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Rock Hard Festival 2004 - Gelsenkirchen

21.07.2004 | 09:09

29.05.2004, Amphitheater

Samstag

THUNDERSTORM
Die Italiener von THUNDERSTORM hatten die große Ehre, das diesjährige Festival zu eröffnen, dabei waren sie eigentlich nur zweite Wahl, weil sie kurzfristig als Ersatz für ihre Landsmänner von DOOMSWORD eingesprungen waren, deren Gitarrist sich kurze Zeit zuvor die Hand gebrochen hatte. Dass sie ihrer Rolle als würdiger Vertreter jedoch jederzeit gerecht wurden, zeigten sie in der darauf folgenden Dreiviertelstunde bravourös. Doom Metal der feinsten Sorte boten die Italiener, zwar nicht ganz so episch wie DOOMSWORD und nicht mit dem selben Hymnenfaktor wie bei CANDLEMASS, aber auf jeden Fall mit der gleichen Durchschlagskraft wie diese beiden Gruppen. Zwischendrin ging es auch einmal etwas schneller voran, nur um im nächsten Augenblick wieder in einen schleppenden Part überzugehen. Als der sonnenbebrillte Frontmann und seine Kollegen nach 45 Minuten die Bühne verließen, ernteten sie lautstarken Beifall und sogar einige Zugaberufe. Starke Performance einer Band, deren beide Alben "Sad Symphony" und "Witchunter Tales" man als Anhänger der langsameren Töne übrigens dringend haben sollte!
[Björn Backes]


DEAD SOUL TRIBE
DEAD SOUL TRIBE waren sicherlich einer der Gewinner dieses Festivals, da sie es tatsächlich schafften, ihre tollen Songs auch live gleichermaßen emotionsgeladen darzubieten wie auf ihren beiden Alben. Frontmann Devon Graves hielt sich dabei vornehm zurück und positionierte sich etwas abseits an den linken Bühnenrand, während seine Begleitband, die übrigens komplett mit Dreadlocks ausgestattet war, in der Mitte ordentlich abbangte. Doch spätestens als Graves zum erste Mal die Querflöte zur Untermalung der einzelnen Songs auspackte, stellte sich der sympathische Frontmann, der sich später den ganzen Tag über unter die Fans mischte, etwas weiter ins Rampenlicht.
Leider flachte die sehr gute Stimmung in der Mitte ein wenig ab, als Graves einige technische Probleme mit seiner akustischen Gitarre hatte, jedoch änderte sich dies wieder schnell, als man die alte PSYHOTIC WALTZ-Hymne 'Remember' anstimmte, die von überraschend vielen Leuten mitgesungen wurde. Schade, dass auch DEAD SOUL TRIBE schon als zweite Band ranmussten, den Reaktionen der Zuschauer zufolge hätte die Band nämlich ruhig noch ein oder zwei Songs mehr spielen können. So war ebenfalls nach 45 Minuten Schluss, während derer man den Eindruck nicht loswurde, einer der besten Livebands der gesamten Szene gesehen zu haben.
[Björn Backes]


NAGLFAR
Nachmittags um halb Drei scheint es einfach zu früh zu sein für Bands wie NAGLFAR – oder dann doch eher für Fans der Schwarzwurzler? Was die Schweden nämlich auf der Bühne abzogen, war einmal mehr allererste Sahne, allerdings sehr beeinträchtigt durch einen ziemlich matschigen Sound. Nun, vielleicht war die Mischung aus Black/Death Metal für den Soundmann ebenfalls zu früh. Gut und gern 200 Nasen fanden sich vor der Bühne ein und ließen zu Songs wie 'I Am Vengeance', ' As The Twilight Gave Birth To The Night' oder 'Dawn Of Eternity' ihre Matten kreisen. Frontkreischer Jens Rydén konnte jedenfalls ebenso überzeugen wie die restlichen Kollegen – allen voran Gitarrist Andreas Nilsson.
Ein starker Auftritt einer starken Truppe!
[Alex Kragl]


