), merkt man ihnen von den ersten paar Takten an. Waren die Norweger auf ihrer ersten Tour mit ENSIFERUM und GRAVEWORM nicht nur deplaziert, sondern auch etwas unsicher auf der Bühne, so hat ihnen spätestens der überzeugende und mitreißende Gig auf dem Rock Hard Festvial 05 genügend Rückenwind für einen selbstsicheren Auftritt auf den Bühnenbrettern gegeben. Oddleif ist prima bei Stimme, und besonders die Songs vom aktuellen Werk "Waves Of Visual Decay" sorgen für mächtig Stimmung im Publikum, das die drei Nordmänner sehr ordentlich abfeiert. Das sind ja richtige Ohrwürmer geworden! Gerade 'Frozen Asleep In The Park' oder der Titeltrack mit seinen wunderschönen Bridge-Melodien fräsen sich in der Hirnrinde fest, aber das höchste Ausrastpotential haben immer noch Stücke wie das alles überragende 'Communication Sublime' oder - wie sollte es anders sein - der Beinahe-Klassiker 'Conspiracy In Mind'. Siebzig Minuten Spielzeit haben Oddleif, Eric und Tor eingeräumt bekommen, die sie auch bis zur letzten Sekunde ausreizen. Ich bin absolut begeistert davon, wie sehr das Publikum bei den teils doch etwas vertrackten Stücken mitgeht und COMMUNIC immer wieder anfeuert. Da macht das Ganze vor der Bühne gleich noch mehr Spaß, und auf der Bühne erst recht.
Wenn die Souveränität bei Livegigs und die Qualität der Studioalben weiterhin in diesem Bogen steigen, bekomme ich es bald mit der Angst zu tun. Geilofant!

So. Sämtliche Vorspiele (musikalischer Art!) sind beendet, jetzt wird es endlich Zeit für den Headliner des Festivals. Der Alkoholpegel pendelt sich bei allen Beteiligten irgendwo zwischen "hoch" und "perfekt" ein, genau richtig, um sich bei UNLEASHED und ihren Death-Metal-Hymnen für die Ewigkeit nach Walhalla zu Bangen. Die Voraussetzungen könnten besser nicht sein: Fette neunzig Minuten Spielzeit, eine Setlist, wie sie besser nicht sein könnte und eine riesige Meute vor der Bühne - sieht so aus, als wollten alle der heute 900 Anwesenden den Schwedischen Todesblei-Kings die Ehre erweisen.
Dass dies ein weiser Entschluss war, stellt sich bereits nach den ersten paar Songs heraus. Während ich noch versuche, beim Bangen den Füllstand meines Bierbechers nicht allzu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen, reift die Erkenntnis, dass dies wohl der beste UNLEASHED-Gig ist, dem ich jemals beiwohnen durfte.
Das liegt zum einen sicherlich an der langen Spielzeit (die auch bei Clubgigs nicht deutlich übertroffen werden dürfte), aber sicherlich auch an der Tatsache, dass die Jungs sich auf dem kleinen Queens Of Metal sichtlich wohlfühlen. Ist doch wieder was anderes, für eine Meute im fünfstelligen Bereich zu spielen oder bei einer kleinen, feinen und sehr heimeligen Metal-Party.
'To Asgard We Fly', 'The Longships Are Coming', 'Don't Wan't To Be Born', 'Hell's Unleashed', 'Death Metal Victory', 'Immortals', 'Winterland', 'Victims Of War' oder 'In The Name Of God' - ihr merkt schon, hier wurde kein einziger Bandklassiker ausgelassen, die neuen Sachen, insbesondere von "Sworn Allegiance", passten wie der vielzitierte Arsch auf den Eimer zu den alten Geschossen, Johnny hatte als Kriegsherr in der Schlacht sichtlich Spaß auf der Bühne und am Mikro und, man höre und staune, selbst Fredriks Soli gingen mir heute mal nicht auf den Keks. Hat vielleicht was, dass der Gute stets improvisiert und selten das gleiche spielt.
Das waren neunzig Minuten Death Metal vom Feinsten, Abgehmucke, Freumucke, Wohlfühlmucke. Herrlich. Allerdings frage ich mich, wie geil das im Herbst mit UNLEASHED, DISMEMBER, ENTOMBED und GRAVE zusammen auf einem Fleck werden wird.
Ganz klar: Raaah!
[Rouven Dorn]

Aua, was wird das jetzt? Wie am Tag zuvor gibt es heute auch eine Partyband zum Abschluss, die mit dem klingenden Namen MY FIRST BAND auf die Bühne geht und schon zur Mittagszeit am Campingplatz für viel Aufsehen und noch mehr Lacher sorgt. MY FIRST BAND sind nichts anderes als ein paar absichtlich untalentierte Musiker und ein Herr von WEBERKNECHT, die keinen Hehl aus ihrem Nichtskönnen machen und das sogar in höchsten Tönen zelebrieren, nämlich auf einem Kinder-Drumkit und einer Ramschgitarre. Bassisten hat man keinen, das wäre zu professionell. Da es leider keine rosa Handtücher gibt, machen die Anfänger zuerst eine Szene, die den großen Rockstars um nichts nachsteht und starten dann schließlich ein höchst amüsantes Set an Coversongs. Zum SLAYER-Cover werden sogar noch Fredrik und Anders von UNLEASHED auf die Bühne gebeten, die sich rotzedicht gut amüsieren und immerhin ein paar richtige Töne zum Besten geben. Ein Bild für Götter, wie sich Anders hinters kleine Drumkit zwängt! Nach diesem Highlight benötigt man doch sehr viel Alkohol, um die Scherzkekse auf Dauer lustig zu finden, denn der Gag nutzt sich relativ schnell ab.
[Caroline Traitler]

Randnotizen

Wie war das mit dem "Kein Alkohol"? Angeblich trinken COMMUNIC nichts... Was sich nach ihrem Gig als wahre Fehleinschätzung herausstellt, denn Oddleif rennt von der Bühne direkt zum Backstage-Kühlschrank und macht sich ein Bierchen auf und erklärt Rouven dann mit einem fetten Grinser "Ja, wir trinken nichts...vor der Show!". Immerhin entwickelt sich die Party mit den Norwegern zu später Stunde zu einer sehr lustigen Runde, vor allem weil Bassist Erik uns mit reichlich Vodka versorgt und Drummer Tor ein neues Lieblingswort entdeckt hat. Tor redet nun nur noch in "Möse" und baut das Wort überall ein, egal ob es passt oder nicht und der Sprachaustausch führt am Ende dazu, dass wir mit neuem Norwegischen Schimpfvokabular versorgt werden. Nett!

Drummer können grausam sein, zumindest wenn sie im richtigen Leben als Müllmann arbeiten und dabei immer wieder mit Ratten konfrontiert werden. Anders von UNLEASHED erklärt uns jedenfalls bereitwillig seine besten Techniken, um Ratten zu killen, natürlich ganz ausführlich und mit steter Betonung auf die Zähigkeit der Biester. Ob dabei mal ein Auge rauspringt, die Ratte völlig zerquetscht weiterrennt oder er dem Vieh alle Knochen bricht, nichts wird ausgelassen. Lecker!

Lustige Malstunden gibt es auch auf Festivals. Man braucht nur einer Band ein paar Marker und Frauen geben, und schon wird dekoriert, was das Zeug hält. GODDAMNED X und Anhang sind der beste Beweis dafür und man findet die Jungs und ihre weiblichen Fans später mit zahlreichen lustigen Sprüchen und Zeichnungen bemalt. Süß!
[Caroline Traitler]

Redakteur:
Rouven Dorn

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