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Queensryche - Langen

30.08.2007 | 22:32

19.08.2007, Stadthalle

QUEENSRYCHE mit AMYRIS und CIRCUS MAXIMUS in der Stadthalle Langen am Sonntag, 19.08.2007

Im Vorfeld wurde dieses einzige QUEENSRYCHE-Konzert in Deutschland von verschiedenen Seiten vollmundig angekündigt als die Aufführung von "Operation Mindcrime Part 1 und 2" mit Pamela Moore. Wie lange mussten wir warten, um noch einmal Zeuge eines solchen Ereignisses zu sein?
Entsprechend früh sicherten meine Freunde und ich uns die mit knapp 33 Euro in der heutigen Zeit relativ günstigen Karten. Natürlich waren wir gespannt, wie QUEENSRYCHE die Mindcrime-Saga live in dieser Halle umsetzen würden, wie wohl Pamela Moore livehaftig rüberkommt, wer die wichtige Kopfstimme von Chris DeGarmo übernehmen wird und ob die "Mindcrime 2"-Nummern live besser wirken als auf Platte. Aber es kam alles anders als erwartet ...

Die erste Überraschung war, dass das Konzert in Langen als einziges QUEENSRYCHE-Konzert in Deutschland nicht ausverkauft war - und das bei einem geschätzten Fassungsvermögen zwischen 1500 bis wenn überhaupt maximal 2000 Leuten. Gut besucht und voll war es allemal, aber bei einer Band wie QUEENSRYCHE hatte ich mehr erwartet. Vermutlich haben sie es durch ihre letzten Platten wirklich geschafft, viele Fans zu vergraulen, auch die Werbung im Vorfeld war wohl nicht optimal.

Die zweite Überraschung vermeldete dann der freundliche Mann an der Abendkasse: Laut seinem Plan fange QUEENSRYCHE um 22 Uhr an und spiele 90 Minuten. Die erste kleinere Support-Band fange um 19:30 Uhr und CIRCUS MAXIMUS um 20:15 bis 21:15 Uhr. Meine Hoffnung daraufhin war, dass QUEENSRYCHE bei ihrem Set wohl eine gekürzte Version der "Mindcrime 2" spielen würden. Als ich dann am Eingang noch eine Mindcrime-Eintrittskarte in die Hand gedrückt bekam, verstärkte sich die Hoffnung noch. Aber es kam alles anders als erhofft:

Nachdem wir uns in großer Schar in der zweiten und dritten Reihe platzieren konnten, fing dann schon AMYRIS als erster Act an. Bei AMYRIS kann man nicht unbedingt von einer guten Band sprechen, und das bei diesem Überangebot an wirklich guten Bands. AMYRIS spielen in typischer Progressiv-Besetzung wie z. B. DREAM THEATER, nur dass sie zwei Sänger in ihren Reihen haben. Leider unterscheiden sich diese beiden Sänger nicht sonderlich in ihrer Klangfarbe, sondern hauptsächlich äußerlich erst einmal durch ihre Statue, der Frisur und dem Auftreten: Der etwas Kleinere mit langer Matte und Bart als der ruhende Pol und der andere große Dünne mit kurzen Haaren als der "Hampelmann". Auch wenn ich im Gegensatz zu vielen anderen auf individuelle und nicht immer unbedingt schön aussehende Performance stehe, war ich hier etwas überfordert, da die gesangliche Leistung dann doch bitte ähnlich extrovertiert oder außerordentlich sein sollte. Das war sie hier aber ganz und gar nicht. Oft waren die Gesangslinien zu hoch für seinen Tonumfang und die Stimme hatte zu wenig Volumen. Der langhaarige Sänger machte seine Sache besser, hatte aber auch nicht so viel anspruchsvolle Gesangsparts. Jedoch für die tieferen Shoutparts hatte dessen Stimme das nötige Volumen. Die Instrumentalisten machten ihre Sache besser, stachen aber auch nicht besonders heraus. Die Songs hatten zwar einige ganz nette Ideen, kamen aber dafür nicht richtig auf den Punkt.

Danach ging es dann mit den Norwegern von CIRCUS MAXIMUS weiter. Auch wenn diese keinen großen Wert auf eine ausgefeilte Bühnenshow legten, war von dem ersten Ton an klar, dass hier Meister ihres Fachs an den jeweiligen Instrumenten herrschten. Sogar der in Progressive-Bands meist gegen die anderen Musiker etwas abschwächelnde Sänger konnte hier mithalten, da er sowohl vom Tonumfang als auch von der Technik her einiges drauf hatte. Der einzige Kritikpunkt war hier, dass CIRCUS MAXIMUS ihr komplettes Können in fast jedem Song präsentieren wollten, so dass die Songs zwar in sich sehr abwechslungsreich waren, jedoch im Song-Zu-Song-Vergleich ähnlich waren. Die sympathische Art der Band ließ dann gepaart mit den geilen Ideen und dem tollen Spiel zumindest bei mir und einigen meiner Gefährten den Funken überspringen. Fans von DREAM THEATER sollten CIRCUS MAXIMUS unbedingt mal anchecken.

