ROCKFELS OPEN AIR 2017 - Sankt Goarshausen

20.06.2017 | 18:41

15.06.2017, Loreley - Freilichtbühne

Der Loreley-Felsen bebt zum dritten Mal und Powermetal.de ist wie immer für euch mit dabei:

Die wunderschöne Freilichtbühne auf der Loreley und der Metal sind bereits seit dem Jahr 2012 eine Kombination, die bestens zusammen funktioniert. Zuerst noch unter der Regentschaft von Rock The Nation als "Metalfest West" veranstaltet, hat inzwischen die Orga-Crew der gesamten Konzerte auf dem Felsen am Rhein das Zepter übernommen und mit dem ROCKFELS OPEN AIR über die vergangenen Jahre hinweg ein eigenes Festival etabliert. Angesichts des Erfolgs der vergangenen zwei Auflagen (hier unsere Berichte zum Jahr 2015 und 2016) ist es auch kein Wunder, dass in diesem Jahr erstmalig an drei Tagen in Sankt Goarshausen gerockt wird. Passenderweise hat man sich dafür das verlängerte Wochenende um Fronleichnam ausgesucht, sodass auch für die arbeitende Bevölkerung nur ein einziger Urlaubstag zu verbuchen ist, was sich auch in noch einmal deutlich gestiegenen Besucherzahlen bemerkbar macht.

Los geht der erste Festivaltag allerdings fast wie in jedem Jahr mit brütender Hitze. Petrus scheint einfach ein offenes Ohr für Schwermetall zu haben und so zeigt unser Auto-Thermometer bereits bei der Anreise durch das malerische Rheintal gute 32° Celsius an. Auf dem Plateau um die Freilichtbühne herum angekommen, führt der erste Weg natürlich wie in jedem Jahr zur Ausgabe der Festivalbändchen. Diese ist in diesem Jahr wieder rauf zum Campingplatz verlegt und auf vier Container verteilt worden, was allerdings leider nicht in der erhofften Beschleunigung des gesamten Prozesses gemündet hat. Stattdessen bilden sich pünktlich vor der ersten Band des Festivals wie in den vergangenen Jahren lange Schlangen, die in Kombination mit den tropischen Temperaturen zu erhitzten Gemütern bei den Fans führen.

Hat man diesen Engpass erst einmal hinter sich gelassen, dann erwarten den Zuschauer einige grundlegende Änderungen an der Freilichtbühne, die in diesem Jahr ein komplettes Facelift bekommen hat. Am auffälligsten ist dabei wohl die komplett neue Dachkonstruktion, die für die ersten Reihen noch einmal mehr Schatten spendet und vor allem auch Platz für eine größere und aufwändigere Licht-Konstruktion bietet. Doch auch im Publikumsbereich hat sich einiges getan, wobei sich vor allem die neue Terrase für Rollstuhl-Fahrer und die barrierfreie Rampe zum inneren Teil des Amphitheaters in der Zukunft für Menschen mit motorischer Behinderung positiv bemerkbar machen dürften. Da ist es auch kein Wunder, dass zur Eröffnung des Festivals, die wie im letzten Jahr erneut angelehnt an die Werbecampagne durch den Weihnachtsmann erfolgt, vor allem der gesamten Crew gedankt wird, die es geschafft hat, die Umbauten rechtzeitig zum ersten Festival der Saison so weit wie nötig fertigzustellen.

Im Anschluss dürfen dann die Berliner TXL genau wie im letzten Jahr das ROCKFELS OPEN AIR eröffnen. Rein optisch fällt dabei als erstes die Veränderung am Posten des Bassisten auf, denn nach dem Abgang von Halid Ende letzten Jahres wurde Schlagzeuger Schulle einfach kurzerhand an den Tieftöner und hinter das Mikrofon beordert. Hinter der Schießbude nimmt dafür heute Ralf "Ralle" Neumann Platz, der die Jungs mit einer soliden Leistung antreibt. Gleiches kann man leider nicht von Schulle behaupten, der gerade am Gesang aktuell noch eine eher mittelprächtige Performance abliefert und mit seinem Vorgänger nicht wirklich mithalten kann. Ich bin mir allerdings sicher, dass auch eine perfekte Gesangsleistung dem Auftritt der Jungs hier auf der Loreley nicht wirklich geholfen hätte, denn der kantige Deutsch-Rock des Trios und das eher auf Hard Rock und Power Metal eingestellte Rockfels-Publikum wollen einfach nicht zusammenpassen. Dementsprechend hat sich auch nur eine Handvoll Zuhörer im riesigen Rund des Amphitheaters eingefunden, als die Festival-Hymne 'Rock den Fels' nach gut 50 Minuten den Auftritt der Truppe aus der Hauptstadt beendet. Offizieller Rockfels-Song hin oder her, nach dem doch überschaubaren Zuspruch sollten die Veranstalter ernsthaft darüber nachdenken, ob im nächsten Jahr nicht vielleicht ein anderer Opener die bessere Wahl wäre.

