Soulfly - Köln

11.08.2005 | 23:46

19.06.2005, Live Music Hall

Gelb, grün und blau, vermischt mit Tarnflecken-grün, waren die Farben mit denen die Live Music Hall an diesem Tag lockte. SOULFLY kamen auf ihrer Pre-Recordrelease-Tour mal wieder auf einen Besuch in der Kölner Konzerthalle unseres Vertrauens vorbei.

Alle Jahre wieder geben sich SOULFLY die Ehre, in ihrem Kölner Stammlokal, der Live Music Hall, ihre Musik unter das Volk der Römerkolonie und ihrer Satellitenstädte zu bringen. Und alle Jahre wieder tobt der Mob in der alten Fabrikhalle, so auch dieses Jahr, als Max Cavalera und Konsorten ihre Tourbusse in den engen Vorhof packen.

Die Stimmung ist prächtig unter den Leuten, die dafür sorgten, dass die LMH beinahe ausverkauft war, und die Tatsache dass die neue israelische Metalhoffnung BETZEFER ihr zweites Gastspiel binnen eines Monats in Köln gab, sorgte besonders bei den anwesenden Pressevertretern für große Erwartungen. Bei kaltem Kölsch und heißer Currywurst fachsimpelte man über die Frage ob ein Stilbruch bei SOULFLY in Richtung "Liebe, Freude, Eierkuchen" den nötigen Rückhalt bei den Fans fand, die schließlich nur "Tribal War!" gewohnt waren. Nachdem man zu dem umstrittenen Entschluss kam, dass SOULFLY gar nichts anderes übrig blieb als die Tour wie bisher durchzuziehen, kündigten sich endlich vier Israelis auf der Bühne an und zogen gut die Hälfte der Frischluftfanatiker in den Brutkasten, der sich Konzerthalle schimpfte.

BETZEFER gaben sich wie einen Monat zuvor im Underground nebenan als extrem sympathische und extrem enthusiastische Metalband voll Hoffnung. Während ihr knarzender Metal in Reinform dafür sorgte dass sich ein paar Adrenalinjunkies in den vorderen Reihen warmmoshen konnte, freute man sich in den hinteren Reihen für die Jungband, dass die Anlage der LMH deutlich mehr hergab als im kleinen Underground, und auch die Band schien sich der Tatsache bewusst hier viel lauter rocken zu können, und lotete die Möglichkeiten bis über die Schmerzgrenze hinaus aus. Ihre neue Platte, und zudem die erste die in hiesigen Gefielden erhältlich ist, wurde beinahe komplett durchgezockt, und die Kracher 'Early Grave', 'Black Inside' und 'Down Low' wurden vom Volk einvernehmlich positiv aufgenommen. Beruhigt von der Tatsache dass sich Roadrunner Records nicht völlig dem Metalcore verschrieben haben, ließ sich die Darbietung in vollen Zügen genießen, und die Energie von Avital Tamir und Kompanie in der folgenden Dreiviertelstunde bestaunen. Abgeschlossen wurde der gelungene Opener von einem abgewürgten SLAYER-Riff, das Matan Cohen nach eigenem Bezeugen nur wegen fehlender Fähigkeit nicht weiter durchzockte.
Bei späterem Nachfragen zeigt sich die Band ziemlich begeistert von den Publikumsreaktionen, und die Tatsache dass die Band nach dem Gig mit FEAR FACTORY nun auch mit der halben Thrashlegende SOULFLY auf Tour sein darf, sorgt für noch mehr positives Karma bei der Band. Mit Kölsch tat sich Cohen nachher etwas schwer, was natürlich "etwas völlig anderes ist als das Zeug, was man in Israel so ausgeschenkt bekommt". Nach der flachen Ausrede ob des fehlenden Biergeschmacks kommt die Frage auf, ob Tourbusse generell in beschissenem Zustand seien, was auch der Grund dafür sei dass man den Tourauftakt mit SOULFLY verpasste, weil man irgendwo in Britannien auf einer Landstraße die Tücken der Technik live erleben durfte. Der Toast auf das nächste Kölsch (das schon schneller den israelischen Hals runterging) wurde von lautem Geschrei unterbrochen, weil die Bühne sich wieder verdunkelte.