Nach einer leicht zermürbenden Umbaupause von 45 Minuten war es dann so weit. Auf die komplett leer geräumte und dadurch etwas kahl wirkende Bühne marschierten Michael Wilson und der Chris DeGarmo-Ersatz Mike Stone und spielten hervorragend zweistimmig das Intro vom "Rage For Order"-Song 'The Whisper', so dass gitarrenmäßig keine Wünsche offen blieben. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch: "Super, sie spielen vor der Mindcrime noch ein paar alte geniale Klassiker." Der Song kam gut rüber, auch wenn Geoff Tate nicht die originale hohe Stimme, sondern die eine Terz darunter sang. Vermutlich hat die hohe Stimme auch damals DeGarmo übernommen. Egal, gut war es auf alle Fälle.
Dann kam 'Damaged', einer der besseren Songs der "Promised Land". Als dann aber so mir nichts dir nichts 'Speak' von der "Mindcrime 1" gespielt wurde, waren nicht nur meine Hoffnungen auf einen kompletten "Mindcrime"-Set vollends zerschlagen und eine leichte Enttäuschung machte sich breit. Dazu kam dann noch der schmerzhafte Sound, der schon bei den Vorbands nicht gut und zu laut war. Bei QUEENSRYCHE wurde noch einmal lauter aufgerissen, so dass die Hochtöner zumindest auf der rechten Seite bei vielen Gesangsstellen etwas rasselten. Im Tiefbassbereich gab es schon bei den Vorbands die Probleme mit tieffrequentem Feedback, immer wenn z. B. vom Bass die tiefe Saite angeschlagen wurde. Da der Sound ansonsten eigentlich passabel war, verstehe ich nicht, wieso der Mischer das nicht in den Griff bekommen hatte. Nach drei Vierteln des Sets war es nicht nur mir dann in der ersten Reihe zu laut und ich musste ganz nach hinten - und das, obwohl ich mehrere MANOWAR-Konzerte schadlos überstanden hatte. Aber hier war definitiv die Schmerzgrenze überschritten. Nach dem Konzert habe ich noch von einem der Veranstalter erfahren, dass es sich hier nicht um den bandeigenen Mischer gehandelt hatte und dass sie sehr zufrieden waren, überhaupt QUEENSRYCHE nach Deutschland bekommen zu haben, trotz einiger Widrigkeiten. Das sorgte dann noch für Gesprächsstoff unter meinen Freunden, die nicht unbedingt der Auffassung sind, besser QUEENSRYCHE in Deutschland unter schlechten Bedingungen als QUEENSRYCHE nicht in Deutschland.

Zwar kamen die zwei neuen Nummern der "Mindcrime 2" live etwas besser rüber, jedoch konnten die "Mindcrime 1"-Songs weit mehr überzeugen. Schade, dass letztlich von "Mindcrime 1" nur drei Songs gespielt wurden und Pamela Moore überhaupt nicht anwesend war. Es war ein schlichtes normales Konzert ohne Leinwände und spielfreudiges Rumgerenne oder besondere Posen. Wenn man berücksichtigt, welchen Anspruch die QUEENSRYCHE-Nummern haben und wie lange die Männer schon dabei sind, war die musikalische und auch gesangliche Leistung vollkommen in Ordnung. Natürlich singt Geoff Tate nicht mehr ganz so wie früher, aber trotzdem hat er seinen Job mit wenigen Abstrichen doch gut erledigt.
Am Rande sei noch bemerkt, dass sich lediglich Michael Wilton das klassische 80er-Jahre-Outfit beibehalten hat. Bassist Eddie Jackson wirkte mit seiner Sonnenbrille etwas kalt und Mike Stone passte outfitmäßig eher zu einer Hardcore-Band. Da aber nur die musikalische Klasse zählt, die vorhanden war, war das auch egal. Spaß gemacht hat es jedenfalls, Scott Rockenfield bei seinem locker aussehenden, groovigen und vertrackten Spielen zu beobachten.
Nach 90 Minuten inkl. Zugaben war dann wie vorher schon vom Mann an der Abendkasse angekündigt Schluss und die Fans machten sich mit sehr gemischten Gefühlen auf den Nachhauseweg.

Wenn das QUEENSRYCHE-Konzert nicht als Mindcrime-Darbietung angepriesen worden wäre, wäre die Songauswahl voll in Ordnung gegangen, da das Hauptaugenmerk auf den alten Songs lag und nur sehr wenige von den Tiefflieger-Platten zum Einsatz kamen. Aber wenn ein Riesenereignis angekündigt wird und dann ein allenfalls gutes normales Konzert - den Sound mal ausgeklammert - abgeliefert wird, ist man als Fan doch ein bisschen enttäuscht.

Setlist:
The Whisper
Damaged
Speak
I'm American
NM 156
Screaming In Digital
Bridge
Until There Was You
The Lady Wore Black
Right Side Of My Mind
One Foot In Hell
Another Rainy Night Without You
The Needle Lies
Eyes Of A Stranger (Edit)
Empire
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Silent Lucidity
Walk In The Shadows
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Take Hold Of The Flame

Redakteur:
Tilmann Ruby

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