GLUECIFER
Ich hatte zunächst befürchtet, dass der Schweinerock von GLUECIFER beim Publikum nicht so großen Anklang finden würde, jedoch standen beim Auftritt der Band nicht weniger Fans vor der Bühne als bei den vorangegangenen Bands und feierten mit den Skandinaviern eine verdammt coole Rock'n'Roll-Party. Sänger Biff Malibu poste dabei, was das Zeug hielt, hatte auch die eine oder andere witzige Ansage am Start und schaffte es so ziemlich leicht, den Funken auf das Publikum überspringen zu lassen. Mit Songs wie 'The Year Of The Manly Living' und 'Gotta Get Some Action' ging es auch direkt in die Vollen und bei 'Get The Horn' war schließlich die Stimmung an vorderster Front auf dem Siedepunkt. Danach wurde es zunehmend ruhiger, weil der Überraschungseffekt, den man mit den ersten Liedern sicherlich noch beanspruchen konnte, ausblieb und Songs wie 'Automatic Thrill' auch nicht den selben Drive hatten wie beispielsweise 'Get The Horn'. Mit 'I Got A War' ging es dann zum Ende hin wieder bergauf und GLUECIFER verließen die Bühne doch noch mit vielen zufriedenen Gesichtern unter den Zuschauern.
Ganz überzeugt war ich jedoch nicht, was aber auch daran liegen kann, dass ich persönlich die ganz alten Songs wie 'Evil Matcher' und 'Leather Chair' vermisste, die noch einen ganzen Zacken dreckiger waren als das Material von "Basement Apes" und "Automatic Thrill". Aber sei's drum, gerockt haben GLUECIFER allemal und das ist ja schließlich alles, was zählt.
[Björn Backes]


DESTRUCTION
Den Zuschauerreaktionen zufolge war es den Leuten scheißegal, dass MARDUK nicht spielten, empfingen sie doch deren Ersatz DESTRUCTION mit lautstarkem Beifall und "Destruction"-Chören und machten die Absage der schwedischen Black-Metaller nur noch zum Randthema für die Statistik. DESTRUCTION zeigten sich auch in bester Spiellaune und starteten ihr Best-of-Set direkt mit 'Total Desaster' und 'Curse The Gods'. Frontmann Schmier wirkte topfit und fegte von einer Ecke der Bühne zur anderen, während sein Sidekick Mike sich einige exzellente Leads aus dem Ärmel schüttelte. Auch der nicht mehr ganz so neue Schlagwerker Marc Reign lieferte eine souveräne Vorstellung ab und konnte sich besonders bei neuen Songs wie 'The Ravenous Beast' und 'Desecrators Of The New Age' in Szene setzen.
Zwischendurch gab es immer wieder einige Ansagen über den Zusammenhalt der Metalszene und eine Hasstirade gegen all die, die seit Jahren die Szene zu zerstören versuchen, welche man natürlich mit einem Augenzwinkern betrachten musste, die aber bei den Fans entsprechend ihre Wirkung zeigten. Das hätte die Band aber gar nicht nötig gehabt, denn mit solchen Songs wie 'Thrash Till Death', 'The Butcher Strikes Back' und 'Bestial Invasion' im Gepäck konnte mal wieder gar nix schief gehen. Die einzige Kritik, die man an einer DESTRUCTION-Show haben könnte, wäre, dass diese recht vorhersehbar sind, da man in der Setlist immer wieder alte Bekannte trifft. Aber da diese auch heute wieder hervorragend vorgetragen wurden, fällt selbst diese Kritik flach und ich muss sagen, dass der heutige Gig der beste gewesen ist, den ich von DESTRUCTION bisher gesehen habe.

Setlist:
Total Disaster
Curse The Gods
The Ravenous Beast
Nailed To The Cross
Eternal Ban
The Butcher Strikes Back
Thrash Till Death
Life Without Sense
Desecrators Of The New Age
Invincible Force
Metal Discharge
Bestial Invasion
Mad Butcher
[Björn Backes]


KROKUS
Nun, nachdem Schmier & Co. Ein saustarkes Thrash-Gewitter von sich gaben, wurde es Zeit für ein paar ruhigere Töne… eigentlich!
Dagegen hatten aber die Mannen um den schweizerischen Axtschwinger Fernando van Arb und den maltesischen Sänger Marc Storace einiges einzuwenden. Mit 'Nightwolf' begannen man den Set recht schwungvoll und, man höre und staune, der Sound war ebenso glasklar wie laut! Weiter ging's mit 'Eat The Rich' und dem Alltime-Klassiker 'Long Stick Goes Boom'. Vor allem Marc Storace bewies allen, dass er nicht mehr die "zickige Diva" des Hardrock ist, sondern zeigte Spielfreude pur. Stimmlich ist der Mann eh über alle Rock'n'Roll-Zweifel erhaben. Mit 'Want It All' und 'Mad World' (plus dem obligatorischen Rausschmeißer 'Rock The Block') hatte man lediglich drei Songs des letztjährigen Outputs auf der Setlist. Meinetwegen hätte man die ruhig weglassen können und dafür ein paar Klassiker mehr (wie beispielsweise 'American Woman', 'Headhunter', 'Tokyo Nights' oder 'Down The Drain') spielen können, aber man kann eben nicht alles haben.
Die weitere Setlist liest sich wie folgt: 'Bad Boys, Rag Dolls', 'Heatstroke', 'Screaming In The Night', 'Easy Rocker', 'Rock City', sowie die beiden Zugaben 'Bedside Radio' und 'Rock The Block'.
Stellt man Vergleiche zu den anderen Hardrockbands auf dem Festival an, dann gebührte KROKUS ganz eindeutig die Goldmedaille!
[Alex Kragl]


