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Summer Breeze - Dinkelsbühl

11.09.2007 | 23:19

15.08.2007, Festivalgelände

Neu auf dem Summer Breeze ist die Party Stage im Zelt, wo schon am Mittwoch für Musik gesorgt wird und sich ab 16:00 Uhr einige talentierte Undergroundbands um den Opener-Slot am nächsten Tag bemühen, JUSTICE mit einem Cover-Marathon glänzen und namhafte Headliner wie POWERWOLF und IMPIOUS für die nächtliche Party sorgen.

BRESCHDLENG: Hardcore-Erdbeeren

Die Ehre, das Summer Breeze 2007 offiziell als erstes mit Live-Musik zu beschallen, bekommen die Lokal-Heroen BRESCHDLENG, die schon sehnsüchtig von den Fans mit Chören erwartet werden, einige halten sogar Pappschilder mit aufgemalten Erdbeeren hoch. Und dank unseres Redaktions-Schwaben weiß ich natürlich, dass dies mit dem Namen der Band zu tun hat, der so viel wie "Erdbeere" auf Schwäbisch heißt. Mehr Übersetzungsarbeit kann ich heute allerdings nicht leisten, und was die Herren da so singen, entgeht völlig meinem Verständnis. Die Fans in der ersten Reihe finden das aber wohl so cool, dass sie jedes Wort mitsingen (und das, obwohl das Summer Breeze jetzt in Bayern ist). Hardcore mit schwäbischen Texten und einer Menge Groove und Energie ist auf jeden Fall lustig, schade nur, dass man die exotischen Erdbeeren nicht noch mal auf der Bühne bewundern kann.

UNBLEST: Junge Rock-Talente

UNBLEST sind die Überraschung des Tages und für mich ein absolutes Highlight. Leider stehe ich mit dieser Meinung doch recht alleine da, denn das Zelt leert sich plötzlich, und die Zuschauer sind eindeutig ruhiger als noch bei BRESCHDLENG. Was allerdings auch am eher ruhigeren Sound von UNBLEST liegen könnte, die sich schnell als wahre Talente entpuppen: Sänger Jul bietet emotionale und stets abwechslungsreiche Gesangspassagen und sorgt mit seiner Stimme für die eine oder andere Gänsehaut. Aber auch der Rest der Band schafft es, den modernen Rock mit leichten Prog-Einflüssen auf ein Niveau zu hieven, welches schon längst jeder Plattenfirma ins Auge stechen müsste. Großartig!

MIGHT OF LILITH: Melodisch und finster

Den Kontrast zum eben noch sanften und verträumten Sound von UNBLEST bilden die Stuttgarter MIGHT OF LILITH. Mit ihrem sympathischen und charismatischen Frontman Michael haben die düsterlinge schnell einen Haufen Fans auf ihrer Seite, der melodische Black Metal kommt gut an. Die Stimmung im Zelt ist perfekt für die düstere Show von MIGHT OF LILITH und ich glaube kaum, dass das auf einer großen Bühne bei Tageslicht so gut rübergekommen wäre ... auch wenn ich ihnen den Erfolg von ganzem Herzen gegönnt hätte, denn die Band macht ihre Sache gut und sticht im eh schon wenig innovativen Genre des melodischen Black Metals eindeutig hervor!
[Caroline Traitler]

STITCH: Newcomer-Partylöwen

Genau wie die Erdbeer-Freaks BRESCHDLENG haben auch die New-Deather STITCH eine beachtliche Anzahl an Gefolgsleuten im Schlepptau. Die Meute wartet geduldig, bis die Truppe den ersten Takt angibt, und geht dann umso mehr ab, als STITCH mit bester Laune ihre Knüppel-Attacken aus den Boxen jagen. Ich muss sagen, dass der Sound super gelungen ist und die Performance definitiv rockt. Das Grinsen aus den Gesichtern der Band ist einfach mit nichts wegzuradieren, was den schon längst übergesprungenen Funken stark am Glühen hält. Auch der erste Pit lässt nicht lang auf sich warten, was in vielen herumfliegenden Chaoten resultiert. Das Ganze ist sehr spaßig und wird die Jungs (wie sich am Folgetag herausstellt) direkt auf die Painstage katapultieren.
[Sebastian Schneider]

