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RITCHIE BLACKMORE'S RAINBOW - Glasgow

12.07.2017 | 19:58

25.06.2017, The SSE Hydro

Ein Regenbogen in Schottland.

Kann man so viel Glück haben, dass eine Legende der Rockgeschichte eines von nur drei Konzerten in diesem Jahr ausgerechnet wenige Kilometer vom eigenen Urlaubsort entfernt spielt? Nun offensichtlich schon, denn praktischerweise hat Mr. Ritchie Blackmore zum Konzert seiner neue formierten RAINBOW-Inkarnation ins SSE Hydro im schottischen Glasgow geladen, während ich selbst nur wenige Kilometer entfernt am südlichen Rand der Highlands meine Ferien verbringe. Angesichts der Tatsache, dass ich bereits im vergangenen Jahr die Shows hierzulande nicht besuchen konnte, musste ich diese einmalige Gelegenheit natürlich dazu nutzen, um den ehemaligen DEEP PURPLE-Saitenhexer bei seiner Rückkehr in rockigere Gefilde zu begutachten.

Meine Erwartungen sind während der Anreise allerdings trotzdem eher gedämpft, denn zu den letzjährigen Konzerten gab es mehr kritische als positive Stimmen. Dabei bezog sich der Unmut nicht nur auf die Tatsache, dass Herr Blackmore eine vollständig neue Band formierte und sämtliche Frontmänner der RAINBOW-Historie außer Acht ließ, nein, auch die Performance der neuen Mitmusiker stand häufig zur Debatte und nicht Wenige fragten sich, ob die Truppe überhaupt ausreichend gemeinsam geprobt hatte. Schließlich goss auch noch der Release der Konzerte unter dem Titel "Memories In Rock" zusätzliches Öl ins Feuer, denn auch die CD- und DVD-Versionen der Shows präsentierten eher eine unmotivierte Altherren-Reunion als das Feuer der früheren Tage. Doch in einem Jahr kann viel passiert sein und so ist spätestens beim Anblick der klassischen RAINBOW-Shirts am Merchandise-Stand meine Vorfreude wieder geweckt. Von dort aus geht es direkt weiter in die Arena, wo die Support-Band MOSTLY AUTUMN leider bereits ihre letzten beiden Stücke anstimmt. Angesichts der tollen Vorstellung und des grandiosen 'Heroes Never Die', welches das Konzert der Prog-Rocker beendet, ärgere ich mich, dass wir es nicht früher in die Halle geschafft haben, denn das gehörte macht durchaus Lust auf mehr. Nach nur gut zehn Minuten haben es die Briten dann auch geschafft, sich meine Gunst zu erspielen und ich notiere mir den Namen für eine vertiefende Hörprobe nach der Rückkehr aus Schottland.

Im Anschluss heißt es dann erst einmal warten, denn die Umbaupause für den Gig von RAINBOW zieht sich nahezu endlos in die Länge. Endlich um 21:00 Uhr und geschlagene 30 Minuten nach der angekündigten Showtime betritt schließlich Maestro Blackmore, der wie immer komplett in schwarz gekleidet ist und sich seine klassische weiße Fender Stratocaster umgeschnallt hat, gemeinsam mit seiner Begleitband die Bühne. Dort angekommen legt das Quintett direkt stark mit einem Doppelpack bestehend aus 'Spotlight Kid' und 'I Surrender' vom Erfolgsalbum "Difficult To Cure" los. Wer davon noch nicht überzeugt wurde, der muss spätestens beim folgenden DEEP PURPLE-Cover 'Mistreated' eingestehen, dass die gesamte Band im Vergleich zum vergangenen Jahr wie ausgewechselt wirkt. Ronnie Romero präsentiert sich viel sicherer und hat sich auch stimmlich in seine neue Rolle besser eingefunden, während die Rhythmus-Sektion um Basser Bob Nouveau und Schlagzeuger David Keith eine solides Fundament abliefert, auf dem sich Keyboarder Jens Johansson und Maestro Blackmore nach Belieben austoben können. Dadurch wirken vor allem auch improvisierte Solo-Passagen, die bereits seit den Gründungstagen von RAINBOW zu den Markenzeichen der Formation gehören, lange nicht so unsicher wie noch auf der Loreley oder in Bietigheim-Bissingen.

In Sachen Setlist hat sich hingegen zu den "Monsters Of Rock"-Konzerten wenig verändert und so sind auch heute Abend in Glasgow die Klassiker aus dem Backkatlog von Blackmore wie 'Perfect Strangers', 'Man On The Silver Mountain', 'Child In Time' oder 'Since You've Been Gone' die Eckpfeiler der Show. Einzig das famose 'Highway Star', mit dessen Solo Blackmore im vergangenen Jahr überraschenderweise einige Probleme hatte, wird man am Ende des Abends schmerzlich vermissen. Abgesehen davon ist die Performance des Saitenhexers makellos, auch wenn natürlich hier und da bei einigen Soli das Tempo ein wenig gedrosselt wird, allerdings ist der gute Mann inzwischen auch über 70 Jahre alt, da machen die Finger eben nicht mehr die verrücktesten Griffbrett-Eskapaden mit.

Trotz der rundum verbesserten Show ist aber heute nicht alles Gold was glänzt, denn auf das ausladende Keyboard-Solo in 'Difficult To Cure' hätten die Zuhörer auch gut und gerne verzichten können. Nach guten zehn Minuten von Johanssons wilder Tasten-Akkrobatik haben dann auch die geduldigsten Schotten im Publikum genug und erste Pfiffe werden laut. Mit der dramatisch abgekühlten Stimmung hat dann im Anschluss auch der souveräne Ronnie Romero so seine Probleme, doch glücklicherweise bügelt das Klassiker-Trio aus 'Child In Time', 'Stargazer' und 'Long Live Rock 'n' Roll' am Ende des regulären Sets diese Scharte problemlos wieder aus. Zu Ende ist der Abend damit aber noch lange nicht und so gräbt Blackmore für die Zugaben noch einmal tief in der eigenen Vergangenheit und liefert mit 'Burn', 'Black Night', 'The Temple Of The King' und dem unvermeindlichen 'Smoke On The Water' vier echte Gassenhauer ab, bei denen Fronter Romero noch einmal eindrucksvoll beweist, dass er sich seinen Platz in der aktuellen Formation der legendären Rock-Kapelle verdient hat.

Setliste: Spotlight Kid, I Surrender, Mistreated, Since You've Been Gone, Man On The Silver Mountain, Sixteenth Century Greensleeves, Soldier Of Fortune, Perfect Strangers, Difficult To Cure, All Night Long, Child In Time, Stargazer, Long Live Rock'n'Roll, Burn, Black Night, The Temple Of The King, Smoke On The Water

Unter dem Strich bleibt damit ein feiner Konzertabend zurück, der meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Natürlich kann die neue Besetzung nicht mit der einmaligen Magie der Siebziger und Achtziger mithalten und bei allem Talent ist Ronnie Romero kein Ronnie James Dio, doch gerade für jüngere Fans wie mich, die RAINBOW leider nicht in der Glanzzeit erleben konnten, ist es eine wunderbare Möglichkeit, um eine Legende wie Ritchie Blackmore noch einmal mit einer Rockshow auf einer Bühne zu erleben. Sollte der Maestro also im kommenden Jahr auch noch einmal zu Konzerten in Deutschland laden, dann kann ich jedem nur zu einem Besuch raten.

Redakteur:
Tobias Dahs

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