EXODUS
The Thrash is back – so könnte man es kurz und knapp bezeichnen. Die Bay-Area-Legende EXODUS zeigte sehr deutlich auf, wo der Thrash-Hammer an diesem Samstag hing. Gary Holt und Co. rangen selbst DESTRUCTION-Mainman Schmier eine gehörige Portion Respekt ab. Egal ob Klassiker der Marke 'Bonded By Blood', 'A Lesson In Violence'und 'The Toxic Waltz' oder neuere Werke wie der Opener 'Scar Spangled Banner', 'War Is My Sheppard' und 'Tempo Of The Damned', EXODUS waren stets Herren der Lage und auf dem RH-Festival (zumindest für mich) über jeden Zweifel erhaben.
Geiler Sound, geile Stimmung – Metallerherz, was willst du mehr?

Setlist:
Scar-Spangled Banner
World's End
Deliver Us From Evil
Blacklist
Piranha
'Til Death Do Us Part
The Shroud Of Urine
And Then There Were None
War Is My Shepherd
Bonded By Blood
Tempo Of The Damned
Toxic Waltz
Strike Of The Beast
[Alex Kragl]


GAMMA RAY
Die "Skeletons In The Closet"-Geschichte ist nun endgültig vorbei und GAMMA RAY waren nach Gelsenkirchen gekommen, um den Fans wieder ein buntes Best-of-Programm zu präsentieren, welches jedoch ab und zu durch diverse Singspielchen etwas zu sehr in die Länge gezogen wurde. Aber natürlich konnte dies an der guten Laune der Fans nicht viel ändern, im Gegenteil. Sei es nun beim Titeltrack des letzten Albums "No World Order", den obligatorischen Fangesängen bei 'Somewhere Out In Space' oder aber beim HELLOWEEN-Klassiker "I Want Out", die Fans waren stets lautstark involviert und machten den Auftritt von Kai Hansen und Co. schnell zu einem Heimspiel für GAMMA RAY.
Die Songauswahl hätte dabei besser gar nicht sein können, denn es fanden sich sowohl flotte Klassiker wie 'Land Of The Free', 'Rebellion In Dreamland' und 'Send Me A Sign' als auch kleine Überraschungen wie das grandios dargebotene, überlange 'Armageddon' in der Setlist des deutschen Melodic-Metal-Exports Nr. 1 und auch, wenn sich mittlerweile ein bisschen Routine eingeschlichen hat und eigentlich nur Kai Hansen selber ein echter Aktivposten war, zeigten sich die Hamburger in gewohnter Spiellaune und ließen während ihres 75-minütigen Auftritts rein gar nix anbrennen. Die Fans sahen dies nicht anders und entließen die Band mit lautem und verdientem Beifall.

Setlist:
Gardens Of The Sinner
New World Order
Rebellion In Dreamland
Land Of The Free
Armageddon
Heavy Metal Universe
One With The World
I Want Out
Somewhere Out In Space
Rebellion In Dreamland (reprise)
Send Me A Sign
[Björn Backes]


IN EXTREMO
Es war kalt geworden, als IN EXTREMO mit opulenter Bühnendekoration die Bühne betraten. Auf den Rängen waren sogar Leute mit Decken zu beobachten, die nach dem heißen Sonnenschein nun schon begannen zu frieren. Hätten sie sich nur vorne in den Stehplatzbereich begeben, denn dort tobte die Stimmung, als IN EXTREMO mit 'Küss mich' auf die Bretter stiegen. Ich hatte im Vorfeld ein bisschen daran gezweifelt, ob die Mittelalterrocker tatsächlich die richtige Besetzung für den Headliner-Posten sind, musste dann aber sehr überrascht feststellen, wie textfest das Gelsenkirchener Publikum, welches die Band nach allen Regeln der Kunst abfeierte, war. Mir persönlich gefallen die neueren Kompositionen von IN EXTREMO nicht mehr so gut wie das ältere Material, jedoch muss ich den Spielmannsleuten zugestehen, eine wirklich souveräne Show abgeliefert zu haben, deren Highlights das laut mitgesungene 'Herr Mannelig', der zweite Teil der 'Merseburger Zaubersprüche' sowie das rockende 'Spielmannsfluch' waren. Und auch wenn IN EXTREMO nicht mein persönlicher Favorit auf diesem Event waren, muss ich ganz klar sagen, dass es an diesem Samstag keinen würdigeren Hauptact hätte geben können. Diese Band ist verdammt groß geworden und insofern hat sie auch die Berechtigung, ein derartiges Metal-Fest anzuführen.
[Björn Backes]

Redakteur:
Björn Backes

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