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Scheddelspalter Pt. 1 - Leipzig

21.04.2006 | 10:05

07.04.2006, Kulturbundhaus

Nach sechs Jahren "Heavy Metal - nix im Scheddel?" war es an der Zeit, sich mal an ein Festival heranzuwagen. Das Ganze firmierte unter dem Namen "Scheddelspalter" und ging über zwei Tage, wobei man sich stilistisch dergestalt festlegte, dass der erste Tag den Metal-Bands (überwiegend mit deutlicher Nähe zum Death) vorbehalten war, während am zweiten Tag Hard- und Metalcore gespielt wurde. Zudem wurden ausschließlich Bands aus dem Raum Leipzig bedacht.

Freitag, 07.04.:

Am Freitag war das Kulturbundhaus bereits gut gefüllt, auch wenn insgesamt durchaus noch ein paar Nasen mehr Platz gehabt hätten. Die erste Hiobsbotschaft gab es auch gleich - CROWD (als Co-Headliner angesetzt) mussten leider ausfallen, da deren Sänger Stewa im Krankenhaus lag. An dieser Stelle wünschen wir natürlich gute Besserung und baldige Genesung.
Leider gab es den ganzen Abend über immer mal wieder nervige Soundprobleme (obwohl jede Band trotz vorherigem Soundcheck auch direkt vor dem Auftritt nochmal "soundcheckte"), was den Gesamteindruck doch ein wenig trübte. Allerdings bekam man die Probleme jedes Mal recht schnell in den Griff.

MIMOSIS starteten den Abend und konnten am Anfang noch nicht voll überzeugen, da wirkte der Auftritt noch ein wenig zerfahren. Zum Ende ihres Sets hin kam die Band aber immer besser in Fahrt und die letzten Songs waren auch musikalisch richtig gut. Schnelle melodische Gitarrenläufe und Vocals zwischen fiesem Gekeife und tiefem Gegrunze - ein wenig fühlte ich mich an HYPOCRISY erinnert, was einer der Jungs auch auf seinem T-Shirt dokumentiert hatte. Das letzte Stück kam dann sogar mit Doom-Parts daher (könnte allerdings auch ein Cover gewesen sein), was auch sehr angenehm ins Ohr ging.
Der Fünfer ist noch relativ frisch bei der Sache, wobei ich den Sänger von IMMACONCEPT her kannte. MIMOSIS waren zwar weit davon entfernt, das Rad neu zu erfinden, aber auf Grund der deutlichen Steigerung zum Schluss hin, konnten sie doch voll überzeugen.

FACED REALITY machen eine Mischung aus Dark und Death Metal, was durch die Verwendung eines Keyboards eine leicht atmosphärische Note bekommt. Die Truppe kam brachial und gleichzeitig melodisch-düster rüber, sodass ich im ersten Moment ein bisschen an SCHWEISSER und TOTENMOND denken musste. Die Songs waren nicht schlecht, da war schon die eine oder andere richtig leckere Geschichte dabei. Man blieb zwar noch ein bisschen zu eintönig, aber musikalisch war das Ganze auf jeden Fall sehr ordentlich. Die ausschließlich deutschen Texte konnte man bei derart gebrüllten Vocals allerdings nun wirklich nicht heraushören. Ansonsten wirkte die Band ein wenig statisch auf der Bühne. Somit waren FACED REALITY insgesamt zwar ganz gut, aber noch nicht wirklich umwerfend.

Mit NITROLYT konnte ich dann nicht allzu viel anfangen. Stilistisch ging das in die Richtung moderner Thrash Metal mit rockigen Einschlägen. Das letzte Album wurde übrigens zusammen mit DISILLUSION-Sängerknaben Vurtox aufgenommen, was eigentlich eine sehr gute Referenz darstellt, aber davon war hier und heute leider nicht viel zu merken. Die Songs wirkten abgehackt und ohne roten Faden, stattdessen schienen sich Teile der Band eher darauf zu konzentrieren, möglichst "medienwirksam" für die Kamera zu posieren. Auch wenn da sicherlich eine gewisse ironische Selbstdistanz mitspielte, wirkte das sehr aufgesetzt und störend.
Gegen Ende hatte dann noch der NUKE EASTERN PLOT-Sänger einen Gastauftritt, aber auch das konnte den Gesamteindruck nicht mehr nachhaltig verbessern. Als letzter Song wurde 'Fuel' von METALLICA gecovert - also ein Song vom (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) schlechtesten METALLICA-Album ever. Auch das sagt einiges aus...

TOTHAMON machten mal wieder sehr viel Spaß und kristallisierten sich für mich als die beste Band des Abend heraus. Die Darbietung war astrein und animierte wie immer kräftig zum Haupthaarschütteln. Die Truppe macht melodischen Death Metal (wobei man nicht ausschließlich in diesen Gefilden herumschippert) mit deutlich eigener Note. Das Ganze ist mit ruhigeren, melodischen Parts versetzt (in Richtung Doom), was sich perfekt in die Songs einfügte und für ein angenehm ausgewogenes Gesamtbild sorgte. Sänger Gax grunzte sich dazu mal wieder die Seele aus dem Leib.
Die Truppe wird auch beim x-ten Auftritt einfach nicht langweilig, was sicherlich weniger an einer aufreibenden Bühnenaktivität liegt, sondern einfach an den feinen Songs, die auch im Live-Gewand erstklassig funktionieren. Leider haben es TOTHAMON immer noch nicht geschafft, mal mit einer neue Scheibe um die Ecke zu kommen, der letzte Rundling muss jetzt wohl schon vier Jahre her sein. So geht's ja nun nicht, Jungs...

NUKE EASTERN PLOT mussten/durften zum Schluss auf die Bühne, und hier ging es ein wenig in die TOOL-Ecke. Oder wie es die Band auf ihrer Homepage selbst bezeichnet: Musik im Niemandsland zwischen NuRock, Noise und Death Metal - was man schon so stehen lassen kann. Musikalisch wurden hier zwischen aggressiv und bedächtig alle möglichen Facetten ausgelotet. Der relativ melodische Gesang von Fronthüne Max (wenn er nicht gerade am Grunzen war) passte für meinen Geschmack aber nicht immer hundertprozentig zum über weite Strecken brachial-stampfenden Material. Diese "harmonischen" Gesangspassagen waren für mich so der Schwachpunkt beim Auftritt von NUKE EASTERN PLOT. Die Ansagen hatten zudem auch manchmal was von unfreiwilliger Selbstkomik.
Die Songs hingegen schienen sehr ausgefeilt und durchaus komplex strukturiert, da wurden verschiedenste Parts zu einem allerdings nicht immer homogenem Ganzen zusammengeschmissen. Angenehm fiel die Trommlerin Caro auf, und zwar auf Grund dessen, was sie da hinter der Schießbude abzog (um hier Missverständnissen vorzubeugen). Vom letzte Output, der EP "Symbiotic" aus dem Jahre 2004 (auch hier produziert von DISILLUSION-Vurtox), wurden alle vier Songs dargeboten. Insgesamt eine ordentliche, aber auch nicht gerade überragende Vorstellung.

Setlist:
Pax Americana
Assasin
Sleeping Goods
Shahia
Alone
Rock'n Roll-Song
Fall
Heaven Sent
Breathless
Ghostbust
Symbiotic

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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