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Rush - Frankfurt am Main

20.10.2004 | 05:57

24.09.2004, Frankfurt/Festhalle

RUSH (Frankfurt/Festhalle)

Was für ein Konzert! Wenn man in der selben Nacht nach dem "Erlebnis", anders kann man die knappen dreieinhalb Stunden nicht beschreiben, noch die Bilder in seinem Traum sieht, dann haben die Herren Lee, Lifeson und Pearl im wahrsten Sinne des Wortes einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Allein die ganzen Showeffekte waren jeden einzigen Cent wert. Was da aufgefahren wurde, ist mit Abstand Weltklasse. Wer schon ein RUSH-Konzert gesehen hat, weiß wovon ich spreche.

Das letzte Mal waren RUSH anlässlich ihrer "Roll The Bones"-Tour in Europa unterwegs, was auch schon einige Jährchen her ist. Dementsprechend hoch war die Erwartungshaltung, vor allem nach den ganzen Infos aus der Presse, dass die komplette Show nach Europa mitgebracht werden sollte.

Los ging´s mit einem Trickfilm auf der Leinwand, in dem die einzelnen Albumcover miteinander verknüpft wurden und sich die Jungs selbst ein bisschen auf die Schippe genommen haben. Danach sieht man Arthur Stiller (bekannt aus der Vorabendserie "King Of Queens"), der aus einem Traum erwacht und sich darüber wundert, ob das alles wahr ist und die Band zu guter Letzt ankündigt. Daraufhin strömen RUSH die Bühne und spielen ein Medley aus verschiedenen älteren Songs. Die Zuschauerreaktionen sind phänomenal! So ein lautes Gejohle hab ich selten in der Festhalle gehört. Nach dem Medley kommt es einem so vor, als ob die Menge (die Festhalle war zu gut zwei Dritteln gefülllt) den Putz von der Decke schreien wollte. Als die Band 'The Spirit Of Radio' anstimmt, gibt´s kein Halten mehr. Eine Gänsehaut jagt die nächste!

Die Setlist ist mit der in Stuttgart, worüber mein Kollege Thomas schon einen Bericht geschrieben hat, identisch, weshalb ich hier im Speziellen auf die Showeffekte eingehen möchte. Die erste Hälfte des Sets besteht auch aus eher "neueren" Nummern. Das Repertoire reichte von 'Hold Your Fire' bis 'Vapor Trails'. Vor allem die Showeffekte machten aus dem ohnehin schon genialen Audiogenuss ein zusätzliches visuelles Erlebnis. Bezeichnend hierfür sind der Sternenhimmel auf den Leinwänden bei 'Earthshine' oder die psychedelischen Farben und Landschaften bei 'Force Ten'. Das rappende Skelett bei 'Roll The Bones' hatte im Vergleich zur "Roll The Bones"-Tour diesmal einen Irokesenschnitt. Während der Songs gingen in erster Linie die vorderen Reihen richtig gut mit. Der Großteil des Publikums war von der Musik und den Showeffekten einfach nur fasziniert und zollte der Band die nötige Anerkennung in den Songpausen in Form von frenetischem Beifall. Mit 'One Little Victory' vom "Vapor Trails"-Album wurde das Publikum in die erste Pause geschickt.