KARMA.CONNECT: Schönheit ist nicht alles

Was wollen dem KARMA.CONNECT entgegensetzen? Eine attraktive, jeden Pop-Act mit Leben erfüllende Sängerin namens Carmen. Nur, auf einem Metal-Festival will sich niemand mit Vertretern von industriell hergestellten Retortenmusikern messen. Und demnach müssen die ebenfalls im Raum Ravensburg beheimateten Musiker in den sauren Apfel beißen. Mit modern getrimmten, das berühmt-berüchtigte Schema F zu Rate ziehenden Pop/Rock-Nummern, die nicht einmal vor Querverweisen zu den BEATSTEAKS halt machen, konserviert man ganz sicher nicht die zuvor herrschende Stimmung. Nächster, bitte!
[Christian Falk]

LAST ONE DYING: Metalcore par excellence

Die erste Austragung des Newcomer-Wettbewerbs beschließt mit LAST ONE DYING eine Band, die bereits vom Metal Hammer (ja, jenem Magazin, das das Festivalgelände mit "Gemörtel" aus dem eigen Bus terrorisiert) den Titel "Demo des Monats" verliehen bekamen. Und das zu Recht. Die unabdingbare Härte von CALIBAN auf der einen und die von den Gitarren ausgehenden Tempoverschärfungen und -verschleppungen von SUIDAKRA auf der anderen Seite locken nach und nach viele Headbanger an. Kein Wunder, dass sich diese mit Moshpits und Wall-of-Death-Forderungen bei den Kölnern bedanken. Flinke Knaller wie 'Anthem Of The Lost' stehen den "großen" Metalcore-Vorbildern in nichts nach, zumal Frontakrobat J.C. Stades die Wechsel vom Growling zum klaren Singen ohne Probleme auf die Reihe bekommt. Das kompositorisch durchdachteste Material, die routinierteste Performance (Stichwort: Das Tier am Bass), schlichtweg die beste Band des Contests. Vielleicht einen Tick zu professionell, um bei diesem Wettbewerb zu triumphieren.
[Christian Falk]

JUSTICE: Covern bis der Arzt kommt

Wenn JUSTICE, die fränkische Thrash-Metal-Institution, ein Set auf sage und schreibe vier Stunden ansetzt, lässt dies im Vorfeld nur eine Schlussfolgerung zu: Die Mannen spielen ein alle stilistischen Wünsche zufriedenstellendes Cover-Set - und das ohne Pause, versteht sich (O-Ton "Mitch" Schmidt: "Ihr braucht eine Pause? Wir nicht, wir spielen durch!"). Demnach sind die werten Herren der Gerechtigkeit wohl auch die Einzigen, die diese Prozession durch die Metal-Geschichte ohne Unterbrechung durchstehen können. Okay, in der Rolle des Frontakrobaten wechseln sich der ein Justice-Fußball-Shirt tragende "Mitch" und Gitarrist Frank Graffstedt ab. Noch schnell einen umliegenden Bierstand geplündert, und dem musikalischen Fassanstich steht nichts mehr im Weg.

Das altehrwürdige 'Bonanza' fungiert als die Stimmung ankurbelndes Intro, und den Rest erledigt der erste, stets gekonnt und nachahmend intonierte Streifzug durch die Gebiete der Heavy-Metal-Klassiker: 'Painkiller' (JUDAS PRIEST), 'Domination' (PANTERA), 'Violent Revolution' (KREATOR), 'Welcome To Dying' (BLIND GUARDIAN) und 'Higher Than The Sky' (RAGE). Wehe, ihr kennt einen dieser Songs nicht. Dann, ja dann versohlen euch JUSTICE mit GRAVE DIGGER ('Heavy Metal Breakdown'), einer weiteren PANTERA-Nummer ('Cowboys From Hell') oder dem METALLICA-Block bestehend aus 'For Whom The Bell Tolls', 'Wherever I May Roam', 'Sad But True' und 'The Unforgiven' den Allerwertesten. Eine bessere Selektion an Klassikern kann es nicht geben. Ob ICED EARTH ('Melancholy', 'Stand Alone') und IRON MAIDEN ('Fear Of The Dark') für die Traditionalisten, TYPE O NEGATIVE ('I Don't Wanna Be Me') und SENTENCED ('Excuse Me', 'Killing Me, Killing You') für die "Nachtgespenster", Modernes der Marke SLIPKNOT, TRIVIUM und SYSTEM OF A DOWN oder einfach nur SLAYER, Standhaftigkeit zahlt sich hier und heute aus. Wenn es ums Covern geht, macht man den Jungs wahrhaftig nichts vor. Prost!