Mit derlei Problemen haben die Schwaben KISSIN' DYNAMITE danach nicht zu kämpfen, denn in der Umbaupause füllt sich das Rund der Freilichtbühne in Windeseile, sodass das Quintett beim Beginn seiner Show auf eine stattliche Zuschauermenge blickt, wie man sie wohl eher am späten Nachmittag erwarten würde. Dieses Vertrauen zahlen die Jungs dann auch prompt mit einer bärenstarken Show zurück, die nicht nur in Sachen aufwändigem Bühnenaufbau das Potential für einen Headliner-Slot bieten würde. Auch in Sachen Songs haben Fronter Hannes Braun und seine Mitstreiter inzwischen mit Tracks wie 'DNA', 'Money, Sex And Power', 'I Will Be King' oder 'Ticket To Paradise' eine ganze Stange von Hits im Gepäck, mit der sie erstmalig heute für ungezügelte Begeisterung auf der Loreley sorgen können. Selbst die Songs vom aktuellen Silberling "Generation Goodbye", die in ihrer Studioversion für meine Ohren viel zu poliert und auf Pop getrimmt daherkommen, können heute dank der wie immer fesselnden Performance der Jungs auf ganzer Linie überzeugen. Das Metal-Kommando aus dem Schwabenland ist einfach die geborene Liveband, denn während Fronter Hannes nahezu die gesamte Show in direkter Publikumsnähe auf dem Steg vor der Bühne verbringt, gibt sich auch die Sechsaiter-Fraktion um Ande Braun und Jim Müller  Mühe, das Publikum immer wieder anzustacheln. Gepaart mit der musikalischen Qualität der Truppe und einer astreinen technischen Performance ergibt das einen rundum gelungenen Gig, der folgerichtig auch tosenden Applaus und sogar die ersten Zugaben-Rufe des Tages erntet. Stark!

Die Amerikaner UGLY KID JOE haben in der Folge überraschenderweise durchaus Mühe, mit dem hohen Energie-Level mitzuhalten, auch wenn der Fünfer aus dem sonnigen Kalifornien eigentlich für seine Vollgas-Shows bekannt ist. Fronter Whitfield Crane trägt aktuell aber auf Grund einer Verletzung seinen linken Arm in einer Schlinge und ist dementsprechend in seinem Bewegungsradius eingeschränkt. Zu allem Überfluss reißt bei Basser und Aktivposten Cordell Crockett  dann auch noch direkt beim Opener 'Neighbor' der Instrumenten-Gurt, sodass auch er gezwungen ist, die ersten Songs vor dem Schlagzeug sitzend zu spielen, bevor sein Roadie das Problem endlich mit gutem alten Gaffa-Tape gelöst hat. Gleichzeitig tut sich das Rockfels-Publikum anfänglich mit dem Crossover-Sound der Jungs auch etwas schwer, der ähnlich wie der Deutsch-Rock von TXL eher zu den Ausreißern des diesjährigen Billings gehört. Spätestens als das Quintett allerdings das Harry Chapin-Cover 'Cats In The Cradle' anstimmt, ist auch das Publikum der Freilichtbühne wieder voll dabei und singt den Refrain dieses Klassikers lautstark mit. Aufbauend auf diesem kleinen Hoch wird dann direkt mit dem groovigen 'So Damn Cool' nachgelegt, bevor eine klasse Coverversion von MOTÖRHEADs 'Ace Of Spades' schließlich auch die letzten Zuhörer von den Steinbänken reißt. Dank einer starken zweiten Halbzeit endet die Show dann schlussendlich nach gut einer Stunde mit dem Alternative-Hit 'Everything About You' versöhnlich und ich bin mir sicher, dass die Amerikaner heute sogar einige neue Fans für sich gewinnen konnten.

Bevor es nun mit den drei Headlinern des Tages weitergeht, nutzen wir die Pause dazu, um den obligatorischen Weg zum offiziellen Merchandise-Stand des Festivals anzutreten. Neben einer umfassenden Auswahl von Shirts der heute spielenden Bands gibt es dort natürlich auch das diesjährige Festival-Shirt, das allerdings ausschließlich in der Männer-Ausfertigung zu haben ist und mit 25 Euro durchaus angemessen bepreist ist. Die Damen müssen hingegen mit den Motiven des letzten Jahres vorlieb nehmen, womit einige der angereisten Fans offenkundig nicht zufrieden sind. Immerhin ist ein Shirt auch anno 2017 eines der beliebtesten Andenken. Hier wäre vielleicht im kommeden Jahr eine verbesserte Auswahl an Motiven und Ausführungen durchaus wünschenswert, denn die Veranstalter haben im vergangenen Jahr bewiesen, dass es durchaus anders gehen kann.

