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Subway To Sally - Leipzig

08.05.2009 | 13:35

02.05.2009, Werk 2

Das letzte Konzert der "Kreuzfeuer"-Tour steht auf dem Programm. Ein letztes Mal "und jetzt der Schrei!"


Zehn Jahre ist es her, dass ich das erste Mal eine SUBWAY TO SALLY-Show sehen durfte. Es war das Wave-Gotik-Treffen 1999. "Hochzeit" war gerade frisch auf dem Markt, als ich das erste Mal den Blondschopf Eric Fish über die Bühne springen sah. Nun haben wir 2009. Eines hat sich bisher nicht geändert. Ich war noch nie auf einem SUBWAY TO SALLY-Konzert. Zwar habe ich die Potsdamer schon über zehn Mal live erleben dürfen, doch da sie bei gefühlt jedem zweiten Festival die Bühne beackern, sah ich mich noch nie genötigt, mich in die Wellen eines Fulltime-Konzertes zu stürzen. Doch heute ist es so weit.

SUBWAY TO SALLY verabschieden sich mit ihrem Auftritt in Leipzig von ihrer "Kreuzfeuer"-Tour. Und da so ein Tourabschluss immer eine besondere Sache ist, gab es diesmal gar kein Überlegen. Also geht es ab ins ungeliebte Werk 2. Kurz nach 20.00 Uhr herrscht hier eine noch sehr entspannte Atmosphäre. Wo sich bei anderen Bands schon die Supportbands vom Publikum verabschiedet haben (warum fällt mir da die letzte IN FLAMES-Tour ein?), genießt man noch die Abendsonne, bevor man sich entschließt, die warmen Strahlen gegen die kalten Mauern des Werk 2 einzutauschen.

Oh Shit! Die Vorband hat noch nicht mal angefangen, und trotzdem platzt die Halle aus allen Nähten. Wieso die Jungs sich nicht für das Auensee entschieden haben, bleibt wohl ihr Geheimnis. Wenn IN EXTREMO und sogar SCHANDMAUL die schickere und größere Halle ausverkaufen, dann sollten es SUBWAY TO SALLY doch auch. Denn es gibt wohl nix Blöderes, als wenn ca. zwanzig Prozent der Fläche einfach nicht genutzt werden können, weil zu viele und zu breite Pfeiler die Sicht auf die viel zu kleine Bühne versperren.

Punkt neun ist es Zeit für den Support. Wer ist das eigentlich? MONO INC. waren ursprünglich verkündet worden, doch aufgrund der Konzertsperrzeitverpflichtung gegenüber dem Wave-Gotik-Treffen wurden kurzerhand BURY ME DEEP in die Tour integriert. Irgendwie kommt mir der Sänger bekannt vor. Sieht aus wie Michelle Darkness von END OF GREEN. Singt auch so und kommt nach eigener Aussage auch aus Stuttgart. Und ja, nach intensiver Recherche bestätigt sich meine Vermutung: Er ist es. Bitte nicht steinigen, aber ich frage mich, warum er mit seiner zweiten Band fast die gleiche Musik macht wie mit END OF GREEN. Jedoch muss ich sagen, dass mir das Dargebotene richtig gut gefällt. Was mir weniger gefällt, sind Eltern, die ihre kleinen Kinder mit zu einem Rockkonzert und auf ihre Schultern nehmen. Zum einen sieht derjenige dahinter nix, doch viel schlimmer ist es, wenn das Kind von den Eltern nicht mal Ohropax bekommt und sich die ganze Zeit die Ohren zuhalten muss. Geht mal gar nicht!

BURY ME DEEP rocken derweil für gut dreißig Minuten das Werk 2 und bekommen verdientermaßen viel Applaus. Ihr neues Album "Nearly Down" erscheint im Juni und wird sicherlich eine leckere Angelegenheit. Goth-'n'-Roll-Fans, haltet eure Mützen fest.

Nach einer ausreichenden Umbaupause, bei der erwartungsgemäß das Räuberlied mehrmals laut angestimmt wird, kann es nun endlich mit SUBWAY TO SALLY losgehen. Die Leute sind heiß, die Temperatur erreicht astronomische Höhen.

Mit einem süßen Intro begrüßen die Potsdamer ihr Leipziger Publikum, das bereits jetzt schon den Klatschweltrekord brechen will. Als dann die Musiker die Bühne betreten, kennen die Fans kein Halten mehr. Die Pyros knallen um die Ohren, und mit 'Komm in meinen Schlaf' beginnt die Show mächtig deftig. Heute gibt es was auf die Nuss! "Hallo Freunde!"– Eric ist eben Eric, und so lässt er es sich natürlich nicht nehmen, seine Fans zu begrüßen. Die grüßen mit Pommesgabeln zurück, bevor mit 'Aufstieg' und 'Besser du rennst' gleich die nächsten neuen Songs von "Kreuzfeuer" aus den Boxen geblasen werden. Dann und wann erstrahlt die Leinwand in hellem Glanz und liefert wunderbare Fantasiebilder, die einfach perfekt zur dargebotenen Musik passen. Fein! Eric wendet sich erneut dem Publikum zu und verspricht einen tollen Tourabschluss hier in Leipzig: "Wir geben alles für euch!"

