Slayer - Böblingen

02.12.2001 | 09:39

22.09.2001, Sporthalle

Auch wenn ich mir jetzt gehörig viel negative Worte anhören muss, warum dieser Bericht denn so spät kommt, schreibe ich ihn dennoch und ignoriere diese.
Möchte mich bei allen entschuldigen, die so lange auf den Bericht gewartet haben. Ist somit auch irgendwie klar, dass ich manche Details nicht mehr so ganz zusammenkriege. Aber im Prinzip juckt doch keine Sau die Vorbands von SLAYER, oder? Und von den Mördern weiß ich bestimmt noch alles Wichtige, da ich mich bis in die zweite Reihe vorgeprügelt habe.

Wie ich, haben sich auch viele andere riesig darauf gefreut die Thrash-Götter SLAYER, mit ihrem neuen Album "God Hates Us All" im Schlepptau, in Deutschland zu sehen. So war es nicht sonderlich verwunderlich, dass die Böblinger Sporthalle nahezu ausverkauft war und man den ganzen Abend über viele "SLAAAAAYER!!!" Schreie vernehmen konnte, die man auch evtl. auf anderen Konzerten oder Festivals hören kann.
Ich hielt auch wieder bei diesem Konzert an meiner persönlichen Tradition fest: Zu spät kommen! Ich habe mich doch etliche male verfahren - wann komm ich schon mal nach Böblingen? Somit konnte ich mal wieder nicht die ganzen kleineren Vorbands sehen. Ergo fängt dieser Bericht erst mit den deutschen Thrash-Metal Jungs von DESTRUCTION an.


Mit dem Antichristen im Nacken haben DESTRUCTION die Bühne richtig nett herrichten lassen. Links und recht konnte man deren typische Backdrops sehen, unverkennbar mit dem, na ja, DESTRUCTION Logo darauf.
Ich kann mich jetzt nicht an viele Songs erinnern, nur dass sie "The Butcher Strikes Back", und am Ende ein paar Zugaben gespielt haben. Der Sound war auch recht anständig, dort wo ich stand. Einige haben behauptet, dass er in der Mitte vor der Bühne nicht so toll gewesen sein soll...egal.
Besonders war noch, dass Frontlaberer Schmier sich über die hiesigen T-Shirt Preise aufgeregt hat (waren es nun 40 oder 50 Kröten?? Egal, beides ist zu viel). Somit hat er den versammelten Fans versprochen, in der Rockfabrik Ludwigsburg noch ne Aftershow-Party zu schmeißen, und die Shirts zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen. Während dieser Worte schmissen die Jungs von DESTRUCTION die oben erwähnten Shirts in die Menge. Eine sehr noble Geste!!


Weiter ging es dann mit den Schwarzmetallern aus England von CRADLE OF FILTH. Wer bis zu diesem Zeitpunkt gedacht hat, dass DESTRUCTION bereits viel Dekorationskram auf die Bühne gestellt haben, kennt COF nicht! Die haben so ziemlich die ganze Bühne neu dekoriert.
Als sie dann nach einer doch etwas längeren Umbaupause endlich loslegten, war ich doch sehr erstaunt, dass sie mit "Once Upon Atrocity" vom "Cruelty And The Beast" Album anfingen. Jedoch hatte ich stark das Gefühl, dass die meisten COF - Shirt Träger diesen Song gar nicht kannten. Ich nehme mal an, dass viele nur die letzten zwei Alben kennen und "Cruelty And The Beast" einfach zu alt dafür ist, um vom Nachwuchs gekannt zu werden.
Leider war das auch so ziemlich der einzige Song, den COF von diesem Album gespielt haben. Die gewählten Songs sind eher von den neueren Platten ausgesucht worden. Einzige Ausnahme war dann der Song "The Principle Of Evil Made Flesh" vom gleichnamigen Debütalbum. Jedoch bestand eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass dieser gekannt wurde, da dieser auf dem aktuellen Album "Bitter Suites To Succubi" neu veröffentlicht und remastert wurde.
Eine weitere Besonderheit boten COF, indem sie bei machen Song zwei Personen, die eine männlich, die andere weiblich, auf die Bühne ließen, welche merkwürdig verkleidet waren und auf Stelzen liefen.
Im Gegensatz zur wirklich genialen Bühnenshow stand die Darbietung der Jungs. Rhythmisch wirkten sie sehr unsicher und verspielten sich etliche Male. Vor allem Schreihals Danni Filth verpasste recht häufig seinen Einsatz, und seine Stimme schien auch nicht ganz ok zu sein. Bei einigen Stellen konnte man, anstatt dem hohen Kreischen, ein tiefes Grunzen vernehmen - ist zwar eine nette Variation, aber bei COF nicht so ganz angebracht.
Ansonsten lässt sich nicht mehr viel über COF berichten, nur dass sie irgendwie eine kleine Stimmungsbremse waren, weil sich nicht so viele Thrasher etwas aus COF machten.
Als dann COF die Bühne verließen und allen viel Spaß bei SLAYER wünschten, waren die typischen "SLAAAAAYER" Rufe wieder zu vernehmen.

