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SOULFLY - Köln

16.08.2019 | 07:51

16.07.2019, Luxor

Heiß, heißer, Luxor!

Es ist warm. Es ist verflucht warm im Luxor in Köln. Es ist zwar nicht so brütend heiß, wie es Ende des Monats Juli werden sollte, aber die Hitze und stickige Luft machen sich im Luxor stark bemerkbar. Für kleine, lokale Rock- und Metalkonzerte eignet sich die Location auf der Luxemburger Straße hervorragend, aber für eine Band wie SOULFLY, die ihr aktuelles Album "Ritual" promoten möchte, gibt es im Rheinland wohl doch bessere Veranstaltungsstätten. Doch sei's drum, für Cavaleras Max nimmt man die Strapazen doch gern in Kauf und erfreut sich eines richtigen Konzertes, wo es beinahe schon von der Decke regnet und man von oben bis unten mit Bier übergossen wird. Rock 'n' Roll eben.

Durch den leider nicht vermeidbaren Stau im Kölner Innenstadtleben komme ich fast schon zu pünktlich zum ersten Ton SOULFLYs im Luxor an, wo die Spannung der Meute nur von deren Menge übertroffen wird. Von den dystopischen Klängen CHONTARAZ', deren Album "Speed The Bullet" ich immer noch äußerst abfeiere, habe ich demnach leider nichts mitbekommen. Zwar ist es ein Dienstagabend, doch trotzdem ist es schwer, sich irgendwie nach vorne in die ersten zehn, zwölf Reihen zu drängeln. Die schwere, schwüle Luft erschwert die Sache zunehmend. Hätte ich doch lieber etwas mehr Fahrtzeit auf mich genommen und wäre einen Tag später in den Schoß des wohligen Essener Turocks gefahren. Doch nun bin ich hier im Luxor und erfreue mich trotz der widrigen Umstände der Klänge von SOULFLY.

Selbstverständlich startet die Cavalera-Maschinerie mit zwei brandneuen Stücken, die auch extrem gut beim Publikum ankommen. Ob es dem doch guten, drückenden Sound im Luxor oder einem noch besser aufgelegten Max geschuldet ist, darüber mag man sich streiten. Fakt ist jedoch, dass 'The Summoning' sowie die 'Under Rapture'-Brechstange überragend herüberkommen und sich hervorragend als "Ritual"-Appetizer entpuppen. Danach gibt es einen mehr als geglückten Querschnitt des SOULFLY'schen Schaffens. Auch hier gibt es klitzekleine Circlepits in den vorderen Reihen, wilde Headbang-Orgien links neben mir und beim "Prophecy"-Titeltrack – meinem persönlichen Highlight des heutigen Abends – gibt es die eingangs erwähnte Bierdusche. Macht mir das etwas aus? Natürlich nicht – zu sehr bin ich von 'Fire/Porrada' – dem Spagat zwischen selbstbetiteltem Debüt und dem Diskographie-Highlight "Prophecy" – sowie den "Dark Ages"-Spektakeln 'Arise Again' und 'Babylon' geflasht. Als hätte ich selbst die Setlist des heutigen Abends erstellt, legen Max und Co. ihren Fokus auf eben jene Alben, die auch 10 bis 15 Jahre später immer noch gerne den Weg in meinen CD-Player finden.

Max selbst ist gut bei Stimme, schwitzt und ölt, wie man es von ihm bei Live-Konzerten kennt, und hat das Kölner Publikum fest im Griff. Ausufernde Ansagen gibt es kaum und neben dem Sound machen auch seine Bandkollegen eine sehr gute Figur. Viel mehr zu sehen gibt es leider von den hinteren Plätzen aus nicht, was jedoch den Vorteil hat, die Augen schließen und mich voll und ganz auf die Musik konzentrieren zu können. Weiter im Text geht es also mit dem Klassiker 'No Hope = No Fear' samt Gitarrensolo, 'Tribe', dem aktuellen Titeltrack und dem wirklich superben 'Dead Behind The Eyes'. Vielleicht sollte ich dem von mir etwas stiefmütterlich betrachteten "Ritual"-Album doch noch eine zweite Chance geben?

Nach einer kurzen Verschnaufpause setzen Cavalera und Co. bereits zur Zugabe an und die hat es noch einmal in sich: Die Kräfte werden mobilisiert, die letzten Reserven ausgeschüttet und so geht die wilde Reise mit 'Back To The Primitive' über 'Feedback!' bis hin zum anschließenden 'Jumpdafuckup/Eye For An Eye'-Bollwerk zu Ende. Speziell beim Doppelschlag dreht das Luxor noch einmal durch und auch ich erwische mich beim Hüpfen und Luftschnappen.

Das kann ich dann wenige Minuten später auch außerhalb des Luxors machen, denn SOULFLY hat in den Feierabend verabschiedet. Max blickt in zufriedene Gesichter und auch er kann sich ein Grinsen ob der guten Leistung nicht verkneifen. Auch wenn SOULFLY wohl nie aus dem Schatten SEPULTURAs hinaustreten kann, so ist Max mit seiner Hauptband eine absolute Live-Granate und ein Garant für schweißtreibende, intensive Shows sowie besondere Klänge. Das habe ich heute – den Abend zusammenfassend – am eigenen Leib erfahren und nur meine Arbeit sowie die Gewissheit, dass ich zwei Tage später eh im Turock METAL CHURCH und ARMORED SAINT abfeiern werde, hindern mich daran, am heutigen Folgetag nach Essen zu fahren und noch einmal mit Max und dem Publikum um die Wette zu hüpfen. Es war mir ein Fest – Hitze, Schweiß und stickige Luft hin oder her.

Redakteur:
Marcel Rapp

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