Saxon - Langen

15.04.2007 | 13:30

13.04.2007, Stadthalle Langen

Sommer, Palmen, Sonnenschein. Nein, ich melde mich nicht von den Bahamas, sondern – angelehnt an den Klassiker von den ÄRZTEN – treffen bis auf die Palmen alle Attribute auf den heutigen Tag zu. SAXON haben Freitag, den 13. April zum Anlass genommen, die Langener Stadthalle zum Kochen zu bringen. Mit HELLFUELED und MASTERPLAN hat das NWOBHM-Urgestein zwei exquisite Vorgruppen im Gepäck. Dabei verhält es sich mit den "Sachsen" wie mit einem Casino: Die Bank gewinnt immer. Und so strömen – trotz oder gerade wegen der tropischen Temperaturen – Massen in die Halle, um sich eine amtliche Rockbedienung zu holen.

Zwar steht auf der Eintrittskarte was von 20 Uhr Beginn, doch die schwedischen OZZY-Jünger HELLFUELED müssen schon gegen 19.30 Uhr auf die Bretter, um der noch nicht so großen Menge vor der Bühne einzuheizen. Wobei sie beim Publikum (gefühlter Altersdurchschnitt mindestens 35 Jahre) einen durchaus schweren Stand haben. Der matschige Sound am Anfang trägt nicht gerade dazu bei, dass die Leute aus sich herausgehen. Ein weiteres klassisches Eigentor ist die Setlist, denn mit zwei eher unbekannten Songs loszulegen, ist ebenfalls eine Sache für sich. Ab dem dritten Song 'Can't Get Enough' ist endlich so was wie Stimmung in der noch wohltemperierten Stadthalle auszumachen. Während Sänger Andy Alkman wie ein überdimensionaler Knut auf und ab läuft, übt Gitarrist Jocke Lundgren Grimassen schneiden und lässt dem Zakk Wylde (ex-OZZY OSBOURNE) in sich freien Lauf. Henke Lönn versucht wie ein Wackeldackel bangend die Soundlöcher zu stopfen, die während der Gitarrensoli entstehen, wohingegen Drummer Kent Svensson seinem Spitznamen Mr. Nilsson alle Ehre macht. Der neue Song 'Master Of Night' vom kommenden Album, welches Anfang kommenden Jahres erscheinen soll, macht Lust auf mehr. Warum der beste Song des "Born II Rock"-Silberlings, 'Look Out', nicht gespielt wird, ist wahrscheinlich nur mir schleierhaft. Das Publikum verabschiedet das Quartett mit Höflichkeitsapplaus und wartet gespannt auf die MASTERPLAN-Premiere im neuen Line-up.

Setlist:

Rewinding Time
Old
Can't Get Enough
Let Me Out
Master Of Night
Midnight Lady

Ich persönlich habe das Quintett das letzte Mal vor zwei Jahren auf dem ROCK HARD-Festival gesehen. Damals hatte noch ein gewisser Jorn Lande den Sängerposten bei MASTERPLAN inne. Dementsprechend sind alle Augen auf Mike DiMeo gerichtet, der mit seiner Fleischmütze an John Bush (ex-ANTHRAX, ARMORED SAINT) erinnert. Gesanglich macht er einen super Job, ohne Frage, doch was die Bühnenpräsenz angeht, so wirkt er im Vergleich zu Mr. Bush eher blass. Vielleicht braucht er noch ein bisschen Routine, doch so richtig kann er mich mit seinem Stageacting nicht in den Bann ziehen. Augenfutter bietet hingegen Mike Terrana (ex-RAGE) hinter seiner Schießbude. Fehlt nur noch, dass er nebenbei mit Bällen jongliert und eine Stand-up-Show abzieht. So locker-flockig, wie er trommelt, könnte man glatt meinen, dass ihn die artistischen Kunststückchen mehr beanspruchen als das Drumming selbst. Roland Grapow liefert einen ordentlichen Job an seiner Klampfe ab und soliert songdienlich. Der Sound ist zwar sehr laut, aber immerhin ist es noch möglich, die einzelnen Instrumente rauszuhören. Das schlägt sich auch auf die Stimmung nieder, die mindestens doppelt so gut ist wie bei HELLFUELED. Das ist aber auch kein Wunder, denn das Quintett feuert ein Hitfeuerwerk ab wie am Fließband. Zwar ist das Stageacting eher verhalten, aber entscheidend ist letzten Endes, was aus den Boxen rauskommt. Und das kann sich wahrlich hören lassen. So sieht es auch das Publikum und feiert die Band für eine Vorgruppe ordentlich ab. Am herausstechendsten ist Mike "das Tier" Terrana, der mit seinem Drumming und seinen Showeinlagen die Rampensau rauslässt, was man von den übrigen Protagonisten leider nicht behaupten kann. Nichtsdestotrotz haben MASTERPLAN mit diesem Auftritt wieder ein paar Fans hinzugewonnen.