Nun wurde der ganze Krempel von COF abgebaut und die Stimmung wurde immer angespannter. Alle warteten nur auf sie: SLAYER!
Es ist irgendwie kurios. SLAYER waren die einzige Band, die ich gesehen habe, die keine Backdrops aufstellten, kein Intro verwendeten oder sonstigen Schnickschnack brauchten. So sind sie halt die Jungs...


Als die Herren Araya, Hanneman, King und Bostaph die Bühne betraten tobte das Publikum. Alle waren gespannt wie ein Flitzebogen, welchen Song sie als erstes spielen würden. Als man dann in regelmäßigen Abständen drei Trommelschläge vernehmen konnte, war kein Halten mehr. Wie kann man so ein Konzert besser anfangen als mit "Raining Blood"!?!?!?! Dies war das Signal, womit SLAYER zeigen wollten, was sie diesen Abend vorhatten: Zeigen was wirklicher Metal ist! Aber dies kann man natürlich nicht indem man nur einen Klassiker spielt. So folgten im weiteren Verlauf Songs wie "Hell Awaits", "Altar Of Sacrifice" mit dem Anhängsel "Jesus Saves" und z.B. noch "South Of Heaven", der, wie jeder weiß, gleich in "Silent Scream" übergeht. Dies bewies wiederum wie spielfreudig die Schlachter auf der Bühne sind.
Besonders aufgefallen ist mir, dass Tom Araya oft nur da stand und die Schreie der Fans genoss. Ein weiteres wichtiges Merkmal von SLAYER ist, dass sie nicht so rumgepost haben wie die Bands davor. Großer Pluspunkt! Über den Sound und das Stageacting muss man nichts schreiben, weil es bei SLAYER eh scheißegal ist!
Nachdem sie, was weiß ich wie lang gespielt hatten, verabschiedeten sich die 4 Amijungs. Natürlich durfte eine Zugabe nicht fehlen. Die ließ jedoch auf sich warten. Die Herren SLAYER wollten wohl, dass die Menge richtig heißer wurde (was bei mir schon längst der Fall war - ich bekam nur noch ein komisches Krächtsen heraus).
Mit der Zugabe setzten sich die Mörder wiederum von der allgemeinen Metal-Masse ab. Sie spielten nicht nur ein, zwei Songs, sondern gleich ganze vier.
Danach war dann auch wirklich Schluss, ich konnte auch nicht mehr. Hätte mir einer von der Security nicht mal nen Schluck Wasser gegeben, wäre ich in der zweiten Reihe zusammengebrochen.

Ist wirklich schwierig die ganzen Emotionen, die man in der zweiten Reihe aufschnappt in Worte zu fassen. Ich hatte recht häufig mit eingeklemmten Haaren, oder Ellenbogen in der Gesichtsgegend zu kämpfen.

Völlig entkräftet wartete ich darauf, dass die Menge sich auflöste und ich bequem zum Auto stiefeln könnte, bis ich einen merkwürdigen Schlag gegen den Kopf bekam. Ich dachte mir erst welcher Drecksack das wohl gewesen sein könnte, als ich bemerkte wie etwas hölzernes von meinem Kopf abgeprallt ist. Es war tatsächlich ein Drumstick, den ich auch sofort ergriff und nicht mehr losließ. Tja, das ding hängt jetzt bei mir eingerahmt im Zimmer.


Fazit des Abends: Geil, geil und nochmals geil!! Es hätte sich auch geloht, allein wegen SLAYER nach Böblingen zu fahren! Schade war nur, dass PANTERA wegen den Terroranschlägen abgesagt haben.
Hier noch ein ganz persönlicher Rat von mir: Wann immer ihr auch die Chance haben solltet SLAYER in einigermaßen naher Umgebung zu sehen, dann geht verdammtnochmal hin!!!! Amen.

Redakteur:
Ruben Tuider

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