SOULFLY knallten dem Publikum ohne große Vorwarnung direkt den Opener des letzten Albums "Prophecy" um die Ohren und sorgten binnen Sekunden für eine gefühlte Luftfeuchtigkeit von 300% bei einer ebenfalls gefühlten Temperatur von 300°. Die Selbstrettung in den Einzugsbereich der Tür brachte auch nicht den erhofften Frischluftanteil in die Lungen, und so ergab man sich zum sicherlich hundertsten Mal den speziellen Klimabedingungen in der beliebtesten Rockbutze der Stadt.
Die Band SOULFLY an sich zeigte sich extrem gespalten: Während Gitarrist Marc Rizzo seine gute Laune vom Morgen nicht durch den langen Interviewmarathon verloren zu haben schien, zeigte sich Frontmann Cavalera ziemlich abwesend, und Bassist Bobby Burns schien sich nicht zwischen guter und Kein-Bock-Laune entscheiden zu können. Der Mastermind der Band selber entpuppte sich als Problemfall für den Abend, während die Band mit Hits wie 'Eye For An Eye', 'Terrorist', 'Last Mohican' und dem NAILBOMB-Klassiker 'Sum Of Your Achievements' das Publikum zu immer neuen Höchstformen anstachelte, hielt Max sich ziemlich bedeckt, ließ die schon tausend Mal gehörten Ansagen los, verzog sich so oft wie möglich hinter die Anlage und schien ansonsten der Meinung zu verfallen, ein SOULFLY-Konzert würde dadurch zum Brüller, wenn er einfach auf der Bühne steht. Den Eindruck konnte man auch gewinnen, wären da nicht die langen Gesichter in den mittleren bis hinteren Reihen gewesen, die sich die ziemlich dreiste Performance des Frontmannes mit kritischen Blick reinzogen. Nichtsdestotrotz war die Show mehr als nur überzeugend, was vor allem an dem allmählich aufgetauten Burns und seinem Compagnon an der Gitarre lag, die mit prächtigem Sound und unbändiger Energie dafür sorgten, dass dem Volk die Puste ausging und jedes Quentchen Sauerstoff heiß umkämpft wurde. Die Setlist war energiegeladen wie vorhersehbar, SEPULTURA-Klassiker wurden zwar nicht so oft eingestreut wie bei vergangenen Konzerten, jedoch hielt sich der Pflichtsong 'Roots Bloody Roots' hartnäckig im Programm, ebenso wie der Knüller 'Troops Of Doom', sowie die SOULFLY-Songs 'No Hope = No Fear' und 'Bleed', zu dem wie immer Cavalera-Sprössling Richie auf die Bühne durfte, und Papas Ansage, dass der Junge doch mal so klein gewesen wäre, als er den Song das erste Mal vor dem Stimmbruch runterröhrte , zeugte umso mehr von der Tatsache dass SOULFLY jetzt schon fast zehn Jahre durch die Welt ziehen. Dass Mr. Cavalera langsam die Schnauze voll von seinem eigenen Weltmusiks- und Spiritualitäts-Gelabere hat, war daran zu erkennen, dass die beiden neuen Songs, die man aufs Volk losließ, mehr als nur gewaltige Thrashgranaten waren und für hunderte Plattfüße sorgten. Die Percussion-Einlage, die vor Jahren mal absoluter Aufhänger der Band war, fiel noch kürzer aus, und die Publikumsreaktion zeigte auch, dass man auf was Neues wartete. Die Sangesleistung des Frontmanns stand ausser Frage, wenn er mal am Mikro stand, und so gestaltete sich der Abend für die meisten der Anwesenden als kurzweiliges, aber knüppeldickes Thrash-Event, und nicht nur die Jungs von BETZEFER schienen in ihrer Meinung über SOULFLY als Instanz in der Szene bestätigt.

Redakteur:
Michael Kulueke

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