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Sacrificium - Kaiserslautern

07.11.2007 | 21:44

19.10.2007, JUZ

Im Mannheimer Raum ist leider in den letzten Wochen und Monaten permanent tote Hose, was metallische Live-Musik betrifft. Da kommt mir der Auftritt der schwäbischen Deather von SACRIFICIUM in Kaiserlautern gerade recht, zumal mein POWERMETAL.de-Kollege Stefan Lang bei der Vorband ADORNED GRAVES die Felle gerbt. Also ab ins Auto und über die A6 in die "wilde Pfalz". Von Staus gebeutelt und von der Parkplatzsuche gestresst, erreichen wir dann das Juz in Kaiserlautern und sind überrascht: Für ein Jugendzentrum ist die Location wirklich ausgesprochen gut, und die Getränkepreise an der Bar sind auch äußerst fair.

Mit KISS OF THE SPIRIT startet dann gegen 21 Uhr die erste Vorband des Abends. Die blutjungen Musiker (alle zwischen 17 und 19 Jahren alt) aus dem Pirmasenser Raum waren als Black-Metal-Band angekündigt. Nun ja, Black Metal spielen sie auf jeden Fall nicht, dessen bin ich mir mit so ziemlich jedem anderen Besucher einig, auch wenn ich nicht so genau weiß, wie ich die Mucke der Band beschreiben soll. Zwar ist die Gitarre tiefer gestimmt und Drummer Uwe Streb grunzt recht ordentlich, doch durch Sängerin Alexandra Arnold bekommt das Ganze einen recht punkigen Touch. Auch wenn ich keine genaue Definition der Musikstils liefern kann, so ist doch schnell ersichtlich, dass die Jungs und Mädels auf jeden Fall Talent haben, auch wenn ihnen natürlich die Erfahrung und die Bühnenpräsenz fehlen. Speziell die Dame am Mikrofon wirkt etwas verschüchtert, so dass sich der Drummer hinter seinen Fellen vorquälen muss, um die Ansagen zu machen. Die Songs wie 'Battlefield' ("Nicht das von BLIND GUARDIAN!" - O-Ton Streb), 'Nebelwald' und 'Silent Forces' haben allesamt Überlänge mit langen, rein instrumentalen Parts, bei denen der Gesang etwas zu kurz kommt. Die Stimmung ist noch recht verhalten, auch wenn der Vierer wohlwollenden Applaus erntet. Vor allem, als der Drummer nach einem "Slayer!"-Zwischenruf meint: "Die spielen später!", johlt die Meute. Nach 35 Minuten und einem Medley aus den Titelmelodien der Fernsehsendungen "Löwenzahn" und "Pippi Langstrumpf" am Ende, ist dann der erste Auftritt von KISS OF THE SPIRIT vorbei.

Nach einer 20-minütigen Umbauphase sind nun die Thrasher von ADORNED GRAVES an der Reihe. Nach dem Intro mitsamt Sensenmann gibt's dann mit 'Second Expulsion' gleich richtig was auf die Mütze. Die Brüder Stefan (Drums) und Martin Lang (Gitarre) haben sich mit Kalle Keller den Bassisten der Lauterer Metal-Institution WARCHILD ins Haus geholt, und das Ganze harmoniert schon ausgesprochen gut. Sofort ist Stimmung in der Hütte, denn die offensichtliche Leidenschaft des Dreiers springt sofort auf die circa 100 Besucher über. Die hauptsächliche Gesangsarbeit übernimmt Gitarrist Martin Lang, doch greifen auch die anderen beiden zum Mikro, was das Ganze sehr abwechslungsreich macht. Bei der Energie, die die drei versprühen, ist es schade, dass sie nicht wesentlich häufiger live zu sehen sind. Neben dem Opener 'Second Expulsion' sind zudem 'Men Of Faith' und 'Hand Of Death' absolute Premieren - und zünden sofort. Mit dem doomigen 'Beyond The Silence' und der Bandhymne 'Adorned Graves' ist der Auftritt nach 45 Minuten leider viel zu schnell vorbei. Mit einem "Man sieht sich 2009 bei unserem nächsten Auftritt. Jetzt viel Spaß bei SACRIFICIUM, die knallen wie Sau!", ist dann Schluss, und auch die zahlreichen "Zugabe!"-Rufe können daran nicht ändern.