Derweil schieben im Übrigen gute zwei Dutzend Metaller einen sich direkt vor dem Partyzelt eingegrabenen Krankenwagen aus dem Schlamm.
[Christian Falk]

POWERWOLF: Posen für eine bessere Welt

Für die unbestrittenen Headliner des Abends gibt es einzig und allein ein gutes Motto, welches sie mit pompösen Ansagen, Vampirartigen Kostümen und Ventilatorengestützter Haarfrisur zum besten geben: reinstes Power-Metal-Posing. Dass so was eine entsprechende Reaktion vom Publikum nicht ausschließt, ist bei Songs wie 'In Blood We Trust' oder 'Lupus Dei' von der neuen Scheibe auch kein Wunder. Dass das erste Album "Return in Bloodred" letzten Endes doch nur mit drei Stücken gewürdigt wird, und zwar 'Mr. Sinister', 'We Came To Take Your Souls' und 'Kiss Of The Cobra King', ist zwar schade, mit der kurzen Spielzeit aber auch relativ verständlich, zumal die überschwänglichen Publikumsreaktionen und die Mitsingereien sich nicht auf ein Album beschränken, und beide Platten gleichermaßen abfeiert werden. Neben guten Sound und Ventilatorgepuste in die Haare der Gebrüder Greywolf sorgen vor allem die Ansagen des finsteren Attila Dorn für ein Späßchen zwischendurch. Mit rollender rumänischer Zunge begrüßt er "Meine Damen unt Herrren" und führt auch sonst gerne den transylvanischen Charmeur spazieren. Einzig die Tatsache, dass ich auf der Suche nach einem ins Publikum geschmissenen T-Shirt eine Socke und ein Hemd aus dem Schlamm befördere, trübt den Auftritt etwas. Da das zum Glück etwas rein persönliches ist (ich will ein POWERWOLF-Shirt), liefern POWERWOLF als ersten großen Act des Festivals einen gelungen Auftritt im schön vollen Partyzelt ab.
[Lars Strutz]

Setlist:
Intro (Lupus Demonae)
We Take It From The Living
Prayer In The Dark
We Came To Take Your Souls
Saturday Satan
Kiss Of The Cobra King
In Blood We Trust
Mother Mary Is A Bird Of Prey
Mr. Sinister
Lupus Dei
Vampires Don't Die

IMPIOUS: Durchwachsener Abschluss

Die Schweden von IMPIOUS wären eigentlich ein perfekter Abschluss des ersten Tages gewesen. Eigentlich, denn das fies rockende, stets treibende Gebräu aus messerscharfen Thrash-Riffs, dem besten aus der skandinavischen Todesblei-Schule sowie ein gut dosierter Schuss Melodien ist genau das, was man irgendwann früh morgens braucht, um sich noch auf den Beinen halten zu können. Abgesehen davon macht sich die Truppe auf der Bühne zwar nicht unbedingt rar, aber allzu oft kann man IMPIOUS jedoch auch nicht livehaftig bewundern.
Also, rein in's Vergnügen: Das währt allerdings nicht wirklich lang, denn der ausgesprochen miese Sound macht jegliche Freude zunichte. Die Klampfen irgendwo zwischen weit im Hintergrund und Matsch, der Bass dröhnt alles zu, während die Drums wie schwere Flakgeschütze die Magengegend auf eine Belastungsprobe stellen - die Snare knattert dazu wie ein frisiertes Moped. Argh! Da macht es dann auch keinen Unterschied mehr, ob die Jungs ältere Knaller aus der "The Killer"-Zeit intonieren oder neuere Granaten abfeuern, denn das klingt alles gleich bescheiden. Schade, so ist das Ganze mehr ein Ärgernis als ein gelungener Ausklang des Abends. Haben IMPIOUS definitiv nicht verdient.
[Rouven Dorn]

Redakteur:
Caroline Traitler

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