Stratovarius / Symphony X - Langen

23.04.2003 | 13:40

17.04.2003, Stadthalle

Die Stadthalle in Langen entpuppt sich für den Südwesten immer mehr als Hochburg des Metals und löst damit die Hafenbahn in Offenbach ab. Nach dem sehr erfolgreichen HAMMERFALL/MASTERPLAN-Konzert, bei dem wir von POWERMETAL.de uns auch schon präsentieren konnten, war dies mein zweites Konzert in dieser sehr gut für Konzerte ausgestatteten Halle. STRATOVARIUS konnten sich über eine große Fanschar freuen, die den Raum gut füllte, aber im Vergleich zum HAMMERFALL-Konzert in der Zahl etwas geringer war. Wahrscheinlich wegen Gründonnerstag und des nachfolgenden Karfeitags mussten die Bands schon sehr früh anfangen. Wie wir wissen, darf an solchen Tauertagen ja leider keine Tanz-bzw. Musikveranstaltung stattfinden.


Dies traf dann logischerweise den Opening-Act THUNDERSTONE. Da diese also schon um 19.30 Uhr anfangen mussten, bekam ich leider nur die letzten zwei Songs mit. Mit ihrem eingängigem, technisch sehr gut gespieltem aber etwas unoriginellem Material konnten sie den Großteil des Publikums für sich gewinnen. Mit ihrer Musik liegen sie voll in der skandinavischen STRATOVARIUS-und-Konsorten-Metal-Ecke und machen zumindest auf ihrem aktuellen Album keine Anstrengung da raus zu kommen. Für den Live-Gebrauch ist das bestimmt auch kein Fehler, da man sofort mitwippen bzw. –singen konnte und auch einige sehr gute Gitarren- und Keyboard-Soli geboten bekam. Der Frontmann ist mit seiner eingängigen Röhre ein absoluter Pluspunkt und nervte dadurch nicht so leicht wie manch Eunuchensänger. Leider war der Sound nicht sehr ausgewogen, so dass sich einige Frequenzen überlagerten und das Ganze weder differenziert noch richtig druckvoll klang. Abgeschlossen wurde das Set mit dem CD-Opener 'Let The Demons Free' um kurz nach Acht. THUNDERSTONE dürften nach dieser Tour wohl um einige Fans reicher sein.
In der Umbaupause stellte mir unser Chefredakteur Georg unseren Redakteur Rouven vor (langsam aber sicher lernen wir uns alle kennen ;-)), der sich gleich bereit erklärte, was über seine Faves des Abends zu schreiben.
[Tilmann}

Das nenne ich mal Timing: Gerade noch rechtzeitig von der Arbeit weggekommen, ein Mini-Redaktionstreffen und ein kurzer Plausch mit den Jungens von COURAGOUS, ab in die dritte Reihe, gerade richtig zum Beginn des Auftritts von SYMPHONY X.
Der Ami-Fünfer legte mit 'Evolution (The Grand Design)' vom 2000er-Werk "V - The Mythology Suite" erwartungsgemäß flott los, womit die Band die recht gut und zahlreich versammelte Langener Meute ziemlich schnell auf ihrer Seite hatte. Ehrlich gesagt - an einem Konzertabend, bei dem zwei der drei teilnehmenden Bands eher nullachtfuffzehn-geradliniges Material boten, hätte ich nicht erwartet, dass bei SYMPHONY X eine derartige Begeisterung im Publikum ausbricht. Respekt.
Mit 'Inferno (Unleash The Fire)' sowie 'Wicked' gab es danach erst mal Kost vom neuen Output "The Odyssey" zu bestaunen, bevor es mit 'Out Of The Ashes' oder 'Smoke And Mirrors' älteres Material auf die Lauscher gab.
Der Sound war während der gesamten mickrigen Dreiviertelstunde (Frechheit!) leider ein wenig unausgeglichen, so schien Michael Romeo sein offensichtliches Vorbild (Ingrid Malmstein) nicht nur optisch und in puncto Bewegungen nachahmen zu wollen, sondern fiel vor allem auch durch seinen brutal lauten Klampfensound auf, der es sogar fertig brachte, das filigrane Schlagzeugspiel (Es war ein sehr interessanter Vergleich zwischen dieser Art von effizientem, technisch perfektem Spiel und dem Rumgekasper von Jörg Michael später...) von Jason Rullo fast komplett in den Hintergrund zu drängen.
Aber sei's drum, SYMPHONY X kochten vor Spielfreude fast über, boten ihr größtenteils hochkomplexes Material in absoluter technischer Perfektion dar und bewiesen wieder einmal eindrucksvoll, wie schön, ergreifend, mitreißend und grandios progressiver Power Metal sein kann.
Insbesondere Russel Allen verdiente sich an diesem Abend die absolute Höchstnote und untermauerte seinen unbestrittenen Status als einer der besten Sänger in dieser Szene. Auch wenn der Gute nach der Show sehr heiser war, an diesem Menschen sollten sich so einige Heulbojen mal ein deutliches Beispiel nehmen.
Die Tatsache, dass nach dem obligatorischen 'Of Sins And Shadows' lautstark - und leider vergebens - eine Zugabe gefordert wurde, spricht eindeutig für SYMPHONY X.
Randnotizen: Die Band hat ihr komplettes Merchandise am Stand fast in Alleinregie erledigt - das ist beileibe nichts selbstverständliches und sollte für einige andere Truppen mal ein Beispiel an Fannähe sein. Klasse!
Außerdem: Leute, wenn ihr schon meint, zu dieser Band die ganze Zeit bangen zu müssen...dann tut es verdammt noch mal wenigstens im Takt! ;-)
Unterm' Strich ein absolut genialer Gig, der für mich STRATOVARIUS irgendwo zwischen "langweilig" und "unwichtig" verblassen ließ, auch wenn der Auftritt nicht an das mit irdischen Superlativen nicht mehr zu beschreibende Konzert anno 2000 in Karlsruhe heranreichte.