Nach ´ner guten halben Stunde wieder das selbe Bild wie zu Beginn des Konzerts. Als sich die Hallenlichter verdunkeln, frenetischer Beifall. Diesmal kam der Drache, der den meisten von den Tourplakaten bekannt sein dürfte, zum Einsatz. Irgendwie erinnerte er mich, als er so durch die Lüfte flog, leicht an Fuchur von der "Unendlichen Geschichte"! Mit Feuerstrahlen hinter dem Drumkit legte die Band mit 'Tom Sawyer' los. Ich muss natürlich nicht schreiben, was da los war. Der Drache drehte dabei auch weiterhin seine Runden und spuckte sogar einmal Feuer, und in die Richtung, in die er gespuckt hatte, kam auch gleich eine Feuerfontäne nach oben geschossen. Genial! Die Lasershow bei 'Bravado' war einfach nur göttlich und tauchte die Festhalle in ein mysteriöses grünes Licht. Die Zahnräder im Hintergrund bei 'Between The Wheels' waren ebenfalls absolut passend. Absolutes Highlight war das Drumsolo von Neil Peart! Kennt ihr den Film "Die Maske" mit Jim Carrey? Die Szene, als Jim Carrey zum ersten Mal Cameron Diaz sieht. Genauso tief war meine Schublade beim Drumsolo. Was da vom Stapel gelassen wurde, war nicht mehr von dieser Welt. Zwischendurch kam es mir so vor, als ob ich die Festhalle verlassen hätte. Auch die Big-Band-Effekte durften dabei nicht fehlen und wurden perfekt mit Filmaufnahmen aus alten Schwarz/Weiß-Filmen kombiniert. Lustig war auch der Kampf zwischen Alex Lifeson und Geddy Lee bei 'By Tor&Snow Dog' als Transformer, das von Neil Peart, ebenfalls Transformer in Szene gesetzt, beobachtet wurde. Am Ende wurden Lee und Lifeson von Peart zerquetscht, was die Machtverhältnisse innerhalb der Band sehr gut mit einem Augenzwinkern beschreibt. Nach 'Working Man' war auch der zweiten Teil beendet. Doch die Jungs wurden nicht von der Bühne gelassen, ohne noch Zugaben zu spielen.

Mit 'Summertime Blues' von CREAM kamen die Jungs wieder zurück auf die Bühne. 'Limelight' beendete ein wirklich denkwürdiges Konzert. Nachdem die Hallenlichter angegangen sind, kam der Opi vom Anfang wieder zum Einsatz und sinnierte noch ein bisschen über das Konzert, bevor er zu Bett ging. Mit einem "Bye, Bye" auf der Lichtanlage verabschiedete sich die Band und entließ die noch faszinierte Menge in die kalte Frankfurter Nacht.

Vor dem Resümee sollte noch erwähnt werden, dass die komplette Show von verschiedenen Kameras gefilmt wurde, was demnächst bestimmt in Form einer Live-DVD veröffentlicht wird. Ferner wurde immer wieder Alex Lifeson bei seinen Gitarrensoli gefilmt, was die Illusionen jeglicher Nachwuchsgitarristen zerstörte. Überdies sollte noch angemerkt werden, dass auch Geddy Lee total unterbewertet wird, was nicht nur sein geniales Bassspiel betrifft. Über Neal Peart´s Drumkünste noch große Worte zu verlieren, hieße Döner in die Türkei zu importieren.

So genial auch der erste Teil des Konzerts mit den neueren Songs auch war, absolut genial fand ich RUSH am Ende des zweiten Teils des Konzerts, als die Band ihre Siebzigerklassiker gespielt hat. Nur mit Gitarre, Bass, Drums und Gesang. Ohne irgendeinen Schnickschnack und andere großartige Showeffekte. Darin zeigt sich, ob eine Band auch ohne pompöse Showeffekte das Publikum faszinieren kann oder nicht. Und RUSH können's. Sei es die Akustikversion von 'Resistance', als Lee und Lifeson den Song nur mit Akustikgitarren zum Besten gaben, oder die unglaublich geniale Version von 'Xanadu'. Einziger Wermutstropfen war vielleicht, dass sie nicht 'Closer To The Heart' gespielt haben und bis auf ein paar Ausnahmen "Standardnummern" zum Zuge kamen, die man auch von vielen Liveaufnahmen kennt.

Als ich auf dem Heimweg anmerkte, dass die Jungs ruhig die ganze Nacht hatten spielen können, meinte mein Kollege nur: "RUSH hätten das bestimmt geschafft, aber das Publikum hätte das nicht ausgehalten. Die haben nur aufgehört, weil das Publikum schon schlapp gemacht hat." Mit Theorien darüber, wie sich die Jungs erholen werden (O-Ton: "Die werden jetzt erst Mal unter einem Sauerstoffzelt wieder aufgepeppelt!"), gingen wir strammen Schrittes Richtung Hauptbahnhof.


Redakteur:
Tolga Karabagli

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