Mit 'Knochenschiff' geht man erstmals ein paar Jahre zurück – und Eric in den Graben. Er will den Fans ganz nah sein und bringt vor 'Unsterblich' den ersten "Schrei"! Nach diesem doppelten Ausflug zu "Engelskrieger" geht es schnell wieder zurück zum aktuellen "Kreuzfeuer". Schön zu sehen, dass hier auch wirklich das Hauptaugenmerk auf das aktuelle Album gelegt wird. So wird auch das zigste SUBWAY TO SALLY-Konzert nicht langweilig. Bei 'So fern so nah' wird es auch erstmals ruhiger, und die Fans haben Gelegenheit, ihre Knochen zu zählen. Nach dem wichtigsten Kuss der Welt, dem 'Judaskuss'  (und schicken Pyros), wird der "Bannkreis" eröffnet. Wirklich jeder singt inbrünstig 'Liebeszauber', während Ingo seine Tripel-Neck-Gitarre streichelt – "und der Schrei!"

Die Stimmung ist ausgelassen, sowohl auf der Bühne als auch davor. Ab und an wird die Leinwand genutzt, zum Glück nicht sehr oft, denn im Mittelpunkt der Show soll nun mal die Musik stehen. SUBWAY TO SALLY machen bisher alles richtig. Doch es geht noch mehr. Mit 'Veitstanz' steht der erste große Höhepunkt auf dem Programm. Dieser Track macht immer wieder Spaß und stellt bei jeder Show das Highlight dar. Zwar befinden sich diesmal leichte Geschwindigkeitsfehler im Song (irgendeine Gitarre war ein wenig schnell), doch das stört heute keinen. Kann das noch getoppt werden? Es kann! 'Kleid aus Rosen' in der Akustikversion kühlt die Gemüter ab. Eric summt die Melodie, Leipzig singt den Text. Gänsehaut! Als Dank wirft der Rosenkavalier einige Rosen in das Publikum. Doch die ruhige Phase ist noch nicht vorbei. Mit dem fantastischen 'Minne' wird es romantisch. Feuerkelche erhellen die Bühne, während das Publikum gemeinsam mit Eric diese Ballade intoniert.

Drummer Simon-Michael schnappt sich danach seine Schlagstöcke und zeigt seine Show. Ein kleines (in blaues Licht gehülltes) Drumsolo durchzieht das Werk 2, bevor es passenderweise in 'Die Trommel' mündet. 

Viele fragten sich, ob die Jungs denn eigentlich 'Eisblumen' spielen. Vielen geht der Song durch die Kommerzverwurstung der jungen Dame mächtig auf den Keks. Doch die Potsdamer kennen da nix, und auch das Publikum lässt sich das Mitsingen heute nicht verderben. "Leipzig  - ihr seid die Stadt der Eisblumen ... und des Friedens." 'Falscher Heiland' folgt fast nahtlos, bevor mit 'Die Jagd beginnt' das letzte Drittel des Konzertes beginnen sollte. Doch der Technikteufel macht Ärger. So kann sich Eric nun leider nicht mehr hören. Sein Monitoring macht schlapp, seine Kollegen, die mal locker 'Smoke On The Water' anstimmen, nicht. Eric fragt lächelnd: "Abbrechen?" Antwort der Band: "Ja, abbrechen." Das Publikum lacht, und auch Eric lässt sich davon nicht unterkriegen. Experiment H 17 wird probiert – alle hören Eric, nur er sich selbst eben nicht.  

Auf das "Bannkreis"-Intro 'Alle, psallite cum luya' folgt mit 'Sag dem Teufel' das älteste Stück des Abends – wie die Zeit vergeht. Eric fuchtelt mit einer großen Fackel über die Bühne. Langsam weiß ich, warum er sich damals die Haare abgeschnitten (?) hat. Nach 'Auf Kiel' ist zunächst Schluss. Der Konfettiregen hat das Werk nun endgültig in eine Faschingsoase verwandelt. Das Publikum verlangt nach mehr. Mit den beiden Krachern 'Ohne Liebe' und 'Sieben' kehren die Potsdamer stürmisch zurück. Bei 'Ohne Liebe' verteilt Eric erneut roten Rosen. Diesmal fängt sie u. a. ein Kuttenmetaller – na bitte! Er freut sich diebisch und verzieht sich in die sichere Ecke. Wie immer wird am Ende einer Show das Räuberlied angestimmt. Ich kann es ehrlich gesagt echt nicht mehr hören und bin daher froh, als es endlich vorbei ist.

Vorbei ist das Konzert überraschenderweise allerdings noch nicht. Erneut kehren SUBWAY TO SALLY zurück, um sich mit 'Fatum' und 'Vater' eindrucksvoll und sichtlich abgekämpft von ihren Fans zu verabschieden.

Über zwei Stunden SUBWAY TO SALLY klingeln in meinen Ohren. Ein würdiger Abschluss einer großartigen Tour. Bis zum nächsten Mal!

Setlist:
Intro
Komm in meinen Schlaf
Aufstieg
Besser du rennst
Knochenschiff
Unsterblich
So fern so nah
Judaskuss
Liebeszauber
Veitstanz
Kleid aus Rosen
Minne
Die Trommel
Einsam
Eisblumen
Falscher Heiland
Die Jagd beginnt
Alle, psallite cum luya
Mephisto
Sag dem Teufel
Tanz auf dem Vulkan
Auf Kiel
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Ohne Liebe
Sieben
Räuber
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Fatum
Vater

Redakteur:
Enrico Ahlig

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