Setlist SYMPHONY X:

Evolution (The Grand Design)
Inferno (Unleash The Fire)
Wicked
Communion And The Oracle
Out Of The Ashes
King Of Terrors
Smoke And Mirrors
Of Sins And Shadows

Nachdem SYMPHONY X sehr früh abgeschlossen hatten, gab es in der Zwischenzeit skurrile Keyboardklänge und bekannte Klassik-Schmankerln vom Band allerdings in etwas wirrer Zusammenstellung zu hören (wahrscheinlich war für die Zwischenmusik Jens Johansson zuständig). Um 21.30 Uhr legten STRATOVARIUS dann mit 'Eagleheart' in sehr klarem, powervollen lauten Sound und fulminantem Feuerwerk los. Die Show war perfekt durchgestylt. So gab es hinter Jörg Michaels Drum-Set eine große Leinwand, auf der der jeweilige Song visualisiert wurde. So gab es des öfteren schön anzusehende Bilder von den besungenen Elementen, vor allem natürlich dem Feuer. Manchmal kamen Textzeilen zum besseren Mitsingen. Bei dem überraschend eingeworfenen Medley von alten Stücken wurde das jeweilige Plattencover eingeblendet, damit man sich zurechtfand. Dass STRATOVARIUS mal wieder ein paar alte Nummern ausgegraben haben, war zumindest für mich sehr erfreulich, da die alten Songs teilweise noch enthusiastischer und mit mehr Liebe zum Detail arrangiert wurden. Natürlich hätte ich mir noch ein 'Against The Wind', 'Distant Skies' oder '4th Reich' gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben. Die letzten STRATOVARIUS-Veröffentlichungen kommen zu sehr auf Nummer sicher daher und bergen keine Überraschungen, auch wenn Herr Tolkki für 'Elements' ein paar 'progressivere' Anleihen verarbeitet hat, allerdings die entscheidenden Songideen etwas vermissen ließ.
STRATOVARIUS bestehen aus hervorragenden Musikern, die ihr Können bei dem Instrumental 'Stratofortress' unter Beweis stellen konnten. Wünschenswert wäre, wenn diese auch in den Songs mal wieder etwas mehr vom Stapel lassen, allen voran Jörg Michael, der zu weitaus mehr fähig ist, als perfekt sitzenden Doublebass-Rhythmen im Boller-Sound.
Den Fans sind diese Spitzfindigkeiten aber egal und so wurden STRATOVARIUS von vorne bis hinten abgefeiert. Die Ballade 'Forever' (vom meiner Meinung nach besten Album "Episode") wurde kräftig mitgesungen und so ziemlich in die Länge gezogen.
Die Musik wurde sehr professionell, fast fehlerlos dargeboten. Timo Kotipelto lag zwar manchmal ein bisschen daneben, aber das ist zu verzeihen, da ja Songschreiber Timo Tolkki bei der Höhe der Melodien nie Rücksicht auf den Sänger nimmt. So kam grade das ultrahohe 'Find Your Own Voice' vom neuen Album noch halbwegs passabel rüber.
An markanten Punkten gab es immer mal wieder Böller und Feuerregen auf und vor der modernen, schlicht durchgestylten großen Bühne. Nach 'Black Diamond' und über zwei Stunden Vollbedienung gab es dann ein richtiges Feuerwerk-Inferno, so dass klar wurde, dass wohl kein weiterer Song gespielt werden würde. Aber selbst bei der obligatorischen Bandverbeugung machte das Publikum hervorragend mit, als Kotipelto die Menge aufforderte, auf Finnisch vier vorzugeben, so dass die Band sich im Timing verbeugen konnte (Ganz was neues ;-) - Rouven). Das Publikum machte einen guten Job (es war gemäß Kotipelto teilweise lauter als "die kleine Stadt Hamburg") und wird zusammen mit den Bands am 30.04.2003 ab 23 Uhr auf HR 3 im Radio zu hören sein. HR 3 ist eines der wenigen öffentlichen Radios, die die Fahne des Metals noch hochhalten und die Fans noch ab und zu mit Kraftfutter versorgen. Bleibt zu hoffen, dass diese Tradition auch in Zukunft aufrecht erhalten wird und sich vielleicht auch mal andere Sender ein Beispiel nehmen.
Die meisten Fans zogen dann - manch einer mit einem neuen Shirt für ca. 18 Eier - glücklich nach Hause. Und wir warten schon freudig auf das nächste Metal-Meeting in Langen.

Setlist STRATOVARIUS:
(Ohne Garantie für Fehler ;-))
Eagleheart
Kiss Of Judas
Find Your Own Voice
Speed Of Light
Soul Of A Vagabond
Destiny/ End of Fantasia
Father Time
Medley (Fright Night, Hands Of Time, We Are The Future, Dreamspace, Tears Of Ice, We Hold The Key)
Forever
Stratofortress
Elements
Will The Sun Rise?
Season Of Change
Paradise
Hunting High And Low
---
Black Diamond
[Tilmann]

Redakteur:
Rouven Dorn

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