Viel Zeit um sich darüber zu ärgern bleibt allerdings nicht, denn im Anschluss fällt das Rock'n'Roll-Überfallkommando KROKUS aus der benachbarten Alpenrepubik auf der Loreley ein. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Schweizer auf hiesigen Bühnen rar gemacht, was auch den großen Aufmarsch von KROKUS-T-Shirts am frühen Donnerstagabend erklären dürfte. Die Fans sind hungrig auf den groovigen Rock der Truppe und gehen dementsprechend vom Opener 'Long Stick Goes Boom' an auch direkt voll mit. Angesichts des unheimlich sympathischen Auftretens der Eidgenossen und dem rockigen Songmaterial in bester AC/DC-Manier ist das aber auch kein Wunder. Die Parallelen zu den autralischen Hard-Rock-Titanen sind dabei in Songs wie 'Rock'n'Roll Tonight', 'Heatstrokes' oder dem fetzigen 'Easy Rocker' unüberhörbar, wobei vor allem die Reibeisenstimme von Fronter Marc Storace die Ähnlichkeit noch einmal verstärkt. Nicht umsonst war der KROKUS-Sänger vor gut einem Jahr als Brian Johnson-Ersatz bei den Australiern im Gespräch, nahm die Stelle allerdings nicht an, wofür sich auch Basser Chris von Rohr mit einer witzigen Ansage bedankt. Gut so, denn neben dem perfekt eingespielten Gitarren-Trio, bei dem vor allem Mandy Meyer heute Abend mit famosen Gitarren-Soli heraussticht, ist Marc das musikalische Aushängeschild der Schweizer Formation. Gleichzeitig ist er mit seinem souveränen und charismatischen Auftreten ein Garant für eine packende Bühnenshow. Genau diese hat das Sextett auch heute Abend auf die Bühnenbretter hoch über dem Rhein gezaubert und darf sich dementsprechend als zweite Band des Tages über Rufe nach einer Zugabe freuen. Ein bisschen Zeit ist glücklicherweise noch übrig und so schmettern die Schweizer mit dem Hit 'Hoodoo Woman' nochmal ein echtes Highlight in den kühler werdenden Abend, bevor sie sich noch einmal ausgiebig vom Publikum für eine gelungene Show feiern lassen, die den Status als einer der Headliner des Tages voll und ganz gerechtfertigt hat.

Während nun die Bühne für AXEL RUDI PELL hergerichtet wird, nutzen viele Besucher die Zeit für eine letzte Verschnaufpause am Zelt oder im wunderschönen Loreley-Biergarten. Das ist allerdings ein Fehler, denn einer der Roadies von Herrn Pell mausert sich während des Soundchecks mit einigen witzigen Ansagen zum heimlichen Star des Abends. Den größten Lacher erntet dabei das lapidare "Ralf, schmeiß den Riemen auf die Orgel", mit dem schlussendlich der Beginn der Show angesagt wird. Ralf tut wie ihm geheißen und Axel Rudi Pell und seine vier Mitstreiter machen mit dem Opener 'Fire' genau da weiter, wo KROKUS vor gut 20 Minuten aufgehört hat. Der größte Garant für eine fesselnde Performance ist beim Gitarren-Virtuosen dabei vor allem Sänger Johnny Gioeli, der stimmlich eine absolut gigantische Performance abliefert und dabei nicht selten an den großen Ronnie James Dio erinnert. Wie er dabei sämtliche Töne perfekt trifft, während er gleichzeitig wie ein mit frischen Batterien ausgestattetes Duracell-Häschen über die Bühne spurtet, ist mir wirklich ein Rätsel. Ähnlich agil zeigt sich auch Keyboarder Ferdy Doernberg, der sich von der stationären Natur seines Instruments nicht aufhalten lässt und sein Tasteninstrument einfach kurzerhand auf der Schulter über die Bühne trägt, während er spielt. Dagegen wirkt die Rhythmusgruppe fasst schon tiefenenspannt und liefert ein grundsolides Fundament, auf dem sich Johnny, Ferdy und natürlich der Meastro persönlich nach belieben austoben können. Die Setlist gleicht dabei heute Abend einem wahren Hit-Feuerwerk und dürfte mit Tracks wie 'Fool Fool', 'Game Of Sins', 'Mystica' oder 'Strong As A Rock' Fans sämtlicher Phasen der langen Karriere des deutschen Gitarristen zufriedenstellen. Als schließlich nach etwas mehr als 80 Minuten mit einer packenden Version von 'Rock The Nation' der Vorhäng für Axel Rudi Pell fällt, dürfte wohl allen Anwesenden klar sein, dass Herr Pell und seine Band aktuell bestens aufgelegt sind und damit zum Pflichtprogramm für jeden Anhänger von melodischem Hard Rock gehören sollten.