Setlist:
Sensemann-Intro
Second Expulsion
Fightgrinder
Men Of Faith
Valley Of Achor
Hand Of Death
Beyond The Silence
Adorned Graves

Fest die gewerkschaftlich festgelegte 20 minütige Umbauphase einhaltend geht's dann um 23 Uhr los mit SACRIFICIUM, die nach ihrem genialen Album "Escaping The Stupor" völlig zu Recht zur nationalen Death-Metal-Elite gezählt werden. Nach einem Intro legen Claudio, Ulrike, Oliver, Mario und Samuel mit 'Of Traumatic Memories And Tears' gleich kompromisslos los und bringen auch noch die letzte Nackenmuskulatur im Saal zum Zucken. Man merkt sofort, dass richtige Ausnahmekönner am Werke sind, denn jeder Ton sitzt perfekt. Zudem ist der ausgesprochen gute Sound zu loben, was in einem Jugendzentrum nicht unbedingt zu erwarten war. Mit 'Kill Me' geht's dann erstmal zum ersten richtigen Album "Cold Black Piece Of Flesh" zurück. Mittlerweile formieren sich auch die ersten kleinen Moshpits. Die Setlist ist sehr ausgeglichen, denn von den beiden Alben werden etwa gleich viele Nummern gespielt. Das Death-Metaller nicht immer böse sein müssen, zeigen die Schwaben auch bei der Interaktion mit dem Publikum: Zuerst wird mit den Pfälzern ein kleiner "Schwäbisch-Kurs für Anfänger" veranstaltet, wobei mir als Badener etwas der Kopf schwirrt, und nach einem der zahlreichen "Slayer!"-Zwischenrufen meint Sänger Claudio trocken: "Die sind uns zu alt, äh ich meinte zu gut!". Nun, so eindrucksvoll wie Kerry King sehen Oliver Tesch und Ulrike Uhlmann nicht aus, auch wenn letztere deutlich hübscher ist als der SLAYER-Gitarrengott, aber ihre Instrumente verstehen sie aber wirklich zu benutzen. Wie übrigens auch der Rest der Band. Ich muss sagen, ich habe SACRIFICIUM das letzte Mal 2005 auf der "Night Of Power" gesehen, und sie haben sich noch einmal deutlich gesteigert. Nach dem genialen 'Cold Black Piece Of Flesh' und dem groovigen 'Killing With Style' wird der Song 'Extinction Of Mankind' dem großen Vorbild von SACRIFICIUM gewidmet: BOLT THROWER.

Nachdem mit 'I Am The Enemy' und 'As Silence Dies' nochmal ordentlich Gas gegeben wird, ist der Opener von "Escaping The Stupor", 'Canvas', als Abschluss des Abends geplant. Doch die Besucher denken da ganz anders: Nahezu geschlossene "Zugabe!"-Forderungen bleiben nicht ungehört, denn mit dem VENGEANCE RISING-Cover 'White Throne', bei dem sich Stefan Lang von ADORNED GRAVES und SACRIFICIUM-Sänger Claudio ein klasse Gesangs-Battle liefern sowie dem IN FLAMES-Cover 'Episode 666' gibt es nochmal eine ordentliche Zugabe. Doch auch danach ist noch nicht Schluss, denn die Band wird solange bekniet, bis sie einfach den ersten Song 'Of Traumatic Memories And Tears' noch einmal spielt, und so für den perfekten Ausklang eines tollen Abends sorgt.

Setlist:
Intro
Of Traumatic Memories And Tears
Kill Me
Towards The Edge Of Degeneration
Pieced By Death
Cold Black Piece Of Flesh
Killing With Style
Extinction Of Mankind
Shivering
I Am The Enemy
As Silence Dies
Canvas
---
White Throne (VENGEANCE RISING-Cover)
Episode 666 (IN FLAMES-Cover)
---
Of Traumatic Memories And Tears


So bleibt als Fazit des Abends zu sagen: KISS OF THE SPIRIT haben Talent, ADORNED GRAVES sollten deutlich öfter spielen (nicht erst 2009 wieder!) und SACRIFICIUM sind live einfach klasse. So lohnt sich der Weg in die "wilde Pfalz". Ach ja, SLAYER haben übrigens nicht mehr gespielt, aber das wäre dann des Guten auch zuviel gewesen.

Redakteur:
Martin Schneider

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