Setlist:

Heroes
Enlighten Me
Take Me Over
Lost And Gone
Crystal Night
Soulburn
Back For My Life
Kind Hearted

Das hat die folgende Gruppe nicht mehr nötig, wenn man sich die mittlerweile gut gefüllte Stadthalle anschaut. Nach einer Umbaupause von noch nicht mal dreißig Minuten sind SAXON an der Reihe. Gleich von der ersten Minute an ist der Knut los! Das liegt vor allem daran, dass der Headliner insgesamt ein größeres Laufpensum vorweisen kann als beide Vorbands zusammen. Das weiß auch das Publikum zu würdigen, weshalb in den Songpausen immer wieder SAXON-Chöre angestimmt werden. So gut das neue Material auch sein mag, am meisten geht die Post bei den Klassikern ab! Sei es 'Motorcycle Man', 'Great White Buffalo', 'Princess Of The Night', 'Dallas 1PM' oder 'Denim And Leather, der "alte Stoff" lockt das Publikum eher aus der Reserve als das neue Material. Da kann die Truppe noch so sehr auf Details Wert legen und bei 'Red Star Falling' die Bühne komplett in rotes Licht tauchen; gegen einen Gänsehautgaranten wie 'Requiem (We Will Remember)' kann der Track nicht anstinken. Allen voran Biff Byford zieht mit seiner Präsenz alle Blicke auf sich. Die anderen Bandmitglieder brauchen sich nicht hinter dem übergroßen Schatten des Sängers zu verstecken. Bassist Nibbs Carter bangt sich die Seele aus dem Leib, aber auch das Gitarrenduo Quinn/Scarratt ist sich nicht zu schade, die rechts und links vom Drumpodest angebrachten Emporen mehr als einmal zu erklimmen. Zum Glück hält sich Biff mit den standardisierten Singspielchen zurück und legt den Fokus eher darauf, seinen Stiefel runterzurocken. Das Publikum weiß das zu würdigen und feiert die Truppe ab, als gäbe es kein Morgen. Nach knapp siebzig Minuten ist dann vorerst Schluss! Doch SAXON wären nicht SAXON, würden sie keine Zugaben spielen. Und was die Band als Zugaben raushaut, würde bei Bands neueren Kalibers glatt als normaler Set durchgehen. Da werden olle knackige Kamellen wie 'Wheels Of Steel' oder '747 (Strangers In The Night)' aus dem imaginären Hut gezaubert. Nach weiteren 55 Minuten ist dann endlich Schicht im Schacht. Müde, aber glücklich torkeln die Fans aus der Halle in die milde Langener Nacht.

Setlist:

State Of Grace
Let Me Feel Your Power
Motorcycle Man
If I Was You
Strong Arm Of The Law
Great White Buffalo
20.000 Ft.
Are We Travellers In Time
To Hell And Back
Red Star Falling
Requiem (We Will Remember)
Princess Of The Night
Crusader
I've Got To Rock (To Stay Alive)
Atilla The Hun
Dallas 1 PM
Power And The Glory
747 (Strangers In The Night)
And The Bands Played On
Wheels Of Steel
Denim And Leather
Ashes To Ashes

Bleibt festzuhalten, dass die Truppe mit einer Nettospielzeit von 115 Minuten definitiv über dem Soll liegt und jeden Eurocent wert war. Ein rundum gelungener Abend mit guten, aber nicht zu vielen Vorbands, einem bestens aufgelegten Headliner und einem enthusiastischen Publikum. Um noch mal auf dem Thema Spielzeit rumzureiten: Da kann sich die junge Generation (u. a. TRIVIUM oder KILLSWITCH ENGAGE, um mal zwei zu nennen) mehr als eine Scheibe abscheiden. Beim nächsten Mal sind die meisten bestimmt wieder dabei, das ist so sicher wie das kühle Bier bei der kommenden Festivalsaison.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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