Wo wir gerade von Pflichtprogramm sprechen, zu eben diesem gehören die Schweizer GOTTHARD mittlerweile auch seit Jahren. Selbst der erzwungene Sängerwechsel nach dem tragischen Tod von Steve Lee im Jahr 2010 konnte den Rock-Exportschlager aus der Alpenrepublik nicht aufhalten und so feiern die Jungs heute Abend mit Fronter Nic Maeder auf der Loreley ihr 25-jähriges Bandjubiläum. Das Sextett ist dabei allerdings keinesfalls ein Neuling auf dem Rockfels Open Air, denn bereits bei der ersten Auflage im Jahr 2015 waren sie als Co-Headliner gesetzt. Heute dürfen die Jungs den ersten Festivaltag beschließen und schlagen dieser Rolle angemessen auch direkt mit 'Silver River' und 'Electrified' vom aktuellen Album "Silver" ein hohes Tempo an.
Mit dem folgenden 'Hush' vom Debütalbum "Gotthard" und dem aus dem Jahr 1992 oder dem starken 'Mountain Mama' graben die Jungs dann allerdings passend zum Jubiläum bald schon etwas tiefer in den Bandarchiven und treffen damit voll den Nerv des Publikums. Dementsprechend hat Fronter Nic, der den größten Teil der Show auf dem Steg vor der Bühne verbringt, keine Mühe damit, die Zuhörer auf seine Seite zu ziehen. Dass er sich so frei austoben kann, liegt auch an der unheimlich souveränen Art und Weise, mit der die Eidgenossen ihre Show auf die Bretter bringen, ohne dabei aber je zu routiniert zu wirken. Hier hat man es eben mit einem erprobten Headliner zu tun, der sein Handwerk inzwischen perfektioniert hat. In dieses Bild passt auch das Akustik-Set, das mit der Ballade 'One Life, One Soul' für eine kurze Verschaufpause sorgt, bevor mit 'Everything Inside', 'Top Of The World' und 'Lift U Up' noch einmal das Hit-Feuerwerk gezündet wird. Die folgende Verabschiedung ist natürlich ein reiner Show-Effekt, denn der Rockfels hat noch lange nicht genug und so wird prompt mit einem Medley aus 'Come Together' und 'All We Are', sowie dem genialen 'Anytime Anywhere' noch einmal ordentlich nachgelegt. Schluss ist auch damit allerdings noch nicht, denn die Schweizer haben sich gemeinsam mit ihren Landsmännern noch ein ganz besondere Überaschung ausgedacht, um den Festivaltag würdig zu beenden. So kehrt kurzerhand noch einmal die gesamte KROKUS-Besetzung zurück, um gemeinsam mit ihren Kollegen eine bärenstarke Version vom Bob Dylan-Klassiker 'The Mighty Quinn' zum Besten zu geben und das Publikum damit endgültig glücklich in den lauen Abend zu entlassen.

Setlist GOTTHARD: Silver River; Electrified; Hush; Stay With Me; Mountain Mama; Remember It's Me; Feel What I Feel; Sister Moon; What You Get; One Life, One Soul; Firedance; Everything Inside; Top Of The World; Lift U Up; Come Together/ All We Are; Anytime Anywhere; The Mighty Quinn (mit KROKUS)

Damit endet ein insgesamt rundum gelungener erster Tag, bei dem vor allem wieder ein großes Lob an die gesamte Techniker-Crew gehen muss, die nicht nur jeden Umbau in fast schon unheimlicher Präzision erledigt, sondern auch absolut jede Band des Tages mit einem famosen Sound ausgestattet hat, wie man ihn sonst nur von Hallenkonzerten her gewöhnt ist. Zufrieden machen also auch wir uns wieder auf den Weg nach Hause, um Kraft für die nächsten beiden Festivaltage zu tanken. Immerhin steht für den kommenden Tag insbesondere mit BLIND GUARDIAN noch eines meiner ganz persönlichen Highlights auf dem Programm.


[Tobias Dahs]

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Redakteur:
Tobias Dahs

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